Darf ich in dieser Welt noch unperfekt sein, mit meinen Fehlern, meinen Zweifeln ganz mein? Wenn alles berechnet und besser sein muss, wird Menschlichkeit irgendwann nur noch Verdruss?
Wir wählen schon aus, was ein Kind einmal kann, wie klug und wie sportlich – nach messbarem Plan. Gesund soll es sein und erfolgreich dazu, doch wo bleibt das Leben, das sagt: „Sei einfach du“?
Die Handys sind schneller, die Maschinen gescheit, wir sparen Sekunden und verlieren doch Zeit. Wir rennen und leisten, bis keiner mehr kann, doch wer fängt die müden Gedanken noch auf irgendwann?
Die Seelen sind voll, doch die Wartezeit lang, kein Platz für die Menschen mit Sorge und Bang. Und irgendwann fragt eine Gesellschaft vielleicht: Wer bleiben darf, wenn ein Mensch nicht mehr „reicht“?
Wird Krankheit zum Makel, Gesundheit zur Pflicht, tauschen wir Menschen, die funktionieren nicht? Wer entscheidet dann über wertvoll und klein? Darf ich in dieser Welt noch unperfekt sein?
Science-Fiction war gestern ein ferner Planet, heut staunen wir, wie nah manches vor uns schon steht. Was früher im Kino noch Zukunft erschien, beginnt längst ganz leise ins Heute zu ziehn.
Menschen mit Chips und Maschinen im Blick, Roboter bestimmen vielleicht unser Glück. Doch wenn alles berechnet und steuerbar scheint, wer merkt dann noch, wenn irgendwo jemand weint?
Vielleicht liegt im Fehler das Menschlichste drin, im Stolpern, im Fühlen, im eigenen Sinn. Ich möchte nicht perfekt – nur lebendig noch sein, denn genau meine Fehler machen mich mein.
Welcher Film oder welches Buch hat dich dazu inspiriert zu reisen?
Ganz klar: Outlander Die heutige Frage im Daily Prompt lautet: Welcher Film oder welches Buch hat dich dazu inspiriert zu reisen? Und ich musste tatsächlich gar nicht lange überlegen. Aber bevor wir gedanklich unsere Koffer packen und durch die schottischen Highlands ziehen, muss ich euch erst einmal etwas erklären. Ich reise nämlich gerne. Wirklich. Allerdings am liebsten in Deutschland. Nicht, weil ich andere Länder nicht interessant finde. Ganz im Gegenteil. Es gibt so viele Orte auf dieser Welt, die ich gerne einmal sehen würde. Landschaften, Kulturen und vor allem Geschichte interessieren mich unglaublich. Mein Problem liegt eher darin, wie ich dorthin komme. Fliegen. Allein der Gedanke daran lässt meine innere Kontrollzentrale nervös werden. Natürlich weiß ich, dass Fliegen sicher ist. Natürlich weiß ich auch, dass vorne jemand sitzt, der sehr genau weiß, was er tut. Aber trotzdem denke ich mir: Runter kommen sie ja alle. Die Frage ist nur wie. Ja, ich weiß. Nicht unbedingt die beste Einstellung, wenn man entspannt in ein Flugzeug steigen möchte. Mein eigentliches Problem ist aber gar nicht unbedingt die Höhe. Es ist die Kontrolle. Ich muss mein Leben in die Hände eines Menschen legen, den ich überhaupt nicht kenne. Da sitzt vorne irgendwo ein Pilot, den ich nicht einmal persönlich begrüßt habe, und plötzlich soll ich ihm vertrauen, dass er mich in mehreren tausend Metern Höhe sicher durch die Gegend fliegt. Und ich? Ich sitze hinten und kann nichts machen. Gar nichts. Ich kann nicht bremsen. Nicht rechts ranfahren. Nicht sagen: „Warte mal, hier stimmt irgendwas nicht.“ Ich muss einfach vertrauen. Und Kontrolle abgeben? Kann ich richtig gut. Nicht. Also bleibe ich bisher lieber mit beiden Füßen auf dem Boden und reise durch Deutschland. Und ganz ehrlich: Auch hier gibt es unglaublich viel zu entdecken. Deutschland ist wunderschön. Wir haben Berge, Seen, Wälder und das Meer. Kleine Dörfer, in denen man das Gefühl hat, die Zeit wäre irgendwann einfach stehen geblieben. Alte Städte, Burgen, Schlösser und Orte, an denen Geschichte plötzlich nicht mehr nur etwas ist, das in einem Schulbuch steht. Genau das liebe ich. Ich möchte irgendwo stehen und mich fragen: Was ist hier wohl vor 500 Jahren passiert? Wer ist hier entlanggelaufen? Wer hat hier gelebt? Welche Geschichten könnten diese Mauern erzählen, wenn sie sprechen könnten? Vielleicht ist das auch der Grund, warum mich eine Serie ganz besonders zum Reisen inspiriert hat: Outlander. Wenn es einen Ort gibt, den ich unbedingt einmal sehen möchte, dann ist es Schottland. Diese Landschaft. Diese Weite. Diese Burgen. Der Nebel. Die Highlands. Alles wirkt irgendwie mystisch. Als würde hinter dem nächsten Hügel eine Geschichte warten, die längst vergessen wurde. Ich stelle mir vor, wie man dort steht, der Wind einem um die Ohren weht und man auf eine Landschaft schaut, auf der vor Jahrhunderten Menschen gelebt, geliebt und gekämpft haben. Schlachten wurden auf Feldern ausgetragen, über die heute vielleicht Menschen spazieren, ohne zu wissen, was dort einmal geschehen ist. Burgen stehen als Ruinen in der Landschaft und trotzdem erzählen ihre wenigen verbliebenen Mauern noch Geschichten. Menschen haben dort Großes erschaffen. Andere haben alles verloren. Generationen kamen und gingen. Und die Landschaft? Die ist geblieben. Genau das fasziniert mich an Geschichte. Plötzlich merkt man, wie klein unsere eigene Zeit eigentlich ist. Wir leben jetzt. Aber vor uns waren schon so viele andere Menschen hier. Mit ihren Sorgen. Ihren Hoffnungen. Ihren Familien. Mit Liebe, Streit und vermutlich auch dem ein oder anderen Teenager, der seine Mutter in den Wahnsinn getrieben hat. Manche Dinge ändern sich wahrscheinlich nie. Outlander hat bei mir genau diese Sehnsucht geweckt. Nicht unbedingt danach, durch irgendwelche Steine ins 18. Jahrhundert zu fallen. Obwohl ich zugeben muss, dass ich vermutlich trotzdem einmal vorsichtig meine Hand drauflegen würde. Nur zur Sicherheit. Aber ich möchte dieses Land sehen. Ich möchte durch die Highlands fahren. Vor einer alten Burg stehen. Den Wind spüren. Vielleicht einen dieser geheimnisvollen Orte besuchen und für einen Moment einfach nur still sein. Und natürlich würde mein Gehirn sofort anfangen, sich irgendwelche Geschichten auszudenken. Wer war hier? Was ist hier passiert? Und wenn plötzlich irgendwo ein Mann im Kilt auftaucht, würde ich vermutlich kurz überlegen, in welchem Jahrhundert ich eigentlich gerade bin. Man weiß ja nie. Bisher ist Schottland noch ein Traum. Aber einer, den ich mir erfüllen möchte. Irgendwann werde ich meine Kontrollzentrale vermutlich davon überzeugen müssen, dass man nicht jeden Weg mit dem Auto zurücklegen kann. Vielleicht werde ich dann in einem Flugzeug sitzen, mich am Sitz festhalten und dem Piloten gedanklich alle fünf Minuten sagen: „Du machst das gut. Einfach genauso weitermachen.“ Und irgendwann stehe ich dann hoffentlich dort. In Schottland. Mitten in dieser Landschaft, die mich schon durch einen Bildschirm fasziniert hat. Denn manchmal beginnt eine Reise lange bevor wir tatsächlich losfahren. Manchmal beginnt sie mit einer Geschichte. Mit einem Film. Mit einer Serie. Oder einfach mit diesem kleinen Gedanken: Da möchte ich irgendwann einmal stehen. Und genau das hat Outlander mit mir gemacht. Schottland steht auf meiner Liste. Nicht irgendwann vielleicht. Sondern irgendwann ganz bestimmt.
Und wenn irgendwo ein kleiner Wichtel mit einem winzigen Koffer vor einem schottischen Schloss steht, den Wind um die Zipfelmütze wehen lässt und vorsichtig einen alten Stein berührt, dann denkt er vielleicht:
Manche Reisen beginnen mit einer Geschichte und manche Träume warten einfach geduldig darauf, dass wir endlich den Mut haben, loszufahren.
Vor drei Jahren fand ich ein kleines Haus, alt und vom Wasser gezeichnet sah es aus. Fast sechzig Jahre hatte es schon gesehen, wer weiß, welche Kinder einst davor stehen.
Ich nahm es mit und schenkte ihm Zeit, gab ihm ein neues, kleines Kleid. Für die Wichtel meiner Tochter sollte es sein, ein Zuhause, behaglich, warm und klein.
Heute wird darin nur selten gespielt, doch es ist ein Anblick, der mir gefiel. So steht es da, still und fein, und manchmal lädt es zum Erinnern ein.
Denn als ich einer Bewohnerin davon erzähle, berührt meine Geschichte etwas in ihrer Seele. Sie lächelt und erinnert sich daran, was ihr Vater einst für sie ersann:
Ein Puppenhaus, zum Aufklappen gemacht, vom Vater gebaut und für sie erdacht. Ein kleines Zuhause, mit Liebe versehen, ich kann es fast vor ihren Augen sehen.
Doch dann kam der Krieg, sie mussten fort, fliehen aus Königsberg, verlassen den Ort. So vieles blieb zurück in jener Zeit, auch ihr Puppenhaus aus der Kindheit.
„Für andere Kinder“, erzählt sie mir leise, blieb es zurück auf ihrer langen Reise. Vielleicht wurde dort weitergeträumt und gelacht, vielleicht hat es anderen Kindern Freude gemacht.
Mein Puppenhaus steht heute noch bei mir, doch manchmal öffnet es eine unsichtbare Tür. Nicht nur zu Wichteln, zu Kinderspiel, es führt zu Erinnerungen, warm und still.
Zu einem Vater, zu längst vergangener Zeit, zu einem kleinen Stück Geborgenheit. Und während sie erzählt und dabei lacht, hat ein altes Puppenhaus Vergangenes wieder lebendig gemacht.
Heute ist wieder so ein Hormontag. Andere Menschen nennen ihn Sonntag. Ich nenne ihn Hormontag. Denn meine Hormone haben offensichtlich beschlossen, dass Sonntag kein Ruhetag ist. Nein. Während andere gemütlich frühstücken, spazieren gehen oder einfach auf der Couch liegen, veranstalten Östrogen und Progesteron in meinem Körper offenbar eine interne Betriebsversammlung. Wer übernimmt heute die Macht? Wer bekommt den Thron? Und vor allem: Warum findet diese Veranstaltung ausgerechnet in mir statt?
Liebes Universum, können wir bitte einmal darüber sprechen? Warum müssen Frauen eigentlich das große Abenteuerexperiment der Natur sein? Pubertät. Periode. Schwangerschaft. Geburt. Und wenn du denkst, du hättest jetzt langsam alles durchgespielt, öffnet sich plötzlich das nächste Level: Wechseljahre. Herzlichen Glückwunsch! Neue Symptome wurden freigeschaltet. Mein aktuelles Highlight? Kribbeln auf der Kopfhaut. Ja. Auch das gibt es. Ich sitze also nichtsahnend da und plötzlich fühlt es sich an, als würde etwas über meinen Kopf laufen. Meine erste Reaktion? Läuse. Natürlich. Wenn man ein Exemplar großgezogen hat, kennt man schließlich die üblichen Verdächtigen. Also stehe ich vor dem Spiegel. Ich schaue. Nichts. Ich schaue noch einmal. Immer noch nichts. Ich durchsuche meine Haare inzwischen mit einer Gründlichkeit, mit der andere Menschen vermutlich archäologische Ausgrabungen durchführen. Nichts. Keine Laus. Keine Ameise. Kein heimlicher Mitbewohner. Und trotzdem kribbelt es. Also stehe ich da und denke: Was zur Hölle macht mein Körper jetzt schon wieder? Es fühlt sich manchmal an, als würden winzige Ameisen direkt unter meiner Kopfhaut spazieren gehen. Nicht darauf. Darunter. Sehr angenehm. Nicht.
Und natürlich gibt es auch dafür einen Namen. Solche Kribbel-, Prickel- oder „Ameisenlauf“-Empfindungen können zu sogenannten Parästhesien gehören. In den Wechseljahren können hormonelle Schwankungen dabei eine Rolle spielen, weil Östrogen unter anderem Einfluss auf Haut, Feuchtigkeit und Nervenfunktionen hat. Sinkende oder stark schwankende Hormonspiegel können deshalb bei manchen Frauen ungewöhnliche Missempfindungen begünstigen. Gleichzeitig können Kribbeln und ähnliche Empfindungen aber viele andere Ursachen haben, von gereizten Nerven bis hin zu Stoffwechsel- oder Vitaminproblemen.
Mit anderen Worten: Meine Hormone könnten beteiligt sein. Natürlich. Wer auch sonst? Wahrscheinlich sitzen Östrogen und Progesteron gerade irgendwo in meinem Körper, trinken Sekt und schauen zu, wie ich zum fünften Mal meine Kopfhaut untersuche. Dabei finde ich den Namen Wechseljahre inzwischen wirklich irreführend. Was genau wechselt denn da eigentlich? Meine Geduld? Meine Körpertemperatur? Meine Haut? Meine Haare? Meine Gelenke? Meine Stimmung? Meine Fähigkeit, einen Raum zu betreten und noch zu wissen, warum ich überhaupt dort bin? Ich munkel noch. Eigentlich müsste es Überraschungsjahre heißen. Du wachst morgens auf und weißt nie, welches Symptom heute an deiner persönlichen Haustür klingelt. „Guten Morgen, ich bin das Kribbeln.“ Ach, schön. Komm rein. Die Hitzewallung ist schon da. Mach es dir gemütlich. Das Gemeine ist nämlich, dass man bei den Wechseljahren meistens zuerst an Hitzewallungen denkt. Vielleicht noch an Stimmungsschwankungen. Aber niemand sagt dir: „Übrigens, möglicherweise fühlt sich dein Körper irgendwann an verschiedenen Stellen plötzlich komisch an und du wirst dich fragen, ob du dir das gerade einbildest.“
Tut man aber nicht unbedingt. Die hormonelle Umstellung in der Perimenopause ist tatsächlich keine gleichmäßige Abwärtsfahrt. Die Hormonspiegel können über längere Zeit schwanken, bevor die Menopause erreicht ist. Und genau deshalb können Beschwerden kommen, gehen und sich verändern. Heute kribbelt der Kopf. Morgen tut die Hüfte weh. Übermorgen schwitze ich beim Nichtstun. Und am Donnerstag fühle ich mich plötzlich hervorragend und denke: Ha! Ich hab’s geschafft! Nein, Ingrid. Hast du nicht. Es war nur Pause. Trotzdem versuche ich inzwischen, über viele dieser Dinge zu lachen. Mein Körper verändert sich. Und offenbar möchte er, dass ich jede einzelne Veränderung persönlich kennenlerne. Sehr aufmerksam von ihm.
Natürlich gilt trotzdem: Wenn so ein Kribbeln neu ist, anhält, stärker wird oder weitere Beschwerden dazukommen, sollte man es ärztlich abklären lassen und nicht automatisch alles auf die Wechseljahre schieben. Denn so praktisch unser Östrogen als Universalschuldiger auch ist – es ist eben nicht für alles verantwortlich. Aber heute? Heute ist Sonntag. Entschuldigung. Hormontag. Und während andere ihren Kaffee genießen, sitze ich da, kratze mir vorsichtig über den Kopf und hoffe, dass meine Hormone ihre kleine Betriebsversammlung bald beenden. Vielleicht einigen sie sich ja irgendwann. Vielleicht bekommt Östrogen den Thron. Vielleicht Progesteron. Mir eigentlich egal. Ich hätte nur gerne meinen Kopf zurück. Und wenn irgendwo ein kleiner Wichtel heute auf einem winzigen Sonntagssessel sitzt, seine Füße hochlegt und plötzlich ein Kribbeln unter seiner Zipfelmütze spürt, dann nimmt er sie vorsichtig ab, schaut hinein und murmelt:
„Keine Ameisen. Keine Läuse. Dann sind es wohl wieder die Hormone.“ Und irgendwo tief in meinem Körper lachen Östrogen und Progesteron wahrscheinlich gerade sehr laut.
Dankbar für den Tag, der leise geht, für alles, was im Herzen steht. Für kleine Wunder, sanft und fein, die oft verborgen bei uns sind daheim.
Dankbar für Menschen, die uns begleiten, mit offenen Herzen durch alle Zeiten. Für jedes Lachen, jede stille Stunde, für Liebe in ihrer schönsten Runde.
Dankbar für Zeit, ganz gleich, wie klein, sie muss nicht groß und besonders sein. Ein Blick, ein Wort, gemeinsam schweigen, kann mehr als tausend Schätze zeigen.
Dankbar für jede liebevolle Geste, für Hände, die halten, als wär’s das Beste. Für jedes Kuscheln, warm und nah, das sagt: „Ich bin für dich da.“
Wie Blumen blühen Herzen auf, wenn Liebe nimmt ihren leisen Lauf. Sie fragt nicht nach dem Wann und Warum, sie schenkt sich einfach, still und stumm.
So sammeln wir am Abend sacht die kleinen Schätze dieses Tags. Und legen sie tief in unser Herz, als Licht für morgen, himmelwärts.
Gestern bin ich über einen Spruch gestolpert. Eigentlich wollte ich nur fünf Minuten durch Instagram scrollen. So wie man das eben macht. Aus fünf Minuten wurden zwanzig, das kennen wir ja alle. Und dann blieb ich an einem Bild hängen. Eine Flasche Wasser. Im Supermarkt kostet sie einen Euro. Im Fitnessstudio drei. Im Kino fünf. Im Flugzeug sechs. Dasselbe Wasser. Der einzige Unterschied? Der Ort. Und plötzlich musste ich nachdenken. Eigentlich sind wir Menschen ganz genauso. Wie oft zweifeln wir an uns? Wir denken, wir seien nicht gut genug. Nicht erfolgreich genug. Nicht schön genug. Nicht klug genug. Nicht liebenswert genug. Dabei liegt das Problem vielleicht gar nicht bei uns. Vielleicht stehen wir einfach nur am falschen Ort. Doch je länger ich darüber nachdachte, desto mehr bekam dieser Spruch für mich eine ganz andere Bedeutung. Ich arbeite in der Pflege. Und dort begegnen mir Menschen, deren Wert man mit keinem Geld der Welt bezahlen könnte. Da sitzt eine Frau, die ihr Leben lang gearbeitet hat. Sie hat Kinder großgezogen. Steuern gezahlt. Ihre Eltern gepflegt. Vielleicht Nachtschichten gemacht, damit andere nachts ruhig schlafen konnten. Heute braucht sie Hilfe beim Anziehen. Ein Mann hat vierzig Jahre auf dem Bau gearbeitet. Seine Hände erzählen Geschichten von harter Arbeit. Heute zittert er, wenn er versucht, eine Tasse Kaffee zu halten. Und ich frage mich immer häufiger: Was passiert eigentlich mit dem Wert eines Menschen, wenn er nichts mehr leisten kann? Gerade jetzt beschäftigt mich diese Frage mehr denn je. In den Nachrichten hört man ständig von Reformen. Von Einsparungen. Von neuen Gesetzen. Von Pflegekosten. Von Finanzierung. Von Beträgen. Von Leistungen. Und manchmal habe ich das Gefühl, wir sprechen nur noch über Zahlen. Aber kaum noch über Menschen. Da sitzt jemand, der dieses Land jahrzehntelang mit aufgebaut hat. Und plötzlich kostet er Geld. Plötzlich ist er auf Hilfe angewiesen. Plötzlich stellt sich eine Frage, die kaum jemand laut ausspricht: „Bin ich jetzt überhaupt noch etwas wert?“ Allein diese Frage macht mich traurig. Denn wie kann es sein, dass ein Mensch, der sein ganzes Leben gegeben hat, irgendwann das Gefühl bekommt, er müsse seinen Wert rechtfertigen? Ich glaube, genau da läuft etwas schief. Denn der Wert eines Menschen verändert sich nicht. Nicht durch sein Alter. Nicht durch eine Krankheit. Nicht durch einen Rollator. Nicht durch eine Demenz. Nicht durch einen Schlaganfall. Nicht einmal dadurch, dass er Hilfe braucht. Nur seine Lebenssituation verändert sich. Sein Wert bleibt derselbe. Und trotzdem vermittelt unsere Gesellschaft manchmal etwas anderes. Solange wir arbeiten, gelten wir als wichtig. Solange wir Leistung bringen, werden wir gebraucht. Doch was passiert, wenn der Körper irgendwann nicht mehr mitmacht? Sind wir dann weniger wert? Nein. Wir sind nur verletzlicher geworden. Vielleicht sollten wir endlich damit aufhören, den Wert eines Menschen an seiner Produktivität zu messen. Denn wenn wir ehrlich sind, wünschen wir uns doch alle dasselbe. Gesehen zu werden. Respektiert zu werden. Geliebt zu werden. Nicht wegen dessen, was wir leisten. Sondern wegen dessen, wer wir sind. Und weißt du, was ich in der Pflege immer wieder erlebe? Die schönsten Menschen sind oft diejenigen, die gar nichts mehr leisten können. Sie schenken dir ein ehrliches Lächeln. Drücken deine Hand. Freuen sich, wenn du fünf Minuten länger bleibst. Erinnern dich daran, dass Menschlichkeit keinen Kontostand kennt. Vielleicht sollten wir genau das wieder lernen. Nicht ständig zu fragen: „Was bringt mir dieser Mensch?“ Sondern: „Was macht diesen Menschen aus?“ Ich glaube nämlich, dass wir viel zu oft am falschen Maßstab messen. Eine Rose würde niemals glauben, weniger wert zu sein, weil sie neben einer Sonnenblume wächst. Ein Apfelbaum versucht nicht, Kirschen zu tragen. Er wächst einfach. An dem Ort, an dem er Wurzeln schlagen durfte. Und vielleicht gilt das auch für uns. Nicht jeder Ort erkennt unseren Wert. Nicht jeder Mensch sieht unsere Stärken. Nicht jede Lebensphase fühlt sich leicht an. Aber das bedeutet nicht, dass wir weniger wert sind. Vielleicht bedeutet es nur, dass wir lernen dürfen, unseren Wert nicht von Leistung abhängig zu machen. Denn irgendwann wird jeder von uns älter. Jeder von uns wird Hilfe brauchen. Jeder von uns wird hoffen, dass dann noch jemand da ist, der nicht zuerst fragt, was wir kosten. Sondern erkennt, was wir wert sind.
Und vielleicht sitzt gerade irgendwo ein kleiner Wichtel auf dem Rand einer Wasserflasche, schaut nachdenklich in die Welt und flüstert:
„Vergiss nie: Der Wert eines Menschen wird nicht kleiner, nur weil seine Kräfte kleiner werden. Das Kostbarste an uns war nie das, was wir leisten konnten, sondern das, was wir im Herzen tragen.“
Der Sommer malt mit warmem Licht ein Lächeln auf mein Angesicht. Der Himmel trägt sein schönstes Blau, die Welt wirkt still, fast traumgenau.
Am See erklingt fröhliches Lachen, Kinder, die aus Wasser Freude machen. Sie springen, planschen, laut und frei, als gäb es nur das Jetzt dabei.
Auf glitzernden Wellen zieht gemächlich eine Entenfamilie, ganz friedlich. Sie taucht die kleinen Köpfe ein, lässt Wasser in der Sonne sein. Millionen Tropfen, hell und klar, funkeln leise, wunderbar.
Der Sommer riecht nach frischer Luft, nach blühender Wiesen süßem Duft. Nach Freiheit, Wärme und Zuversicht, nach Tagen voller goldenem Licht.
Und doch erzählt er leise mit, dass jede Schönheit Schatten trägt. Denn was das Herz mit Freude füllt, den Körper manchmal müde macht.
Die Sonne schenkt uns Licht und Zeit, doch fordert auch Gelassenheit. Ein Platz im Schatten, ein kühler Wind, weil wir nun einmal Menschen sind.
Vielleicht ist genau das der Sommer: Nicht nur Hitze, nicht nur Licht. Sondern die Kunst, das Schöne zu sehen, ohne dabei sich selbst zu vergessen.
Denn zwischen einem Kinderlachen, dem Glitzern auf dem See und einer kleinen Entenfamilie, die einfach nur den Tag genießt, liegt eine Erinnerung daran, dass die schönsten Momente oft die sind, in denen wir für einen Augenblick einfach nur leben.
Heute Morgen stolperte ich über die Frage des Daily Prompts: „Lernst du dein Leben lang weiter?“ Meine erste Antwort war ziemlich eindeutig. Na hoffentlich! Denn stell dir mal vor, wir würden irgendwann aufhören zu lernen. Wie langweilig wäre das denn bitte? Gut… manche Tage würde ich gerne auf bestimmte Lektionen verzichten. Zum Beispiel darauf, dass der Türrahmen härter ist als mein kleiner Zeh. Diese Erfahrung mache ich gefühlt alle drei Wochen aufs Neue. Offenbar denke ich jedes Mal: „Vielleicht ist der Türrahmen heute ja ein bisschen weicher.“ Ist er nicht. Aber selbst daraus lernt man irgendwann… zumindest theoretisch. Ich glaube tatsächlich, dass wir bis zu unserem letzten Tag lernen. Nicht nur Matheformeln oder englische Vokabeln. Ehrlich gesagt habe ich von beidem nicht mehr allzu viel übrig. Nein. Ich meine das Leben. Wie gehe ich mit Menschen um? Wie gehe ich mit mir selbst um? Wann lohnt es sich, zu kämpfen und wann ist Loslassen die bessere Entscheidung? Warum macht mich etwas traurig? Warum macht mich etwas glücklich? Das sind doch eigentlich die spannendsten Fragen überhaupt. Ich merke das besonders an mir selbst. Manchmal denke ich: „Jetzt kennst du dich.“ Und dann kommt das Leben um die Ecke und sagt: „Ach wirklich? Dann warte mal ab.“ Zack. Neue Situation. Neue Erfahrung. Neue Erkenntnis. Ich glaube, genau deshalb überrascht mich das Leben immer wieder. Es hört einfach nie auf. Früher dachte ich, Erwachsene hätten alles verstanden. Heute bin ich selbst erwachsen. Und weißt du was? Wir improvisieren erstaunlich viel. Manche tun nur sehr überzeugend so, als hätten sie einen Plan. Dabei lernen wir alle täglich dazu. Es gibt einen Spruch, den ältere Menschen früher oft gesagt haben: „Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu.“ Als Kind fand ich den irgendwie merkwürdig. Heute nicke ich zustimmend. Ja. Genau so ist es. Vor kurzem hörte ich einen Satz, der mich sofort zum Nachdenken brachte: „Nur eine Null hat keine Ecken und Kanten.“ Was für ein wunderbares Bild. Denn eine Null ist ein perfekter Kreis. Keine Kanten. Keine Richtungswechsel. Keine Überraschungen. Sie bleibt einfach, wie sie ist. Vielleicht steht sie genau deshalb für Stillstand. Denn wer glaubt, bereits alles zu wissen, hört irgendwann auf zu wachsen. Ecken und Kanten dagegen erzählen Geschichten. Jede Kante ist eine Erfahrung. Jede Ecke ein Fehler, aus dem wir etwas mitgenommen haben. Manchmal entstehen diese Kanten durch Schmerz. Manchmal durch Liebe. Manchmal durch Menschen, die unser Leben verändern. Und manchmal auch durch Dinge, die völlig schiefgehen. So wie mein erster Versuch, einen IKEA-Schrank ohne Anleitung aufzubauen. Sagen wir es mal so: Am Ende hatte ich sehr viele Ecken. Der Schrank allerdings weniger. Aber genau das macht uns doch aus. Wir sind nicht perfekt. Wir dürfen Fehler machen. Wir dürfen unsere Meinung ändern. Wir dürfen erkennen, dass wir gestern noch etwas geglaubt haben, was heute gar nicht mehr zu uns passt. Das bedeutet nicht, dass wir schwach sind. Es bedeutet, dass wir wachsen. Ich glaube sogar, dass das Leben genau dafür gedacht ist. Nicht dafür, irgendwann perfekt zu sein. Sondern dafür, jeden Tag ein kleines bisschen mehr zu verstehen. Über andere. Über die Welt. Und vor allem über uns selbst. Vielleicht ist genau das das schönste Geschenk des Lebens. Dass wir niemals fertig sind. Dass wir immer noch staunen dürfen. Immer noch Fragen stellen. Immer noch Neues entdecken. Denn solange wir Ecken und Kanten haben, entwickeln wir uns weiter. Und ganz ehrlich? Ich möchte niemals eine perfekte Null sein. Ich bleibe lieber ein Mensch mit kleinen Macken, vielen Fragen, einer Portion Humor und der Bereitschaft, morgen wieder etwas Neues zu lernen. Denn genau das macht das Leben doch spannend.
Und vielleicht sitzt gerade irgendwo ein kleiner Wichtel auf einer Bücherkante, streicht mit seinem winzigen Finger über all unsere Ecken und Kanten und flüstert lächelnd:
„Hab keine Angst vor ihnen. Genau dort wächst deine Geschichte.“
Eigentlich bin ich physikalisch gesehen noch gar nicht alt. Also… rein theoretisch. Wenn mich jemand fragt, würde ich sogar behaupten, dass ich mitten im Leben stehe. Mein Körper sieht das allerdings etwas anders. Der wacht morgens auf und denkt sich: „Ach komm… heute spielen wir einfach mal 85.“ Im Ernst. Wer hat sich das eigentlich ausgedacht? Ich öffne morgens die Augen, schlage die Bettdecke zurück und denke noch: „Na, das wird heute ein guter Tag.“ Dann stehe ich auf. Oder besser gesagt… Ich versuche es. Denn in den ersten Minuten laufe ich ungefähr so elegant durch die Wohnung wie ein Neandertaler auf dem Weg zur Mammutjagd. Leicht nach vorne gebeugt. Ein bisschen steif. Mit einem Gesichtsausdruck, der eindeutig sagt: „Bitte sprich mich erst nach dem Kaffee an.“ Wenn ich mich morgens im Spiegel sehen würde, könnte man meinen, die Evolution hätte beschlossen, für zwei Minuten einen kleinen Rückschritt einzulegen. Dabei waren wir doch irgendwann mal Affen. Zumindest erzählt uns das die Wissenschaft. Gut… Manche Menschen benehmen sich heute noch so. Aber das ist wieder ein anderes Thema. Jedenfalls stelle ich mir manchmal vor, wie unsere Vorfahren morgens ihre Höhle verlassen haben. Gebückt. Langsam. Vorsichtig. Und dann denke ich: „So weit weg bin ich davon eigentlich gar nicht.“ Bis mein Körper sich sortiert hat, vergehen locker ein bis zwei Minuten. Erst richtet sich der Rücken auf. Dann die Schultern. Dann irgendwann auch meine Laune. Und spätestens nach dem ersten Kaffee bin ich wieder offiziell im 21. Jahrhundert angekommen. Eine kleine Zeitreise. Jeden Morgen. Kostenlos. Und dann wären da noch meine Füße. Meine Güte… Über diese Fersenschmerzen sollten wir wirklich einmal sprechen. Ich hatte früher keine Ahnung, dass so etwas mit den Wechseljahren zusammenhängen kann. Man versucht morgens aufzustehen. Und plötzlich sagen die Füße: „Heute lieber nicht.“ Ich stehe also da. Oder eher halb. Und überlege ernsthaft, ob ich einfach wieder ins Bett gehen sollte. Natürlich nicht. Der Kaffee wartet schließlich. Als wären das nicht schon genug kleine Überraschungen, meldet sich inzwischen auch gerne mal meine Hüfte. Das fällt mir besonders auf Flohmärkten auf. Ich liebe Flohmärkte. Zwischen alten Schränken, Porzellan und Dingen, von denen niemand mehr weiß, wofür sie eigentlich gedacht waren, fühle ich mich pudelwohl. Zumindest mein Kopf. Meine Hüfte sieht das etwas anders. Nach einer Stunde Bummeln beschließt sie regelmäßig, eigene Pläne zu entwickeln. Und ich laufe plötzlich so, als hätte ich den halben Flohmarkt gekauft und müsste ihn jetzt alleine nach Hause tragen. Natürlich wollte ich wissen, warum das so ist. Und wie so oft in den Wechseljahren lautet die Antwort: Östrogen. Oder besser gesagt: Zu wenig davon. Können wir bitte einmal ganz in Ruhe über dieses Hormon sprechen? Jahrelang begleitet es uns. Regelt gefühlt alles. Und wenn es beschließt, sich langsam zu verabschieden, hinterlässt es ein einziges Chaos. Östrogen schützt nämlich unter anderem unsere Gelenke. Es sorgt dafür, dass Knorpel, Sehnen und Bänder gut versorgt werden und geschmeidig bleiben. Sinkt der Östrogenspiegel, können die Gelenke steifer werden. Auch die Faszien verlieren an Elastizität. Deshalb berichten viele Frauen in den Wechseljahren über Fersen-, Knie-, Hüft- oder Schulterschmerzen, besonders morgens nach dem Aufstehen. Eigentlich erstaunlich. Man denkt bei Wechseljahren sofort an Hitzewallungen. Aber kaum jemand spricht über das Gefühl, morgens wie ein rostiges Scharnier durch die Wohnung zu laufen. Ich habe inzwischen beschlossen, meinen Körper nicht mehr dafür zu verurteilen. Er leistet seit Jahrzehnten Großartiges. Er trägt mich durchs Leben. Er hat gearbeitet. Gelacht. Geliebt. Getrauert. Er verändert sich. Und das darf er auch. Natürlich fluche ich trotzdem manchmal. Vor allem morgens. Oder wenn ich auf dem Flohmarkt plötzlich das Gefühl habe, meine Hüfte möchte lieber nach Hause als ich. Aber mittlerweile nehme ich vieles mit Humor. Denn mal ehrlich… Was bleibt mir auch anderes übrig? Wenn ich schon durch die Wohnung laufe wie ein Neandertaler, dann wenigstens mit Stil. Und mit einer großen Tasse Kaffee in der Hand. Denn spätestens dann erinnert sich mein Körper wieder daran, dass wir inzwischen in der Gegenwart angekommen sind. Und dass heute hoffentlich keine Mammuts mehr gejagt werden müssen.
Und während irgendwo ein kleiner Wichtel morgens verschlafen aus seinem Wichtelbett klettert, sich einmal kräftig streckt und dabei ebenfalls leise „Autsch“ murmelt, lächelt er und flüstert:
„Jeder Körper erzählt seine eigene Geschichte. Manche eben morgens etwas lauter als andere. Aber solange wir noch lachen können, sind wir genau dort, wo wir sein sollen, mitten im Leben.“
Neulich hat mich ein Bild zum Lächeln gebracht. Darauf stand: „Vielleicht gibt es schönere Zeiten, aber diese ist die unsere.“ Eigentlich ist es ein Zitat von Jean Paul Sartre, einem französischen Romantiker und Dramatiker, Philosoph. Er hat damit gemeint, dass es kein Schicksal von oben gibt, das man das hier und jetzt annehmen sollte und das man für sich selbst Verantwortung tragen sollte.
Und je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr hatte dieser Satz recht. Ich interessiere mich schon immer für Geschichte. Nicht für die Version aus dem Schulunterricht. Seien wir ehrlich… Damals bestand Geschichte gefühlt aus Jahreszahlen, Königen und Kriegen. Wer wann wen geheiratet hat. Wer wann gegen wen verloren hat. Und warum wir das alles für die Klassenarbeit auswendig lernen mussten. Spannend fand ich das damals nicht. Heute sehe ich Geschichte mit ganz anderen Augen. Denn wenn man sich wirklich mit vergangenen Zeiten beschäftigt, merkt man erst, wie Menschen damals gelebt haben. Wie sie geliebt haben. Wie sie gearbeitet haben. Wie sie gehofft haben. Jede Zeit hatte ihre Sorgen. Jede Zeit hatte ihre Wunder. Und jede Generation war überzeugt, dass früher oder später alles besser werden würde. Kommt euch das bekannt vor? Wie oft sagen wir heute: „Früher war alles besser.“ Oder: „Später wird alles leichter.“ Dabei vergessen wir etwas ganz Entscheidendes. Genau jetzt findet unser Leben statt. Nicht gestern. Nicht morgen. Sondern heute. Mein Leben ist bestimmt nicht perfekt. Ganz im Gegenteil. Ich habe Wechseljahre. Ich stoße mir regelmäßig den kleinen Zeh am Türrahmen. Natürlich ist grundsätzlich der Türrahmen schuld. Nicht ich. Ich schwitze. Ich suche ständig irgendwelche Dinge. Ich diskutiere mit meinem Exemplar über Haarbürsten, Wäscheberge oder darüber, warum man Tomatensoße nicht mit einem Holzlöffel voller Herzlöcher auf den Teller schöpfen kann. Und trotzdem… Liebe ich genau dieses Leben. Weil es echt ist. Die Zeit mit meinem Exemplar ist unsere Zeit. Unser gemeinsames Kapitel. Unsere Erinnerungen entstehen nicht irgendwann. Sie entstehen genau jetzt. Wenn wir zusammen lachen. Wenn wir uns über Kleinigkeiten streiten. Wenn wir später gemeinsam über dieselben Geschichten lachen. Ob wir jemals noch einmal diese Chance bekommen? Ich weiß es nicht. Niemand weiß das. Ich weiß nicht, was morgen passiert. Ich weiß nicht, ob es ein Danach gibt. Ob wir irgendwann wiederkommen. Oder ob dieses eine Leben alles ist, was wir haben. Aber genau deshalb möchte ich es nicht damit verbringen, ständig auf bessere Zeiten zu warten. Ich möchte mich freuen. Über einen Kaffee. Über den Duft von frisch gekochter Tomatensoße. Über einen Sonnenuntergang. Über einen lustigen Versprecher. Über Menschen, die mein Herz berühren. Über die kleinen Geschichten, die niemand plant. Denn genau sie bleiben. Wir leben in einer Welt, in der viele versuchen, perfekt zu sein. Perfekte Wohnungen. Perfekte Körper. Perfekte Urlaube. Perfekte Fotos. Perfekte Social-Media-Profile. Aber wisst ihr was? Perfekt finde ich ehrlich gesagt ziemlich langweilig. Ich möchte lachen. So richtig. Bis mir der Bauch wehtut. Ich möchte Fehler machen. Ich möchte manchmal völlig überzeugt sein, den richtigen Weg zu gehen… …und dann feststellen, dass ich gerade in die falsche Richtung gelaufen bin. Ich möchte mich über den Türrahmen aufregen, nachdem ich mir mal wieder den kleinen Zeh gestoßen habe. Ich möchte laut schimpfen. Und fünf Minuten später über mich selbst lachen. Ich möchte Menschen um mich haben, die nicht perfekt sind. Die Ecken und Kanten haben. Die manchmal traurig sind. Manchmal verrückt. Manchmal laut. Manchmal leise. Denn genau das macht uns menschlich. Und genau das macht das Leben schön. Vielleicht besteht Glück gar nicht aus den großen Momenten. Vielleicht besteht es aus tausend kleinen Geschichten. Aus einem Kochlöffel mit einem Herz. Aus einem verschwundenen Haarbürsten-Abenteuer. Aus einem gemeinsamen Abendessen. Aus einem Blick. Aus einem Lachen. Aus einem Menschen, der bleibt. Vielleicht werden wir eines Tages zurückblicken und denken: „Das waren eigentlich richtig schöne Zeiten.“ Nicht, weil alles perfekt war. Sondern weil wir gelebt haben. Mit allem, was dazugehört. Und vielleicht ist genau das die größte Kunst. Nicht auf das perfekte Leben zu warten. Sondern das unperfekte zu lieben.
Und wenn irgendwo ein kleiner Wichtel heute Abend auf einem alten Baumstumpf sitzt, die Füße baumeln lässt und den Sonnenuntergang beobachtet, dann lächelt er leise und flüstert:
„Die schönsten Geschichten entstehen nicht in perfekten Zeiten. Sie entstehen genau jetzt, mitten im Leben.“