„Wo ist meine Mama?“ Was Demenz wirklich mit Menschen macht- Gedanken einer Pflegekraft

Ich denke oft noch über meinen Tag auf Arbeit nach. Nicht unbedingt negativ. Eher nachdenklich.

Weil man in der Pflege ständig Menschen begegnet, die einen auf ganz unterschiedliche Weise berühren. Manche Momente sind wunderschön. Manche traurig. Manche faszinierend. Und bei manchen fehlen mir ehrlich gesagt einfach die Worte. Vielleicht liegt genau darin etwas Besonderes an diesem Beruf.

Man erlebt Menschen nicht nur in guten Zeiten. Sondern oft in den verletzlichsten Momenten ihres Lebens. Da sind ältere Menschen, die jeden Tag auf Besuch warten. Menschen, die körperlich schwächer werden, innerlich aber noch voller Humor stecken. Menschen mit wunderbaren Angehörigen, die jeden Tag da sind. Und andere, die erschreckend einsam geworden sind.

Manche Bewohner brauchen einfach Unterstützung im Alltag. Und manche verlieren langsam etwas viel Größeres: Ihre Orientierung in der Welt.

Ich glaube, genau deshalb beschäftigt mich Demenz mittlerweile so sehr. Weil diese Erkrankung nicht nur Erinnerungen verändert. Sondern manchmal die gesamte Wirklichkeit eines Menschen. Und je mehr Zeit ich in der Pflege verbringe, desto häufiger begegnet sie mir. Vielleicht auch, weil unsere Gesellschaft älter wird. Vielleicht auch, weil wir heute viel länger leben als früher.

Aber vor allem, weil Demenz etwas ist, das sich nicht nur medizinisch erklären lässt. Denn hinter jeder Diagnose sitzt ein Mensch. Ein Mensch mit Erinnerungen. Mit einer Geschichte. Mit Liebe, Verlusten, Familie und einem ganzen gelebten Leben.

Und irgendwann beginnt genau dieses Leben langsam zu verschwimmen. Nicht plötzlich. Nicht laut. Sondern oft ganz leise. Vielleicht ist genau das das Erschütternde daran. Dass Menschen nicht einfach vergessen. Sondern dass sich ihre Realität langsam verändert. Und ehrlich? Es gibt Situationen, die mich selbst lange nicht loslassen. Nicht, weil sie grausam sind. Sondern weil sie zeigen, wie geheimnisvoll das menschliche Gehirn eigentlich ist. Denn Demenz bedeutet nicht einfach nur Vergesslichkeit.

Demenz ist viel größer. Viel trauriger. Viel komplexer. Und manchmal auch unglaublich beängstigend. Ich glaube, viele Menschen stellen sich Demenz vor wie einen Menschen, der Namen vergisst oder nicht mehr weiß, welcher Tag gerade ist. Doch wenn man in der Pflege arbeitet, begegnet man irgendwann einer ganz anderen Seite dieser Krankheit. Einer Seite, die gleichzeitig erschüttert und fasziniert. Denn Demenz verändert nicht nur Erinnerungen. Sie verändert manchmal die gesamte Wahrnehmung der Welt. Und ehrlich? Es gibt Situationen, die lassen einen selbst nach Feierabend nicht mehr los.

„Da sind Kinder auf meinem Bett.“

Eine Bewohnerin schaute eines Abends panisch auf ihr Bett. „Die Kinder springen da wieder herum!“ Doch dort war niemand. Keine Kinder. Keine Bewegung. Nur ein ordentlich gemachtes Bett in einem stillen Zimmer. Und trotzdem war ihre Angst echt. Eine andere Bewohnerin sah Schlangen durch ihr Zimmer kriechen. Eine andere erzählte völlig aufgelöst von Männern, die jeden Abend auf ihrem Balkon stehen und durch die Wand schauen würden.

Und gestern stand ich vor einer Frau, die voller Angst berichtete, wie eine andere Frau vor ihren Augen gefesselt und missbraucht wurde. Natürlich war dort niemand. Und trotzdem war diese Szene für sie vollkommen real. Vielleicht ist genau das etwas, das Menschen außerhalb der Pflege kaum verstehen können: Diese Menschen „denken sich das nicht aus“. Ihr Gehirn erlebt es wirklich.

Neurobiologisch betrachtet passiert bei Demenz etwas unglaublich Komplexes. Das Gehirn verarbeitet Sinneseindrücke nicht mehr zuverlässig. Erinnerungen, Ängste, alte Bilder, Gefühle und aktuelle Wahrnehmungen beginnen sich zu vermischen. Manche Bereiche des Gehirns können Realität nicht mehr richtig einordnen. Und plötzlich entstehen Welten, die nur dieser Mensch sehen kann. Das Faszinierende daran ist: Das Gehirn arbeitet grundsätzlich bei jedem Menschen ständig mit inneren Bildern. Es ergänzt Informationen. Es interpretiert. Es füllt Lücken. Normalerweise geschieht das unbemerkt.

Doch bei Demenz oder anderen neurologischen Veränderungen kann genau diese Verarbeitung entgleisen. Dann wird aus einem Schatten plötzlich ein Mensch. Aus einem Muster auf der Tapete eine Schlange. Oder aus einer Erinnerung eine scheinbar reale Szene mitten im Zimmer.

Und manchmal frage ich mich wirklich: Wie fühlt sich das an? Stell dir vor, du sitzt in deinem Zimmer und plötzlich steht dort jemand. Für dich vollkommen sichtbar. Mit Gesicht. Mit Bewegung. Mit Präsenz. Und alle anderen sagen dir: „Da ist niemand.“ Was macht das mit einem Menschen? Vielleicht liegt genau darin diese tiefe Angst vieler Bewohner. Weil ihre Welt plötzlich nicht mehr dieselbe ist wie unsere.

Zwischen zwei Wirklichkeiten

Ich glaube, was mich an Demenz am meisten bewegt, ist dieses Leben zwischen zwei Wirklichkeiten. Da ist unsere Realität. Und da ist ihre. Und manchmal überschneiden sich beide nur noch für kurze Momente.

Eine Bewohnerin sitzt ruhig im Aufenthaltsraum und unterhält sich ganz normal mit dir. Minuten später fragt sie plötzlich: „Wann kommt meine Mama mich holen?“ Und in diesem Moment sitzt keine fast neunzigjährige Frau vor dir. Sondern irgendwo auch ein kleines Kind.

Denn Demenz zerstört Erinnerungen nicht einfach linear. Das Gehirn verliert oft zuerst neuere Informationen, während alte Erinnerungen plötzlich wieder unglaublich präsent werden.

Vergangenheit und Gegenwart beginnen sich zu vermischen. Deshalb sprechen manche Bewohner von ihren Eltern, als würden diese noch leben. Und vielleicht ist genau das einer der traurigsten Momente überhaupt: Wenn ein Mensch erneut erfährt, dass die eigene Mutter längst verstorben ist. Nicht einmal. Sondern immer wieder. Stell dir das vor. Du fragst nach deiner Mama. Ganz selbstverständlich.

Und plötzlich sagt dir jemand: „Deine Mutter ist tot.“ Und in diesem Moment bricht diese Realität erneut über dich herein.

Vielleicht zum zehnten Mal an diesem Tag. Vielleicht zum hundertsten Mal in den letzten Monaten. Und jedes Mal fühlt sich der Verlust wieder neu an. Das ist etwas, das mich tief erschüttert.

Denn wir Gesunden erleben Trauer meist als einen Weg. Schmerz. Verarbeitung. Erinnerung. Doch manche Menschen mit Demenz scheinen in einer Schleife aus Verlust festzustecken. Sie vergessen die Information. Aber nicht immer das Gefühl.

Das Gehirn vergisst, das Herz manchmal nicht

Je länger ich in der Pflege arbeite, desto mehr glaube ich, dass Gefühle oft viel länger bestehen bleiben als Fakten. Eine Bewohnerin erkennt ihre Tochter vielleicht nicht mehr richtig und hält trotzdem ihre Hand fest, weil sich diese Nähe vertraut anfühlt.

Ein Mann weiß nicht mehr, welches Jahr wir haben, aber sucht jeden Abend nach seiner verstorbenen Frau. Und vielleicht zeigt genau das etwas unglaublich Menschliches:

Dass Liebe tiefer gespeichert sein kann als Erinnerung. Ich musste einmal lange über diesen Gedanken nachdenken: Vielleicht vergisst das Gehirn Namen, Zeiten und Gesichter.

Aber das Herz erinnert sich manchmal weiter. Und genau deshalb suchen manche Bewohner nach Menschen, die längst nicht mehr da sind. Nicht nur, weil sie vergessen haben, dass diese Menschen gestorben sind. Sondern weil ein Teil ihres Gefühlslebens noch immer mit ihnen verbunden ist. Vielleicht klingt das traurig. Und das ist es auch.

Aber gleichzeitig steckt darin etwas unglaublich Berührendes. Denn wenn ein Mensch trotz all seiner verlorenen Erinnerungen noch immer nach seinem Partner fragt, zeigt das doch eigentlich nur, wie tief diese Liebe einmal gewesen sein muss. Vielleicht liegt darin etwas unglaublich Trauriges. Aber auch etwas Schönes.

Weil Liebe offenbar Spuren hinterlässt, die tiefer gehen als Worte, Namen oder Zeit. Manchmal frage ich mich, ob Menschen mit Demenz uns unbewusst etwas zeigen, das wir Gesunden oft vergessen: Dass Beziehungen viel mehr sind als Erinnerungen allein. Vielleicht bestehen sie auch aus Gefühl. Aus Vertrautheit. Aus etwas, das nicht vollständig verschwindet, selbst wenn vieles andere verloren geht. Und trotzdem bleibt Demenz schwer. Für Angehörige. Für Partner. Für Kinder. Zu sehen, wie ein Mensch langsam Teile seiner Orientierung verliert, tut weh.

Besonders dann, wenn dieser Mensch plötzlich nicht mehr versteht, warum jemand fehlt. Oder wenn er denselben Verlust immer wieder neu erlebt. Ich glaube, viele Angehörige zerbrechen innerlich genau daran. An diesem täglichen kleinen Abschied. Und vielleicht gibt es darauf keine perfekte Antwort. Keine perfekte Art, damit umzugehen. Man kann nur versuchen, dem Menschen Sicherheit zu geben. Nicht immer mit Wahrheit. Sondern manchmal einfach mit Nähe. Mit einem ruhigen Satz. Einer Hand auf der Schulter.

Oder einem: „Sie vermissen ihn sehr, oder?“ Denn oft geht es gar nicht darum, Realität zu korrigieren. Sondern Gefühle aufzufangen. Je länger ich in der Pflege arbeite, desto mehr glaube ich, dass Demenz uns auch Demut lehrt. Weil sie zeigt, wie geheimnisvoll das menschliche Gehirn eigentlich ist. Und wie tief Menschen lieben können. Selbst dann, wenn Erinnerungen längst begonnen haben zu verschwimmen. Vielleicht ist Liebe am Ende tatsächlich stärker als Erinnerung. Vielleicht bleibt sie manchmal genau dort bestehen, wo Worte, Zeiten und Fakten längst verloren gegangen sind.

Und während du vielleicht gerade an einen Menschen denkst, der langsam Erinnerungen verliert, oder dich fragst, wie sich Demenz wohl wirklich anfühlen muss, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, schaut dich still an und flüstert:

„Vielleicht zeigt uns Demenz nicht nur, was Menschen vergessen können, sondern auch, wie tief Liebe, Angst und Sehnsucht selbst dann noch bleiben, wenn Erinnerungen längst zu verschwimmen beginnen.“

Schön das du hier bist 🩶

Muttertag zwischen Blumen, Erwartungen und dem Wert gemeinsamer Zeit

Heute ist Muttertag.

Und wie an so vielen anderen Tagen im Jahr sieht man plötzlich überall Blumensträuße, Geschenkideen, Werbung und perfekt inszenierte Bilder voller Harmonie.

Frühstückstabletts im Bett. Herzförmige Schokolade. Große Geschenkboxen. Und überall das Gefühl, dass dieser Tag irgendwie „besonders genug“ sein muss. Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch. Dieses leise schlechte Gewissen, wenn man nichts Großes schenkt. Dieses Bedürfnis, etwas Besonderes machen zu müssen. Fast so, als würde Liebe sich messen lassen. Doch heute Morgen musste ich über genau diesen Gedanken nachdenken. Mein kleines Exemplar wollte mir natürlich auch etwas schenken. Ganz aufgeregt. Ganz voller Liebe. Und ich sagte irgendwann zu ihr:

„Du musst dich doch nicht stressen. Lass uns einfach etwas zusammen machen. Eis essen vielleicht. Das reicht doch völlig.“ Und während ich das sagte, wurde mir plötzlich bewusst, wie sehr sich solche Tage verändert haben. Denn eigentlich ist gemeinsame Zeit doch eines der wertvollsten Geschenke überhaupt. Vielleicht sogar das Wertvollste. Und trotzdem leben wir heute oft in einer Welt, in der Liebe immer häufiger gekauft statt erlebt wird. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr frage ich mich: Warum haben wir eigentlich so oft das Gefühl, dass wir viel schenken müssen? Wann wurde aus kleinen Gesten plötzlich eine große Erwartungshaltung? Vielleicht liegt genau darin etwas Trauriges. Denn viele dieser Tage entstanden ursprünglich aus etwas sehr Menschlichem. Nicht aus Konsum. Sondern aus Liebe.

Warum gibt es Muttertag überhaupt?

Wenn man ehrlich ist, wissen wahrscheinlich die wenigsten Menschen, wie Muttertag eigentlich entstanden ist. Ich wusste es lange selbst nicht wirklich. Der Muttertag geht auf eine Frau namens Anna Jarvis zurück. 1905 starb ihre Mutter. Eine Frau, die sich zu Lebzeiten gewünscht hatte, dass Mütter eines Tages besonders geehrt werden. Aus diesem Wunsch heraus organisierte Anna Jarvis 1907 die erste Feier zu Ehren von Müttern. Ein Jahr später folgte eine weitere Feier. Und schließlich wurde der Muttertag 1914 offizieller Feiertag in den USA. Was ich dabei besonders berührend finde: Eine zentrale Rolle spielten Nelken.

Denn Nelken waren die Lieblingsblumen ihrer Mutter. Anna Jarvis entschied sich damals bewusst für weiße Nelken. Und auch die Bedeutung der Farben erzählt eigentlich etwas sehr Schönes.

Weiße Nelken stehen für Mütter, die bereits verstorben sind. Sie symbolisieren Reinheit und unvergängliche Liebe.

Rote Nelken hingegen stehen für die Mütter, die noch leben. Für Verehrung. Für Liebe. Für Dankbarkeit.

Eigentlich steckt darin etwas unglaublich Ruhiges und Wertvolles. Keine riesigen Geschenke. Keine überfüllten Einkaufspassagen. Sondern Erinnerung. Liebe. Wertschätzung. Vielleicht ging es ursprünglich einfach darum, Mütter wirklich zu sehen.

Wie Muttertag nach Deutschland kam

1923 kam der Muttertag schließlich nach Deutschland. Und ehrlich gesagt fand ich die Geschichte dahinter fast ein bisschen traurig. Denn hier wurde der Tag nicht etwa von Frauenrechtlerinnen eingeführt, sondern vom Verband deutscher Blumengeschäftsinhaber.

Nach dem Ersten Weltkrieg sollte das Blumengeschäft angekurbelt werden. Damals warben Floristen mit Plakaten, auf denen stand: „Ehret die Mutter.“ Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr spürt man eigentlich schon dort diesen Wandel.

Aus einem emotionalen Gedanken wurde langsam ein Geschäft. Aus Erinnerung wurde Werbung. Aus Wertschätzung wurde Konsum.

Und vielleicht ist genau das etwas, das wir heute immer stärker spüren. Nicht nur an Muttertag. Auch an Valentinstag. An Weihnachten. An Geburtstagen. Immer häufiger scheint Liebe mit Aufwand verwechselt zu werden. Mit Größe. Mit Preis. Mit Perfektion. Dabei sind die Dinge, die Menschen wirklich berühren, oft ganz andere. Zeit. Aufmerksamkeit. Nähe. Zuhören.

Die traurige Geschichte von Anna Jarvis

Was mich beim Lesen der Geschichte besonders bewegt hat:

Anna Jarvis selbst war irgendwann entsetzt darüber, wie kommerziell der Muttertag geworden war. Sie organisierte Proteste. Sie kämpfte gegen die Vermarktung dieses Tages. Und sie opferte dafür sogar ihr gesamtes Vermögen. Sie wollte den Muttertag wieder abschaffen. Weil sie das Gefühl hatte, dass seine eigentliche Bedeutung verloren gegangen war. Und irgendwie berührt mich das sehr. Weil es zeigt, wie schnell etwas Schönes seine ursprüngliche Seele verlieren kann. 1948 starb Anna Jarvis einsam und verbittert in einem Pflegeheim. Und vielleicht liegt gerade darin eine stille Tragik. Dass eine Frau einen Tag erschuf, der eigentlich Liebe und Dankbarkeit ausdrücken sollte und später zusehen musste, wie daraus immer mehr ein Geschäft wurde.

Wann wurde Liebe so anstrengend?

Je älter ich werde, desto mehr fällt mir auf, wie viel Druck mittlerweile auf besonderen Tagen liegt. Nicht nur auf Müttern. Auf allen. Valentinstag. Geburtstage. Weihnachten. Jahrestage. Überall scheint es plötzlich darum zu gehen, etwas „Besonderes genug“ zu machen. Als würden kleine Gesten nicht mehr reichen.

Dabei frage ich mich manchmal: Seit wann muss Liebe eigentlich bewiesen werden? Und warum glauben wir so oft, dass ein teures Geschenk automatisch mehr Bedeutung hat als echte gemeinsame Zeit? Vielleicht, weil wir alle müde geworden sind.

Müde vom Alltag. Vom Funktionieren. Vom Schnellsein. Und manchmal versuchen wir dann, Gefühle mit Dingen auszugleichen. Doch ich glaube nicht, dass Menschen sich am Ende an den Preis eines Geschenks erinnern. Ich glaube, Menschen erinnern sich an Gefühle. An gemeinsame Nachmittage. An Gespräche. An ehrliche Nähe. Vielleicht erinnern sich Kinder später viel eher daran, dass ihre Mutter mit ihnen Eis essen gegangen ist, als an irgendein teures Geschenk.

Das wertvollste Geschenk ist oft Zeit

Als mein kleines Exemplar heute so unbedingt etwas schenken wollte, wurde mir genau das wieder bewusst. Kinder schenken aus Liebe. Nicht aus Pflicht. Nicht aus Erwartung. Sie basteln schiefe Herzen, pflücken Blumen oder malen Bilder und in ihrer Welt ist genau das genug.

Vielleicht verlieren wir Erwachsenen irgendwann dieses einfache Verständnis davon, was wirklich zählt. Denn Zeit ist heute etwas geworden, das vielen Menschen fehlt. Wir hetzen durch Tage. Von Termin zu Termin. Von Aufgabe zu Aufgabe.

Und manchmal verbringen Menschen zwar Zeit miteinander, aber kaum noch echte Zeit. Dabei ist Zeit das Einzige, was sich niemals zurückholen lässt. Vielleicht wäre genau das der schönste Muttertag: Nicht der teuerste Blumenstrauß. Nicht das perfekte Geschenk. Sondern wirkliche Aufmerksamkeit. Ein gemeinsamer Spaziergang. Ein Gespräch ohne Handy. Ein Nachmittag ohne Stress. Ein ehrliches „Schön, dass es dich gibt.“

Vielleicht sollten wir wieder bewusster schenken

Ich glaube nicht, dass Geschenke grundsätzlich etwas Schlechtes sind. Blumen können wunderschön sein. Kleine Aufmerksamkeiten auch. Aber vielleicht geht es darum, warum wir schenken.

Nicht aus Druck. Nicht aus Pflichtgefühl. Sondern aus echter Wertschätzung. Vielleicht sollten wir wieder lernen, bewusster zu schenken. Bewusster zu lieben. Bewusster zu leben.

Denn Liebe zeigt sich oft nicht in großen Dingen. Sondern in kleinen Gesten mitten im Alltag. Im Zuhören. Im Zeitnehmen. Im Dasein. Und vielleicht vergessen wir genau das manchmal zwischen Werbung, Konsum und all diesen Bildern davon, wie perfekte Tage aussehen sollen.

Muttersein besteht aus so viel mehr

Gerade am Muttertag denke ich oft daran, wie viel Mütter eigentlich täglich leisten. Nicht nur sichtbar. Sondern vor allem unsichtbar. Das Mitdenken. Das Sorgen.

Das emotionale Tragen. Mütter organisieren nicht nur Tage. Sie tragen oft ganze Stimmungen einer Familie mit. Und trotzdem erwarten viele Mütter gar keine großen Dinge. Oft wünschen sie sich einfach nur Nähe. Dankbarkeit. Zeit.

Vielleicht ist das etwas, das wir viel häufiger sagen sollten: Dass Menschen wichtig sind, solange wir sie noch bei uns haben. Nicht erst später. Nicht irgendwann. Jetzt.

Vielleicht liegt genau darin der eigentliche Sinn dieses Tages

Nicht im Kaufen. Nicht im Perfektsein. Sondern im Erinnern. Daran, wie wertvoll Menschen sind. Wie kostbar gemeinsame Zeit ist. Und dass Liebe oft viel stiller ist, als Werbung sie uns zeigt. Vielleicht sollten wir deshalb wieder anfangen, solche Tage einfacher zu machen. Weniger Erwartungen. Weniger Druck. Mehr echtes Leben. Denn manchmal reicht tatsächlich schon ein Eis in der Sonne.

Ein ehrliches Gespräch. Oder das Gefühl, gemeinsam Zeit zu verbringen. Und vielleicht sind genau das am Ende die Momente, die bleiben. Nicht die Dinge, die gekauft wurden. Sondern die Augenblicke, die sich nach Zuhause angefühlt haben.

Und während du vielleicht gerade an deine eigene Mutter denkst, an einen gemeinsamen Moment oder an Menschen, denen du viel öfter sagen möchtest, wie wichtig sie dir sind, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, lächelt warm und flüstert:

„Vielleicht sind die wertvollsten Geschenke niemals die teuersten, sondern die Momente, in denen Menschen sich wirklich Zeit füreinander schenken.“

Schön das du hier bist 🩶

Wenn Freiheit leise verschwindet- Gedanken zu The Handmaid’s Tale

Manche Serien enden mit dem Abspann.

Und manche bleiben still irgendwo im Kopf zurück. Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch.

Du schaust etwas und Tage später denkst du plötzlich wieder daran. Nicht an eine bestimmte Szene. Nicht an ein Zitat. Sondern an dieses Gefühl, das geblieben ist.

Genau so ging es mir mit The Handmaid’s Tale. Ich habe die Serie nicht nur einmal geschaut. Ich schaue sie gerade ein zweites Mal.

Und vielleicht berührt sie mich gerade deshalb noch tiefer. Denn beim ersten Anschauen sieht man vor allem die Härte dieser Welt. Die Kontrolle. Die Angst. Die Ungerechtigkeit.

Doch beim zweiten Mal habe ich angefangen, viel stärker auf die Menschen zu achten. Auf die Frauen. Frauen, die einmal mitten im Leben standen. Frauen mit Kindern, Ehemännern, Berufen und Träumen. Frauen, die gelacht haben, Entscheidungen getroffen haben und eine Stimme hatten. Frauen, die jemand waren.

Und plötzlich leben sie in einem System, das versucht, all das auszulöschen. Ich glaube, genau dieser Kontrast hat mich so wachgerüttelt.

Denn wenn wir ehrlich sind, leben viele Frauen heute in einer Welt voller Möglichkeiten. Natürlich ist nicht alles perfekt. Natürlich gibt es noch immer Ungleichheiten, Erwartungen und Druck. Aber trotzdem haben viele Frauen heute Freiheiten, für die andere Generationen kämpfen mussten.

Die Freiheit, selbst zu entscheiden. Zu arbeiten. Zu lieben, wen man möchte. Sich weiterzuentwickeln. Nein zu sagen. Eigene Wege zu gehen. Und manchmal vergessen wir vielleicht im Alltag, wie wertvoll das eigentlich ist. Weil Freiheit leise geworden ist. Selbstverständlich. Normal.

Vielleicht hat mich die Serie deshalb so getroffen, weil sie genau diesen Gedanken plötzlich sichtbar macht. Wie schnell Menschen etwas verlieren können, das vorher ganz selbstverständlich wirkte. Und das Erschreckende daran ist nicht nur die dystopische Welt der Serie. Sondern wie real manche Gefühle darin wirken. Diese Angst. Diese Kontrolle. Dieses langsame Verschieben von Grenzen.

Nicht alles passiert plötzlich. Vieles geschieht schleichend. Vielleicht ist genau das der Grund, warum einen diese Geschichte so lange beschäftigt. Doch je länger ich die Serie gesehen habe, desto weniger ging es für mich nur um Unterdrückung.

Denn mitten in all dieser Dunkelheit gibt es etwas, das mich fast noch mehr berührt hat: Die unglaubliche Stärke der Frauen. Und dabei meine ich nicht nur die offensichtlichen Kämpferinnen. Nicht nur die Frauen, die rebellieren oder laut Widerstand leisten. Sondern alle. Die Frauen, die versuchen zu überleben. Die Frauen, die funktionieren, weil sie Angst haben. Die Frauen, die sich selbst irgendwo verloren haben. Und die Frauen, die langsam wieder anfangen, sich selbst zu finden.

Vielleicht ist genau das so menschlich an dieser Serie. Denn nicht jeder Mensch kämpft laut. Nicht jeder Mensch rebelliert sichtbar. Manche Menschen kämpfen einfach, indem sie morgens wieder aufstehen. Und genau das zeigt die Serie unglaublich ehrlich.

Es gibt Frauen dort, die weiterhin das tun, was von ihnen verlangt wird. Frauen, die sich angepasst haben, vielleicht aus Angst, vielleicht aus Gewohnheit oder einfach, weil sie keinen anderen Weg mehr sehen. Und trotzdem spürt man oft, dass tief in ihnen noch etwas lebt. Ein Gedanke. Eine Erinnerung. Ein Wunsch nach Freiheit. Dann gibt es die Frauen, die beginnen, sich selbst wiederzufinden. Die anfangen zu hinterfragen. Die merken, dass irgendwo unter all der Angst noch immer ihre eigene Persönlichkeit existiert.

Und dann gibt es die Kämpferinnen. Die Frauen, die sich weigern, innerlich aufzugeben. Die rebellisch bleiben. Die riskieren. Die trotz allem versuchen, ihre Würde zu behalten.

Was mich daran so berührt hat, ist die Tatsache, dass Stärke dort ganz unterschiedlich aussieht. Und vielleicht ist das auch im echten Leben so. Nicht jede starke Frau ist laut. Nicht jede starke Frau kämpft sichtbar. Manche Stärke zeigt sich in kleinen Dingen. Im Durchhalten. Im Mitgefühl. Im Weitermachen. Oder darin, sich selbst nicht vollständig zu verlieren.

Während ich die Serie geschaut habe, musste ich oft darüber nachdenken, wie schnell Menschen anfangen, nur noch ihre Rollen zu sehen. Die Ehefrau. Die Mutter. Die Dienerin. Die Gehorsame. Doch hinter jeder Rolle steckt ein Mensch mit Erinnerungen, Gefühlen und einer eigenen Geschichte. Und vielleicht erinnert uns die Serie genau daran. Dass Menschen niemals nur eine Funktion sind.

Was mich ebenfalls unglaublich bewegt hat, waren die Freundschaften, die sich entwickelt haben. Mitten in Angst. Mitten in Kontrolle. Mitten in Schmerz. Und vielleicht wirken gerade deshalb diese Verbindungen so intensiv. Denn selbst dort suchen Menschen wieder Nähe. Manchmal entstehen diese Freundschaften vorsichtig. Manchmal aus Misstrauen. Manchmal sogar nur, weil Menschen einander brauchen, um überhaupt zu überleben. Und trotzdem wird daraus etwas Echtes. Das fand ich unglaublich faszinierend. Dass selbst ein System, das Menschen voneinander trennen will, es nicht vollständig schafft, ihre Menschlichkeit zu zerstören.

Menschen finden trotzdem zueinander. Mit Blicken. Mit kleinen Gesten. Mit Vertrauen. Mit stiller Loyalität. Vielleicht ist genau das die größte Stärke dieser Frauen. Nicht nur, dass sie kämpfen. Sondern dass sie sich gegenseitig nicht vollkommen alleine lassen. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass The Handmaid’s Tale eigentlich weniger über Angst erzählt und mehr über Menschlichkeit unter Druck. Darüber, wie Menschen sich verändern. Aber auch darüber, was in ihnen bleibt.

Und vielleicht beschäftigt mich genau das so sehr. Denn wenn man die Serie schaut, fragt man sich automatisch auch selbst: Wie selbstverständlich nehme ich meine Freiheit eigentlich wahr? Wie oft denke ich darüber nach, eigene Entscheidungen treffen zu dürfen? Wie oft vergesse ich, was Frauen heute alles erreichen können?

Vielleicht ist das einer der wichtigsten Gedanken, die ich aus dieser Serie mitnehme: Dass Freiheit nicht laut sein muss, um wertvoll zu sein. Sie steckt oft in den kleinen Dingen. In der Möglichkeit, man selbst sein zu dürfen. Die eigene Meinung auszusprechen. Zu lieben. Zu träumen. Sich zu entwickeln. Oder einfach frei entscheiden zu dürfen, welchen Weg man gehen möchte. Und gleichzeitig zeigt die Serie etwas, das mich emotional tief berührt hat:

Dass Menschen selbst in den dunkelsten Situationen versuchen, Licht füreinander zu bleiben. Nicht perfekt. Nicht heldenhaft. Sondern menschlich. Vielleicht macht genau das diese Geschichte so intensiv. Nicht die Gewalt allein. Nicht die Kontrolle allein. Sondern die Tatsache, dass mitten darin trotzdem Hoffnung entsteht. In Freundschaften. In kleinen mutigen Momenten. In Frauen, die sich gegenseitig erinnern, wer sie wirklich sind.

Und während du vielleicht gerade selbst über Freiheit, Stärke oder die Frauen in deinem eigenen Leben nachdenkst, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, schaut dich ruhig an und flüstert:

„Vielleicht beginnt wahre Stärke oft nicht dort, wo Menschen keine Angst mehr haben, sondern dort, wo sie trotz ihrer Angst füreinander Mensch bleiben.“

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Scham- warum wir wieder lernen müssen zu sprechen

Scham. Ein Gefühl, das eigentlich überall ist. Und trotzdem spricht kaum jemand wirklich darüber. Vielleicht, weil Scham selbst schon Schambehaftet geworden ist. Denn heute wirkt es oft so, als dürfte man sich gar nicht mehr schämen.Als wäre Scham automatisch: Schwäche, Unsicherheit, mangelndes Selbstbewusstsein oder etwas, das man schnell „weg therapieren“ muss. Aber ich frage mich immer öfter: Was passiert eigentlich mit uns Menschen, wenn normale Scham keinen Platz mehr haben darf? Denn wenn ich ehrlich bin, glaube ich: Jeder Mensch schämt sich. Und das ist etwas völlig Menschliches.

Ein Podcast, der mich nachdenklich gemacht hat

Neulich hörte ich einen unglaublich interessanten Podcast mit Dr. Stephan Marks. Er beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Scham. Und ich fand seine Gedanken faszinierend. Vor allem seine Aussagen darüber, wie Scham in schwierigen Zeiten, zum Beispiel im Krieg, bewusst benutzt und ausgenutzt wird. Denn Scham ist ein unglaublich starkes Gefühl. Sie kann Menschen klein machen. Kontrollieren. Manipulieren. Zerstören. Und genau deshalb ist es so wichtig, sie zu verstehen.

Wir nennen es oft gar nicht mehr Scham

Denn eigentlich begegnet uns Scham jeden Tag. Nur benennen wir sie oft nicht so. Wenn uns etwas unangenehm ist. Wenn wir einen Fehler gemacht haben. Wenn wir uns bloßgestellt fühlen. Wenn wir merken: Das hätte ich anders machen sollen. Ist das nicht oft genau Scham? Und ist das wirklich nur schlecht?

Früher war Scham auch ein Teil von Lernen

Wenn ich mich für mein Verhalten schäme, dann denke ich darüber nach. Ich reflektiere. Vielleicht mache ich diesen Fehler nicht noch einmal. So haben wir es früher oft gelernt. Aber gleichzeitig wurde Scham früher auch missbraucht. Und genau dort wird das Thema kompliziert. Denn viele Menschen verbinden Scham sofort mit: Bloßstellung. Demütigung. Verletzung. Und leider gab es davon früher genug.

Erinnerungen aus der Schule

Früher mussten Kinder manchmal vor der ganzen Klasse in der Ecke stehen. Oder Lehrer nannten Schüler „dumm“, wenn sie etwas nicht wussten. Noch weiter zurück gab es den Zeigestock der auf die Finger der Kinder flog. Wenn ich heute darüber nachdenke, finde ich das schlimm. Denn dort wurde Scham nicht benutzt, um Reflexion zu fördern. Sondern um Macht auszuüben. Und genau das hinterlässt Spuren.

Heute gehen wir den anderen Weg

Heute versucht man eher, niemanden bloßzustellen. Es wird oft jemand anderes drangenommen. Niemand soll sich unangenehm fühlen. Ob das der absolut richtige Weg ist, ist auch fraglich.  Und grundsätzlich verstehe ich diesen Gedanken natürlich. Aber manchmal frage ich mich trotzdem: Verlieren wir dadurch vielleicht auch etwas Wichtiges? Denn ist es wirklich sinnvoll, unangenehme Gefühle komplett zu vermeiden? Oder wäre es vielleicht wichtiger, Kindern beizubringen: wie man mit solchen Gefühlen umgeht?

Selbstreflexion statt Bloßstellung

Denn genau dort sehe ich den Unterschied. Es geht nicht darum, Menschen zu demütigen. Nicht darum, sie klein zu machen. Sondern darum, Selbstreflexion zu lernen. Und ehrlich? Ich finde Selbstreflexion unglaublich wichtig. Gerade später im Beruf. Denn dort begegnen wir ständig Situationen, in denen wir: Fehler machen, falsch reagieren, Dinge übersehen, uns verbessern müssen. Und dafür braucht es die Fähigkeit, sich selbst ehrlich anzuschauen. Aber sich selbst ehrlich anzuschauen erfordert oft sehr viel Mut. 

Scham in der Pflege

Besonders deutlich sehe ich das Thema Scham in meinem Beruf. In der Pflege. Dort begegnet uns Scham jeden Tag. Und trotzdem wird kaum darüber gesprochen. Vielleicht, weil vieles inzwischen so selbstverständlich geworden ist. Aber genau das macht mir manchmal Sorgen.

Eine Situation aus dem Pflegealltag

Stell dir vor: Du bist Pflegekraft. Du bekommst einen neuen Bewohner oder eine neue Bewohnerin. Am nächsten Morgen gehst du ganz selbstverständlich in die Wohnung. Du hilfst beim Waschen. Natürlich auch im Intimbereich. Für Pflegekräfte gehört das zum Alltag. Aber was ist eigentlich mit der Person gegenüber? Was denkt sie in diesem Moment? Schämt sie sich? Hat sie Angst? Fühlt sie sich ausgeliefert? Oder hat sie längst aufgehört, etwas zu sagen, weil sie glaubt, keine Wahl mehr zu haben? Ich habe gerade erst so eine Situation erlebt. Eine Bewohnerin hat sich nass gemacht obwohl sie eine Vorlage trug, aber sie Hose war nass. Ich habe alles mit einem Lächeln und ohne es zu kommentieren Weg gemacht. Und sie sagte: „Ich schäme mich so“. Sofort kamen mir meine Worte in den Kopf. Und anstatt zu sagen, sie brauchen sich nicht zu schämen, sagte ich: „Ich verstehe Sie“. Und es ging mir noch etwas durch den Kopf. Wenn ich gesagt hätte, sie brauchen sich nicht schämen, dann wäre es nicht richtig gewesen. Denn ich hätte mich in der Situation auch geschämt. Und manchmal ist es gut, das wir über unsere Wörter mehr nachdenken. Auch wenn sie für uns selbstverständlich sind und wir es nur gut meinen. 

Der Mensch hinter der Pflege

Ich glaube, genau das vergessen wir manchmal. Weil Pflege oft unter Zeitdruck stattfindet. Weil alles funktionieren muss. Weil Abläufe eingehalten werden. Und weil wir irgendwann anfangen, Dinge nur noch praktisch zu sehen. Aber dort steht immer noch ein Mensch. Ein Mensch mit: Grenzen. Würde. Gefühlen. Scham. Und vielleicht ist genau das etwas, das in unserer Gesellschaft langsam verloren geht: der Blick für die Verletzlichkeit anderer Menschen.

Früher mussten wir uns hineinfühlen

In meiner Ausbildung vor fast zwanzig Jahren hatten wir noch Selbstexperimente. Wir sollten uns hineinfühlen in Menschen, die gepflegt werden. Wir sollten verstehen: wie es sich anfühlt, abhängig zu sein. Und ehrlich? Das war unglaublich wichtig. Denn Pflege ist nicht nur Versorgung. Pflege ist Nähe. Vertrauen. Würde. Und genau dort spielt Scham eine riesige Rolle.

Was passiert, wenn Zeit verschwindet?

Heute fehlt oft genau dafür die Zeit. Gespräche werden weniger. Vertrauen aufzubauen wird schwer. Der Mensch wird immer häufiger: ein Fall. ein Bewohner. eine Nummer. ein finanzieller Faktor. Und wenn Zeit verschwindet, verschwindet oft auch der Blick für Gefühle. Dann wird schnell gesagt: „Du brauchst dich nicht schämen.“ Aber ist Scham nicht eigentlich etwas völlig Menschliches?

Was geht verloren, wenn Scham keinen Platz mehr hat?

Diese Frage beschäftigt mich sehr. Denn was passiert eigentlich, wenn wir Menschen das Gefühl geben: Du darfst dich nicht schämen. Verlieren wir dann vielleicht: Feingefühl? Grenzen? Rücksicht? Selbstreflexion? Denn Scham ist nicht immer nur negativ. Manchmal schützt sie auch etwas. Unsere Intimsphäre. Unsere Würde. Unser Innerstes.

Scham und die heutige Gesellschaft

Heute wird unglaublich viel Geld mit Scham verdient. Vielleicht mehr denn je. Du schämst dich für Pickel? Hier ist die passende Creme. Du schämst dich für deinen Körper? Dann lass etwas operieren. Zu viele Falten? Zu alt? Zu wenig perfekt? Dann gibt es: Botox. Anti-Faltencremes. Schönheitsbehandlungen. Filter. Optimierungsprogramme. Tik Tok. Ich hab ja schon Mal erwähnt das ich social Media sehr mag und es viel nutze und auch KI fi den ich super, wenn man es richtig nutzt. Aber was ich wirklich gefährlich finde, sind die Menschen die sich dort als etwas ausgeben was sie nicht sind. Für Jugendliche, die noch nicht unterscheiden können, was echt ist und was nicht, was wirklich wichtig ist und wo ihr eigener Selbstwert liegt.  Und überall schwingt dieselbe Botschaft mit: Wenn du das veränderst, musst du dich nicht mehr schämen.

Aber endet Scham wirklich durch Perfektion?

Ich glaube nicht. Denn wenn Menschen lernen, sich nur dann wertvoll zu fühlen, wenn sie „perfekt“ wirken… dann entsteht oft etwas Gefährliches. Ein ständiger Kampf gegen sich selbst. Gegen das Älterwerden. Gegen Fehler. Gegen Natürlichkeit. Und vielleicht verlieren wir dadurch immer mehr die Fähigkeit, uns selbst als Mensch anzunehmen.

Scham ist nicht immer der Feind

Ich glaube, wir müssen anfangen, Scham differenzierter zu betrachten. Denn es gibt: zerstörerische Scham und gesunde Scham. Zerstörerische Scham macht Menschen klein. Sie verletzt. Sie entwürdigt. Sie erzeugt Angst. Aber gesunde Scham? Die hilft uns manchmal: Grenzen wahrzunehmen, respektvoll zu bleiben, unser Verhalten zu reflektieren, die Gefühle anderer zu erkennen

Dort, wo Scham beginnt, beginnt auch der Mensch

Dieser Gedanke beschäftigt mich besonders: Dort, wo Scham beginnt, beginnt der Mensch. Denn Scham zeigt oft: Hier ist etwas verletzlich. Etwas Persönliches. Etwas, das geschützt werden möchte. Und vielleicht können wir Menschenwürde nur wirklich verstehen, wenn wir auch Scham verstehen. Nicht verdrängen. Nicht weglächeln. Nicht verbieten. Sondern zulassen. Darüber sprechen.

Vielleicht brauchen wir wieder mehr Menschlichkeit

Vielleicht leben wir in einer Zeit, in der Menschen ständig stark wirken wollen. Perfekt. Selbstbewusst. Unangreifbar. Aber genau dadurch verlieren wir manchmal den Zugang zu den leisen Gefühlen. Zu den verletzlichen Seiten des Menschseins. Und vielleicht gehört Scham genau dazu.

Und jetzt du

Wann hast du dich das letzte Mal geschämt? Und war diese Scham wirklich nur schlecht? Oder wollte sie dir vielleicht etwas zeigen? Eine Grenze. Ein Gefühl. Eine Verletzlichkeit. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Frage: Müssen wir Scham wirklich loswerden? Oder sollten wir vielleicht einfach lernen, besser mit ihr umzugehen?

Und während du vielleicht gerade über Situationen nachdenkst, die dir unangenehm waren oder in denen du dich klein gefühlt hast, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, schaut dich ruhig an und flüstert:

„Vielleicht macht uns nicht das Fehlen von Scham menschlich, sondern die Fähigkeit, mit ihr würdevoll umzugehen.“

Schön das du hier bist 🩶

Wer entscheidet eigentlich, wann wir loslassen müssen

Meine Tochter ist auf Klassenfahrt gefahren. Und für uns beide war es unglaublich schwer. Nicht nur für mich als Mutter. Sondern auch für sie. Denn wenn ich ehrlich bin, glaube ich: Wir wollten uns beide nicht lösen. Und vielleicht klingt das für manche Menschen komisch. Vielleicht denken manche sofort: „Mit zwölf muss man das doch können.“ Aber genau dort beginnt für mich die eigentliche Frage: Wer entscheidet eigentlich, wann ein Kind bereit sein muss? Und noch wichtiger: Wer entscheidet, wann eine Mutter loslassen soll?

Zwischen groß sein und noch klein sein

Meine Tochter ist in einem Alter, das irgendwie kompliziert ist. Auf der einen Seite ist sie ein Teenager. Sie entwickelt ihren eigenen Charakter. Ihre eigenen Interessen. Ihre eigene Meinung. Und manchmal wirkt sie plötzlich unglaublich groß. Aber nur dann, wenn sie die Sicherheit hat, dass ich da bin. Dass sie jederzeit zurückkommen kann. Dass ich im Hintergrund bleibe. Und genau dort wird mir immer wieder klar: Kinder werden nicht plötzlich groß. Sie wachsen langsam. Mit Mut. Mit Unsicherheit. Mit kleinen Schritten. Und manchmal eben auch mit Tränen.

Früher war alles anders… oder vielleicht auch nicht?

Ich habe darüber nachgedacht, wie das früher eigentlich war. Früher gab es keine Handys. Keine ständigen Nachrichten. Kaum Telefone. Wenn wir auf Klassenfahrt waren, waren wir weg. Einfach weg. Und ehrlich? Ich fand meine Klasse damals furchtbar. Ich hatte überhaupt keine Lust auf Klassenfahrt. Am Ende musste ich einfach das Beste daraus machen. Und wenn ich heute daran zurückdenke, dann sind die Erinnerungen an die Einzelheiten längst verblasst. Was mich ehrlich gesagt nicht besonders traurig macht. Denn nicht jede Erfahrung wird automatisch zu einer wunderschönen Erinnerung.

Nicht jedes Kind empfindet gleich

Damals gab es natürlich auch Kinder, die froh waren, von zuhause wegzukommen. Die Freiheit wollten. Abenteuer. Abstand. Und die gibt es heute auch noch. Und weißt du was? Das ist völlig okay. Denn jedes Kind ist anders. Jede Persönlichkeit ist anders. Und genau das vergessen wir als Gesellschaft manchmal.

Warum muss Selbstständigkeit immer gleich aussehen?

Heute wird unglaublich viel davon gesprochen, dass Kinder selbstständig werden müssen. Früh. Schnell. Eigenständig. Und natürlich verstehe ich den Gedanken dahinter. Kinder sollen lernen: Verantwortung zu übernehmen. Entscheidungen zu treffen, eigene Erfahrungen zu machen. Aber warum wird oft so getan, als gäbe es dafür nur einen einzigen richtigen Weg? Warum wird Nähe manchmal fast bewertet, als wäre sie etwas Schlechtes?

Unsere Vorstellungen von Nähe sind kulturell geprägt

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr merke ich: Viele unserer Vorstellungen darüber, wie viel Nähe „richtig“ ist, kommen gar nicht aus der Natur, sondern aus unserer Gesellschaft. In vielen westlichen Ländern lernen Eltern sehr früh: Kinder sollen alleine schlafen, möglichst schnell unabhängig werden, sich früh ablösen, „nicht zu sehr verwöhnt“ werden. Und oft wird Eltern vermittelt, dass zu viel Nähe problematisch sein könnte. Aber schaut man in andere Kulturen, sieht man plötzlich: Dort wird Nähe oft völlig anders gelebt. In vielen afrikanischen Ländern, asiatischen Kulturen oder auch bei indigenen Gemeinschaften werden Kinder deutlich länger getragen, schlafen näher bei ihren Bezugspersonen und sind viel stärker in den Alltag der Erwachsenen eingebunden. Babys werden dort oft nicht sofort abgelegt, sondern über Stunden am Körper getragen. Nicht, weil man dort „moderner“ oder „besser“ erzieht. Sondern weil Nähe dort selbstverständlich ist. Und genau das hat mich nachdenklich gemacht. Denn vielleicht ist das, was wir heute oft als „zu anhänglich“ bezeichnen, biologisch eigentlich etwas völlig Natürliches.

Kinder sind auf Nähe ausgelegt

Menschenbabys kommen unfassbar unreif auf die Welt. Sie können sich emotional noch gar nicht alleine regulieren. Sie brauchen: Nähe, Berührung, Sicherheit, Verbindung. Und viele Forscher sagen heute: Selbstständigkeit entsteht oft nicht durch Distanz, sondern zuerst durch sichere Bindung. Ein Kind, das weiß: „Ich darf zurückkommen.“ wird oft mutiger als ein Kind, das ständig das Gefühl hat, funktionieren zu müssen.

Vielleicht gab es deshalb früher weniger Druck

Wenn man sich traditionelle Gemeinschaften anschaut, fällt etwas auf: Dort müssen Kinder oft gar nicht so früh emotional unabhängig wirken. Sie wachsen langsam hinein. Mit vielen Menschen um sich herum. Mit Körperkontakt. Mit Nähe. Natürlich bedeutet das nicht, dass dort alles perfekt ist. Auch dort gibt es überforderte Eltern, schwierige Kinder oder Tränen. Aber oft wird Weinen anders gesehen.Nicht als etwas, das ein Kind „lernen“ muss auszuhalten. Sondern als Zeichen eines Bedürfnisses. Und ehrlich? Manchmal frage ich mich, ob wir in unserer westlichen Gesellschaft vergessen haben, wie sehr Menschen eigentlich Verbindung brauchen.

Was, wenn wir beide das gar nicht wollen?

Und genau dort kommt meine eigentliche Frage: Was, wenn wir das beide gerade gar nicht wollen? Was, wenn ich sage: Dafür hast du noch genug Zeit. Du musst doch mit zwölf noch nicht komplett alleine klarkommen. Du darfst doch noch Kind sein. Und ich darf doch noch deine Sicherheit sein. Oder nicht?

Wer schreibt diese Regeln eigentlich?

Manchmal frage ich mich wirklich: Wer gibt diese Regeln eigentlich vor? Ab wann ein Kind:„groß genug“, „selbstständig genug“, „reif genug“ sein soll. Ist das wirklich das Kind selbst? Oder eher die Gesellschaft? Denn oft habe ich das Gefühl: Nähe wird schnell kritisch gesehen. Vor allem dann, wenn Kinder älter werden. Als müsste man sich automatisch emotional voneinander lösen. Aber warum eigentlich?

Bindung ist doch nichts Schlechtes

Wir haben eine unglaublich starke Verbindung. Schon immer. Und daran hat sich nie etwas geändert. Natürlich streiten wir manchmal. Natürlich diskutieren wir. Natürlich entwickelt sie ihren eigenen Kopf. Aber trotzdem spüre ich: Diese Verbindung bleibt. Und ehrlich? Ich bin dankbar dafür.Denn nicht jede enge Bindung bedeutet Abhängigkeit. Manchmal bedeutet sie einfach: Vertrauen. Sicherheit. Ankommen.

Die stille Wohnung

Als sie weg war, wurde die Wohnung plötzlich still. Zu still. Und ich glaube, viele Eltern kennen dieses Gefühl. Man läuft durch die Räume und merkt: Etwas fehlt. Nicht laut. Nicht dramatisch. Aber spürbar. Ihr Lachen. Ihre Stimme. Die kleinen Gespräche zwischendurch. Plötzlich ist da Ruhe. Und manchmal fühlt sich Ruhe eben nicht friedlich an. Sondern leer.

Das schlechte Gewissen von Eltern

Und dann beginnt oft dieses gesellschaftliche Denken. Man fragt sich: Bin ich zu emotional? Mache ich es ihr zu schwer? Muss ich mehr loslassen? Muss ich cooler damit umgehen? Aber warum eigentlich? Warum dürfen Eltern nicht ehrlich sagen: Ich vermisse mein Kind. Warum wird emotionale Nähe oft so bewertet, als wäre sie automatisch falsch?

Kinder brauchen Sicherheit

Ich glaube, viele vergessen: Selbstständigkeit entsteht oft erst durch Sicherheit. Nicht durch Druck. Nicht durch emotionales Wegstoßen. Sondern dadurch, dass Kinder wissen: Egal wie weit ich gehe, ich habe einen sicheren Ort. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum manche Kinder mutiger werden können als andere. Weil sie wissen: Da ist jemand. Immer.

Die Angst vor dem Alleinsein

Ich glaube außerdem, dass Klassenfahrten oft mehr auslösen als nur „ein paar Tage weg sein“. Für manche Kinder bedeutet es: fremde Umgebung, fremde Regeln, Unsicherheit, Schlafen ohne Zuhause, keine gewohnte Nähe. Und für sensible Kinder kann das unglaublich viel sein. Das bedeutet nicht, dass sie schwach sind. Es bedeutet nur: Dass sie intensiver fühlen.

Nicht jede Erfahrung muss schön sein

Was ich außerdem wichtig finde:

Nicht jede Erfahrung im Leben muss automatisch toll sein. Manchmal wird so getan, als müsste jede Klassenfahrt: unvergesslich, wunderschön, prägend, lustig sein. Aber ehrlich? Manche Kinder fühlen sich dort einfach unwohl. Und das darf auch okay sein. Nicht jede Erinnerung muss magisch werden.

Früher mussten wir einfach funktionieren

Wenn ich an meine eigene Schulzeit denke, dann gab es oft dieses: „Da musst du jetzt durch.“ Keine große Diskussion. Keine emotionale Begleitung. Keine Frage: Wie geht es dir damit? Heute reden wir mehr. Und das finde ich eigentlich gut. Denn Gefühle verschwinden nicht einfach, nur weil man sie ignoriert.

Loslassen bedeutet vielleicht etwas ganz anderes

Vielleicht habe ich lange gedacht, Loslassen bedeutet: emotional Abstand schaffen. Aber inzwischen glaube ich: Das stimmt gar nicht. Vielleicht bedeutet Loslassen eher: Vertrauen. Zu wissen: mein Kind entwickelt sich, mein Kind wächst, mein Kind sammelt Erfahrungen. Und trotzdem bleibt unsere Verbindung bestehen.

Liebe verändert sich, sie verschwindet nicht

Kinder werden älter. Das ist normal. Aber Liebe verschwindet dadurch doch nicht. Nähe auch nicht. Vielleicht verändert sie sich nur. Vielleicht wird sie leiser. Erwachsener. Anders. Aber sie bleibt.

Was passiert, wenn wir ständig zu früh loslassen wollen?

Manchmal frage ich mich: Entsteht nicht oft genau dadurch Leid? Wenn Kinder zu früh stark sein sollen. Zu früh funktionieren sollen. Zu früh unabhängig wirken sollen. Vielleicht brauchen manche Kinder einfach länger. Und vielleicht ist genau das völlig okay.

Unsere eigene Geschwindigkeit

Ich glaube, jede Familie hat ihre eigene Geschwindigkeit. Ihre eigene Dynamik. Ihre eigene Form von Nähe. Und vielleicht müssen wir aufhören, ständig alles miteinander zu vergleichen. Denn nicht jede starke Bindung ist problematisch. Manchmal ist sie einfach: Liebe.

Und jetzt du

Wie war das bei dir früher? Hast du Klassenfahrten geliebt? Oder gehasst? Warst du froh, weg zu sein? Oder wolltest du eigentlich lieber zuhause bleiben? Und wie gehst du heute mit Nähe um? Fällt dir Loslassen leicht? Oder fragst du dich manchmal auch: Warum muss eigentlich immer alles so schnell gehen?

Vielleicht müssen wir gar nicht alles so machen wie „man es eben macht“

Vielleicht dürfen Kinder länger Kind sein. Vielleicht dürfen Eltern emotional bleiben. Vielleicht dürfen Bindungen stark sein. Und vielleicht müssen wir gar nicht immer sofort loslassen, nur weil die Gesellschaft es irgendwann erwartet. Vielleicht dürfen wir unseren eigenen Weg finden. In unserem eigenen Tempo.

Und während du vielleicht gerade darüber nachdenkst, welche Menschen dir Sicherheit geben oder wie schwer Loslassen manchmal sein kann, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, schaut dich ruhig an und flüstert:

„Vielleicht bedeutet Liebe nicht, jemanden früh loszulassen, sondern ihm immer das Gefühl zu geben, einen sicheren Platz im Herzen zu haben.“

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Mutter-Kind-Kur Warum du dir vorher wirklich Gedanken machen solltest

Ich möchte meine Erfahrungen mit dir teilen.
Nicht um dir Angst zu machen. Nicht um Mutter-Kind-Kuren schlecht zu reden. Sondern damit du vielleicht besser vorbereitet bist als ich damals.

Denn ich glaube, viele Mütter fahren mit einer bestimmten Vorstellung dorthin. Mit Hoffnung. Mit Erwartungen. Mit dem Wunsch, endlich mal Luft holen zu können. Und manchmal kommt dann alles ganz anders.

Warum ich die Kur gemacht habe

2018 war es bei mir soweit. Meine Tochter war damals fünf Jahre alt und ich entschied mich für eine Mutter-Kind-Kur. Ich hatte mehrere Gründe dafür.

Zum einen hatte ich starke Rückenschmerzen durch meinen Beruf. Ich arbeitete in der Pflege und mein Körper war irgendwann einfach dauerhaft verspannt. Ich stellte mir vor:  Physiotherapie. Ruhe. Vielleicht Massagen.  Einfach mal durchatmen.

Der zweite Grund war meine Tochter. Ich wollte Zeit mit ihr. Nicht Alltagszeit. Nicht zwischen Haushalt, Arbeit und Müdigkeit. Sondern echte Zeit. Denn durch meinen Job fehlte uns diese gemeinsame Ruhe oft, da ich damals noch im Schichtdienst arbeitete. Und es war damals nicht leicht mit ihr. Sie hat viel geweint, war sehr sensibel und ich dachte: Vielleicht tut uns diese Zeit zusammen einfach gut.

Dazu kam noch, dass sie seit ihrem zweiten Lebensjahr ständig spastische Bronchitis hatte. Also entschieden wir uns für die Nordsee. Genauer gesagt: Langeoog. Nordsee, frische Luft, Ruhe, Meer… das klang perfekt. Ich hatte vorher sogar bei einem Beratungsgespräch und konnte Wünsche angeben. Deshalb freute ich mich wirklich darauf. Tja… so kam es leider nicht.

Die Anreise und der erste Gedanke ans Umkehren

Wir entschieden uns damals für die Anreise mit der Deutschen Bahn. Und ehrlich? Danach war ich geheilt. Nie wieder.

Die Züge hatten ständig Verspätung. Dadurch verpassten wir Anschlusszüge und standen mit einem fünfjährigen Kind und großen Koffern irgendwo fest. Es war purer Stress.

Und genau dort begann eigentlich schon das Problem. Denn eine Mutter-Kind-Kur beginnt nicht erst in der Einrichtung. Sie beginnt schon bei deiner Anreise. Und wenn du bereits völlig erschöpft dort ankommst, startet alles unter ganz anderen Voraussetzungen.

Zum Glück lernten wir unterwegs andere Mütter kennen, die ähnliche Probleme hatten. Für die nächsten drei Wochen wurden daraus tatsächlich so eine Art „Leidensgenossen- Freundschaften“. Und das war wichtig.Denn manchmal helfen Menschen, die genau im selben Chaos sitzen wie du selbst.

Die Realität der Kur

Am ersten Abend kamen wir an, sahen den wunderschönen Sonnenuntergang und gingen schlafen. Ich dachte: Morgen beginnt unsere kleine Auszeit. Am nächsten Tag bekamen wir die Pläne für die erste Woche. Und dort passierte etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte.

Meine Tochter sollte den ganzen Tag in den Kindergarten. Und ich? Ich sollte zu Pflichtvorträgen. Ich weiß noch genau, wie ich dort saß und einfach nur geweint habe. Und meine Tochter weinte auch.

Am liebsten hätte ich sofort meine Sachen gepackt und wäre nach Hause gefahren. Aber da war ein Problem: Ich saß auf einer Insel fest. Angewiesen auf die Deutsche Bahn. Also blieb ich.

Am nächsten Morgen brachte ich mein weinendes Kind in die Betreuung und ging selbst heulend weiter zu den Vorträgen. Und das Schlimmste war: Ich fühlte mich überhaupt nicht verstanden. Von den Therapeuten kam wenig Verständnis dafür, dass ich eigentlich etwas ganz anderes gebraucht hätte. Ich brauchte keine Erziehungstipps. Ich brauchte keine Gruppenvorträge. Ich brauchte Zeit mit meinem Kind. Und Ruhe.

Was viele vorher wissen sollten

Vielleicht liegt genau dort das eigentliche Problem. Viele Mütter fahren in eine Kur, ohne sich vorher wirklich zu fragen:

Fahre ich wirklich für mich?
Bin ich bereit, mich auf fremde Menschen einzulassen?
Möchte ich Ruhe oder Austausch?
Kann ich mit festen Strukturen umgehen?
Möchte ich Anwendungen oder eigentlich nur schlafen?
Was brauche ich wirklich, um Kraft zu tanken?

Denn manchmal merkt man erst dort: Eine Kur löst nicht automatisch alles. Und genau das hätte ich damals vorher verstehen müssen. Ich hatte zwar Wünsche. Aber kein klares Bild davon, was ich wirklich brauchte.

Nordic Walking am Strand und mein persönlicher Albtraum

Dann kam noch das Thema Sport. Nordic Walking am Strand. Vielleicht lieben manche Menschen das. Ich nicht. Gott, ich hasse Sport.

Ich wollte nicht in Gruppen laufen. Ich wollte keine Verpflichtungen. Ich wollte keine festen Programme. Ich wollte einfach: meine Ruhe. Und ich glaube, genau dort merkte ich: Die Kur passte nicht zu mir. Nicht grundsätzlich schlecht. Aber falsch für meine Bedürfnisse.

Das Frühstück und der Moment, in dem mir alles zu viel wurde

Was mich zusätzlich unglaublich belastet hat, war das Frühstück. Für viele klingt das wahrscheinlich total unwichtig. Aber für mich ist Frühstück etwas Heiliges. Ich liebe Ruhe am Morgen. Keine Hektik. Kein Chaos. Einfach ankommen. Und dort liefen morgens ungefähr sechzig Kinder herum. Mit Essen in der Hand. Laut. Chaotisch.

Und ich merkte plötzlich: Das überfordert mich total. Vor allem dann, wenn man selbst eher einen ruhigen Erziehungsstil lebt und plötzlich auf völlig andere Strukturen trifft. Das soll keine Kritik an anderen Eltern sein.

Aber manchmal prallen einfach unterschiedliche Lebensweisen aufeinander. Und genau das kann unglaublich anstrengend werden.

Schuldgefühle und Erwartungen

Ich glaube außerdem, dass viele Mütter mit unglaublich hohen Erwartungen in eine Kur fahren. Man steht ständig unter Druck. Man funktioniert. Man organisiert. Man kümmert sich um alles und jeden.

Und dann kommt plötzlich diese Vorstellung: „Dort wird endlich alles besser.“ Aber wenn die Kur sich dann nicht heilend oder perfekt anfühlt, entstehen oft Schuldgefühle. Man denkt vielleicht:

Warum kann ich das nicht genießen?

Warum entspanne ich mich nicht?

Warum belastet mich das so?

Bin ich undankbar?

Aber weißt du was?

Das ist völlig menschlich. Nicht jede Form von Erholung passt zu jedem Menschen. Und nur weil etwas offiziell „gut“ sein soll, bedeutet das nicht automatisch, dass es zu deiner Persönlichkeit passt.

Mein persönlicher Blick heute

Wenn ich heute zurückblicke, dann stelle ich mir selbst einige Fragen.

Wie habe ich mir die Kur eigentlich vorgestellt?
Was hätte ich wirklich gebraucht?
Was habe ich dort gefühlt?
Was war wirklich schwierig?
Warum hat es vielleicht nicht zu mir gepasst?
Und was würde ich heute anders machen?

Und die wichtigste Antwort ist wahrscheinlich: Ich hätte vorher ehrlicher zu mir selbst sein müssen. Denn ich brauchte damals keine durchgetakteten Tage. Ich brauchte keine Gruppenaktivitäten. Ich brauchte keine ständigen Termine. Ich brauchte: Ruhe. Nähe. Zeit mit meinem Kind. Und Abstand vom Alltag. Und das ist ein großer Unterschied.

Die schönen Momente

Trotz allem gab es vier Dinge, die wunderschön waren. Und die möchte ich dir unbedingt erzählen. Denn die Kur war nicht nur schlecht. Das Meer war wunderschön. Ich konnte meiner Tochter Ebbe und Flut erklären und zeigen. Wir machten eine Wattwanderung mit und genossen sie sehr.

Das war einer dieser Momente, die bleiben. Dann organisierte die Einrichtung eine Schiffsfahrt auf der Nordsee. Wir sahen Robben in freier Wildbahn. Und wir durften Seesterne auf die Hand nehmen. Das war wirklich magisch.

Außerdem wurde die spastische Bronchitis meiner Tochter deutlich besser. Und auch wenn sie heute teilweise herausgewachsen ist, glaube ich schon, dass die Nordseeluft damals geholfen hat.

Was die Kur trotzdem verändert hat

Und dann gab es noch etwas Wichtiges. Abends hatten wir Zeit. Richtige Zeit. Und genau dort begann ich nachzudenken. Über mein Leben. Über meinen Beruf. Über meine Belastung.

Und ein halbes Jahr später wechselte ich tatsächlich den Job. Ein Schritt, der mir gesundheitlich unglaublich gut tat. Vielleicht war genau das am Ende das eigentliche Ergebnis dieser Kur. Nicht die Anwendungen. Nicht die Vorträge. Sondern die Erkenntnis: So kann es beruflich nicht weitergehen.

Meine wichtigste Botschaft an dich

Wenn du eine Mutter-Kind-Kur machen möchtest, dann bitte ich dich wirklich:

Lies Bewertungen.
Informiere dich genau.
Frag nach Abläufen.
Überlege ehrlich, was du brauchst.

Denn jede Mutter: ist anders belastet, braucht etwas anderes, hat andere Kinder, andere Grenzen, andere Wünsche. Nicht jede Kur passt zu jedem Menschen. Und das ist völlig okay. Du bist nicht undankbar, wenn etwas nicht zu dir passt. Manchmal braucht man: Ruhe statt Gruppen. Nähe statt Betreuung. Zeit statt Vorträge. Verständnis statt Programme. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Nicht jede Erholung sieht gleich aus.

Und während du vielleicht gerade darüber nachdenkst, was du wirklich brauchst, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, schaut dich ruhig an und flüstert:

„Manchmal beginnt echte Erholung erst dort, wo du ehrlich erkennst, was deiner Seele wirklich guttut.“

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Glücklich sein inmitten von unzähligen Ratgebern

Glücklich sein. Ist das wirklich so schwer? Oder haben wir einfach vergessen, wie es funktioniert? Wenn ich heute durch Buchhandlungen gehe oder durch Social Media scrolle, dann habe ich manchmal das Gefühl, dass die ganze Welt nach Glück sucht. Überall sehe ich: Ratgeber, Podcasts, Coaches, Erfolgsregeln, Morgenroutinen, Selbstheilungs-Tipps, „Die 10 Schritte zum Glück“.  Jeder weiß irgendetwas. Jeder hat Tipps. Jeder scheint plötzlich Experte dafür zu sein, wie man glücklich wird. Und manchmal frage ich mich: War Glück früher wirklich komplizierter? Oder machen wir es heute einfach komplizierter daraus? Denn was ist, wenn Glück gar nicht irgendwo draußen auf uns wartet? Was ist, wenn es längst in uns ist… und wir nur vergessen haben, es zuzulassen?

Glück oder Zufriedenheit?

Und vielleicht beginnt genau dort schon die erste wichtige Frage: Geht es eigentlich nur um Glück? Oder eher um Zufriedenheit? Denn wenn ich ehrlich bin, glaube ich: Glück sind oft Momente. Kurze Augenblicke. Ein Lachen. Ein schöner Tag. Eine Umarmung. Ein Sonnenstrahl. Ein Gespräch. Ein Gedanke. Aber Zufriedenheit? Die geht tiefer. Sie bleibt auch dann, wenn gerade nicht alles perfekt ist. Und vielleicht ist genau das das eigentliche Ziel. Nicht dauerhaft glücklich zu sein. Sondern innerlich ruhig.

Das Buch „Meine Reise zu mir selbst“

Ich bekam einmal ein Buch geschenkt. Von einer Freundin. Zum Geburtstag. Der Titel: „Meine Reise zu mir selbst.“ Ein Bestseller. Gut verkauft. Viel gelesen. Und wahrscheinlich für viele Menschen hilfreich. Aber wenn ich heute ehrlich darüber nachdenke, dann hat sie mir dieses Buch nicht geschenkt, um mir etwas Gutes zu tun. Nicht, weil sie wollte, dass ich glücklicher werde. Sondern eher, weil sie selbst etwas damit erreichen wollte. Ich hatte Kontakt zu Menschen, die ihr nicht gefielen. Damit kam sie nicht klar. Heute ist sie nicht mehr meine Freundin. Nicht wegen des Buches. Sondern weil wir irgendwann beide gemerkt haben: Es passt nicht mehr. Und weißt du? Das ist manchmal völlig in Ordnung. Nicht jede Verbindung ist für immer gedacht.

Warum mich viele „Glücklich-sein“-Bücher müde machen

Ich habe in das Buch hineingeschaut. Und es ist gut geschrieben. Wirklich. Aber es erinnert mich an viele andere Bücher dieser Art. Wie ein Tagebuch. Schreib hier deine Gefühle auf. Mach dort eine Liste. Beantworte diese Fragen. Schreibe jeden Tag drei Dinge auf, für die du dankbar bist. Und vielleicht hilft das manchen Menschen wirklich. Aber ich habe irgendwann gemerkt: Ich habe keine Lust, mein ganzes Leben in irgendwelche Bücher einzutragen. Vor allem frage ich mich dabei oft: Ist man dort überhaupt wirklich ehrlich? Oder schreibt man dort vielleicht eher die Version hinein, die man selbst gerne von sich sehen möchte? Denn echte Ehrlichkeit ist unbequem. Und manchmal glaube ich, dass wir selbst vor uns selbst am meisten weglaufen.

Die Suche nach dem größten Glück

Was mir außerdem auffällt: Viele Menschen suchen ständig nach dem „größtmöglichen Glück“. Und oft suchen sie es im Außen. In Beziehungen. In Menschen. In Aufmerksamkeit. In Anerkennung. Es gibt Menschen, die springen von einer Beziehung in die nächste. Immer auf der Suche nach diesem einen Gefühl. Nach Vollkommenheit. Nach Bestätigung. Nach Liebe. Aber funktioniert das wirklich? Kann ein anderer Mensch uns dauerhaft glücklich machen? Ich glaube nicht. Denn ich hörte einmal einen Satz in einem Film von einem berühmten Schauspieler: „Niemand, wirklich niemand, kann dich glücklich machen, wenn du es nicht selber bist.“ Und dieser Satz blieb. Weil so viel Wahrheit darin steckt.

Das gespielte Lächeln

Und damit meine ich nicht dieses aufgesetzte Glück. Nicht dieses: „Ich lächle alles weg.“ Denn genau das tun heute unglaublich viele Menschen. Sie lächeln: Stress weg, Überforderung weg, Einsamkeit weg, Traurigkeit weg. Sie lächeln Menschen an, die sie eigentlich gar nicht näher an sich heranlassen wollen. Und irgendwann merkt man: Das ist kein echtes Glück. Das ist Funktionieren.

Was macht mich wirklich zufrieden?

Und genau darüber habe ich lange nachgedacht. Was macht mich eigentlich wirklich zufrieden? Und weißt du was? Ein Punkt ist für mich tatsächlich: Geld. Das klingt vielleicht unromantisch. Romantik hat auch nichts mit Glück zu tun. Aber es ist ehrlich. Denn wenn du nachts wach liegst und nicht weißt, wie du deine Rechnungen bezahlen sollst… dann macht das krank. Wenn du jeden Tag Angst hast: ob das Geld reicht, ob etwas kaputt geht, ob du alles schaffst, dann entsteht keine innere Ruhe. Natürlich macht Geld alleine nicht glücklich. Aber Sorgen machen definitiv unglücklich. Und deshalb glaube ich: Finanzielle Sicherheit ist ein wichtiger Schritt zur Zufriedenheit. Nicht Luxus. Nicht Reichtum. Sondern Sicherheit.

Der nächste Schritt: Menschen bewusst auswählen

Der nächste Punkt ist für mich: Menschen. Und zwar nicht: wie viele Menschen ich kenne, wie viele Nachrichten ich bekomme, wie viele Kontakte ich habe. Sondern: Wen lasse ich wirklich in mein Leben? Das ist ein riesiger Unterschied. Denn nicht jeder Mensch, der in unser Leben tritt, tut uns gut. Manche kosten Kraft. Manche machen innerlich laut. Manche bringen Unruhe. Und irgendwann beginnt man zu verstehen: Man darf auswählen. Nicht aus Arroganz. Nicht aus Kälte. Sondern aus Selbstschutz.

Warum Ruhe heute so wertvoll geworden ist

Vielleicht ist genau das ein großes Problem unserer Zeit: Es ist ständig laut. Nachrichten. Meinungen. Social Media. Diskussionen. Vergleiche. Und zwischen all dem vergessen viele Menschen, wie sich Ruhe eigentlich anfühlt. Nicht äußere Ruhe. Sondern innere Ruhe. Dieses Gefühl: Ich muss gerade niemandem etwas beweisen.

Was mich wirklich glücklich macht

Und wenn ich ehrlich bin, dann ist die Antwort am Ende eigentlich ganz einfach: Ich selbst sein dürfen. So wie ich bin. Ohne dauernd eine Rolle zu spielen. Denn genau dann passiert etwas: Ich habe Kraft für mein Kind. Mein Kopf wird frei für Ideen. Ich fühle mich gesünder. Ich komme gerne nach Hause. Ich führe gerne Gespräche. Nicht, weil ich muss. Sondern weil ich möchte. Und vielleicht ist genau das echtes Glück. Nicht dieses riesige, perfekte Lebensgefühl. Sondern innerer Frieden.

Warum wir ständig nach mehr suchen

Ich glaube, viele Menschen suchen dauerhaft nach einem Zustand, der gar nicht existiert. Dieses: „Wenn ich DAS habe, bin ich endlich glücklich.“ die perfekte Beziehung, der perfekte Körper, mehr Geld, mehr Anerkennung, mehr Erfolg. Aber was passiert meistens? Kurz danach beginnt die nächste Suche. Weil das eigentliche Problem oft nicht im Außen liegt. Sondern innen.

Social Media und die Vermarktung des Glücks

Social Media verstärkt das noch mehr. Denn dort wird Glück inzwischen verkauft. Wie ein Produkt. Mit: Routinen, Programmen, Kursen, Motivation, Selbstoptimierung. Und manchmal frage ich mich: Wann haben wir eigentlich angefangen zu glauben, dass wir ständig besser werden müssen? Warum reicht „einfach sein“ nicht mehr?

Vielleicht ist Glück viel leiser

Vielleicht ist Glück gar nicht: laut, perfekt, spektakulär. Vielleicht ist Glück: ein ruhiger Abend, ein ehrliches Gespräch, ein Kaffee auf dem Sofa, ein Moment ohne Druck, Frieden im Kopf. Vielleicht ist Glück nicht das, was wir ständig suchen. Sondern das, was wir übersehen, weil wir dauernd nach „mehr“ schauen.

Und jetzt du

Was macht dich eigentlich wirklich glücklich? Nicht gesellschaftlich. Nicht für Instagram. Nicht für andere. Sondern wirklich? Wann fühlst du dich ruhig? Wann fühlst du dich frei? Und wie viel von deinem Glück hängt vielleicht noch davon ab, was andere Menschen über dich denken?

Kann ein Buch Glück geben?

Und damit zurück zur eigentlichen Frage: Kann ein Buch glücklich machen? Vielleicht manchen Menschen. Vielleicht kann es Gedanken anstoßen. Fragen öffnen. Perspektiven verändern. Aber ich glaube nicht, dass irgendein Buch dieser Welt uns dauerhaft glücklich machen kann. Denn am Ende müssen wir uns selbst begegnen. Ohne Rolle. Ohne Anleitung. Ohne perfekte Antworten.

Vielleicht liegt genau dort die Wahrheit

Vielleicht ist Glück nichts, das man lernen muss. Vielleicht ist es etwas, das entsteht, wenn: der Kopf ruhiger wird, die richtigen Menschen bleiben, die falschen gehen, man aufhört, ständig jemand anderes sein zu wollen. Und vielleicht ist genau das die schwierigste Reise überhaupt: Nicht die Suche nach Glück. Sondern die Suche nach sich selbst.

Und während du vielleicht gerade darüber nachdenkst, was dich wirklich glücklich macht, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, schaut dich ruhig an und flüstert:

„Vielleicht beginnt echtes Glück genau dort, wo du aufhörst, ständig danach zu suchen.“

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Narzissmus oder einfach nur Mensch

Je älter ich werde, desto mehr verändern sich meine Ansichten über Menschen. Früher habe ich vieles mit mir machen lassen. Heute nicht mehr. Und ich glaube, das hat nicht nur etwas mit dem Älterwerden zu tun. Sondern auch mit Erfahrungen. Mit dem Leben. Mit den Dingen, die man irgendwann einfach verstanden hat. Vielleicht kennst du das auch. Man wird ruhiger. Aber gleichzeitig klarer. Man trennt sich schneller von Menschen, wenn es nicht mehr passt. Nicht aus Bosheit. Sondern aus Selbstschutz.
Früher hätte ich mich gefragt:
„Was habe ich falsch gemacht?“
„Warum reicht das nicht?“
„Warum versteht mich der Mensch nicht?“
Heute denke ich oft: Vielleicht passt es einfach nicht. Und weißt du was? Das macht vieles leichter. Aber gleichzeitig fällt mir etwas anderes auf. Der Begriff „Narzissmus“ bekommt plötzlich immer schneller Bedeutung. Nicht unbedingt, weil es mehr Narzissten gibt. Sondern weil es einfacher geworden ist, Menschen einzuordnen. Vielleicht sogar einfacher, als sich wirklich mit ihnen auseinanderzusetzen. Denn wenn etwas zwischen Menschen nicht funktioniert, ist die Frage oft nicht mehr:
Warum hat es nicht gepasst?
Sondern sofort: „Der ist narzisstisch.“ Und genau darüber denke ich oft nach.

Menschen waren schon immer kompliziert
Ich weiß manchmal gar nicht, ob Menschen schon immer so schwierig waren. Oder ob sich unsere Gesellschaft einfach verändert hat. Mit Social Media. Mit dem Internet. Mit der Geschwindigkeit unseres Lebens. Denn heute geht alles schneller.
Nachrichten.
Meinungen.
Kontakte.
Verurteilungen.
Und vielleicht achten wir dadurch immer weniger auf uns selbst. Wir funktionieren. Wir reagieren. Wir konsumieren. Aber nehmen wir uns eigentlich noch wirklich Zeit, Menschen zu verstehen?

Das Internet macht vieles leichter, auch das Urteilen
Durch das Internet ist es unglaublich leicht geworden, Menschen zu beurteilen. Ein Video. Ein Kommentar. Ein Satz. Und plötzlich glauben wir, einen Menschen zu kennen. Aber tun wir das wirklich? Oder kennen wir nur die Rolle, die dieser Mensch dort gerade spielt? Denn Social Media zeigt selten das Ganze. Es zeigt Ausschnitte. Momente. Inszenierungen. Und trotzdem entstehen daraus komplette Urteile. Vielleicht sogar Diagnosen.

Wann ist ein Mensch plötzlich ein Narzisst?
Ich lese diesen Begriff inzwischen überall.
„toxisch“
„Gaslighting“
„Narzisst“
Und ehrlich? Manchmal wirkt es fast so, als wäre heute jeder ein Narzisst. Dabei frage ich mich oft: Wo beginnt das eigentlich wirklich? Ich bin manchmal egoistisch. Ja. Aber nicht, weil ich Menschen absichtlich verletzen möchte. Sondern weil ich gelernt habe, auf mich selbst aufzupassen. Vor allem in bestimmten Bereichen meines Lebens. Im Job. Bei bestimmten Menschen. Bei Situationen, die mir nicht guttun. Aber macht mich das automatisch zu einem Narzissten?

Darf ich an mich denken?
Das ist doch eigentlich die eigentliche Frage. Darf ich Bedürfnisse haben?
Darf ich sagen:
„Das ist mir zu viel.“
„Das möchte ich nicht.“
„Das tut mir nicht gut.“
Oder gilt das heute sofort als egoistisch? Und wenn ich egoistisch bin… bin ich dann automatisch narzisstisch?

Aufmerksamkeit wollen, etwas völlig Menschliches?
Ich bin auf Social Media aktiv. Natürlich möchte ich Aufmerksamkeit für meine Arbeit. Warum sollte ich schreiben, wenn ich nicht möchte, dass Menschen es lesen? Ich freue mich, wenn Menschen meine Texte mögen. Wenn sie sich verstanden fühlen. Wenn sie mir schreiben. Bin ich deswegen narzisstisch? Oder einfach ein Mensch, der gesehen werden möchte?
Denn wenn wir ehrlich sind: Wollen wir das nicht alle ein bisschen?

Wenig Empathie in einem Moment
Es gibt Momente, in denen ich wenig Empathie habe. Ja. Und ich glaube, das geht vielen Menschen so. Muss ich immer für jeden Verständnis haben? Jederzeit? Darf ich Menschen auch mal unsympathisch finden? Oder Abstand wollen? Oder genervt sein? Macht mich das zu einem schlechten Menschen? Oder einfach zu einem normalen Menschen?

Mein Blick durch meinen Beruf
Durch meinen Job lerne ich unglaublich viele Menschen kennen. Unterschiedliche Charaktere. Unterschiedliche Familien. Unterschiedliche Ängste. Und dort beobachte ich oft etwas sehr Menschliches. Angehörige versuchen manchmal, ihre Kontakte spielen zu lassen.
Sie erzählen:
wen sie kennen
wo sie gearbeitet haben
wer wichtig ist
Oft mit dem Versuch, uns einzuschüchtern. Damit ihre Mutter oder ihr Vater „besser“ behandelt wird. Besonders behandelt wird. Und natürlich könnte man jetzt schnell sagen:
manipulativ
narzisstisch
überheblich
Aber weißt du, was ich darin meistens sehe? Sorge. Angst. Hilflosigkeit. Denn wenn Menschen Angst um jemanden haben, versuchen sie Kontrolle zu bekommen. Und Kontrolle zeigt sich bei jedem anders.

Menschen handeln oft aus Angst
Das ist etwas, was mir mein Beruf beigebracht hat. Viele Verhaltensweisen entstehen nicht aus Bosheit. Sondern aus:
Unsicherheit
Angst
Überforderung
Hilflosigkeit
Aber heute wird oft sofort bewertet. Nicht verstanden.

Der Unterschied zur Persönlichkeitsstörung
Und genau deshalb finde ich den Unterschied wichtig. Zwischen: narzisstischen Anteilen und einer echten narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Denn narzisstische Anteile hat fast jeder Mensch. Stolz. Anerkennung wollen. Sich wichtig fühlen. Aufmerksamkeit mögen. Das ist menschlich. Eine Persönlichkeitsstörung hingegen geht viel tiefer. Dort geht es oft um:
extreme Manipulation
fehlende Empathie
Kontrolle
Macht
emotionale Ausnutzung
Und vor allem: um ein Verhalten, das sich durch das ganze Leben zieht. Nicht nur durch einzelne Situationen.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen
Was ich ebenfalls spannend finde: Narzissmus wirkt oft unterschiedlich. Und genau deshalb wird er vielleicht auch unterschiedlich wahrgenommen. Wenn Menschen an Narzissmus denken, denken viele zuerst an Männer. An Dominanz. An Lautstärke. An Kontrolle. An Menschen, die sich größer machen als andere. Und deshalb wird männlicher Narzissmus oft schneller erkannt. Weil er sichtbarer ist. Direkter. Lauter. Aber wie ist es eigentlich bei Frauen? Darüber wird viel weniger gesprochen. Vielleicht, weil weiblicher Narzissmus oft subtiler wirkt. Emotionaler. Schwieriger greifbar. Zum Beispiel durch:
Schuldgefühle
emotionale Kontrolle
Opferrollen
soziale Manipulation
Und trotzdem glaube ich, dass wir auch hier vorsichtig sein müssen. Denn nicht jede manipulative Frau ist narzisstisch. Und nicht jeder dominante Mann ebenfalls. Menschen sind kompliziert. Nicht alles ist sofort krankhaft.

Das eigentliche Problem unserer Zeit
Ich glaube, dass wir heute verlernt haben,
differenziert zu denken.
Alles ist sofort:
toxisch
narzisstisch
krank
problematisch
Aber Menschen funktionieren nicht so einfach.
Menschen sind:
widersprüchlich
verletzlich
kompliziert
manchmal schwierig ohne gleich krank zu sein.

Vielleicht sollten wir wieder mehr verstehen
Vielleicht brauchen wir: mehr Zuhören, mehr echtes Hinsehen, mehr Verständnis. Und weniger schnelle Diagnosen. Denn nicht jeder schwierige Mensch ist narzisstisch. Manche Menschen sind einfach verletzt. Manche egoistisch. Manche überfordert. Und manche… einfach nur Menschen.

Vielleicht ist genau das der Punkt
Nicht jeder Mensch, der aneckt, ist krank. Nicht jeder Mensch, der Grenzen setzt, ist toxisch. Und nicht jeder Mensch, der Aufmerksamkeit möchte, ist narzisstisch. Vielleicht leben wir einfach in einer Zeit, in der Begriffe schneller verteilt werden als echtes Verständnis. Und vielleicht sollten wir genau da wieder anfangen: beim Menschen.


Und während du vielleicht gerade an Menschen denkst, die du vorschnell beurteilt hast, oder die dich beurteilt haben, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, schaut dich ruhig an und flüstert:
„Nicht alles, was unbequem ist, ist krank, manchmal ist es einfach nur menschlich.“

Schön das du hier bist 🩶

„Mach dir die Welt wie sie dir gefällt“

Gibt es ein Zitat, nach dem du dein Leben lebst oder an das du oft denkst?

Gibt es ein Zitat, nach dem ich mein Leben lebe?

Ja.

Und tatsächlich muss ich darüber gar nicht lange nachdenken.

👉 „Mach dir die Welt, wie sie dir gefällt.“

Eines der wohl bekanntesten Zitate überhaupt.

Und gleichzeitig eines, das für mich unglaublich viel Bedeutung bekommen hat.

Vielleicht gerade deshalb, weil es auf den ersten Blick so leicht klingt.

Fast kindlich.

Fast zu einfach.

Aber wenn man wirklich darüber nachdenkt…

dann steckt unglaublich viel Wahrheit darin.

Wann habe ich angefangen, so zu leben?

Eigentlich erst relativ spät.

Mit der Corona-Zeit.

Und ich glaube, damit bin ich nicht alleine.

Denn diese Zeit hat viele Menschen verändert.

Manche laut.

Manche still.

Und ich gehörte eher zu den Stillen.

Während draußen plötzlich alles hektisch wurde, ständig neue Nachrichten kamen, Menschen diskutierten, urteilten, Angst hatten oder wütend wurden…

habe ich irgendwann angefangen, mich zu fragen:

👉 Was tut mir eigentlich noch gut?

Nicht der Welt.

Nicht anderen Menschen.

Sondern mir.

🌙 Meine eigene kleine Welt

Und genau dort begann es.

Ich fing an, mir meine eigene kleine Welt zu bauen.

Nicht perfekt.

Nicht luxuriös.

Aber passend für mich.

Ich hörte auf, ständig Nachrichten zu schauen.

Nicht, weil mir alles egal wurde.

Sondern weil ich merkte, wie sehr mich die ständige Negativität belastet.

Kennst du das?

Dieses Gefühl, dass die Welt plötzlich nur noch aus Problemen besteht?

Krisen.

Angst.

Diskussionen.

Und irgendwann merkt man:

👉 Die Seele wird müde.

Fernsehen, das mir gefällt

Also fing ich an, nur noch Dinge zu schauen, die mir guttun.

Keine dauerhafte Reizüberflutung mehr.

Keine ständigen Diskussionen.

Keine permanente Schwere.

Einfach Dinge, die Ruhe bringen.

Die leicht sind.

Oder ehrlich.

Und plötzlich merkte ich:

👉 Wie viel Einfluss das hat.

Denn das, was wir jeden Tag konsumieren, macht etwas mit uns.

Mit unseren Gedanken.

Mit unseren Gefühlen.

Mit unserer Energie.

Ausgewählte Menschen

Auch bei Menschen wurde ich bewusster.

Früher dachte ich oft: 👉 Man muss Kontakte halten. 👉 Man muss funktionieren. 👉 Man muss sich erklären.

Heute sehe ich das anders.

Nicht jeder Mensch passt dauerhaft ins eigene Leben.

Und das ist okay.

Manche Menschen tun uns gut.

Andere rauben Energie.

Und irgendwann beginnt man zu verstehen:

👉 Nicht jede Verbindung muss gehalten werden.

Das bedeutet nicht Hass.

Nicht Streit.

Sondern manchmal einfach nur: 👉 Abstand.

Ruhe.

Selbstschutz.

🌙 Mein Hobby

Dann gibt es noch mein Hobby.

Eines, das nicht jedem gefällt.

Und weißt du was?

Das muss es auch nicht.

Früher hätte mich das vielleicht verunsichert.

Heute denke ich:

👉 Es gefällt mir.

Und das reicht.

Warum verbringen wir eigentlich so viel Zeit damit, darüber nachzudenken, ob andere etwas gut finden?

Warum brauchen wir so oft Zustimmung?

Selbstbewusstsein verändert alles

Ich glaube, das Wichtigste an diesem Satz ist nicht:

👉 „Mach dir die Welt, wie sie dir gefällt.“

Sondern:

👉 Trau dich auch dazu zu stehen.

Mit Freude.

Mit Selbstbewusstsein.

Denn genau daran scheitern viele Menschen.

Nicht daran, dass sie nicht wissen, was ihnen gefällt.

Sondern daran, dass sie Angst haben, wie andere darauf reagieren.

Was bedeutet Freiheit eigentlich wirklich?

Viele Menschen verbinden Freiheit mit:

  • Geld
  • Reisen
  • Möglichkeiten

Aber vielleicht beginnt Freiheit viel früher.

Im Kleinen.

Zum Beispiel dort:

👉 Nur noch Menschen nah an sich heranzulassen, die guttun.
👉 Nein zu Dingen zu sagen, die Kraft rauben.
👉 Sich nicht mehr ständig erklären zu müssen.
👉 Dinge zu mögen, obwohl andere sie komisch finden.

Vielleicht ist genau das echte Freiheit.

Die Welt wird immer lauter

Und vielleicht ist genau deshalb dieses Zitat heute wichtiger denn je.

Denn die Welt ist laut geworden.

Schnell.

Überfordernd.

Jeder hat eine Meinung.

Jeder bewertet.

Jeder kommentiert.

Und zwischen all dem vergessen viele Menschen, sich eine einfache Frage zu stellen:

👉 Was tut mir eigentlich gut?

Nicht gesellschaftlich.

Nicht perfekt.

Sondern wirklich.

Sich die Welt schön machen ist kein Egoismus

Das wird oft falsch verstanden.

Sich die Welt schön zu machen bedeutet nicht: 👉 alles auszublenden
👉 egoistisch zu sein
👉 sich von allem abzuschotten

Es bedeutet eher:

👉 bewusst auszuwählen.

Was lasse ich in mein Leben?

Welche Menschen?

Welche Gedanken?

Welche Energie?

Denn nicht alles verdient einen Platz in uns.

Und jetzt du

Wann hast du das letzte Mal darüber nachgedacht, ob dein Leben wirklich zu dir passt?

Oder funktionierst du einfach nur?

Machst du Dinge, weil sie dir gefallen?

Oder weil man sie eben macht?

Und wie würde deine Welt aussehen, wenn du sie wirklich nach dir gestalten würdest?

Vielleicht beginnt genau dort etwas Neues

Nicht in großen Veränderungen.

Sondern in kleinen Entscheidungen.

Weniger Druck.

Mehr Ruhe.

Mehr du selbst.

Und vielleicht ist genau das die eigentliche Bedeutung dieses Satzes:

👉 Sich selbst die Erlaubnis zu geben, ein Leben zu führen, das sich richtig anfühlt.

Und während du vielleicht gerade darüber nachdenkst, wie deine eigene kleine Welt aussehen würde, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, schaut dich ruhig an und flüstert:

„Vielleicht ist Glück manchmal einfach der Mut, das eigene Leben mehr nach dem Herzen als nach den Erwartungen anderer zu gestalten.“ 💛

Philosophisches Gespräch mit meinem Kind über den Tod und die Spiritualität

Es war ein ganz normaler Moment. So einer, der einfach passiert. Ohne Ankündigung. Ohne Vorbereitung.
Ich saß mit meinem 12-jährigen Exemplar zusammen. Und dann fragte sie mich: „Du Mama? Du hast doch schon viele Tote gesehen, oder?“ Ich sagte: „Ja.“ Und in diesem Moment wusste ich noch nicht, worauf sie hinaus wollte.


Tatsächlich habe ich schon viele Menschen in den Tod begleitet. Viele Tote gesehen. Und auch viele Tote gewaschen und neu gekleidet. Ich muss dazu sagen: Ich mache das bewusst. Nicht, weil ich es muss. Sondern weil ich es möchte. Es ist meine Art, einen Abschluss zu finden.
Ich arbeite als Pflegefachkraft, seit vielen Jahren. Mit Menschen die an ihrem Lebensende stehen, die alles gesehen haben. Und dadurch habe ich unweigerlich mit dem Tod zu tun. Aber wenn ich Menschen oft über Jahre begleite, dann kenne ich sie. Ich kenne ihr Leid. Ihr Leben. Ihre Ängste. Und wenn dieser Moment kommt… dann ist es für mich mehr als nur ein „Job“. Die Menschen nach ihrem Ableben zu waschen und zu kleiden, gibt mir die Ehre, ihnen die letzte Ehre zu erweisen. Ein stiller Moment. Ein würdevoller Moment.


Hast du schon einmal darüber nachgedacht, wie du dich von einem Menschen verabschieden würdest?


Und dann kam ihre eigentliche Frage. Sie wollte etwas wissen, was ich so nicht erwartet hätte.
Andere Kinder wollen wissen:
Warum man stirbt
Oder ob das weh tut
Diese Fragen kann ich oft gar nicht richtig beantworten. Obwohl ich manchmal das Gefühl habe, dass es leicht ist. Aber sie… sie fragte mich etwas anderes. „Hattest du schon spirituelle Momente?“ Und ich musste kurz innehalten. „Ja“, sagte ich. „Sehr oft.“ Und natürlich wollte sie wissen, welche. Und ich erzähle sie dir jetzt genauso, wie ich sie erlebt habe.


Die Uhr
Ich habe schon öfter stillstehende Uhren erlebt. Oder Uhren, die plötzlich wieder anfangen zu laufen. Obwohl sie ausgestellt wurden. Ein Erlebnis ist mir besonders im Kopf geblieben. Eine Ehefrau begleitete ihren Mann in den Tod. Und als er ging… ging die Uhr an. Die Uhr, die sie vorher ausgestellt hatte. Ein Moment, den man nicht erklären kann.
Glaubst du, dass solche Dinge Zufall sind oder spürst du manchmal auch, dass es mehr sein könnte?
Und vielleicht musst du ihn auch nicht erklären.


Die Krähen
Ich erlebe es immer wieder, dass Krähen sich vor unserer Einrichtung aufhalten. Und wenn sie da sind… dann weiß man oft: Es ist soweit. Nur wer geht, ist manchmal eine Überraschung. Oder auch nicht. Ich mag Krähen. Und mein Exemplar sagte daraufhin: „Du bist eine Hexe.“ Ich musste schmunzeln. Nein, bin ich nicht. Ich kann weder zaubern noch fliegen. Und wenn ich zaubern könnte… würde sich meine Wohnung alleine putzen. Wirklich. Also nein. Keine Hexe.


Der Schmetterling
Was ich letztes Jahr erlebt habe, war für mich sehr magisch. Ich muss dafür ein bisschen weiter ausholen. Wir waren im Urlaub in Bayern. Und sind in der Geisterklamm in Österreich wandern gewesen. Ein wunderschöner Ort und sehr empfehlenswert. Und plötzlich… kam ein Schmetterling. Er setzte sich auf meine Jacke ohne Angst zu haben. Und blieb. Ich nahm ihn auf meinen Finger. Und trug ihn. Die ganze Zeit. 30 Minuten lang. Bis ich ihn irgendwann absetzen konnte.Warum kann ich nicht sagen. Für mich stehen Schmetterlinge für Spiritualität, für die Verbindung zwischen dem Leben und dem Tod. Und das war schon ein besonderer Moment.
Hast du schon einmal etwas erlebt, das du nicht erklären kannst, aber nie vergessen hast?
Aber es ging noch weiter. Als eine Bewohnerin im Sterben lag, saß an ihrer Gardine ein Schmetterling. Jeder hätte gesagt: Zufall. Ich sah ihn. Und sagte zu ihr: „Du musst keine Angst haben. Dein Mann holt dich ab.“ Einen Tag später ging sie und der Schmetterling auch. Und dieser Moment… war ruhig. Sanft. Und für mich… magisch.


3 Gleichzeitig
Was ich in meiner Zeit als Pflegefachkraft immer wieder erlebe, ist das nie einer alleine geht. Einer schließt auf, einer geht durch und einer schließt ab. Es gehen immer drei. Ich weiß nicht was das für ein Gesetz des Lebens ist. Aber es ist so. Es gibt verschiedene Denk und Glaubensansätze dazu. Im spirituellen glaubt man, das die ersten beiden Wegweiser sind oder Begleiter für den dritten verstorbenen, um den Übergang in das jenseits zu erleichtern.


Und dann kam ihre Angst
Sie hörte mir zu. Ganz still. Und dann sagte sie: „Ich habe Angst, euch zu verlieren.“ Und plötzlich war alles anders. Nicht mehr meine Geschichten. Sondern ihre Angst. Eine echte Angst. Und ich verstand sie. Denn ja… Menschen müssen gehen. Manchmal viel zu früh. Ich hatte auch schon öfter die Angst meinen Vater zu verlieren, zumal er chronisch krank ist und wir schon oft die Generalprobe hatten. Aber es gehört dazu und wir können es nicht aufhalten.
Hattest du diese Angst auch schon einmal?


Meine Antwort
Leise. Wir können es nie wissen. Aber ich bin da und das sollten wir immer genießen.
Ich erinnerte mich an einen Satz. Vom antiken Philosophen Epikur. „Solange wir da sind, ist der Tod nicht da. Und wenn der Tod da ist, sind wir nicht mehr da.“ Sein Ziel war es, den Menschen die Angst zu nehmen. Und vielleicht… liegt darin etwas. Denn wir wissen es nicht vorher. Und vielleicht ist genau das ein Schutz.


Gibt es ein Leben nach dem Tod?
Dann kam die nächste Frage. „Gibt es ein Leben nach dem Tod?“ Und ich war ehrlich. Niemand weiß das. Niemand konnte es bisher sagen. Niemand konnte es erforschen. Und trotzdem… habe ich manchmal das Gefühl, dass Menschen wiederkommen. Die Bewohner, die gehen… und die neuen, die kommen… sind sich manchmal so ähnlich. In ihrem Handeln. In ihrem Denken. In ihrem Reden. Und ich frage mich: Ist das Zufall? Oder mehr? Ist es Wiedergeburt? Oder einfach ein Gefühl?
Was glaubst du?


Das Universum
Ich habe neulich etwas gehört.
68% des Universums besteht aus dunkler Energie
27% aus dunkler Materie
Das sind 95%… die wir nicht verstehen. Und wenn wir das Universum nicht verstehen… wie wollen wir dann den Tod verstehen?


Meine Tochter meint es ernst
Sie meint es also wirklich ernst. Sie glaubt wirklich ich sei eine Hexe. Nicht so eine die eine Warze auf der Nase hat und eine Krähe auf der Schulter. Sondern eine andere. Und so hat sie sich die Mühe gemacht, das Internet zu befragen woran sie das Fest machen kann. Tja sie wurde nicht enttäuscht. Das Internet ist auf ihrer Seite. Ich muss schmunzeln bei dem Gedanken.


Mein Gedanke
Vielleicht geht es nicht darum, alles zu wissen. Vielleicht geht es darum, damit zu leben, dass wir es nicht wissen.


Und jetzt du
Was glaubst du?
Gibt es ein Leben nach dem Tod?
Oder endet alles hier?
Und wie gehst du mit dieser Frage um?
Verdrängst du sie?
Oder lässt du sie zu?
Vielleicht ist genau das der Punkt
Nicht die Antwort. Sondern die Frage. Und das Gefühl, dass wir nicht alleine damit sind.


Und während du vielleicht noch über deine eigene Antwort nachdenkst, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, schaut dich ruhig an und flüstert: „Manche Fragen sind nicht dazu da, beantwortet zu werden, sondern gefühlt zu werden.“

So stellt sie sich mich als Hexe vor.

Schön das du hier bist 🩶