Matcha und die Sache mit der Achtsamkeit

Wenn mir vor zehn Jahren jemand erzählt hätte, dass ich freiwillig grünes Pulver in heißes Wasser rühre und dafür auch noch Geld bezahle, hätte ich ihn wahrscheinlich ausgelacht. Wirklich. Ich hätte vermutlich gefragt, ob er heimlich Rasenschnitt verkauft.

Heute stehe ich in meiner Küche, öffne eine Dose mit leuchtend grünem Pulver und freue mich darauf. Das Leben nimmt manchmal wirklich seltsame Wendungen. Früher bestand mein Morgenritual aus Kaffee. Viel Kaffee. Sehr viel Kaffee.

Man könnte sagen, Kaffee war damals mein Lebenskonzept. Heute trinke ich immer noch gerne Kaffee. Aber Matcha hat sich inzwischen einen festen Platz in meinem Alltag erobert. Und das, obwohl unsere Beziehung nicht ganz einfach angefangen hat.

Matcha und die Sache mit der Achtsamkeit

Was ich am Matcha wirklich mag, ist das Ritual dahinter. Zumindest theoretisch. Denn Matcha soll ja nicht einfach nur getrunken werden. Nein. Matcha wird zelebriert. Man nimmt eine Schüssel. Dann nimmt man einen Bambusquirl. Dann schlägt man den Tee in einer bestimmten Technik auf. Bis ein feiner Schaum entsteht. Ganz ruhig. Ganz achtsam. Ganz harmonisch. So weit die Theorie. In der Praxis sieht das bei mir etwas anders aus. Zunächst einmal ist die Schüssel für meine motorischen Fähigkeiten eindeutig zu klein.

Was ist ein Bambusquirl? Ein Werkzeug, das vermutlich für Menschen entwickelt wurde, die Geduld besitzen. Ich gehöre nicht dazu. Jedenfalls stehe ich da. Schlage. Rühre. Schlage weiter. Der Schaum erscheint nicht. Mein Arm wird müde. Der Tee wird langsam beleidigt.

Und ich überlege, ob Achtsamkeit vielleicht einfach nichts für mich ist. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich wahrscheinlich eher eine Sehnenscheidenentzündung als einen perfekt aufgeschlagenen Matcha. Und vermutlich wäre am Ende nicht die Schüssel grün. Sondern die Arbeitsplatte. Die Wand. Meine Strickjacke.

Also habe ich eine vernünftige Entscheidung getroffen. Eine moderne. Eine praktische. Eine, die wahrscheinlich dazu führt, dass mir in Japan lebenslang Hausverbot erteilt wird. Ich habe mir einen elektrischen Milchaufschäumer gekauft. Einen Knopf. Ein Summen. Fertig.

Drei Sekunden später habe ich Schaum. Keine Verletzungen. Keine Wutanfälle. Keine grüne Küche. Gott sei Dank sieht das kein Japaner.

Vielleicht ist das auch Achtsamkeit

Je älter ich werde, desto mehr denke ich über das Wort Achtsamkeit nach. Überall liest man davon. Achtsam essen. Achtsam atmen. Achtsam leben. Manchmal habe ich das Gefühl, man müsste inzwischen sogar achtsam die Spülmaschine ausräumen. Aber vielleicht bedeutet Achtsamkeit gar nicht, alles perfekt zu machen.

Vielleicht bedeutet sie einfach, sich einen kleinen Moment nur für sich selbst zu nehmen. Ohne Handy. Ohne Termine. Ohne To-do-Liste. Ohne jemanden, der gleichzeitig etwas von einem möchte. Und genau das ist für mich inzwischen Matcha. Keine Teezeremonie. Kein spirituelles Erlebnis. Kein buddhistischer Erleuchtungsmoment. Einfach ein paar Minuten Ruhe. Eine warme Tasse. Und das Gefühl, kurz durchatmen zu dürfen. Gerade in den Wechseljahren weiß man solche Momente plötzlich sehr zu schätzen.

Was Matcha eigentlich mit unserem Körper macht

Bei all meinem Spaß über Bambusquirl, Schüsseln und grüne Küchen sollte man eine Sache nicht vergessen: Matcha ist tatsächlich ziemlich gesund. Und nein, ich sage das nicht, weil irgendein Influencer das behauptet. Sondern weil tatsächlich einiges dahinter steckt. Matcha ist im Grunde grüner Tee. Allerdings in einer besonders konzentrierten Form. Die Teeblätter werden vor der Ernte beschattet und anschließend zu feinem Pulver vermahlen.

Der Unterschied: Man trinkt nicht nur den Aufguss. Man trinkt das komplette Blatt. Und damit auch viele der wertvollen Inhaltsstoffe. Matcha enthält besonders viele Antioxidantien. Das sind Stoffe, die unsere Zellen vor sogenannten freien Radikalen schützen können. Klingt kompliziert. Bedeutet vereinfacht: Der Körper freut sich darüber.

Die Sache mit dem Kaffee und der ruhigen Energie

Außerdem enthält Matcha Koffein. Und jetzt wird es interessant. Denn Matcha wirkt anders als Kaffee. Beim Kaffee habe ich manchmal das Gefühl, mein Gehirn startet direkt im Sportmodus.

Alles auf einmal. Volle Leistung. Volle Lautstärke. Volle Geschwindigkeit. Und zwei Stunden später fragt man sich, warum man plötzlich müde ist. Matcha fühlt sich für mich anders an. Ruhiger. Gleichmäßiger. Wacher. Ohne dieses nervöse Kribbeln.

Der Grund dafür ist eine Aminosäure namens L-Theanin. Diese wirkt beruhigend auf das Nervensystem und sorgt gleichzeitig dafür, dass das enthaltene Koffein langsamer freigesetzt wird. Man ist wach. Aber nicht hibbelig. Konzentriert. Aber nicht überdreht. Und gerade das finde ich unglaublich angenehm.

Die Sache mit den Gelenken, die plötzlich Geräusche machen

Mal ehrlich. Früher bin ich morgens aufgestanden. Heute stehe ich morgens auf und höre dabei Geräusche. Aus mir selbst. Manchmal weiß ich nicht, ob das mein Knie war oder die Treppe. Die Wechseljahre haben nämlich nicht nur Auswirkungen auf unsere Hormone. Viele Frauen bemerken plötzlich Veränderungen an ihren Gelenken.

Alles fühlt sich etwas steifer an. Etwas unbeweglicher. Manchmal zwickt es hier. Manchmal zieht es dort. Auch das hängt unter anderem mit dem sinkenden Östrogenspiegel zusammen. Wenn dieser Schutz langsam nachlässt, merken das viele Frauen zuerst an ihren Gelenken.

Matcha kann keine Wunder vollbringen. Aber die enthaltenen Pflanzenstoffe werden immer wieder mit entzündungshemmenden Eigenschaften in Verbindung gebracht. Und ganz ehrlich: Wenn mein Körper gerade eine Großbaustelle ist, nehme ich jede Unterstützung dankend an.

Die Sache mit dem Kollagen und der welken Pflaume

Jetzt kommen wir zu einem Thema, über das wahrscheinlich viele Frauen heimlich nachdenken. Die Haut. Genauer gesagt: Die Haut, die plötzlich macht, was sie will. Früher war sie einfach da. Heute wird sie täglich kontrolliert. Kritisch. Mit zusammengekniffenen Augen.

Und grundsätzlich in einem Badezimmerlicht, das jede Falte doppelt darstellt. Mit den Wechseljahren sinkt auch die körpereigene Kollagenproduktion. Kollagen sorgt vereinfacht gesagt dafür, dass Haut, Bindegewebe und andere Strukturen stabil bleiben.

Deshalb bemerken viele Frauen irgendwann: Die Haut wird trockener. Feiner. Manchmal auch etwas dünner. Natürlich zaubert Matcha keine zwanzig Jahre weg. Wenn das funktionieren würde, würde ich vermutlich in einer Badewanne voller Matcha wohnen.

Aber die Antioxidantien können helfen, unsere Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Und alles, was meine Haut davon abhält, sich in eine Rosine zu verwandeln, bekommt von mir grundsätzlich Pluspunkte.

Warum plötzlich jedes Stück Kuchen direkt einzieht

Ein weiteres Thema, das viele Frauen kennen: Man schaut einen Keks an. Und nimmt gefühlt zwei Kilo zu. Früher konnte ich essen. Heute verhandelt mein Stoffwechsel offenbar erst mit der Personalabteilung. Die Wechseljahre verändern auch unseren Energieverbrauch. Der Grundumsatz sinkt häufig. Der Muskelanteil nimmt ab. Die Fettverteilung verändert sich.

Und plötzlich zieht es alles bevorzugt Richtung Bauch. Eine Frechheit, wenn ihr mich fragt. Matcha wird oft mit Stoffwechselprozessen in Verbindung gebracht. Vor allem die enthaltenen Catechine stehen seit Jahren im Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen.

Natürlich ersetzt Matcha weder Bewegung noch eine ausgewogene Ernährung. Schön wär’s. Aber einige Studien deuten darauf hin, dass Matcha die Fettverbrennung unterstützen kann. Nicht dramatisch. Nicht über Nacht. Aber möglicherweise ein kleines bisschen. Und manchmal sind viele kleine Dinge zusammen genau das, was einen Unterschied macht.

Die Sache mit dem Blutzucker und den Energieabstürzen

Was ich persönlich besonders spannend finde: Matcha sorgt bei mir für deutlich weniger Achterbahnfahrten. Kennt ihr dieses Gefühl? Man isst etwas Süßes. Fühlt sich kurz großartig. Und zwei Stunden später könnte man sich freiwillig unter den Schreibtisch legen. Viele Frauen erleben in den Wechseljahren stärkere Schwankungen beim Energielevel. Auch die Insulinsensitivität verändert sich häufig.

Das bedeutet vereinfacht: Der Körper reagiert manchmal anders auf Zucker als früher. Und genau deshalb fühlen sich viele Frauen plötzlich schneller müde oder ausgelaugt. Matcha sorgt durch die Kombination aus Koffein und L-Theanin oft für eine gleichmäßigere Energie.

Nicht dieses: „Ich könnte jetzt die Wohnung renovieren.“ Und eine Stunde später: „Lasst mich einfach hier liegen.“ Sondern eher: Wach. Konzentriert. Ruhig. Und genau das mag ich daran.

Mein persönliches Matcha-Latte-Rezept

Und jetzt kommen wir zum wichtigsten Teil. Denn natürlich trinke ich Matcha nicht nach einer traditionellen japanischen Teezeremonie. Dafür fehlt mir ehrlich gesagt die Geduld. Und vermutlich auch die Begabung.

Mein persönlicher Matcha sieht deshalb so aus: 1 bis 2 Teelöffel Matcha, etwas Wasser mit ungefähr 80 Grad, heiße aufgeschäumte Milch und mein elektrischer Milchaufschäumer. Zuerst verrühre ich das Matchapulver mit dem heißen Wasser. Danach kommt die warme Milch dazu. Fertig. Mein Matcha Latte. Cremig. Wärmend. Lecker. Und vor allem alltagstauglich.

Vielleicht würden japanische Teemeister jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Aber ich bin mir ziemlich sicher: Achtsamkeit bedeutet nicht, alles perfekt zu machen. Achtsamkeit bedeutet manchmal einfach, einen Weg zu finden, der zu einem selbst passt.

Die kleine Pause zwischendurch

Und genau deshalb mag ich Matcha so gerne. Nicht weil er alle Probleme löst. Nicht weil er die Wechseljahre verschwinden lässt. Nicht weil mein Brainfog danach plötzlich die richtigen Wörter findet. Sondern weil er mich daran erinnert, kurz stehen zu bleiben. Kurz durchzuatmen. Kurz nur an mich zu denken. Und manchmal sind genau diese kleinen Momente wichtiger als jede große Lösung.

Und während du vielleicht gerade deine nächste Tasse Matcha vorbereitest, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel auf dem Rand einer grünen Schüssel, beobachtet das Treiben, schaukelt mit den Beinen und flüstert:

„Vielleicht geht es im Leben gar nicht darum, alles perfekt zu machen. Vielleicht reicht es manchmal, gut für sich selbst zu sorgen. Einen Moment innezuhalten. Einen Schluck Wärme zu trinken. Und sich daran zu erinnern, dass auch kleine Rituale große Kraft schenken können.“

Schön, dass du hier bist. 🩶

Brainfog! Oder warum mein Gehirn manchmal eigene Pläne hat

Gestern wollte ich meinem Exemplar etwas sagen. Was genau, weiß ich nicht mehr. Und das ist leider kein Stilmittel für diesen Artikel. Ich weiß es wirklich nicht mehr. Es ist weg. Gelöscht. Verschwunden. Wahrscheinlich irgendwo zwischen meinen letzten drei Gedanken, dem Einkaufszettel, den Wechseljahren und der Frage, warum ich eigentlich in die Küche gegangen bin. Jedenfalls wollte ich meinem Exemplar etwas mitteilen. Vielleicht war es eine Anweisung. Vielleicht eine Bitte. Vielleicht etwas Wichtiges. Man wird es nie erfahren.

Während ich mit ihr sprach, passierte nämlich das, was in letzter Zeit erstaunlich oft passiert: Mein Gehirn schickte Wörter los, die überhaupt nicht zu dem passten, was ich sagen wollte.

Sie sollte ihre Brotdose aus dem Rucksack holen und in die Küche bringen. Ein einfacher Satz. Wirklich nicht kompliziert. Mein Gehirn machte daraus: „Bring mal die Brotdose ins Badezimmer.“

Stille. Mein Exemplar schaut mich an. Ich schaue mein Exemplar an. Mein Gehirn versucht verzweifelt aufzuholen. Und mein Kind blickt mich an, als hätte ich gerade vorgeschlagen, den Kühlschrank ins Wohnzimmer zu stellen und dort einzuschulen. „Ins Badezimmer?“ fragt sie.

Und in diesem Moment weiß ich selbst nicht mehr, warum die Brotdose plötzlich duschen gehen sollte. Willkommen in meinem Alltag. Willkommen beim Brainfog.

Früher war mein Gehirn besser organisiert

Früher war ich anders. Nicht perfekt. Aber ich war schlagfertig. Ich wusste, was ich sagen wollte. Ich hatte eine klare Meinung. Einen klaren Standpunkt, hab ich heute immer noch, nur mit verwirrten Sätzen.

Wenn ich diskutieren wollte, konnte ich das. Wenn ich etwas erklären wollte, fand ich die richtigen Worte, und ja die finde ich immer noch, nur nicht in manchen Situationen. 

Heute stehe ich manchmal mitten im Satz und denke: Wie heißt dieses Ding nochmal? Dieses Dings. Na dieses Gedönst. Du weißt schon. Dieses… Ding eben.

Und plötzlich haben sämtliche Gegenstände dieser Welt denselben Namen. Dings. Gedönst. Das da. Das andere da. Das weiße Teil. Das runde Ding. Mein Wortschatz hat sich zeitweise auf ungefähr acht Begriffe reduziert.

Mein Exemplar liebt diese Momente übrigens überhaupt nicht. Sie steht dann vor mir. Wartet auf eine klare Anweisung. Ich suche nach dem passenden Wort. Sie wird genervt. Ich werde genervt. Sie rollt mit den Augen. Ich rolle innerlich mit den Augen. Und ehe man sich versieht, diskutieren zwei Menschen miteinander, obwohl keiner mehr genau weiß, worum es ursprünglich eigentlich ging.

Der Türsteher in meinem Gehirn

Noch schlimmer wird es allerdings, wenn mein Exemplar mir etwas erzählen möchte. Und glaubt mir: Ich höre zu. Wirklich. Ich bin da. Ich schaue sie an. Ich nicke. Ich gebe mir größte Mühe. Ich möchte wissen, was sie erzählt.

Aber dann passiert etwas. Plötzlich macht mein Gehirn einfach zu. Nicht absichtlich. Nicht aus Desinteresse. Nicht weil ich sie nicht ernst nehme. Sondern weil da offenbar irgendwo in meinem Kopf ein kleiner Türsteher sitzt.

Und dieser Türsteher entscheidet irgendwann: „So Freunde. Feierabend. Mehr kommt heute nicht rein.“ Mein Exemplar redet weiter. Der erste Satz kommt noch an. Vielleicht auch der zweite. Beim dritten Satz klappt die Schranke herunter. Zack. Geschlossen. Der Türsteher verschränkt die Arme. Nichts geht mehr.

Wörter prallen ab wie Flummis an einer Betonwand. Und dann kommt die unvermeidliche Frage: „Mama, hörst du mir überhaupt zu?“

Natürlich höre ich zu. Also zumindest hatte ich das vor. „Doch!“ sage ich empört. „Was habe ich denn gerade gesagt?“ fragt sie. Und genau in diesem Moment weiß ich: Ich habe verloren. Ich habe verkackt. Da komm ich nicht mehr raus.  Komplett. Endgültig. Sie dreht sich weg, ich Versuche die Situation zu retten.

Mein Gehirn durchsucht hektisch sämtliche Archive. Nichts. Leere. Wüste. Funkstille. Mein innerer Türsteher lehnt gelangweilt an seiner Schranke und hilft mir kein bisschen. „Ähm …“ Stille. Mein Exemplar grinst bereits.

„Siehst du? Du hast mir gar nicht zugehört.“ Und da hat sie mich. Technisch gesehen habe ich zugehört. Praktisch gesehen ist die Information irgendwo zwischen Ohr und Gehirn verloren gegangen. Vermutlich sitzt sie jetzt neben dem Wort, das ich gestern gesucht habe, und der Erinnerung daran, warum ich eigentlich in die Küche wollte.

Was passiert da eigentlich im Gehirn?

Das Verrückte ist: Viele Frauen denken irgendwann: „Oh Gott. Werde ich jetzt dement?“

„Warum vergesse ich plötzlich alles?“

„Warum finde ich die einfachsten Wörter nicht mehr?“ Dabei passiert etwas ganz anderes. Unser Gehirn baut nicht ab. Es arbeitet nur unter anderen Bedingungen. Stell dir dein Gehirn wie eine riesige Stadt vor. Normalerweise fahren die Informationen dort über gut ausgebaute Straßen.

Alles läuft. Alles funktioniert. Dann kommen die Wechseljahre. Und plötzlich werden überall Baustellen eröffnet. Nicht weil etwas kaputt ist. Sondern weil der Körper umbaut. Kennen wir ja von Großstädten, überall wird eine Baustelle eröffnet, nirgends kommt man durch und, dann muss man lange Umwege nehmen und man kommt verspätet bis gar nicht an. Tja und meine Informationen steigen schon irgendwo aus und machen nen Picknick.  Und genau deshalb dauert manches länger.

Die Hormone mischen kräftig mit

Was viele nicht wissen: Östrogen ist nicht nur für die Periode zuständig. Und auch nicht nur für Hitzewallungen. Östrogen arbeitet tatsächlich an vielen Stellen im Gehirn mit. Unter anderem in Bereichen, die zuständig sind für: Konzentration, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache, Lernen, Emotionen.

Wenn die Hormonspiegel schwanken, merkt das Gehirn das sofort. Es ist ein bisschen so, als würde jemand ständig die WLAN-Verbindung an- und ausschalten. Das Internet funktioniert noch. Aber eben nicht mehr durchgehend stabil. Und genau so fühlt sich Brainfog manchmal an.

Warum fallen uns plötzlich Wörter nicht mehr ein?

Das frage ich mich ungefähr achtmal am Tag. Manchmal stehe ich vor meinem Exemplar und möchte etwas ganz Einfaches sagen. Dann suche ich nach einem Wort. Und suche. Und suche. Und suche. Das Wort ist da. Irgendwo. Ich weiß es. Aber mein Gehirn hat beschlossen, es vorübergehend in einem Schrank abzulegen, dessen Schlüssel verschwunden ist. Neurologisch betrachtet ist das sogar logisch. Unser Gehirn muss ständig Informationen abrufen. Normalerweise funktioniert das automatisch.

Bei Brainfog wird dieser Abruf manchmal langsamer. Das Wort ist nicht weg. Es kommt nur nicht rechtzeitig an. Wie ein Zug, der Verspätung hat. Irgendwann taucht es wieder auf. Meistens nachts um drei. Wenn man es überhaupt nicht mehr braucht.

Warum wir plötzlich so schnell überfordert sind

Das hat übrigens nicht nur mit den Hormonen zu tun. Viele Frauen in den Wechseljahren tragen gleichzeitig unglaublich viel Verantwortung. Familie. Kinder. Beruf. Termine. Haushalt. Pflege von Angehörigen. Organisation.

Und ganz nebenbei sollen wir auch noch funktionieren. Unser Gehirn verarbeitet jeden Tag unzählige Informationen. Irgendwann sagt es: „Mehr geht heute nicht.“ Und genau da sitzt mein kleiner Türsteher und macht die Schranke dicht.

Du bist nicht verrückt

Und das finde ich wichtig. Weil viele Frauen sich deshalb Vorwürfe machen. Wenn wir etwas vergessen.

Wenn wir mitten im Satz den Faden verlieren. Wenn wir den Autoschlüssel suchen, während wir ihn in der Hand halten oder so wie ich jeden Morgen mein gesamtes Auto suche weil ich vergessen habe wo ich es Abends abgestellt habe. Jeden Morgen. Wirklich. Dann denken wir oft: „Ich müsste doch besser funktionieren.“

Nein. Musst du nicht. Dein Gehirn arbeitet jeden Tag auf Hochtouren. Es leistet gerade Anpassungsarbeit. Und Anpassung kostet Energie. Sehr viel Energie.

Du darfst Pausen machen

Und genau deshalb möchte ich dir heute etwas sagen: Du darfst Pausen machen. Wirklich. Du darfst dich fünf Minuten zurückziehen. Du darfst die Tür schließen. Du darfst kurz durchatmen. Du musst nicht immer funktionieren. Du musst nicht immer stark sein. Du musst nicht jede Aufgabe sofort erledigen.

Wenn du das Gefühl hast, dass das Karussell in deinem Kopf gerade einen Wackelkontakt hat, dann steig kurz aus. Trink einen Tee. Setz dich hin. Atme tief durch. Sammle deine Gedanken. Du bist es wert. Wir Frauen kümmern uns oft um alle anderen. Um Kinder. Partner. Familie. Arbeit. Freunde.

Und manchmal vergessen wir dabei die wichtigste Person. Uns selbst. Vielleicht besteht Selbstfürsorge manchmal nicht aus Wellness oder einem perfekten Spa-Tag. Vielleicht besteht sie einfach darin, sich fünf Minuten Ruhe zu erlauben, bevor man versucht, die Brotdose erneut ins Badezimmer zu schicken.

Und während du vielleicht gerade schmunzelnd an deinen eigenen Brainfog-Moment denkst, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel auf einem Stapel verlorener Gedanken, schaukelt mit den Beinen und flüstert ganz leise:

„Vielleicht musst du nicht immer alles sofort wissen, alles sofort schaffen und alles sofort erinnern. Manchmal reicht es, freundlich mit dir selbst zu sein. Denn auch ein müdes Gehirn verdient Verständnis. Und vielleicht ist eine kleine Pause manchmal keine Schwäche, sondern genau das, was dein Kopf gerade braucht, um wieder seinen Weg durch all die Gedanken zu finden.“

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Rossmann, DM und das menschliche Faultier. Ein Phänomen der Pubertät

Es gibt Dinge, die verstehe ich einfach nicht. Zum Beispiel die Anziehungskraft von Rossmann und DM. Wirklich. Was haben diese Läden, was andere Läden nicht haben? Goldene Wasserhähne? Einen geheimen Eingang nach Hogwarts? Einen versteckten Schalter, der pubertierende Mädchen aktiviert? Ich weiß es nicht.

Aber ich weiß, dass mein Exemplar normalerweise nicht unbedingt für spontane Aktivitäten bekannt ist. Wenn ich sage: „Ich fahre einkaufen.“ Dann bekomme ich meistens ein gelangweiltes: „Nee, keine Lust.“ Wenn ich frage: „Willst du mit spazieren gehen?“ Dann folgt oft ein Blick, als hätte ich gerade vorgeschlagen, den Mount Everest zu besteigen.

Mein Exemplar befindet sich aktuell in einer Lebensphase, die ich liebevoll als Energiesparmodus bezeichne. Kennt man ungefähr von Faultieren. Nicht ganz so extrem natürlich. Sie braucht keine sieben Tage, um sich von einem Ast zum anderen zu bewegen. Aber die Grundidee ist ähnlich. Besonders nach der Schule. Dann wird das Bett aufgesucht. Und dort bleibt man. Liegend. Rollend. Existierend.

Manchmal habe ich das Gefühl, sie würde dort Wurzeln schlagen, wenn man sie ließe. Irgendwann muss der Kreislauf ja auch erst wieder hochfahren. Von Null auf Mensch dauert das manchmal etwas.

Doch dann passiert etwas. Etwas, das selbst Wissenschaftler vermutlich nicht erklären können. Ich sage: „Ich fahre kurz zu Rossmann.“

Und plötzlich verwandelt sich mein menschliches Faultier in einen olympischen Sprinter. Sie springt auf. Findet innerhalb von Sekunden ihre Kleidung. Hat Schuhe an. Jacke an. Haare gerichtet. Und steht schneller an der Haustür als ich meinen Autoschlüssel gefunden habe. „ICH KOMME MIT!“ Natürlich kommst du mit. Die eigentliche Frage ist: Warum? Was haben diese Läden? Denn wenn wir ehrlich sind, verkaufen sie Shampoo. Duschgel. Zahnpasta. Taschentücher. Dinge, die man braucht.

Aber für Jugendliche sind Rossmann und DM längst keine Drogeriemärkte mehr. Sie sind Erlebniswelten. Früher hatten wir einen SPAR-Markt. Oder einen Konsum. Und wenn wir Glück hatten, gab es eine neue Sorte Kaugummi oder ein Ü-Ei. Das war aufregend genug.

Heute betreten Jugendliche eine Drogerie und verhalten sich, als wären sie gerade in Disneyland angekommen. Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass es gar nicht um die Produkte geht. Denn die Pubertät ist eine seltsame Zeit. Plötzlich verändert sich alles. Die Haut. Die Haare. Der Körper. Die Gefühle. Die Freundschaften. Manchmal wahrscheinlich sogar die eigene Persönlichkeit im Stundentakt.

Während wir Erwachsenen denken: „Meine Güte, das ist doch nur eine Gesichtscreme.“ Denken Jugendliche vielleicht: „Vielleicht hilft mir das dabei, mich wohler zu fühlen.“ Und genau das vergessen wir manchmal. Für uns ist ein Lipgloss ein Lipgloss. Für ein pubertierendes Mädchen kann es ein kleines Stück Selbstvertrauen sein. Oder einfach das Gefühl, langsam erwachsener zu werden.

Natürlich spielt dabei auch TikTok eine große Rolle. Und hier muss ich wahrscheinlich zugeben, dass ich endgültig alt werde. Denn früher hatten wir die Bravo. Heute haben Jugendliche Skinfluencer. Ich muss gestehen, dass ich dieses Wort immer noch faszinierend finde. Skinfluencer. Das klingt ein bisschen wie eine seltene Hautkrankheit. Ist aber tatsächlich jemand, der anderen Menschen erklärt, wie sie ihre Haut pflegen sollen. Und diese jungen Frauen haben eine unglaubliche Reichweite. Sie testen Produkte. Empfehlen Produkte. Bewerten Produkte. Zeigen Vorher-Nachher-Bilder. Erklären Routinen. Und natürlich möchten Jugendliche diese Produkte dann selbst ausprobieren. Nicht weil sie oberflächlich sind. Sondern weil sie sich orientieren. Weil sie dazugehören möchten. Weil sie ausprobieren. Weil sie herausfinden möchten, wer sie eigentlich sind.

Das haben wir früher übrigens genauso gemacht. Nur eben mit anderen Mitteln. Wir hatten Zeitschriften. Sie haben TikTok. Wir hatten Bravo-Stars. Sie haben Influencer. Wir haben Frisuren aus Magazinen kopiert. Sie speichern Tutorials. Im Grunde hat sich gar nicht so viel verändert. Nur die Plattform.

Und dann gibt es noch etwas, das ich erst vor Kurzem verstanden habe. Diese ganzen Beauty-Routinen. Ich dachte lange Zeit, das wäre einfach nur Kosmetik. Aber vielleicht steckt viel mehr dahinter. Denn die Pubertät ist eine riesige Baustelle. Und zwar nicht nur äußerlich. Auch im Kopf. Alles wird umgebaut. Gefühle. Gedanken. Wünsche. Träume. Das Gehirn selbst befindet sich im Dauerumbau.

Und genau deshalb suchen viele Jugendliche nach Dingen, die ihnen Sicherheit geben. Eine Routine. Etwas Vertrautes. Etwas, das jeden Tag gleich ist. Gesicht reinigen. Creme auftragen. Haare machen. Fertig. Für uns klingt das vielleicht banal. Für Jugendliche kann es ein kleiner Anker sein. Ein Stück Kontrolle in einer Lebensphase, die sich oft anfühlt wie ein Überraschungsei auf Hormonen. Vielleicht ist genau das der Grund, warum mein Exemplar manchmal mit einer Ernsthaftigkeit über Gesichtsmasken spricht, als würde sie einen medizinischen Fachkongress leiten.

Wobei ich zugeben muss: Die Industrie macht ihren Job auch erschreckend gut. Denn selbst ich bleibe manchmal stehen und denke: „Ach Gott, ist das süß.“ Lipgloss mit Popcorn als Deckel. Verpackungen mit kleinen Cowboy-Stiefeln. Hello Kitty. Bärchen. Herzchen. Glitzer. Farben. Manche Produkte sehen inzwischen eher aus wie Süßigkeiten als wie Kosmetik. Und genau deshalb fühlen sich Jugendliche dort vermutlich wie im Schlaraffenland.

Meine Tochter jedenfalls könnte dort wahrscheinlich übernachten. Ihre beste Freundin übrigens auch. Die beiden besitzen Gesichtsmasken in Mengen, die vermutlich hundert Jahre reichen würden. Die Schubladen sind so voll, dass sie selbst nicht mehr wissen, was sich darin befindet.

Wenn morgen sämtliche Drogeriemärkte schließen würden, könnten die beiden vermutlich problemlos einen eigenen Kosmetikladen eröffnen. Mit Kundenkarte. Bonusprogramm. Und eigener Filiale. Trotzdem wird weiter gesucht. Nach neuen Produkten. Nach neuen Farben. Nach neuen Verpackungen. Und irgendwo zwischen Lipgloss, Gesichtsmasken und TikTok-Trends wird langsam eine Persönlichkeit aufgebaut. Ein eigener Stil entwickelt. Eine junge Frau erwachsen. Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum diese Läden so faszinierend sind.

Nicht wegen der Produkte. Sondern wegen der Möglichkeiten. Weil man dort ausprobieren darf. Entdecken darf. Verwerfen darf. Neu anfangen darf. Und weil man dort ein kleines Stück von sich selbst findet. Auch wenn das für uns Eltern manchmal aussieht wie eine sehr teure Schnitzeljagd.

Trotzdem bleibt für mich die größte Erkenntnis: Wenn mein Exemplar für Bewegung, frische Luft oder spontane Unternehmungen ungefähr die Energie eines Akkus bei drei Prozent besitzt, dann reichen drei magische Worte: „Ich fahre zu DM.“ Und plötzlich wird aus einem Faultier ein Düsenjet. Allein dafür sollten diese Läden wissenschaftlich untersucht werden.

Denn offenbar schaffen sie etwas, woran Eltern seit Generationen scheitern: Sie aktivieren pubertierende Mädchen innerhalb von Sekunden.

Und während du vielleicht gerade schmunzelnd an dein eigenes Exemplar denkst, das beim Wort „DM“ plötzlich schneller ist als jeder Spitzensportler, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel am Ende dieses Artikels, beobachtet das Ganze mit einem Lächeln und flüstert:

„Vielleicht sind es gar nicht die Lipglosse, Gesichtsmasken oder Hello-Kitty-Verpackungen, die Jugendliche so glücklich machen. Vielleicht ist es einfach die Freude, die Welt zu entdecken – auch wenn dabei das Taschengeld und die Geduld der Eltern gelegentlich auf der Strecke bleiben.“

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Loyale Abonnenten? Vielleicht geht es gar nicht darum.

Wie baust du dir loyale Abonnent:innen auf?

Heute wurde die Frage gestellt:

„Wie baust du dir loyale Abonnentinnen und Abonnenten auf?“

Und ganz ehrlich? Ich glaube, ich habe darauf keine klassische Antwort.

Mein Blog ist noch jung. Ich habe ihn erst in diesem Jahr gegründet. Es gibt Menschen, die bloggen schon seit vielen Jahren, kennen alle Tricks, verstehen Suchmaschinen, Reichweitenstrategien und Algorithmen. So ist es oft auf anderen Social Media Plattformen.

Ich gehöre nicht dazu.

Als ich meinen Blog gegründet habe, hatte ich keinen Businessplan. Ich wollte keine Marke aufbauen und auch keine möglichst hohen Klickzahlen erreichen.

Ich hatte einfach das Gefühl, dass manche Themen mehr Aufmerksamkeit verdienen. Themen, über die viel zu wenig ehrlich gesprochen wird.

Vor allem die Wechseljahre. Aber auch Pubertät, Hochsensibilität, Pflege, das Älterwerden, Sorgen, Ängste und all die kleinen Dinge des Alltags, die uns manchmal mehr beschäftigen als die großen Schlagzeilen der Welt.

Gerade die Wechseljahre werden oft belächelt.

Da wird über Hitzewallungen gewitzelt, über Stimmungsschwankungen gelacht und oft so getan, als wäre das alles nur ein kleiner Abschnitt, den Frau eben überstehen muss.

Dabei erleben viele Frauen in dieser Zeit körperliche und emotionale Veränderungen, die ihr gesamtes Leben beeinflussen.

Ähnlich ist es bei der Pubertät.

Auch dort spielen Hormone plötzlich verrückt, Gefühle fahren Achterbahn und Familien versuchen gemeinsam durch eine Lebensphase zu navigieren, die manchmal gleichzeitig wunderschön und anstrengend ist.

Genau darüber wollte ich schreiben. Nicht wissenschaftlich. Nicht belehrend. Sondern ehrlich. So, wie ich es selbst erlebe.

Und wenn sich jemand in meinen Geschichten wiederfindet, dann freue ich mich darüber.

Wenn jemand einen Artikel liest und denkt: „Endlich spricht es mal jemand aus.“

Dann hat sich das Schreiben bereits gelohnt. Natürlich freue ich mich über jeden Abonnenten. Das wäre gelogen, etwas anderes zu behaupten.

Jeder Mensch, der sich entscheidet zu bleiben, ist ein Zeichen dafür, dass die eigenen Gedanken irgendwo angekommen sind.

Aber noch wichtiger als die Zahl hinter dem Wort „Abonnenten“ sind für mich die Menschen dahinter.

Menschen, die kommentieren. Menschen, die schreiben. Menschen, die erzählen, dass sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Menschen, die sich verstanden fühlen.

Das sind für mich keine Follower. Das sind Begegnungen. Auf Instagram ist das manchmal etwas anders. Dort ist alles schneller. Heute folgt jemand. Morgen nicht mehr. Follow. Unfollow. Weiter zum nächsten Beitrag.

Manchmal wirkt es fast so, als würden Menschen nur kurz durch ein Schaufenster schauen und dann wieder verschwinden. Und natürlich gehört das dazu. Denn Reichweite entsteht nun einmal durch Sichtbarkeit. Aber Reichweite allein bedeutet noch keine Verbindung. Ich finde es besonders schön wenn meine Follower im Anschluss mit mir über die Geschichte in den Austausch gehen, mir Gedanken dazu mitteilen. Das ist oft wichtiger als tausende von Followern, weil man jemanden erreicht hat. 

Deshalb versuche ich dort meinen eigenen Weg zu gehen. Viele denken vielleicht, meine Seite handelt von kleinen Mäusen. Von Bruno, Tilda und Lulu. Und natürlich tun sie das.

Aber eigentlich erzählen diese Geschichten etwas ganz anderes. Die Mäuse sind nur die Erzähler. Sie erleben Abenteuer. Sie begegnen Herausforderungen. Sie machen Fehler. Sie helfen einander. Sie entdecken die Welt.

Und zwischen all diesen Geschichten verstecken sich Botschaften, die auch für uns Menschen wichtig sind. Botschaften über Freundschaft. Über Mut. Über Verlust. Über Hoffnung. Über Zusammenhalt. Über das Anderssein. Über das Leben.

Manchmal lassen sich schwierige Themen durch eine kleine Maus leichter erzählen als durch einen langen Vortrag. Kinder sehen vielleicht ein Abenteuer. Erwachsene erkennen oft die Bedeutung dahinter. Und genau das liebe ich an diesen Geschichten. Sie dürfen fantasievoll sein. Sie dürfen warm sein. Sie dürfen Menschen zum Lächeln bringen.

Aber sie dürfen gleichzeitig auch etwas hinterlassen. Einen Gedanken. Ein Gefühl. Eine Erinnerung. Vielleicht ist genau das der Grund, warum manche Menschen bleiben.

Nicht weil die Bilder perfekt sind. Nicht weil ich jeden Trend mitmache. Nicht weil ich irgendwelche Geheimnisse des Internets kenne. Sondern weil sie spüren, dass hinter den Geschichten ein echter Mensch sitzt. Jemand, der nicht versucht, perfekt zu sein. Jemand, der auch mal über seine Hitzewallungen schreibt.

Über sein pubertierendes Exemplar. Über Bauchschmerzen. Über Pflege. Über Sorgen. Über Freude. Über ganz normales Leben. Ich glaube nämlich, dass Menschen sich nicht an Perfektion binden.

Sie binden sich an Ehrlichkeit. An Wärme. An Authentizität. An das Gefühl, gesehen zu werden. Und vielleicht entstehen genau so loyale Leser. Nicht durch Strategien. Nicht durch Tricks. Sondern durch Vertrauen.

Deshalb freue ich mich über jeden Menschen, der meinen Blog besucht. Über jeden Kommentar. Über jede Nachricht. Über jeden stillen Leser.

Und wenn jemand bleibt, weil er sich in meinen Geschichten wiederfindet, dann ist das wahrscheinlich das Schönste, was einem Autor passieren kann. Denn am Ende sind loyale Abonnenten keine Zahlen. Es sind Menschen. Menschen, die sich in einer Geschichte selbst begegnen. Und genau dafür schreibe ich.

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Von Blush, Haarbürsten und der Erkenntnis, dass ich plötzlich die „Alte“ bin

Heute ist mir etwas aufgefallen.

Eigentlich existiert dieses Phänomen schon länger. Wahrscheinlich sogar seit mehreren Jahren. Aber manchmal gibt es diese Momente, in denen etwas, das längst da ist, plötzlich bewusst wird.

Und natürlich geht es um mein Exemplar. Wobei. Nicht nur um mein Exemplar.

Eigentlich geht es auch um mich. Früher habe ich mich gerne geschminkt. So richtig.

Ich hatte Schubladen voller Schminke. Lippenstifte in Farben, die ich nie benutzt habe. Lidschatten, die wunderschön aussahen, aber irgendwie nie zu meinem Gesicht passen wollten. Make-up. Puder. Mascara.

Dazu kamen gefärbte Haare. Mal heller. Mal dunkler. Mal bunt.  Mal die Idee, dass irgendeine neue Farbe mein Leben verändern könnte. Hat sie natürlich nie. Aber ausprobiert habe ich es trotzdem.

Heute sieht mein Badezimmer völlig anders aus. Meine Haare sind wieder natürlich. Geschminkt bin ich gar nicht. Und meine tägliche Hautpflege besteht hauptsächlich aus Hyalurongel von Garnier. Mehr Luxus bekommt mein Gesicht aktuell nicht.

Wobei ich zugeben muss, dass ich schon immer eine gewisse Angst davor hatte, irgendwann auszusehen wie eine welke Pflaume. Das klingt gemein. Ist aber die Wahrheit.

Als ich ein Kind war, gab es diese Frauen, die mit Mitte dreißig plötzlich aussahen, als hätten sie beschlossen, direkt in die Rente zu wechseln. Kittelschürze. Dauerwelle. Praktische Schuhe. Und irgendwie wirkten sie für mein Kinderhirn uralt.

Heute bin ich älter als viele dieser Frauen damals. Und trage weder Kittelschürze noch Dauerwelle. Dafür Wechseljahre. Man kann eben nicht alles haben.

Aber zurück zum Badezimmer. Denn mittlerweile steht dort zwar jede Menge Schminke. Nur nicht meine. Da stehen Abschminktücher. Blush. Concealer. Pinsel. Irgendwelche Produkte, deren Namen ich nicht einmal aussprechen kann. Und sie gehören alle meinem Exemplar.

Früher gehörte mir das Badezimmer. Heute bin ich dort eher Gast. Noch schlimmer wird es bei meiner Haarbürste. Meine Haarbürste. Nicht ihre. Meine. Warum sie ständig meine benutzt? Weil sie ihre nie findet. Oder weil sie zu faul ist zu suchen. Ich schwanke noch zwischen beiden Theorien.

Jedenfalls suche ich mittlerweile regelmäßig meine eigene Bürste wie ein Archäologe auf Ausgrabung. Manchmal finde ich sie. Manchmal nicht. Und manchmal liegt sie dort, wo sie definitiv nicht hingehört. Pubertät scheint eine natürliche Fähigkeit zu entwickeln, Gegenstände zu verlegen, die einem gar nicht gehören.

Doch heute erreichte das Ganze eine neue Stufe. Im letzten Artikel habe ich bereits von den legendären Roblox-Telefonaten berichtet. Diese stundenlangen Gespräche mit der besten Freundin. Zwanzig Stufen entfernt. Über WhatsApp. Während beide Roblox spielen. Ein Konzept, das ich bis heute nicht vollständig verstanden habe.

Heute kam allerdings eine Erweiterung hinzu. YouTube lief auf dem Tablet, das auf der Toilette lag.  Dort lief Musik. Auf dem Handy, das daneben lag, war ihre beste Freundin zu sehen. Und mein Exemplar schminkte sich. Währenddessen kommentierte sie jeden einzelnen Schminkschritt. Jeden. Einzelnen.

„Jetzt mache ich Blush drauf.“

„Warte, ich nehme doch den anderen.“

„Nee, das sieht komisch aus.“

„Findest du?“

„Ich glaube, das passt besser.“

„Warte.“

„Jetzt noch Concealer.“

„Oh nein.“

„Doch.“

„Nee.“

„Doch.“

Ich stand in der Küche und fragte mich, ob ich versehentlich in einer Live-Übertragung gelandet war. Denn gefühlt kommentierte sie ihr Gesicht wie ein Fußballmoderator ein Bundesligaspiel. Und ihre Freundin machte begeistert mit.

Ich hätte niemals gedacht, dass man über Concealer länger diskutieren kann als über Politik. Aber offenbar ist alles möglich. Währenddessen stand ich in meiner eigenen kleinen Realität. Der Kuchen war im Ofen. Die Hitzewallung meines Lebens rollte an. Ich schwitzte wie ein Marathonläufer kurz vor dem Zieleinlauf. Und versuchte gleichzeitig zu verhindern, dass mein Kuchen zu einer biologischen Waffe wird.

Das ist übrigens auch so ein Wechseljahre-Ding. Man macht etwas völlig Normales. Zum Beispiel backen. Und plötzlich entscheidet der Körper: Wir simulieren jetzt tropisches Klima. Und noch besser. Backmischungen werden einfach nicht mehr richtig gelesen. So wird aus einer simplen Backmischung ein neues Rezept. Viel Spaß.

Also stand ich da. Mit rotem Gesicht. Schwitzend. Genervt. Und schaute nebenbei „Achtsam Morden“. Nicht wegen des Mordens. Das möchte ich ausdrücklich betonen. Sondern weil die Serie erstaunlich entspannend ist. Was vermutlich ebenfalls etwas über mein Alter aussagt. Mit zwanzig hätte ich Action geschaut. Mit vierzig freue ich mich über Menschen, die lernen, Grenzen zu setzen. Das ist wahrscheinlich die natürliche Entwicklung einer Frau.

Mit zwanzig kämpfst du um die Liebe. Mit vierzig kämpfst du um Ruhe. Und deshalb verstehe ich die Hauptfigur von „Achtsam Morden“ manchmal erschreckend gut. Nicht das Morden. Nur die Sehnsucht nach Ruhe. Denn ab vierzig brauchst du definitiv eine Form von Achtsamkeitstraining. Sonst würdest du irgendwann anfangen, Menschen anzuknurren.

Vor allem dann, wenn gleichzeitig: der Kuchen verbrennt, die Hitzewallung kommt, die Haarbürste verschwunden ist, Roblox im Hintergrund läuft, eine Freundin über WhatsApp zugeschaltet ist, und jemand ausführlich erklärt, warum der neue Blush besser aussieht als der alte. Das Leben mit einer pubertierenden Tochter ist faszinierend. Nicht schlimm. Nicht anstrengend im klassischen Sinn. Einfach faszinierend. Man beobachtet täglich, wie sich ein Mensch verändert. Wie plötzlich Interessen entstehen. Wie Dinge wichtig werden, die gestern noch völlig egal waren. Wie aus dem kleinen Mädchen langsam eine junge Frau wird.

Und manchmal passiert das so schleichend, dass man es erst merkt, wenn man plötzlich vor einem Badezimmer steht, das nicht mehr aussieht wie das eigene. Dann wird einem bewusst: Die Zeit vergeht. Die Rollen verändern sich. Und irgendwann steht dort nicht mehr das kleine Kind, das deine Haarbürste klaut. Sondern eine junge Frau. Mit eigenen Gedanken. Eigenem Stil. Eigenem Leben.

Und während sie sich schminkt, Roblox spielt, telefoniert und Musik hört, stehst du in der Küche, kämpfst mit den Wechseljahren und einem Kuchen. Und irgendwie sind beide Lebensphasen gar nicht so unterschiedlich. Sie entdeckt sich selbst. Und ich entdecke mich gerade neu. Sie bekommt mehr Hormone. Ich verliere welche. Sie beginnt einen neuen Abschnitt. Ich ebenfalls.

Nur an unterschiedlichen Enden des Lebens. Und vielleicht ist genau das das Verrückte daran. Wir beide verändern uns gleichzeitig. Nur in unterschiedliche Richtungen. Und trotzdem sitzen wir am Abend oft gemeinsam auf der Couch. Sie mit ihrem Handy. Ich mit meiner Serie. Und irgendwo dazwischen liegt meine verschwundene Haarbürste.

Und falls heute irgendwo ein kleiner Wichtel seine Bürste sucht, während im Hintergrund Roblox läuft und jemand über Blush diskutiert, dann weiß er: Das Leben ist manchmal chaotisch. Aber genau dieses Chaos macht die schönsten Geschichten.

Schön das du hier bist 🩶

Telefonate in der Pubertät- Ein Mysterium, das ich nicht verstehe

Manchmal sitze ich da und frage mich, wann genau die Welt eigentlich falsch abgebogen ist. Nicht komplett. Nur so ein bisschen.

Früher war vieles komplizierter. Heute ist vieles einfacher. Und trotzdem verstehe ich manche Dinge überhaupt nicht mehr. Zum Beispiel Telefonate. Oder besser gesagt: Die Art, wie Jugendliche heute telefonieren.

Ich komme ja noch aus einer Zeit, in der ein Telefon etwas Besonderes war. Ein Festnetztelefon. Mit Kabel. Mit Wählscheibe oder Tasten. Und meistens stand es irgendwo im Flur oder auf einer Telefonbank. Allein dieses Wort klingt heute schon wie aus einem Museum. Telefonbank.

Wir saßen dort nicht stundenlang. Wir führten keine Videokonferenzen. Wir hielten keine digitalen Freundschaftspflege-Marathons ab. Wir riefen an, weil wir etwas wollten. „Kommst du raus?“ „Hast du die Hausaufgaben?“ „Kann ich mit Kathrin sprechen?“ Fertig. Gespräch beendet.

Wenn es länger wurde, stand meistens schon jemand neben dem Telefon und rief: „Leg endlich auf, das kostet Geld!“ Und genau da beginnt mein Problem.

Denn mein Exemplar lebt offensichtlich in einer völlig anderen Dimension. Ihre beste Freundin wohnt direkt unter uns. Nicht in einem anderen Stadtteil. Nicht in einer anderen Stadt. Nicht einmal auf der anderen Straßenseite. Unter uns. Zwanzig Stufen. Zwanzig! Wenn ich zwanzig Stufen runtergehe, stehe ich praktisch schon bei ihr im Wohnzimmer.

Aber nein. Warum sollte man zwanzig Stufen laufen, wenn man sich stattdessen über WhatsApp anrufen kann? Und zwar mit Kamera. Natürlich mit Kamera. Denn offenbar reicht telefonieren allein nicht mehr. Man muss sich gleichzeitig sehen. Jederzeit. Permanent. Als würde sonst ein lebenswichtiger Kontakt abbrechen.

Und jetzt denkt ihr vielleicht, die beiden würden sich dann wenigstens angeregt unterhalten. Über die Schule. Über Freunde. Über das Leben. Über Träume und Zukunftspläne. Ach was. Die Realität sieht anders aus. Die beiden sitzen jeweils in ihren Zimmern. Jede vor ihrem Tablet. Jede vor ihrem Handy. Und spielen Roblox. Stundenlang.

Dabei schauen sie sich gegenseitig beim Spielen zu. Und reden über das Spiel, das sie gerade spielen. „Guck mal!“ „Ja!“ „Da drüben!“ „Warte!“ „Oh mein Gott!“ „Nein!“ „Doch!“ „Haha!“ Ende der Unterhaltung.

Und das wiederholt sich ungefähr vier Stunden lang. Ich weiß nicht, ob ich beeindruckt oder besorgt sein soll. Vermutlich beides. Manchmal laufe ich am Zimmer vorbei und denke: Reden die eigentlich noch miteinander? Oder kommentieren sie nur noch gegenseitig ihre Bildschirme?

Es ist faszinierend. Wie ein Naturfilm. Man beobachtet eine fremde Spezies in ihrem natürlichen Lebensraum. Und versucht zu verstehen, was da eigentlich passiert. Bisher ohne Erfolg.

Das Verrückte ist: Die beiden haben offensichtlich Spaß dabei. Richtigen Spaß. Sie lachen. Sie albern herum. Sie freuen sich. Sie verbringen Zeit miteinander. Nur eben komplett anders, als wir es früher getan haben. Und wahrscheinlich ist genau das der Punkt.

Für meine Generation bedeutete Freundschaft oft: Draußen sein. Fahrrad fahren. Auf Spielplätzen herumhängen. Durch die Gegend laufen. Sich treffen. Gemeinsam Blödsinn machen. Heute findet vieles digital statt. Nicht weniger intensiv. Nicht weniger wichtig. Nur anders.

Trotzdem ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich versuche, mein Exemplar für Dinge zu begeistern, die ich selbst toll finde.

Zum Beispiel Bücher. Neulich war es endlich so weit. Sie stand vor einem Regal. Schaute sich um. Nahm ein Buch in die Hand. Las den Klappentext. Und sagte: „Das klingt gut.“ Ich hätte beinahe geweint vor Glück.

Endlich. Ein Buch. Ein echtes Buch. Mit Seiten. Mit Papier. Mit Worten. Keine App. Kein Video. Keine Chats. Keine Roblox-Figur. Ein Buch.

Ich war innerlich schon dabei, zukünftige Leserunden zu planen. Vielleicht würden wir gemeinsam darüber sprechen. Vielleicht würde sie plötzlich die Liebe zum Lesen entdecken. Vielleicht würde sie freiwillig weniger Bildschirmzeit haben. Vielleicht würden Einhörner über den Balkon fliegen.

Man darf ja träumen. Mit großer Vorfreude kaufte sie das Buch. Trug es nach Hause. Legte es auf ihren Schreibtisch. Und dort liegt es bis heute. Unberührt. Ungelesen. Vermutlich wartet es inzwischen selbst darauf, entdeckt zu werden.

Manchmal schaue ich es an und denke: Du hast gekämpft, kleines Buch. Du hast wirklich gekämpft. Aber gegen Roblox hattest du keine Chance.

Wobei ich fairerweise sagen muss: Unsere Eltern haben wahrscheinlich dasselbe über uns gedacht. Vielleicht saßen sie da und fragten sich: Warum hängen die ständig draußen herum? Warum fahren die stundenlang Fahrrad? Warum sitzen die auf Mauern und reden über Dinge, die niemand versteht? Warum müssen die immer unterwegs sein?

Jede Generation hat ihre Eigenheiten. Und jede Generation versteht die nächste ein bisschen weniger. Wahrscheinlich gehört das einfach dazu. Trotzdem muss ich manchmal lachen.

Vor allem dann, wenn ich die Unterschiede zwischen uns bemerke. Ich telefoniere, wenn ich etwas mitteilen möchte. Mein Exemplar telefoniert offenbar, weil das Telefonat selbst Teil der Freundschaft ist. Ich telefoniere fünf Minuten. Sie telefoniert fünf Stunden. Ich rufe an und sage: „Ich komme später.“ Sie ruft an und sagt: „Guck mal, mein Roblox-Charakter hat neue Schuhe.“ Und dann wird darüber diskutiert. Ausführlich. Sehr ausführlich.

Manchmal frage ich mich tatsächlich, wie viel WLAN man an einem Nachmittag verbrauchen kann. Die Antwort lautet: Mehr als man für möglich hält. Früher hatten wir Telefonrechnungen. Heute haben wir WLAN-Router, die vermutlich regelmäßig um Hilfe schreien.

Früher hieß es: „Leg auf, das wird zu teuer!“ Heute heißt es: „Warum ist das Internet schon wieder langsam?“ Die Zeiten ändern sich.

Und vielleicht ist das auch gut so. Denn wenn ich ganz ehrlich bin, sehe ich trotz allem etwas Schönes darin. Mein Exemplar hat eine beste Freundin. Sie lachen miteinander. Sie vertrauen sich. Sie verbringen Zeit zusammen. Ja, manchmal auf eine Art, die ich nicht verstehe. Ja, manchmal würde ich sie lieber draußen im Wald sehen als in Roblox. Ja, manchmal würde ich mir wünschen, dass das Buch auf dem Schreibtisch endlich geöffnet wird.

Aber am Ende sehe ich vor allem eines: Ein Kind, das glücklich ist. Und vielleicht muss ich nicht alles verstehen. Vielleicht reicht es manchmal aus zu beobachten. Zu schmunzeln. Den Kopf zu schütteln. Und festzustellen, dass jede Generation ihre ganz eigenen Verrücktheiten hat. Wir hatten unsere. Sie haben ihre. Und wahrscheinlich werden ihre Kinder eines Tages genauso über sie denken.

Bis dahin werde ich weiter staunend vor ihrem Zimmer vorbeilaufen, den Roblox-Gesprächen lauschen und mich fragen, wie zwei Menschen über vier Stunden lang ein Spiel kommentieren können.

Und das Buch? Das liegt immer noch dort. Aber wer weiß. Vielleicht kommt seine Zeit ja noch. Irgendwann. Zwischen zwei Roblox-Sitzungen. Oder in ungefähr drei bis vier Jahren. Man soll die Hoffnung schließlich nie aufgeben.

Und falls heute irgendwo ein kleiner Wichtel auf einer Telefonbank sitzt und sich wundert, warum niemand mehr das Festnetz benutzt: Keine Sorge. Die Freundschaften sind noch da. Sie haben nur das WLAN übernommen.

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Einkaufen in den Wechseljahren- Warum mein Nervensystem inzwischen einen Fluchtplan hat

Es gibt Menschen, die gehen gerne einkaufen.

Diese Menschen schlendern entspannt durch die Gänge, vergleichen Produkte, entdecken neue Dinge und lassen sich inspirieren.

Ich gehöre nicht zu diesen Menschen.

Vielleicht war ich das früher einmal.

Vielleicht gab es eine Zeit vor den Wechseljahren, in der ich durch einen Supermarkt laufen konnte, ohne innerlich einen Notfallplan für mein vegetatives Nervensystem zu entwickeln.

Aber diese Zeit ist vorbei.

Heute reicht oft schon der Gedanke ans Einkaufen, um in meinem Gehirn eine Fehlermeldung auszulösen.

Error 404 – Entspannung nicht gefunden.

Dabei beginnt alles eigentlich ganz harmlos.

Der Feierabendfehler

Stell dir folgende Situation vor: Du hast den ganzen Tag gearbeitet. Nicht irgendwo allein in einem Büro. Nein. Mit Menschen.

Viele Menschen. Menschen mit Fragen. Menschen mit Problemen. Menschen mit Bedürfnissen. Menschen, die etwas von dir möchten. Irgendwann ist Feierabend.

Und genau in diesem Moment möchte dein Körper eigentlich nur noch eines: Nach Hause. Ruhe. Jogginghose. Couch. Vielleicht eine Tasse Kaffee. Vielleicht auch einfach bewusstes Nichtstun.

Doch dann fällt dir ein: Du musst einkaufen. Und plötzlich wird aus einem normalen Feierabend ein persönlicher Endgegner.

Ich bin ein Monk

Ich muss an dieser Stelle etwas gestehen. Ich bin monkisch. Nicht ein bisschen. Richtig. Ich mag Strukturen. Ich mag Abläufe. Ich mag Pläne.

Und deshalb gehe ich grundsätzlich montags einkaufen. Nicht, weil der Montag besonders schön wäre. Der Montag ist eigentlich ein ziemlich überbewerteter Wochentag. Aber er gehört nun einmal zu meinem inneren System. Montag ist Einkaufstag. Punkt.

Außerdem gehe ich niemals ohne Einkaufszettel los. Niemals. Menschen, die ohne Einkaufszettel einkaufen, leben gefährlich. Sie vertrauen ihrem Gedächtnis. Ich vertraue Papier. Das Papier verrät mich nicht. Mein Gehirn dagegen schon. Vor allem in den Wechseljahren.

Der Supermarkt als soziale Herausforderung

Nun könnte man denken: „Wie schlimm kann Einkaufen schon sein?“

Diese Frage stellen meistens Menschen, die offensichtlich nie nach einem langen Arbeitstag in den Wechseljahren durch einen Supermarkt gelaufen sind.

Denn dort lauert etwas, das ich inzwischen nur noch als soziale Herausforderung bezeichnen kann.

Andere Menschen. Überall. Sie stehen vor Regalen. Sie blockieren Gänge. Sie diskutieren über Käse. Sie telefonieren. Sie fahren Einkaufswagen wie Schwertransporter durch enge Straßen. Und manche möchten sogar reden. Mit mir. Freiwillig. Warum? Ich verstehe es nicht.

Die Brottheke

Besonders kritisch wird es an der Brottheke. Dort passieren Dinge. Merkwürdige Dinge. Plötzlich entstehen Gespräche. Empfehlungen. Meinungen. Diskussionen.

Manchmal möchte mir jemand erklären, welches Brot besser ist. Oder wie man etwas lagern sollte. Oder warum Dinkel gesünder ist. Ich stehe dann da und denke: „Ich wollte nur ein Brot kaufen.“

Nicht mehr. Nicht weniger. Ich bin nicht auf einer Kontaktbörse. Ich suche keine neuen Bekanntschaften. Ich möchte kein Seminar über Backwaren besuchen. Ich möchte einfach nur mein Brot. Und zwar möglichst schnell.

Die Wechseljahre und die Menschenverträglichkeit

Früher war ich wahrscheinlich deutlich geduldiger. Heute merke ich, dass die Wechseljahre etwas mit meiner Menschenverträglichkeit gemacht haben. Nicht grundsätzlich.

Ich mag Menschen. Meistens. Zumindest in kleinen Dosen. Aber mein Nervensystem entscheidet inzwischen sehr genau, wann genug ist. Und meistens ist genug deutlich früher als früher. Ich glaube, viele Frauen kennen dieses Gefühl.

Man wird empfindlicher gegenüber Lärm. Gegenüber Chaos. Gegenüber Reizüberflutung. Gegenüber unnötigen Diskussionen. Der Akku ist schneller leer. Und genau deshalb kann ein normaler Einkauf plötzlich die emotionale Belastung eines Mittelgebirgsaufstiegs annehmen.

Der Endgegner heißt Kasse

Irgendwann habe ich alles gefunden. Der Einkaufswagen ist voll. Die Mission scheint fast geschafft. Doch dann kommt der schwierigste Teil. Die Kasse.

Natürlich sind alle Kassen voll. Immer. Egal wann. Egal wo. Egal wie. Vor mir steht grundsätzlich jemand, der seinen Geldbeutel erst sucht, wenn die Kassiererin bereits den gesamten Einkauf gescannt hat. Oder jemand, der beschließt, seinen Wocheneinkauf noch einmal direkt an der Kasse zu sortieren. Oder jemand, der plötzlich feststellt, dass er doch noch eine Kleinigkeit vergessen hat. Währenddessen stehe ich da. Innerlich alternd.

Die Kassiererin und ich

Das Interessante ist: Die Kassiererin wirkt oft genauso genervt wie ich. Und irgendwie verbindet uns das.

Wir beide wollen einfach nur diesen Vorgang überleben. Sie scannt. Ich packe hektisch ein.

Sie scannt schneller. Ich werde nervöser. Es ist wie ein olympischer Wettbewerb. Nur mit Joghurt, Gurken und Tiefkühlpizza.

Das dreifache Auspacken

Was mich allerdings bis heute irritiert: Warum muss ich meinen Einkauf eigentlich dreimal anfassen?

Ich packe ihn ins Regal. Dann aufs Band. Dann zurück in die Tasche. Dann zu Hause wieder raus. Dann in den Schrank. Wer hat sich das ausgedacht? Und warum wurde diese Person nie zur Verantwortung gezogen?

Die Revolution

Doch dann geschah etwas. Etwas Wundervolles.

Etwas, das mein Vertrauen in die Menschheit ein kleines Stück zurückgebracht hat. Scanner. Diese kleinen Geräte sind vermutlich die größte Erfindung seit geschnittenem Brot. Plötzlich kann ich alles direkt scannen. Direkt in meine Tasche legen. Direkt bezahlen. Ohne alles wieder auszupacken. Ohne Hektik. Ohne Stress. Ohne unnötige Begegnungen. Ich glaube wirklich, dass irgendwo ein Entwickler saß und dachte:

„Wir müssen etwas für genervte Frauen über 40 tun.“ Und ich möchte dieser Person danken. Von Herzen.

Mein vegetatives Nervensystem sagt Danke

Seitdem verlasse ich den Supermarkt deutlich entspannter. Mein Puls bleibt im Normalbereich. Meine Hitzewallungen werden nicht zusätzlich durch Menschenmassen provoziert.

Und mein Nervensystem muss nicht mehr bei jeder Kassenschlange einen Notfallplan entwickeln. Natürlich hasse ich Einkaufen immer noch.

Aber inzwischen hasse ich es etwas weniger. Und das ist in den Wechseljahren bereits ein großer Erfolg.

Vielleicht geht es vielen Frauen so

Vielleicht geht es gar nicht nur ums Einkaufen. Vielleicht geht es darum, dass wir irgendwann merken, wie viele Reize täglich auf uns einprasseln. Arbeit. Familie. Termine. Verantwortung. Lärm. Menschen. Gedanken.

Und irgendwann ist das Fass einfach voll. Dann wird selbst der Supermarkt zur Herausforderung. Nicht weil wir schwach sind. Sondern weil unser Nervensystem irgendwann sagt: „Für heute reicht es.“

Mein Fazit

Ich werde wahrscheinlich nie zu den Menschen gehören, die entspannt samstags durch Einkaufszentren bummeln.

Und das ist völlig in Ordnung. Ich mag meinen Einkaufszettel. Ich mag meine festen Abläufe.

Und ich liebe inzwischen meinen Scanner. Manchmal sind es die kleinen Erfindungen, die den Alltag leichter machen.

Vor allem dann, wenn man sich gerade durch Wechseljahre, Hitzewallungen, Arbeitsstress und das ganz normale Leben navigiert. Und falls du dich beim Einkaufen auch manchmal fühlst, als würdest du eine Expedition durch unbekanntes Terrain antreten: Du bist nicht allein.

Irgendwo zwischen Brottheke, Kassenschlange und Tiefkühltruhe steht wahrscheinlich gerade eine andere Frau, die ebenfalls nur nach Hause möchte. Und vielleicht hält sie heimlich Ausschau nach einem Scanner.

Und während du vielleicht gerade deinen Einkaufszettel suchst oder überlegst, ob du wirklich noch einmal los musst, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel auf einem Einkaufswagen und flüstert: „Manchmal sind die größten Abenteuer nicht Drachen oder Schatzkarten, sondern ein Montagabend im Supermarkt, wenn man ihn trotzdem überlebt hat.“

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Die Gesichter aus der Trödelscheune- Manchmal findet man Erinnerungen, nach denen man gar nicht gesucht hat

Eigentlich wollte ich an diesem Tag etwas ganz anderes finden.

Ich war in einer Trödelscheune unterwegs. Nicht zum ersten Mal. Wer mich kennt, weiß, dass ich alte Dinge liebe. Nicht unbedingt wegen ihres materiellen Wertes, sondern wegen der Geschichten, die sie mitbringen.

Alte Koffer. Verstaubte Laternen. Kleine Möbelstücke. Dinge, die schon ein Leben hinter sich haben.

Oft suche ich dort nach Requisiten für meine Geschichten. Für Bruno, Tilda und Lulu. Für die kleinen Welten, die in meinem Kopf entstehen und irgendwann ihren Weg aufs Papier finden.

Also schlenderte ich durch die Gänge, vorbei an Regalen voller Erinnerungen, die irgendwann niemand mehr haben wollte.

Und dann blieb ich plötzlich stehen.

Nicht vor einem Möbelstück.

Nicht vor einer Lampe.

Sondern vor einem Stapel alter Fotografien.

Sie lagen dort zwischen anderen Dingen. Fast unscheinbar. Als würden sie darauf warten, dass jemand sie wieder anschaut.

Ich nahm die erste Fotografie in die Hand.

Dann die zweite.

Dann die dritte.

Und plötzlich war ich nicht mehr in einer Trödelscheune.

Plötzlich war ich irgendwo zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Die Menschen auf den Bildern

Es ist seltsam.

Man kann einen Menschen anschauen, den man nie gekannt hat, und trotzdem das Gefühl haben, dass da eine Geschichte ist.

Ein Leben.

Eine Familie.

Ein ganzes Universum.

Auf diesen Bildern waren keine berühmten Menschen.

Keine Könige.

Keine Schauspieler.

Keine Politiker.

Es waren ganz normale Menschen.

Und vielleicht gerade deshalb haben sie mich so berührt.

Da war ein kleines Kind.

Vielleicht drei oder vier Jahre alt.

Mit großen Augen und feiner Kleidung.

Das Bild entstand vermutlich um das Jahr 1913.

Mehr als hundert Jahre ist das her.

Hundert Jahre.

Wenn man darüber nachdenkt, ist das eigentlich unvorstellbar.

Dieses Kind blickte damals in die Kamera.

Und heute blicke ich zurück.

Wer war es?

Wie hieß es?

Wurde es später Mutter oder Vater?

Hat es die Weltkriege erlebt?

Hat es geliebt?

Gelacht?

Getrauert?

Ich werde es nie erfahren.

Und trotzdem beschäftigt mich dieser Gedanke.

Wenn Fotos sprechen könnten

Ich glaube manchmal, alte Fotografien sind wie kleine Zeitkapseln.

Sie halten einen einzigen Moment fest.

Einen winzigen Augenblick.

Und trotzdem steckt darin ein ganzes Leben.

Auf einem anderen Bild stand ein junges Paar.

Eng beieinander.

Fein gekleidet.

Ernst.

Fast ein wenig schüchtern.

Vielleicht war es ihre Verlobung.

Vielleicht ein Hochzeitstag.

Vielleicht wollten sie einfach einen besonderen Moment bewahren.

Damals waren Fotografien nichts Alltägliches.

Man machte nicht hundert Bilder und löschte neunundneunzig davon wieder.

Ein Besuch beim Fotografen war etwas Besonderes.

Man zog seine besten Sachen an.

Man kämmte die Haare.

Man stellte sich ordentlich hin.

Und dann wurde dieser eine Moment für die Zukunft festgehalten.

Für Kinder.

Für Enkel.

Für kommende Generationen.

Wahrscheinlich hätte niemand von ihnen gedacht, dass ihre Bilder eines Tages in einer Trödelscheune landen würden.

Der junge Mann aus Bergedorf

Besonders lange blieb ich an einem Bild hängen.

Ein junger Mann.

Ernst.

Aufrecht.

Fast stolz.

Auf der Rückseite stand der Name eines Fotografen aus Bergedorf.

Mehr wusste ich nicht.

Und trotzdem begann mein Kopf Geschichten zu erzählen.

Vielleicht stand er kurz vor seiner Konfirmation.

Vielleicht hatte er gerade eine Lehrstelle bekommen.

Vielleicht wollte er die Welt entdecken.

Vielleicht hatte er Träume, die nie in Erfüllung gingen.

Vielleicht aber auch welche, die viel größer wurden, als er es sich damals vorstellen konnte.

Wir wissen es nicht.

Und genau das macht diese Bilder so faszinierend.

Sie geben Antworten und stellen gleichzeitig tausend neue Fragen.

Das Familienbild

Dann gab es noch dieses Familienfoto.

Vater.

Mutter.

Mehrere Kinder.

Ein Säugling auf dem Arm.

Alle stehen vor einer schweren Tür.

Für einen Moment wirkt alles vollkommen.

Fast wie eingefroren.

Doch das Leben blieb natürlich nicht stehen.

Die Kinder wurden größer.

Die Eltern älter.

Es wurde gelacht.

Es wurde gestritten.

Es wurde geweint.

Vielleicht wurde jemand krank.

Vielleicht zog jemand fort.

Vielleicht kam Krieg.

Vielleicht kam Liebe.

Vielleicht beides.

Und während ich dieses Bild betrachtete, musste ich an uns denken.

An unsere Familien.

An unsere Kinder.

An unsere Erinnerungen.

Denn irgendwann werden auch unsere Fotos alt sein.

Was bleibt eigentlich von uns?

Diese Frage hat mich auf der Heimfahrt beschäftigt.

Was bleibt eigentlich von uns?

Fotos?

Briefe?

Geschichten?

Ein paar Gegenstände?

Oder vielleicht etwas ganz anderes?

Wir verbringen unser Leben damit, Termine einzuhalten, Rechnungen zu bezahlen, den Alltag zu organisieren und uns über Dinge aufzuregen, die morgen vielleicht schon keine Rolle mehr spielen.

Doch wenn hundert Jahre vergangen sind, interessiert das niemanden mehr.

Dann bleiben vielleicht nur ein paar Bilder.

Ein Lächeln.

Ein Blick.

Eine Erinnerung.

Und plötzlich wird einem bewusst, wie kostbar diese kleinen Momente eigentlich sind.

Die Geschichte hinter den Geschichten

Natürlich musste ich sofort an meine Mäuse denken.

An Bruno.

An Tilda.

An Lulu.

Denn wenn jemand die Geheimnisse dieser Fotografien entdecken könnte, dann wahrscheinlich sie.

Ich stelle mir vor, wie sie die Bilder auf einem alten Dachboden finden.

Wie sie rätseln.

Forschen.

Hinweise entdecken.

Vielleicht finden sie einen verlorenen Brief.

Eine Brosche.

Ein Tagebuch.

Vielleicht verbirgt sich hinter jedem Foto eine Geschichte, die darauf wartet, weitererzählt zu werden.

Und genau das liebe ich an solchen Funden.

Sie öffnen Türen.

Nicht in die Vergangenheit.

Sondern in die Fantasie.

Warum mich solche Dinge berühren

Vielleicht liegt es daran, dass ich in meinem Beruf täglich sehe, wie wertvoll Erinnerungen sind.

Wie Menschen von früher erzählen.

Von ihrer ersten Liebe.

Von ihrer Kindheit.

Von Kriegszeiten.

Von Familienfesten.

Von Dingen, die längst vergangen sind und trotzdem noch heute Tränen oder ein Lächeln hervorbringen.

Erinnerungen machen uns zu dem Menschen, der wir sind.

Und manchmal reicht ein altes Foto aus, um all das wieder lebendig werden zu lassen.

Selbst dann, wenn niemand mehr weiß, wie die Menschen darauf hießen.

Manchmal findet man etwas viel Wertvolleres

Eigentlich wollte ich an diesem Tag einen alten Koffer finden.

Oder eine Lampe.

Oder irgendeine Requisite für meine Geschichten.

Stattdessen fand ich etwas ganz anderes.

Gesichter.

Geschichten.

Erinnerungen.

Und die Erkenntnis, dass hinter jedem Menschen ein ganzes Leben steckt.

Auch hinter denen, die längst vergessen wurden.

Vielleicht ist das die eigentliche Magie solcher Orte.

Man fährt hin, um etwas Bestimmtes zu suchen.

Und findet am Ende etwas, wonach man nie gesucht hat.

Aber genau das, was man in diesem Moment gebraucht hat.

Und während du vielleicht gerade an ein altes Foto denkst, an Menschen, deren Namen längst vergessen sind, oder an Erinnerungen, die irgendwo in einer Schublade auf ihre Entdeckung warten, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, betrachtet die vergilbten Bilder und flüstert:


Vielleicht verschwinden Menschen nie ganz. Vielleicht bleiben sie in Geschichten, in Erinnerungen und in den Herzen derjenigen, die einen Moment innehalten und sich fragen, wer sie einmal waren.

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Pflege zwischen Menschlichkeit und Erschöpfung- Warum so viele Pflegekräfte kämpfen und trotzdem bleiben

Ich arbeite seit 17 Jahren in der Pflege.
Und ehrlich? Allein dieser Satz fühlt sich manchmal völlig verrückt an.
17 Jahre.
Manchmal sage ich scherzhaft: „Ich habe durchgehalten.“
Und irgendwie stimmt das sogar.
Denn Pflege ist kein Beruf, den man einfach nur „macht“.
Pflege verändert Menschen.
Emotional. Körperlich. Psychisch.
Und trotzdem bin ich noch da.


Warum ich überhaupt in die Pflege gegangen bin?
Die Wahrheit ist: Ich bin ursprünglich gar nicht mit dieser großen romantischen Vorstellung in die Pflege gegangen.
Nicht: „Das war schon immer mein Traum.“
Nicht: „Ich wusste sofort, dass das meine Berufung ist.“ Also das ich Mal was mit Menschen machen wollte war schon da, aber in den 90er Jahren war der Ruf der Pflegeheime nicht gerade gut.
Ganz ehrlich?
Ich wollte einfach nicht mehr im Verkauf arbeiten und etwas aus meinem Leben machen.
Es war meine zweite Ausbildung.
Und wenn ich ehrlich bin: Ich hatte damals überhaupt keine Ahnung, was Pflege wirklich bedeutet.
Wahrscheinlich geht es den meisten so, die vorher nie direkt mit Pflege zu tun hatten.
Von außen sieht man:
Menschen helfen
Medikamente geben
freundlich sein
Aber was Pflege emotional wirklich bedeutet, versteht man erst, wenn man mittendrin steht.


Ich weiß noch, wie ich am Anfang in der Pflege ankam und erstmal dachte:
„Oh Gott. Was mache ich hier eigentlich?“
Der Geruch. Die Verantwortung. Die Krankheiten. Die alten Menschen. Das Leid. Der Tod.
Das alles erschlägt einen am Anfang.
Und ehrlich? Ein Teil von mir wollte umkehren.
Aber dann passierte etwas.
Ich sah plötzlich, was ich bewirken konnte.
Nicht immer medizinisch.
Aber menschlich.
Und genau das hat mich gehalten.


Pflege bedeutet nämlich oft nicht nur:
waschen
Medikamente
Dokumentation
Versorgung
Pflege bedeutet: Hände halten.
Zuhören.
Dasein.
Ruhe ausstrahlen.
Menschen Sicherheit geben.
Und manchmal reicht dafür schon etwas unglaublich Kleines: fünf Minuten echte Zeit.


Es gibt Momente in der Pflege, die vergisst man nie.
Ein Blick. Ein Händedruck. Ein leises: „Danke.“
Oder dieser Moment, wenn ein Mensch einfach ruhiger wird, weil du da bist.
Und genau das ist wahrscheinlich der Grund, warum viele Pflegekräfte trotz allem bleiben.
Weil man merkt: Man kann etwas bewirken.
Auch wenn die Welt draußen oft gar nicht versteht, wie wichtig genau diese kleinen Momente eigentlich sind.


Aber Pflege ist eben leider nicht nur Menschlichkeit.
Pflege ist auch ein unglaublich hartes Pflaster.
Man muss sich Respekt oft regelrecht erkämpfen, obwohl man gelernt hat jeden Respektvoll zu behandeln. In der Pflege ist es anders.
Von Kollegen. Von Angehörigen. Vom System. Manchmal sogar von sich selbst.
Und das verändert einen.
Man wird härter. Direkter. Belastbarer.
Zumindest nach außen.
Denn innerlich nimmt man trotzdem vieles mit nach Hause.


Das ist etwas, worüber viel zu wenig gesprochen wird.
Pflegekräfte erleben ständig Dinge, die emotional schwer sind.
Ängstliche Menschen. Kranke Menschen. Einsamkeit. Demenz. Verzweiflung. Sterben. Tod.
Und irgendwann merkt man: Das bleibt nicht komplett draußen vor der Tür.
Es verändert den Blick aufs Leben.
Man beginnt plötzlich anders über Zeit nachzudenken. Über Gesundheit. Über Familie. Über das Älterwerden. Und auch wenn man gelernt hat viele Dinge nicht mehr mit nach Hause zu nehmen, so bleibt es trotzdem irgendwie in einem hängen.


Was viele vergessen: Pflegekräfte funktionieren zwar oft unglaublich lange.
Aber wir sind trotzdem auch nur Menschen.
Wir lachen. Wir fühlen. Wir trauern. Wir werden müde.
Und manchmal sitzt man nach einem Dienst im Auto und merkt plötzlich erst, wie erschöpft man eigentlich ist.
Nicht nur körperlich. Sondern emotional.


Oder vielleicht fühlt es sich zumindest so an.
Denn heute wirkt oft alles:
schneller
voller
stressiger
bürokratischer
Die Dokumentation wird immer mehr, obwohl versprochen wurde das es weniger wird.
Listen. Nachweise. Kontrollen. Vorgaben.
Und manchmal hat man das Gefühl: Die Dokumentation ist wichtiger geworden als der Mensch selbst.
Natürlich ist Dokumentation wichtig, die sichert dich ab.
Aber Pflege besteht eben nicht nur aus Formularen.
Pflege besteht aus Menschen.


Früher hatten viele Menschen vor allem Angst:
vor Krankheit
vor Schmerzen
vor dem Sterben
Heute kommt noch etwas anderes dazu:
Die Angst davor, sich Pflege überhaupt leisten zu können.
Und ehrlich? Die Summen, um die es mittlerweile geht, können sich viele Menschen kaum noch vorstellen. Pro Monat versteht sich.
Menschen haben ihr Leben lang gearbeitet. Eingezahlt. Aufgebaut. Gespart und dann kommen sie mit ihrem Ersparten nur eine kurze Zeit hin.
Und plötzlich sitzen sie da und rechnen: „Wie lange reicht mein Geld noch?“
Das macht etwas mit Menschen.


Und dann beginnt oft noch der nächste Kampf.
Anträge. Ablehnungen. Widersprüche.
Pflegekräfte erleben das ständig mit.
Menschen müssen um Leistungen kämpfen, obwohl sie oft ihr ganzes Leben lang eingezahlt haben.
Und Angehörige sind irgendwann genauso erschöpft.
Weil sie:
organisieren
kämpfen
telefonieren
Formulare ausfüllen
Lösungen suchen, während sie gleichzeitig emotional ohnehin schon belastet sind.


Und dann kommt das größte Problem überhaupt: Es kommt kaum noch Personal nach.
Der Versorgungsengpass ist riesig.
Und das merken längst alle:
Bewohner
Angehörige
Pflegekräfte
Einrichtungen
Die Menschen haben Bedürfnisse.
Natürlich haben sie die.
Sie möchten:
gesehen werden
versorgt werden
Gespräche
Aufmerksamkeit
Sicherheit
Und eigentlich am liebsten jemanden, der rund um die Uhr Zeit hat.
Aber die Realität sieht oft anders aus.


Stell dir vor: Du bist verantwortlich für unglaublich viele Menschen gleichzeitig.
Alle brauchen etwas.
Hier klingelt jemand. Dort ruft jemand. Jemand weint. Jemand hat Schmerzen. Jemand braucht Hilfe auf Toilette. Jemand hat Angst. Jemand ist gestürzt.
Und du bist trotzdem nur ein Mensch.
Kein Roboter.
Keine Maschine.
Ein Mensch.
Mit einem Körper. Mit Grenzen. Mit Erschöpfung.

Viele fragen: „Warum sind so viele Pflegekräfte krank?“
Weil die Belastung irgendwann Grenzen erreicht.
Psychisch. Körperlich. Emotional.
Ständiges Einspringen. Unterbesetzung. Druck. Zeitmangel. Schichtdienste. Verantwortung.
Und trotzdem versucht man weiterzumachen.
Weil da eben Menschen sind.


Dieses Gefühl niemals fertig zu werden, das ist etwas, das viele Außenstehende schwer verstehen.
In der Pflege hat man oft nie wirklich das Gefühl: „Jetzt bin ich fertig.“
Denn irgendwo braucht immer jemand etwas.
Und selbst wenn du gerade einem Menschen helfen möchtest, wartet oft schon der nächste.
Das erzeugt dauerhaft Stress.
Vor allem für Menschen, die ihren Beruf eigentlich mit Herz machen.


Und trotzdem liebt man den Beruf irgendwie.
Das Verrückte ist: Viele Pflegekräfte lieben ihren Beruf trotzdem.
Nicht das System.
Aber den eigentlichen Kern von Pflege.
Den Menschen vor sich.
Diesen Moment, wenn jemand plötzlich lächelt. Ruhiger wird. Sich verstanden fühlt.
Und manchmal reicht dafür wirklich nur: fünf Minuten ehrliche Aufmerksamkeit.
Pflegekräfte retten nicht nur körperlich.
Sie tragen oft auch:
Einsamkeit
Angst
Verzweiflung
Trauer
Orientierungslosigkeit mit.
Viele Bewohner sehen Pflegekräfte häufiger als ihre eigenen Angehörigen.
Und genau deshalb wird Pflege emotional oft so unterschätzt.


Und dann kommt die stille Erschöpfung.
Ich glaube, viele Pflegekräfte funktionieren jahrelang im Überlebensmodus.
Man macht weiter. Springt ein. Hält durch.
Bis der Körper irgendwann selbst stoppt.
Mit:
Rückenschmerzen
Schlafproblemen
Erschöpfung
psychischer Belastung
Denn auch Belastbarkeit hat Grenzen.


Aber das Problem ist größer als einzelne Einrichtungen.
Und genau deshalb bringt es oft wenig, nur einzelne Häuser oder einzelne Menschen zu kritisieren.
Das Problem ist viel größer.
Zu wenig Nachwuchs. Zu wenig Anerkennung (und da nützt es nicht auf einem Balkon zu klatschen). Zu wenig Personal. Zu hohe Belastung. Eine immer älter werdende Gesellschaft.
Und trotzdem läuft das System vielerorts nur noch, weil Menschen sich ständig selbst über ihre Grenzen hinaus antreiben.

Das nächste Problem was aktuell besteht ist die generalisierte Ausbildung zum Pflegefachmann/Pflegefachfrau. Wenn ich an meine Zeit denke der Ausbildung, dann hat man uns die Themen so lange „reingeprügelt“ bis wir es verstanden haben. Aber heute habe ich das Gefühl das die Azubis nicht Mal mehr Blutdruck messen können. Sie haben 3 Berufe in eine Ausbildung gesteckt. Die Altenpflege, die Krankenschwester und die Kinderkrankenschwester. Und die Kinderkrankenschwester leidet da am meisten, denn Kinder haben einen anders funktionierenden Kreislauf als wir Erwachsenen und wenn ich man die Ausbildung kürzt, wird’s gefährlich. Ich wäre dafür alles wieder rückgängig zu machen und jedem seine Ausbildung genießen zu lassen wie früher.


Was Pflege eigentlich bräuchte.
Mehr Zeit.
Mehr Personal.
Mehr Menschlichkeit.
Und vielleicht auch mehr Verständnis dafür, was Pflege wirklich bedeutet.
Denn Pflege ist nicht „nur waschen“.
Pflege bedeutet: Menschen begleiten.
Manchmal bis zum letzten Atemzug.


Mein persönlicher Gedanke nach 17 Jahren Pflege.
Nach 17 Jahren weiß ich: Pflege kann Menschen kaputt machen.
Aber sie kann auch unglaublich menschlich sein.
Ich habe dort:
Leid gesehen
Einsamkeit
Angst
Sterben
Aber auch:
Wärme
Dankbarkeit
Nähe
Menschlichkeit
Und vielleicht bleiben viele Pflegekräfte genau deshalb trotz allem.
Nicht wegen der perfekten Bedingungen.
Sondern wegen der Menschen.


Und während du vielleicht gerade an Pflegekräfte, Angehörige oder an Menschen denkst, die täglich versuchen, trotz Überlastung noch Menschlichkeit zu schenken, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, schaut liebevoll in diese erschöpfte Welt hinein und flüstert:


„Vielleicht ist echte Pflege nicht das perfekte Funktionieren eines Systems, sondern ein Mensch, der einem anderen Menschen trotz aller Müdigkeit noch Wärme schenkt.“

Schön das du hier bist 🩶

Outlander, Zeitreisen und die Frage, ob Liebe vielleicht wirklich stärker ist als Zeit

Welche Serie hatte das perfekte Serienfinale?

Es gibt Serien, die schaut man nebenbei.
Und dann gibt es Serien, die plötzlich etwas mit einem machen.
Die sich langsam ins Herz schleichen. Die einen nicht mehr loslassen. Die man beendet und trotzdem weiter mit sich herumträgt.
Für mich war genau das Outlander.
Und ehrlich? Als mir die Serie damals empfohlen wurde, dachte ich zuerst: „Was für ein Quatsch.“
Zeitreisen? Historische Liebesgeschichte? Fantasy? Klang für mich erstmal nach einer Mischung, die überhaupt nicht meins ist.
Doch dann kam Folge zwei.
Und plötzlich hatte mich diese Serie komplett.


Was Outlander für mich so besonders gemacht hat, waren nie nur die großen Geschichten oder dramatischen Szenen.
Es waren die Menschen.
Claire. Jamie. Ihre Stärke. Ihre Fehler. Ihre Liebe. Ihre Verluste.
Die Charaktere fühlten sich nie oberflächlich an.
Sie wirkten echt.
Nicht perfekt. Nicht geschniegelt. Nicht wie typische Hochglanzfiguren.
Sondern menschlich.
Und genau deshalb funktioniert diese Serie so unglaublich gut.

Was mich außerdem sofort gefesselt hat: Diese Welt fühlte sich erschreckend real an.
Politisch. Gesellschaftlich. Historisch.
Man sieht plötzlich eine Zeit, die gleichzeitig faszinierend und brutal war.
Krankheiten. Kriege. Gewalt. Machtkämpfe. Hungersnöte. Der ständige Kampf ums Überleben.
Und gleichzeitig: Natur. Freiheit. Tiefe Verbundenheit. Familie. Liebe.
Man schaut diese Serie und denkt irgendwann: „Wie unfassbar hart dieses Leben gewesen sein muss.“
Und trotzdem wirken viele Menschen dort manchmal lebendiger als heute.
Vielleicht weil damals vieles unmittelbarer war. Roh. Direkt. Echt.

Claire hat mich wahrscheinlich am meisten fasziniert.
Weil sie nicht nur „die Frau an Jamies Seite“ ist.
Sie ist stark. Klug. Modern. Mutig. Und gleichzeitig unglaublich verletzlich.
Sie trägt Wissen aus einer anderen Zeit in sich. Medizinisches Wissen. Menschlichkeit. Verantwortung.
Und oft steht sie zwischen zwei Welten: Der Vergangenheit und der Zukunft. Dem Rationalen und dem Spirituellen. Dem, was erklärbar ist und dem, was man nur fühlen kann.

Was Outlander so besonders macht: Man hatte ständig das Gefühl: „Das war’s jetzt.“
Und trotzdem ging es immer weiter.
Irgendwie fanden die Figuren immer wieder zurück zueinander. Nicht ohne Narben. Nicht ohne Schmerz. Aber immer mit dieser unglaublichen Verbindung.
Und genau das macht gute Serien aus: Wenn man nicht nur zusieht. Sondern mitfühlt.

Eine der faszinierendsten Szenen der ganzen Serie passiert eigentlich ziemlich leise.
Nicht laut. Nicht spektakulär. Nicht voller Action.
Sondern fast versteckt.
In Staffel 4 begegnet Claire einer Cherokee-Heilerin.
Adawehi.
Und diese Szene trägt plötzlich etwas Mystisches in sich.
Etwas, das erst viel später wirklich Bedeutung bekommt.

Adawehi erzählt von einem Traum.
Claire verwandelt sich darin in einen weißen Raben. Sie verschlingt den Mond. Und legt ein Ei, das einen heilenden Stein enthält.
Schon allein diese Bilder wirken fast wie aus einem alten Märchen.
Aber dann sagt die Heilerin etwas, das zunächst fast nebensächlich wirkt:
„Du besitzt jetzt Medizin. Aber du wirst noch mehr haben. Wenn dein Haar weiß ist wie Schnee, wirst du Weisheit besitzen, die jenseits der Zeit liegt.“
Und ehrlich? Beim ersten Schauen nimmt man das gar nicht so wahr.
Man denkt: Schöne mystische Szene. Interessanter Moment. Und weiter geht’s.
Doch genau das ist die Stärke von Outlander: Die Serie pflanzt Dinge ein, die erst später ihre Bedeutung entfalten.

Claire heilt zunächst mit dem Wissen ihrer Zeit. Mit Medizin. Mit Erfahrung. Mit Instrumenten.
Doch die Prophezeiung deutet etwas anderes an: Dass ihre Fähigkeit irgendwann über das rein Medizinische hinausgeht.
Fast spirituell wird. Fast magisch.
Und genau das spürt man in der letzten Staffel plötzlich zum ersten Mal wirklich.

Diese Szene hat mich tief berührt.
Claire schafft es, ein totgeglaubtes Neugeborenes zurück ins Leben zu holen.
Und plötzlich denkt man zurück an die Cherokee-Heilerin.
An ihre Worte.
An den weißen Raben. An die Macht. An die Weisheit. An das weiße Haar.
Und erst da beginnt man zu verstehen: Die Prophezeiung lief die ganze Zeit leise im Hintergrund mit.

Und dann kam das Finale.
Und Gott… ich fand es beim ersten Mal ehrlich gesagt richtig schlimm.
Nicht weil es emotional war.
Sondern weil es sich so offen angefühlt hat.
Jamie wird erschossen. Er stirbt. Claire liegt neben ihm. Sie schließt die Augen.
Abspann.
Und ich saß da und dachte nur: „Das kann doch jetzt nicht euer Ernst sein.“
Nach all diesen Jahren. Nach all diesen Geschichten. Nach all diesem Schmerz.
So?

Doch dann geht die Kamera wieder auf.
Claire hat plötzlich weiße Haare.
Beide öffnen die Augen.
Und genau dort endet die Serie.
Ohne Erklärung.
Ohne Antwort.
Einfach Schluss.
Und zuerst empfand ich das wirklich als frustrierend.
Weil man Antworten möchte. Sicherheit. Ein klares Ende.
Aber je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr begann ich dieses Ende zu verstehen.

Denn plötzlich ergibt die Prophezeiung Sinn.
Claire. Weiße Haare. Die Macht zu heilen. Jenseits der Zeit.
Vielleicht holt sie Jamie zurück.
Vielleicht überschreitet ihre Fähigkeit dort endgültig die Grenzen der normalen Medizin.
Vielleicht erfüllt sich genau in diesem Moment die Vision der Cherokee-Heilerin.
Und das Verrückte ist: Die Serie sagt es uns nie eindeutig.
Und genau deshalb bleibt sie im Kopf.

Ich glaube inzwischen: Manche Geschichten brauchen kein komplett fertiges Ende.
Weil sie sonst aufhören würden zu leben.
Ein offenes Ende bleibt.
Es arbeitet weiter in uns.
Man denkt darüber nach. Man diskutiert. Man interpretiert. Man fühlt weiter.
Und genau deshalb hat mich dieses Ende am Ende vielleicht sogar mehr berührt als ein komplett erklärtes Happy End.


Was Outlander für mich eigentlich erzählt
Für mich ist Outlander viel mehr als nur eine Liebesgeschichte.
Es geht um:
Zeit
Verlust
Erinnerung
Heilung
Schicksal
Stärke
Menschlichkeit
Und vielleicht auch um die Frage: Ob Liebe manchmal stärker ist als Zeit selbst.
Es gibt Serien, die man schaut und wieder vergisst.
Und dann gibt es Geschichten, die irgendwo in einem wohnen bleiben.
Nicht weil sie perfekt waren. Sondern weil sie etwas ausgelöst haben.
Outlander hat genau das geschafft.
Die Serie war manchmal brutal. Manchmal traurig. Manchmal wunderschön. Manchmal kaum auszuhalten.
Aber sie war nie leer.
Und vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen Unterhaltung und einer Geschichte, die Menschen wirklich berührt.


Und während du vielleicht gerade an deine eigene Lieblingsserie denkst oder an eine Geschichte, die dich nie ganz losgelassen hat, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise zwischen alten Büchern, Zeitreisen und Erinnerungen, schaut verträumt zum Mond hinauf und flüstert:

„Vielleicht bleiben die stärksten Geschichten nicht deshalb bei uns, weil sie perfekt enden, sondern weil sie einen Teil von uns mitnehmen, lange nachdem der Abspann längst vorbei ist.“

Schön das du hier bist 🩶