Über lange Wartezeiten, Ärzte zwischen Druck und Überforderung und das Gefühl, nicht wirklich gehört zu werden

Ich arbeite selbst im Gesundheitswesen. Und bevor ich diesen Artikel schreibe, möchte ich etwas ganz klar sagen: Ich habe mit vielen wirklich guten Ärzten gearbeitet. Mit Ärzten, die schnell handeln. Die Lösungen suchen. Die sich kümmern. Die Verantwortung tragen. Die auch unter Stress versuchen, Menschen zu helfen. Natürlich gab es Momente, in denen ich dachte: „Das hätte schneller gehen können.“ Aber insgesamt kann ich mich über die Zusammenarbeit im Beruf wirklich nicht beschweren. Und genau deshalb fällt mir dieses Thema wahrscheinlich sogar so schwer. Denn ich glaube nicht, dass das Problem einzelne „schlechte Ärzte“ sind. Ich glaube, das Problem ist ein System, das längst an vielen Stellen überlastet ist. Und genau das spüren inzwischen unglaublich viele Menschen.

Das Gefühl, ständig weitergeschickt zu werden

Außerhalb meines Berufes erlebe ich das Gesundheitssystem nämlich oft ganz anders. Man wartet Monate auf Facharzttermine. Man telefoniert Praxen ab. Wird vertröstet. Oder bekommt Sätze wie: „Wir nehmen aktuell keine neuen Patienten.“ Und wenn man dann endlich einen Termin bekommt, bedeutet das noch lange nicht, dass man auch wirklich Antworten bekommt. Das Problem dabei ist: Menschen kommen ja nicht aus Langeweile zum Arzt. Sie kommen, weil etwas nicht stimmt. Weil sie Schmerzen haben. Weil sie Angst haben. Weil ihr Körper plötzlich Dinge macht, die sie nicht verstehen.

Meine Geschichte mit Blasenentzündungen

Ich nehme mich selbst einfach mal als Beispiel. Blasenentzündungen. Viele Frauen kennen dieses Thema wahrscheinlich leider nur zu gut.

Du gehst zum Hausarzt. Das typische Prozedere: Urin abgeben, Teststreifen, Antibiotikum, fertig. Abgearbeitet. Und natürlich hilft das manchmal auch. Aber was passiert, wenn es immer wieder kommt? Dann heißt es: „Gehen Sie bitte zum Facharzt.“

Also zum Urologen. Der schaut auf seinen Bereich. Findet vielleicht nichts Auffälliges. Und dann? Dann beginnt dieses ewige Weiterlaufen. Von Arzt zu Arzt. Von Termin zu Termin. Von Hoffnung zu Hoffnung. Und irgendwann sitzt man da und denkt: „Aber irgendetwas stimmt doch nicht.“

Wenn der Mensch zwischen Fachbereichen verloren geht

Das Schwierige ist: Viele Ärzte schauen verständlicherweise auf ihren eigenen Fachbereich. Der Urologe auf die Blase. Der Frauenarzt auf Hormone. Der Gastroenterologe auf den Darm. Der Neurologe aufs Gehirn.

Und jeder einzelne Bereich ergibt vielleicht für sich betrachtet Sinn. Aber wer schaut eigentlich noch auf den ganzen Menschen? Denn unser Körper funktioniert ja nicht in einzelnen Schubladen.

Hormone beeinflussen den Darm. Stress beeinflusst Schmerzen. Schlaf beeinflusst das Nervensystem. Die Psyche beeinflusst Entzündungen. Alles hängt miteinander zusammen. Und trotzdem erleben viele Menschen genau dieses Gefühl: Jeder schaut auf ein einzelnes Puzzle-Teil, aber niemand mehr auf das ganze Bild.

Das Verrückte ist: Man beginnt irgendwann an sich selbst zu zweifeln

Und genau dort wird es emotional schwierig. Denn wenn immer wieder nichts gefunden wird, passiert etwas mit Menschen. Man beginnt zu denken:

„Vielleicht bilde ich mir das ein.“

„Vielleicht bin ich überempfindlich.“

„Vielleicht ist es wirklich nur Stress.“

Und natürlich kann Stress Beschwerden verstärken. Aber das bedeutet nicht automatisch, dass Beschwerden nicht real sind. Viele Menschen fühlen sich irgendwann wie zwischen zwei Welten: Zu krank, um sich gesund zu fühlen. Zu „unauffällig“, um ernst genommen zu werden.

Google wird plötzlich zum Ersatzarzt

Und dann passiert etwas, das Ärzte verständlicherweise oft hassen: Menschen googeln. Natürlich sollte man das nicht exzessiv tun. Denn Dr. Google diagnostiziert innerhalb von drei Minuten: seltene Tumore, exotische Krankheiten und wahrscheinlich den baldigen Weltuntergang. Aber ehrlich? Was sollen verzweifelte Menschen tun?

Wenn sie: keine Antworten bekommen, monatelang warten, Beschwerden haben, aber niemand wirklich weiter weiß. Dann beginnt man eben selbst zu suchen. Nicht weil man Ärzten misstraut. Sondern weil man einfach endlich verstehen möchte, was mit dem eigenen Körper passiert.

Die Sehnsucht nach einem Arzt, der wirklich zuhört

Ich glaube nämlich: Viele Menschen erwarten gar keine Wunderheilung. Sie möchten einfach: ernst genommen werden, gehört werden, das Gefühl haben, dass jemand wirklich hinsieht. Denn manchmal macht ein guter Arzt etwas unglaublich Wertvolles: Er gibt Sicherheit. Nicht nur durch Medikamente. Sondern durch Zuhören. Durch echtes Interesse. Durch das Gefühl: „Ich nehme Ihre Beschwerden ernst.“

Wenn seltene Erkrankungen durchs Raster fallen

Besonders schwierig wird es bei Dingen, die nicht eindeutig sind. Seltene Erkrankungen. Komplexe Symptome. Chronische Beschwerden. Oder Erkrankungen, die gesellschaftlich immer noch gerne auf die Psyche geschoben werden. Migräne mit Aura zum Beispiel.

Viele Betroffene erleben genau das: Sehstörungen, neurologische Symptome, starke Beschwerden, Angst. Und trotzdem hören manche: „Das ist bestimmt Stress.“ „Das ist psychisch.“ „Entspannen Sie sich mehr.“ Natürlich beeinflusst Stress den Körper. Aber nicht jede Erkrankung ist automatisch „nur psychisch“. Und genau diese vorschnellen Aussagen können Menschen unglaublich verunsichern.

Besonders Frauen erleben das häufig

Was mir dabei auffällt: Frauen berichten besonders oft davon, nicht richtig ernst genommen zu werden. Vor allem bei: Schmerzen, hormonellen Beschwerden, Erschöpfung, Autoimmunerkrankungen, Migräne, Wechseljahresbeschwerden.

Historisch wurden Frauen medizinisch lange anders betrachtet. Emotionaler. Empfindlicher. „Hormoneller.“ Und obwohl sich unglaublich viel verbessert hat, spüren viele Frauen diese Haltung bis heute teilweise noch. Nicht immer absichtlich. Aber unterschwellig.

Wenn Verzweiflung in die Klinik führt

Und was passiert dann? Menschen gehen irgendwann in die Notaufnahme. Nicht unbedingt, weil es ein akuter Lebensbedrohlicher Notfall ist. Sondern weil sie schlicht keinen anderen Weg mehr sehen.

Weil: Facharzttermine fehlen, Wartezeiten endlos sind, Hausärzte an Grenzen kommen, Beschwerden schlimmer werden, die Angst wächst. Also sitzt man plötzlich stundenlang in der Klinik. In der Hoffnung, dass endlich jemand hilft.

Und genau dort beginnt das nächste Problem

Denn wenn das viele Menschen machen, passiert etwas völlig Logisches: Das System läuft über. Notaufnahmen werden voller. Wartezeiten länger. Personal erschöpfter.

Und plötzlich sitzen dort: echte Notfälle, verzweifelte chronisch Kranke, Menschen ohne Facharzttermin, Menschen ohne Hausarzt, Menschen mit Angst, Menschen mit Schmerzen, alles gleichzeitig.

Das Problem ist: Die meisten Menschen missbrauchen das System nicht absichtlich. Sie wissen oft einfach nicht mehr wohin.

Ein gelähmtes Gesundheitssystem

Und genau das erleben wir gerade immer häufiger. Ein Gesundheitssystem, das an vielen Stellen kaum noch Luft hat. Zu wenig Personal. Zu wenig Fachärzte. Zu wenig Zeit. Zu viele Patienten.

Und die Leidtragenden sind am Ende oft alle: Patienten, Ärzte, Pflegekräfte, Angehörige. Denn Überlastung macht niemanden besser.

Die Situation in der Pflege

Und ehrlich? Wir sehen ähnliche Entwicklungen längst auch in Pflegeeinrichtungen. Pflegekräfte fehlen. Nachwuchs fehlt. Menschen werden älter. Krankheitsbilder komplexer. Und trotzdem soll alles weiter funktionieren. Aber darüber könnte man tatsächlich nochmal einen eigenen Artikel schreiben. Denn auch dort geraten Menschen zunehmend an Belastungsgrenzen.

Was das emotional mit Menschen macht

Ich glaube, viele unterschätzen, was es emotional bedeutet, ständig um Hilfe kämpfen zu müssen. Immer wieder erklären. Immer wieder warten. Immer wieder hoffen. Krank sein ist schon anstrengend genug. Aber zusätzlich noch permanent das Gefühl zu haben, kämpfen zu müssen, macht Menschen irgendwann müde. Sehr müde.

Ärzte sind auch Teil dieses Systems

Und trotzdem möchte ich nochmal sagen: Ich glaube nicht, dass die meisten Ärzte „schuld“ sind. Viele arbeiten längst selbst am Limit. Zwischen: Zeitdruck, Bürokratie, Personalmangel, Dokumentation, wirtschaftlichem Druck. Und wahrscheinlich gehen viele selbst erschöpft nach Hause. Das Problem ist größer als einzelne Menschen. Es ist ein Systemproblem.

Vielleicht brauchen wir wieder mehr Menschlichkeit

Vielleicht ist genau das der Punkt, der mir bei all dem am meisten fehlt: Zeit. Zeit zum Zuhören. Zeit zum Erklären. Zeit für Zusammenhänge. Denn Menschen bestehen nicht nur aus Laborwerten.

Sie bestehen aus: Angst, Hoffnung, Schmerzen, Unsicherheit, Geschichten, Gefühlen.

Und manchmal beginnt Heilung vielleicht nicht sofort mit einer perfekten Diagnose. Sondern erstmal mit dem Gefühl: „Da hört mir wirklich jemand zu.“

Mein persönlicher Gedanke dazu

Ich glaube, die meisten Menschen wollen gar keine Sonderbehandlung. Sie möchten einfach nicht das Gefühl haben, im System verloren zu gehen. Nicht zwischen Fachbereichen. Nicht zwischen Wartezimmern. Nicht zwischen „Da finden wir nichts“ und monatelanger Unsicherheit. Denn Krankheit macht verletzlich. Und genau deshalb brauchen Menschen nicht nur Medizin. Sondern manchmal auch Menschlichkeit.

Und während du vielleicht gerade selbst an Arzttermine, Wartezimmer, Schmerzen oder dieses zermürbende Gefühl denkst, mit Beschwerden immer wieder alleine dazustehen, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, schaut dich ruhig an und flüstert:

„Vielleicht brauchen Menschen manchmal nicht zuerst perfekte Antworten, sondern jemanden, der ihre Sorgen wirklich hört, bevor sie daran verzweifeln.“

Schön das du hier bist 🩶

Wenn Kinder Bauchschmerzen fühlen, die niemand sehen kann

Hochsensibilität, Bauchmigräne und das Gefühl, dass manche Kinder die Welt einfach intensiver spüren

Als mein Exemplar geboren wurde, wusste ich natürlich nicht, was da eigentlich auf mich zukommt. Gut… logisch. Sonst wäre Elternsein wahrscheinlich deutlich einfacher..Die Geburt war grundsätzlich normal. Mit ein paar kleineren Komplikationen. Nichts Dramatisches. Und dann wurde sie mir endlich auf die Brust gelegt. Ich weiß noch genau, wie sie mich angeschaut hat. Mit diesen großen Augen. Neugierig. Erwartungsvoll. Und irgendwie voller Liebe. Als würde sie direkt sagen: „So… da bin ich jetzt.“ Und ich war sofort hin und weg. Man denkt in solchen Momenten nicht darüber nach, was irgendwann alles kommt. Nicht über schlaflose Nächte. Nicht über Sorgen. Nicht über Kinderärzte. Nicht über Bauchschmerzen. Man schaut einfach nur dieses kleine Wesen an und denkt: „Du bist perfekt.“

Und dann begann das Drama

Als wir endlich zu Hause waren, begann allerdings relativ schnell das komplette Chaos. Denn mein Exemplar schrie. Und schrie. Und schrie. Sie war ein absolutes Stillkind. Ausschließlich. Zum einen, weil ich davon überzeugt war. Zum anderen, weil es sie beruhigte. Und ehrlich? Ich glaube inzwischen, Stillen war für sie nicht nur Nahrung. Es war Sicherheit. Nähe. Regulation. Denn dieses Kind hatte Koliken. Offiziell wahrscheinlich Dreimonatskoliken. Inoffiziell eher: 30-Jahres-Koliken. Denn dieses Bauchthema zog sich irgendwie weiter durchs Leben.

Was man als Mutter plötzlich alles macht

Und dann beginnt man als Mutter Dinge zu tun, die vorher völlig absurd geklungen hätten. Man läuft plötzlich nachts im sogenannten Storchengang durchs Wohnzimmer. Falls das jemand nicht kennt: Das ist diese spezielle Mischung aus Wippen, Schaukeln und völliger Verzweiflung. Man macht Geräusche, die ein bisschen klingen wie: eine kaputte Kaffeemaschine, eine aggressive Schlange oder ein Mensch, der langsam den Verstand verliert. Und irgendwann merkt man: Man würde wahrscheinlich alles tun, damit dieses kleine Wesen endlich ruhiger wird. Denn wenn Kinder Schmerzen haben, macht das etwas mit Eltern. Vor allem dann, wenn man nicht genau weiß, warum.

Manche Kinder fühlen die Welt einfach intensiver

Mein Exemplar wurde älter. Aber die Bauchschmerzen blieben. Und irgendwann merkt man: Das ist nicht einfach nur „mal Bauchweh“. Diese Kinder fühlen oft unglaublich intensiv. Geräusche. Stimmungen. Druck. Konflikte. Veränderungen. Alles scheint ungefiltert durchzugehen. Manche Kinder können Dinge einfach besser abschütteln. Andere speichern sie irgendwo. Und oft landet genau das im Bauch.

Der erste Arztbesuch wegen der Bauchschmerzen

In der Grundschule gingen wir deshalb das erste Mal wirklich deswegen zum Kinderarzt. Die Schmerzen waren immer rund um den Bauchnabel. Der Verdacht: funktionelle Bauchschmerzen. Also Schmerzen ohne klare organische Ursache. Was Eltern übrigens gleichzeitig beruhigt und komplett verrückt macht. Denn natürlich denkt man: „Okay… es ist nichts Schlimmes.“ Aber gleichzeitig: „Aber mein Kind hat doch trotzdem Schmerzen.“ Und genau das ist manchmal so schwer zu verstehen. Denn nur weil man im Ultraschall oder Blutbild nichts findet, bedeutet das nicht, dass Kinder nichts fühlen. Im Gegenteil.

Das Bauchschmerzprotokoll

Also begannen wir ein Bauchschmerzprotokoll zu schreiben. Wann treten die Schmerzen auf? Wie stark sind sie? Was war vorher? Was hilft? Und plötzlich beginnt man als Mutter, alles zu analysieren. Essen. Schlaf. Stress. Schule. Gefühle. Man versucht Muster zu erkennen. Man möchte helfen. Und gleichzeitig merkt man: Man kann seinem Kind diesen Schmerz nicht einfach wegnehmen.

Die Schubladen im Kopf

Irgendwann führten wir Rituale ein. Und ehrlich? Ich glaube bis heute, dass Rituale hochsensiblen Kindern unglaublich helfen können. Denn solche Kinder tragen oft wahnsinnig viel in sich herum. Gedanken. Gefühle. Beobachtungen. Wie kleine offene Tabs im Kopf, die niemals geschlossen werden. Also führten wir irgendwann unsere Abendroutine ein. Jeden Abend durfte sie ihre „Schubladen im Kopf“ leeren. Alle Gedanken durften raus.

Alles, was sie beschäftigt: Sorgen, Streit, Ängste, Gedanken, peinliche Situationen, Unsicherheiten. Und tatsächlich half das. Nicht komplett. Aber spürbar. Denn manchmal brauchen Kinder gar keine perfekten Lösungen. Sondern einfach jemanden, der wirklich zuhört.

Hochsensibel, aber was bedeutet das eigentlich?

Irgendwann fiel dann zum ersten Mal dieses Wort: hochsensibel. Und ehrlich? Ich wusste zuerst gar nicht so genau, was ich damit anfangen sollte. Denn „sensibel“ klingt gesellschaftlich oft wie: empfindlich, schwierig, nah am Wasser gebaut. Aber hochsensibel bedeutet oft etwas völlig anderes. Diese Kinder nehmen die Welt einfach intensiver wahr. Lautstärke. Stimmungen. Konflikte. Ungerechtigkeit. Druck.

Manchmal sogar die Gefühle anderer Menschen. Und viele dieser Kinder denken unglaublich viel nach. Sie analysieren. Beobachten. Fühlen tief. Das Problem ist nur: Kinder können solche Gefühle oft noch gar nicht richtig einordnen. Also spricht der Körper. Und häufig spricht zuerst der Bauch.

Wenn die Pubertät dazukommt

Und dann kam die Pubertät. Mit zwölf die erste Periode. Und plötzlich wurde alles noch komplizierter. Denn jetzt kamen neue Schmerzen dazu. Die gewohnten Bauchschmerzen plus Regelschmerzen. Ein kompletter Bauchschmerzcocktail. Und ehrlich? Irgendwann wusste niemand mehr so genau: „Welche Schmerzen sind eigentlich gerade welche?“

Dazu kamen dann noch Kopfschmerzen. Und natürlich beginnt man als Mutter wieder zu überlegen: Hormone? Stress? Schule? Wachstum? Ernährung? Psyche? Oder vielleicht alles gleichzeitig?

Die Diagnose Bauchmigräne

Also wieder Kinderarzt. Und dort hörte ich zum ersten Mal eine Diagnose, die plötzlich irgendwie Sinn ergab: Bauchmigräne. Viele Menschen kennen diesen Begriff gar nicht. Ich vorher ehrlich gesagt auch nicht wirklich. Dabei betrifft es tatsächlich einige Kinder.

Starke Bauchschmerzen. Oft plötzlich. Teilweise verbunden mit: Übelkeit, Blässe, Kopfschmerzen, Erschöpfung, Reizempfindlichkeit. Und oft findet man zunächst nichts Auffälliges. Für Kinder ist das unglaublich belastend. Aber auch für Eltern. Denn man beginnt irgendwann an allem zu zweifeln. An sich selbst. An den Ärzten. An der Situation.

Warum die Diagnose trotzdem geholfen hat

Das Verrückte ist: Die Diagnose heilte nicht plötzlich alles. Aber sie half trotzdem. Weil plötzlich etwas einen Namen hatte. Und manchmal ist genau das unglaublich wichtig. Nicht nur medizinisch. Sondern emotional. Denn plötzlich wird aus: „Vielleicht bilde ich mir das ein.“ Ein: „Okay. Das ist real.“ Und ich glaube, genau das brauchen viele Kinder. Das Gefühl: „Meine Schmerzen werden ernst genommen.“

Kinder brauchen oft mehr als Medikamente

Natürlich sind Ärzte wichtig. Diagnostik auch. Aber ich glaube trotzdem: Viele sensible Kinder brauchen zusätzlich etwas anderes. Rituale. Liebe. Zeit. Ruhe. Sicherheit. Gespräche. Und vor allem: ernst genommen werden. Denn hochsensible Kinder spüren sofort, wenn Erwachsene sie nicht wirklich verstehen.

Die stille Erschöpfung solcher Kinder

Was viele unterschätzen: Diese Kinder sind oft dauerhaft innerlich angespannt. Die Welt ist laut. Schnell. Voll von Reizen. Und während andere Kinder nach der Schule einfach weitermachen, wirken sensible Kinder manchmal wie kleine Schwämme. Vollgesogen mit Eindrücken. Und irgendwann sagt der Körper: „Jetzt reicht es.“

Nicht jedes Bauchweh ist „nur psychisch“

Das ist mir wichtig. Denn oft reagieren Menschen auf solche Themen sofort mit: „Das ist psychisch.“ Aber genau dieser Satz klingt oft so abwertend. Als wären die Schmerzen dadurch weniger real. Dabei sind Körper und Gefühle gerade bei Kindern unglaublich eng verbunden. Stress kann echte Schmerzen auslösen. Angst auch. Überforderung ebenso. Das bedeutet aber nicht, dass Kinder simulieren. Im Gegenteil. Der Körper spricht manchmal einfach die Sprache, die Kinder selbst noch nicht sprechen können.

Was ich durch mein Kind gelernt habe

Ich glaube, mein Exemplar hat mir beigebracht, genauer hinzusehen. Nicht nur auf Symptome. Sondern auf Gefühle dahinter. Auf Überforderung. Auf Druck. Auf kleine Veränderungen. Und manchmal reicht schon: Ruhe, Nähe, Verständnis oder einfach gemeinsam auf dem Sofa zu sitzen, damit der Körper langsam wieder herunterfährt.

Hochsensible Kinder brauchen keine „Reparatur“

Vielleicht ist genau das der wichtigste Gedanke. Diese Kinder sind nicht kaputt. Sie fühlen einfach intensiver. Und ja: Das kann anstrengend sein. Für sie selbst. Aber auch für Eltern. Doch gleichzeitig steckt darin oft unglaublich viel: Empathie, Kreativität, Tiefgang, Beobachtungsgabe, Gefühl.

Vielleicht müssen wir aufhören, solche Kinder ständig „robuster“ machen zu wollen. Vielleicht brauchen sie manchmal einfach Menschen, die verstehen: Die Welt fühlt sich für sie wirklich lauter an.

Mein persönlicher Gedanke dazu

Ich glaube inzwischen: Der Bauch vieler Kinder erzählt Geschichten, die sie selbst noch gar nicht aussprechen können. Von Stress. Von Druck. Von Reizen. Von Gefühlen. Und vielleicht brauchen diese Kinder nicht immer sofort noch mehr Termine, Diagnosen oder Lösungen. Vielleicht brauchen sie manchmal einfach jemanden, der sich neben sie setzt und sagt: „Ich glaube dir.“

Und während du vielleicht gerade an dein eigenes Kind denkst, an Bauchschmerzen, Sorgen oder an diese stillen Gefühle, die Kinder oft noch nicht richtig erklären können, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, schaut liebevoll zu euch hinüber und flüstert:

„Vielleicht sind manche Kinder nicht zu empfindlich für diese Welt, vielleicht fühlen sie einfach nur alles ein kleines bisschen tiefer.“

Schön das du hier bist 🩶

Wenn Tochter und Mutter gleichzeitig hormonell verrückt spielen

Pubertät trifft Wechseljahre oder: Zwei Großbaustellen unter einem Dach

Manchmal sitze ich zu Hause, beobachte mein Kind und denke mir ehrlich: „Eigentlich ist das biologisch gerade komplett verrückt.“ Denn während mein Exemplar mitten in der Pubertät steckt, kämpfe ich gleichzeitig mit den Wechseljahren. Sie bekommt Hormone. Und meine machen gefühlt gerade: „So Leute… wir gehen dann mal. Oder wir drehen vorher nochmal völlig frei.“ Und manchmal sitzen wir beide einfach nebeneinander auf dem Sofa und man merkt richtig: Hier laufen gerade zwei hormonelle Großbaustellen parallel. Die eine am Anfang. Die andere irgendwo zwischen: „Ich schwitze wegen nichts“ und „Warum bin ich eigentlich plötzlich emotional wegen einer Werbung mit Hunden?“

Mein Exemplar und die Pubertät

Pubertät ist wirklich eine wilde Zeit. Mein Exemplar kämpft gerade mit all den typischen Dingen eines Mädchens: Pickel, fettige Haare, Stimmungsschwankungen, unregelmäßige Periode, plötzlich riesiger Hunger, dann wieder gar kein Hunger, Unlust auf Bewegung, genervtes Stöhnen, Augenrollen auf olympischem Niveau Und natürlich diese Jugendsprache, bei der ich manchmal denke: „Ich brauche einen Übersetzer.“ Dann kommt ein: „Cringe.“ Oder: „Brooo.“ Oder dieses leicht dramatische: „Mamaaaaa.“ Mit anschließendem Augenrollen.

Und ich sitze da und versuche wirklich entspannt zu bleiben. Ich meckere tatsächlich wenig. Nicht weil ich immer entspannt bin. Sondern weil ich glaube, dass Pubertät für Kinder selbst schon anstrengend genug ist. Denn wenn wir ehrlich sind: Die fühlen sich manchmal wahrscheinlich selbst wie ein kaputtes WLAN-Signal. Heute himmelhoch jauchzend. Morgen Weltuntergang wegen eines Pickels. Und irgendwo dazwischen: TikTok. Snacks. Kopfhörer. Und plötzlich schlechte Laune, obwohl vor fünf Minuten noch alles okay war.

Die Großbaustelle im Kopf

Was mich daran wirklich fasziniert: Da oben im Gehirn passiert tatsächlich gerade Baustelle. Und ich meine das wortwörtlich. In der Pubertät wird das Gehirn komplett umgebaut. Das emotionale Zentrum läuft teilweise schon auf Hochtouren, während der Bereich für Kontrolle und vernünftiges Denken noch mitten im Umbau steckt.

Eigentlich ist das wie eine Großbaustelle mit schlechter Kommunikation. Das erklärt übrigens vieles. Warum Jugendliche manchmal: impulsiv reagieren, empfindlich sind, plötzlich ausrasten, fünf Minuten später wieder lachen und zwischendurch tun, als wäre man die peinlichste Mutter Europas.

Nicht weil sie schwierig sein wollen. Sondern weil dort oben tatsächlich gerade alles neu verkabelt wird. Und ehrlich? Manchmal glaube ich, mein Gehirn wird gleichzeitig ebenfalls umgebaut. Nur eben durch die Wechseljahre.

Wechseljahre sind eigentlich auch Pubertät

Je mehr ich darüber nachdenke, desto ähnlicher erscheinen mir Pubertät und Wechseljahre. Nur an unterschiedlichen Enden des Lebens. Die Tochter bekommt plötzlich Hormone. Und bei der Mutter fangen sie an, verrückt zu spielen oder langsam zu verschwinden. Und das Ergebnis? Zwei Frauen. Zwei hormonelle Baustellen. Ein Zuhause.

Manchmal denke ich wirklich: Das Universum hat Humor. Denn während mein Kind plötzlich: traurig, genervt, emotional, empfindlich oder komplett drüber ist …sitze ich daneben und denke: „Interessant. Genau so fühle ich mich gerade eigentlich auch.“

Wenn beide gleichzeitig genervt sind

Es gibt Tage, da läuft das ungefähr so: Ich frage freundlich: „Kannst du bitte deine Sachen wegräumen?“ Es folgt: ein Augenrollen. Ein genervtes Stöhnen. Ein: „Jaaaahaaa.“ Und in meinem Kopf läuft parallel: „Bleib ruhig. Bleib ruhig. Du bist die Erwachsene.“ Während gleichzeitig meine eigenen Hormone innerlich schreien: „WER HAT HIER SCHLECHTE LAUNE? ICH ODER SIE?“

Und manchmal muss ich dann selbst lachen. Weil diese Situationen eigentlich komplett absurd sind. Da sitzen zwei Menschen mit hormonellem Ausnahmezustand unter einem Dach und versuchen beide irgendwie normal zu funktionieren.

Der weibliche Körper ist wirklich faszinierend

Was ich durch all das immer mehr verstehe: Der weibliche Körper verändert sich eigentlich ständig. Als Mädchen beginnt irgendwann die Pubertät: die erste Periode, Brustwachstum, Hautveränderungen, Unsicherheiten, Hormonschwankungen. Und Jahre später passiert wieder etwas Neues: Die Wechseljahre. Und plötzlich: Schlafprobleme, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Erschöpfung, Brainfog, plötzliches Schwitzen aus der Hölle.

Eigentlich erleben Frauen mehrmals im Leben hormonelles Chaos. Und trotzdem wird oft erwartet, dass wir dabei möglichst entspannt, organisiert und emotional stabil bleiben.

Zwischen Liebe und Wahnsinn

Und trotzdem steckt darin unglaublich viel Liebe. Auch wenn man sich manchmal gegenseitig nervt. Denn irgendwo zwischen: Augenrollen, genervtem Stöhnen, Snacks, Diskussionen, Kopfhörern und hormonellem Chaos …passieren auch diese kleinen Momente.

Wenn sie plötzlich wieder kuschelig ist. Wenn wir gemeinsam lachen. Wenn wir zusammen auf dem Sofa sitzen. Wenn sie doch noch erzählt, was sie beschäftigt. Und dann merkt man: Sie wächst gerade wirklich. Und gleichzeitig verändert man sich selbst ebenfalls.

Vielleicht kämpfen wir eigentlich beide

Ich glaube manchmal vergessen Erwachsene, wie anstrengend Pubertät wirklich ist. Denn Kinder verlieren dort plötzlich ihre bisherige Sicherheit. Der Körper verändert sich. Die Gefühle verändern sich. Das Gehirn verändert sich. Und gleichzeitig versucht man herauszufinden: Wer bin ich eigentlich? Aber vielleicht vergessen Kinder manchmal auch: Dass Erwachsene sich ebenfalls verändern. Dass Wechseljahre nicht einfach nur „ein bisschen schwitzen“ sind.

Sondern ebenfalls: hormonelles Chaos, emotionale Veränderungen, körperliche Umstellungen, Müdigkeit, Reizüberflutung. Vielleicht kämpfen also eigentlich beide Seiten. Nur unterschiedlich.

Nicht Mutter gegen Tochter

Und vielleicht ist genau das das Wichtigste. Nicht gegeneinander zu kämpfen. Nicht: „Die Jugend von heute.“ Oder: „Meine Mutter nervt.“ Sondern zu verstehen: Wir sind beide gerade in Veränderung.

Die eine wächst ins Leben hinein. Die andere verändert sich mitten darin nochmal neu. Und ehrlich? Vielleicht brauchen beide manchmal einfach: Verständnis, Ruhe, Snacks, Kaffee, Schokolade und jemanden, der nicht sofort genervt reagiert

Hormone sind wirklich kleine Chaoten

Das Verrückte ist ja: Hormone interessieren sich überhaupt nicht dafür, ob gerade Alltag ist. Die machen einfach ihr Ding. Pubertät: „Heute heulen wir wegen eines Pickels.“ Wechseljahre: „Heute schwitzen wir beim Wäscheaufhängen.“ Pubertät: „Alle sind gegen mich.“ Wechseljahre: „Warum macht mich plötzlich jedes Geräusch aggressiv?“ Und irgendwo dazwischen versucht man gemeinsam Abendbrot zu machen.

Mein persönlicher Gedanke dazu

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich: Pubertät und Wechseljahre sind sich viel ähnlicher, als viele denken. Beides sind Übergänge. Beides bedeutet: Veränderung. Unsicherheit. Emotionen. Chaos. Und manchmal das Gefühl, sich selbst nicht richtig zu verstehen.

Und vielleicht sollten wir deshalb alle ein bisschen liebevoller miteinander umgehen. Mit unseren Kindern. Mit unseren Müttern. Und vielleicht auch mit uns selbst. Denn weder pubertierende Mädchen noch Frauen in den Wechseljahren sind „schwierig“. Ihre Körper leisten gerade einfach biologischen Hochleistungssport.

Und während du vielleicht gerade selbst an dein pubertierendes Kind denkst, an deine Mutter oder an deinen eigenen hormonellen Ausnahmezustand, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, schaut euch beide liebevoll an und flüstert:

„Vielleicht bedeutet Familie manchmal einfach, gemeinsam durch kleine innere Stürme zu gehen, auch wenn dabei gelegentlich Türen knallen, Augen rollen und beide heimlich Schokolade brauchen.“

Schön das du hier bist 🩶

Die Magie des inneren Kindes

Wie kleine Mäuse, ein alter Koffer und eine einzige Geschichte mit einem frechen Raben ganze Welten erschaffen können

Es gibt Dinge, die viele Menschen irgendwann verlieren. Nicht absichtlich. Nicht von heute auf morgen. Und oft merken sie nicht einmal, wann es passiert ist. Das Staunen. Die Freude an kleinen Dingen. Die Fähigkeit, sich vollkommen in Geschichten zu verlieren. Dieses Gefühl, aus einem Karton ein Schloss bauen zu können. Aus einer Decke eine Höhle. Oder aus einem alten Koffer plötzlich ein Wesen voller Erinnerungen und Geheimnisse entstehen zu lassen.

Kinder besitzen diese Gabe ganz selbstverständlich. Für sie ist die Welt voller Wunder. Ein Schatten an der Wand kann ein Drache sein. Ein alter Knopf wird zu einem Schatz. Und ein Regentag verwandelt sich plötzlich in ein Abenteuer.

Doch je älter wir werden, desto häufiger hören wir: „Jetzt werd mal vernünftig.“ „Das ist doch kindisch.“ „Man muss realistisch bleiben.“ Und vielleicht beginnt genau dort etwas verloren zu gehen. Nicht die Verantwortung. Nicht das Erwachsenwerden. Sondern diese weiche, fantasievolle Seite in uns, die die Welt noch mit offenen Augen betrachtet.

Und trotzdem gibt es Menschen, die sich weigern, diese Magie ganz loszulassen. Menschen, die Geschichten nicht als etwas Kindisches sehen, sondern als etwas unglaublich Wertvolles. Weil Geschichten Wärme schenken. Weil sie Erinnerungen bewahren. Weil sie Menschen verbinden.

Und vielleicht auch, weil Fantasie manchmal genau das ist, was eine harte Welt ein kleines bisschen weicher macht. Genau daraus entstanden irgendwann Bruno, Tilda und Lulu. Und irgendwann tauchte für eine einzige Geschichte auch Rudi Rabe auf. Und vielleicht kennst du ihn noch. In den 90er Jahren war er mein absolutes Highlight im Fernsehen.

Die Liebe zu kleinen Welten

Schon als Kind übten kleine Welten eine ganz besondere Faszination auf mich aus. Nicht nur Geschichten selbst. Sondern alles, was dazugehört: kleine Räume, Figuren, winzige Gegenstände, Kulissen voller Leben.

Vielleicht kennen viele Menschen dieses Gefühl noch. Wenn man auf dem Boden sitzt und plötzlich entsteht eine ganze Welt. Aus Stühlen werden Burgen. Aus Decken Höhlen. Und eine kleine Figur bekommt plötzlich Gefühle, Gedanken und ein eigenes Abenteuer. Manche Menschen verlieren dieses Gefühl irgendwann. Andere tragen es leise weiter in sich.

Und manchmal braucht es nur eine kleine Erinnerung, damit diese Fantasie plötzlich wieder lebendig wird.

Der alte Koffer und die Erinnerung an Siebenstein

Für viele Menschen war eine solche Erinnerung die Kindersendung Siebenstein. Besonders faszinierend war dort nicht nur die Geschichtenwelt selbst. Sondern vor allem dieser alte sprechende Koffer. Eigentlich nur ein Gegenstand. Und trotzdem wirkte er lebendig. Er hatte Erinnerungen. Gefühle. Eine Persönlichkeit.

Und vielleicht liegt genau darin die Magie solcher Figuren. Dass sie zeigen: Magie muss nicht immer in Zauberschlössern wohnen. Manchmal lebt sie mitten zwischen alten Möbeln, Dachböden, Stoffresten und Kinderzimmern. Diese Idee blieb irgendwann in mir hängen. Nicht als Kopie. Nicht aus Nostalgie allein. Sondern als Gefühl. Denn manche Geschichten hinterlassen Spuren. Sie wachsen weiter. Und irgendwann erschafft man daraus seine ganz eigene kleine Welt.

Wie Bruno, Tilda und Lulu entstanden

Aus dieser Liebe zu Geschichten entstanden irgendwann drei kleine Mäuse: Bruno, Tilda und Lulu. Und jede von ihnen trägt etwas in sich, das vielen Menschen vertraut vorkommt. Bruno ist mutig. Oder versucht es zumindest zu sein. Er liebt Abenteuer und würde am liebsten ständig neue Orte entdecken. Tilda beobachtet die Welt ganz genau. Sie denkt viel nach. Stellt Fragen. Und versucht zu verstehen, warum Menschen manchmal vergessen, was wirklich wichtig ist. Und Lulu? Lulu glaubt an Magie. Nicht an glitzernde Zaubersprüche oder perfekte Märchenwelten. Sondern an die stille Magie des Lebens: Wärme, Freundlichkeit, Erinnerungen, kleine Momente, die das Herz heller machen.

Diese drei kleinen Mäuse wurden irgendwann mehr als nur Figuren. Sie wurden kleine Erzähler von Gefühlen. Denn manchmal können kleine Figuren Dinge ausdrücken, für die große Worte gar nicht ausreichen.

Ein Puppenhaus voller Geschichten

Vor einigen Jahren begann dann ein ganz besonderes Projekt. Ein altes Puppenhaus zog ein. Nicht perfekt. Nicht geschniegelt. Nicht wie aus einem Hochglanzkatalog. Aber voller Möglichkeiten. Und vielleicht liegt genau darin etwas Schönes. Denn alte Puppenhäuser tragen Geschichten in sich.

Man sieht es ihnen an: an kleinen Kratzern, an schiefen Wänden, an den Spuren vergangener Kinderhände. Dieses Haus wurde restauriert. Mit Geduld. Mit Fantasie. Mit Liebe zum Detail. Nicht perfekt. Aber lebendig. Denn Perfektion ist selten das, was Dinge wirklich besonders macht.

Es sind die kleinen Eigenheiten. Die selbstgebauten Details. Die kleinen Spuren von Persönlichkeit. Nach und nach zogen Bruno, Tilda und Lulu dort ein. Ebenso zwei kleine Wichtel, die ursprünglich eigentlich für die Tochter gedacht waren und irgendwann selbst Teil dieser wachsenden Welt wurden. Seitdem wächst dieses Haus jedes Jahr weiter. Nicht plötzlich. Sondern langsam. Wie eine echte kleine Welt. Durch: winzige Möbel, kleine Lampen, Miniaturbücher, Stoffreste, Adventskalender voller kleiner Überraschungen (das habe ich für mich bei Instagram entdeckt. Ein Adventskalender diy aus Miniaturen. Du bastelst 25 das gleich, jemand mischt es und bekommst 24 tolle kleine Sachen zurück. Der beste Adventskalender den man sich vorstellen kann).

Jede Tasse. Jeder Teppich. Jede kleine Laterne erzählt etwas. Und plötzlich wirkt es manchmal wirklich so, als hätten die Mäuse gerade erst Tee gekocht. Als wäre jemand eben noch durch die kleine Tür gegangen. Als würde hinter der nächsten Ecke schon das nächste Abenteuer warten.

Warum Miniaturwelten Menschen berühren

Miniaturwelten faszinieren Menschen schon seit Jahrhunderten. Vielleicht, weil sie uns erlauben, langsamer zu werden. Die große Welt ist oft laut. Schnell. Anstrengend. Voll von Reizen. Aber kleine Welten funktionieren anders.

Dort zählen Details. Dort darf man sich Zeit nehmen. Und manchmal reicht schon eine winzige Laterne, um eine ganze Stimmung zu erschaffen. Gerade Erwachsene reagieren oft unglaublich emotional auf solche Welten. Weil sie etwas berühren, das tief verborgen liegt: Die Erinnerung an das eigene innere Kind.

Plötzlich erzählen Menschen: von ihrem alten Puppenhaus, von Lego, von Playmobil, von selbstgebauten Höhlen, von Fantasiewelten aus der Kindheit. Und für einen kurzen Moment werden sie weicher. Ruhiger. Fast ein bisschen jünger.

Vielleicht öffnen kleine Welten keine Türen nach außen. Sondern nach innen. Ich bekomme mit meinen Erzählungen des Puppenhauses oft einen Bezug zu meinen Bewohnern, weil viele früher oft ein selbstgebautes Puppenhaus hatten. Sie mussten es teilweise im Krieg zurück lassen.

Der magische Marktplatz

Und weil Geschichten wachsen, entstehen irgendwann neue Ideen. Ein ganz neues Projekt ist deshalb ein magischer Marktplatz. Schon die Vorstellung davon fühlt sich irgendwie warm an.

Ein Ort voller: kleiner Läden, Pflastersteine, winziger Fenster, Laternen, seltsamer Gegenstände, gemütlicher Ecken. Vielleicht ein kleiner Bäcker. Ein Kräuterladen. Ein Uhrmacher. Oder ein Geschäft voller merkwürdiger Fundstücke.

Und natürlich bewegen sich dort auch Bruno, Tilda und Lulu. Denn solche Kulissen sind viel mehr als Bastelprojekte. Sie sind Einladungen. Zum Träumen. Zum Entdecken. Zum Geschichten erzählen.

Jede kleine Tür könnte irgendwohin führen. Jeder Winkel könnte ein Geheimnis enthalten. Und vielleicht erinnert genau das Menschen daran, dass die Welt noch immer voller Möglichkeiten steckt.

Wie Rudi Rabe entstand

Und mitten zwischen all diesen kleinen Welten tauchte irgendwann einmal Rudi Rabe auf. Frech. Neugierig. Ein kleines bisschen chaotisch. Aber mit einem großen Herzen. Rudi war nie dafür gedacht, dauerhaft zu bleiben. Er entstand für eine einzige Geschichte. Für einen kleinen Moment voller Fantasie, Humor und Abenteuer. Und vielleicht liegt genau darin etwas Schönes. Denn manche Figuren begleiten uns nicht für immer. Manche kommen nur kurz vorbei.

Wie kleine Gedanken, die plötzlich auftauchen, uns zum Lächeln bringen und danach wieder leise verschwinden. Trotzdem hinterlassen sie etwas. Ein Gefühl. Eine Erinnerung. Ein Stück Wärme. Rudi trug genau dieses Gefühl in sich.

Diese Erinnerung an all die Figuren aus der Kindheit, die Menschen irgendwann einmal begleitet haben. Nicht als Kopie. Sondern eher wie ein kleiner Gruß an die Fantasie selbst. Denn gute Geschichten müssen nicht ewig bleiben, um Bedeutung zu haben. Manche sind nur für einen kurzen Augenblick da und bleiben trotzdem lange im Herzen.

Vielleicht erinnert genau das daran, dass Fantasie nicht immer etwas Dauerhaftes sein muss. Manchmal reicht eine einzige Geschichte, um etwas in uns wieder wachzurufen: Staunen. Leichtigkeit. Oder dieses kurze Gefühl, wieder ein bisschen Kind zu sein.

Das innere Kind ist nichts Kindisches

Der Begriff „inneres Kind“ wird oft missverstanden. Viele denken dabei an Naivität. Oder daran, sich vor Verantwortung zu drücken. Doch eigentlich bedeutet das innere Kind etwas ganz anderes. Es ist der Teil in uns, der fühlen kann. Der träumen kann. Der neugierig bleibt. Der sich über Schneeflocken freut. Der noch in den Himmel schaut. Der Musik hört und plötzlich wieder zehn Jahre alt ist. Und vielleicht brauchen Menschen genau diesen Teil heute mehr denn je.

Denn die Welt ist oft hart geworden. Schnell. Laut. Erschöpfend. Da tut es gut, kleine Wunder zu behalten. Nicht um vor der Realität wegzulaufen. Sondern um sie besser auszuhalten.

Geschichten als kleine Zufluchtsorte

Vielleicht wirken Geschichten über Mäuse, alte Koffer und kleine Fantasiewelten auf den ersten Blick klein. Harmlos. Verspielt. Doch manchmal steckt gerade darin etwas unglaublich Großes.

Denn Geschichten dürfen weich sein. Sie dürfen Hoffnung schenken. Wärme geben. Menschen erinnern. Nicht jede Geschichte muss laut oder düster sein. Manchmal braucht die Welt genau das Gegenteil. Ein bisschen Licht. Ein bisschen Fantasie. Ein bisschen Wärme. Und vielleicht finden Menschen genau deshalb Trost in solchen kleinen Welten. Weil sie dort kurz durchatmen können.

Die stille Sprache der kleinen Dinge

Das Schönste an Miniaturwelten ist vielleicht ihre Fähigkeit, Geschichten ohne große Worte zu erzählen. Ein winziger Schal auf einer Maus erzählt plötzlich von Winter und Geborgenheit. Ein alter Koffer erzählt von Reisen und Erinnerungen. Ein kleiner Marktstand erzählt von Begegnungen und Leben. Menschen spüren solche Dinge intuitiv. Deshalb wirken Miniaturen oft emotionaler, als man zunächst denkt.Sie sprechen eine ganz leise Sprache.Und vielleicht ist genau diese leise Sprache heute besonders wichtig geworden.

Zwischen Nostalgie und Gegenwart

Diese Geschichten leben nicht nur von Fantasie. Sondern auch von Erinnerung. Viele Erwachsene tragen noch Bilder ihrer Kindheit in sich: Fernsehsendungen, Spielzeuge, Gerüche, kleine Rituale, bestimmte Gefühle. Diese Erinnerungen verschwinden nie ganz. Sie schlafen manchmal nur.

Und wenn Menschen dann auf Figuren, alte Puppenhäuser oder einen sprechenden Koffer treffen, passiert oft etwas ganz Besonderes. Etwas wird wach. Nicht laut. Aber spürbar. Eine Wärme. Ein Bild. Ein Gefühl von Zuhause.

Warum Kreativität so wichtig ist

Heute rauscht vieles nur noch vorbei. Bilder. Nachrichten. Inhalte. Alles wird schneller. Doch kleine Welten funktionieren anders. Sie brauchen Geduld. Liebe zum Detail. Zeit. Ein Puppenhaus wächst nicht über Nacht. Eine gute Geschichte auch nicht. Und vielleicht liegt genau darin ihre Kraft. Denn kreative Dinge holen Menschen zurück in den Moment.

Wenn man ein winziges Zimmer dekoriert oder eine Szene vorbereitet, zählt plötzlich nur noch dieser Augenblick. Das Licht. Die Stimmung. Die Figuren. Und während draußen die Welt laut bleibt, entsteht im Kleinen etwas Ruhiges. Etwas Echtes.

Die größte Magie von allen

Vielleicht geht es bei all dem am Ende nur um eine einzige Wahrheit: Menschen brauchen Magie. Nicht die große, unrealistische Magie. Sondern die leise. Die menschliche. Die Magie von Erinnerungen. Von Geschichten. Von Kreativität. Vom Staunen. Bruno, Tilda und Lulu erinnern daran. Ebenso der alte Koffer, der sich weigert zu glauben, dass Fantasie irgendwann verschwinden muss.

Denn vielleicht bedeutet Erwachsenwerden gar nicht, das Kindliche vollständig hinter sich zu lassen. Vielleicht bedeutet es eher, beides miteinander zu verbinden: Verantwortung und Fantasie. Alltag und Wunder. Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit. Und vielleicht beginnt genau dort die wahre Magie. Nicht in Zaubersprüchen. Sondern in einem alten Puppenhaus. In kleinen Mäusen. Und in einem Herzen, das sich weigert zu vergessen, wie schön Fantasie sein kann.

Und während du vielleicht gerade an dein eigenes inneres Kind denkst, an alte Geschichten, vergessene Fantasiewelten oder an den Teil in dir, der noch immer staunen möchte, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, lächelt warm und flüstert:

„Vielleicht ist die größte Magie nicht, dass Geschichten lebendig werden, sondern dass sie etwas in uns wachhalten, das niemals ganz erwachsen werden wollte.“

Schön das du hier bist 🩶

Sex bewusst abwählen

Über Libidoverlust, Wechseljahre und die Frage, warum Sexualität immer noch so viele Erwartungen erfüllt

Kaum ein Thema löst gesellschaftlich so schnell Diskussionen aus wie Sex. Und noch viel weniger der Satz: „Ich möchte keinen Sex mehr haben.“ Vor allem dann nicht, wenn dieser Satz von einer Frau kommt. Oder schlimmer noch: Von einer jüngeren Frau. Denn irgendwie scheint Sexualität gesellschaftlich immer noch eng mit Glück, Gesundheit und funktionierenden Beziehungen verbunden zu sein.

Wer keinen Sex mehr möchte, gilt schnell als: unglücklich, hormonell gestört, beziehungsunfähig, frustriert oder „nicht normal“. Dabei frage ich mich inzwischen immer öfter: Warum eigentlich?

Denn Diskussion bedeutet auch Kommunikation. Und Kommunikation ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Vielleicht sollten wir sogar viel ehrlicher über dieses Thema sprechen. Nicht über Stellungen. Nicht über Perfektion. Nicht über „wie oft ist normal“. Sondern über etwas, das viele Menschen heimlich beschäftigt: Was passiert eigentlich, wenn Sexualität verschwindet? Oder wenn man bewusst entscheidet, keinen Sex mehr haben zu wollen? Und warum scheint genau das gesellschaftlich fast verboten zu sein?

Die Geschichte meiner Eltern

Vorab möchte ich dir eine Geschichte aus meiner Kindheit und Jugend erzählen. Meine Eltern führten bis heute eine ziemlich normale Ehe. Liebevoll. Manchmal mit Drama. Aber grundsätzlich stabil. Was Sexualität anging, haben wir Kinder nie wirklich etwas mitbekommen. Aber natürlich gab es sie.

Bis irgendwann etwas begann, sich zu verändern. Meine Mutter kam in die Wechseljahre. Damals verstand ich vieles noch nicht richtig. Aber ich bemerkte trotzdem, dass etwas anders war. Dieses ständige Schwitzen. Diese innere Unruhe. Und vor allem: Diese absolute Unlust auf Sex. Mein Vater hingegen hatte seine Lust natürlich weiterhin.

Und plötzlich entstand zwischen beiden etwas, das ich als Kind zwar nicht vollständig verstand,  aber deutlich spürte. Dieses genervte Augenrollen meiner Mutter. Dieses ständige Seufzen meines Vaters. Er voller Sexualhormone. Sie emotional und körperlich völlig woanders. Er wollte Nähe über Sexualität. Sie wollte einfach ihre Ruhe. Und vielleicht beginnt genau dort etwas, worüber unglaublich viele Frauen schweigen.

Denn gesellschaftlich wird uns bis heute vermittelt: „Kein Sex zerstört eine Beziehung.“ Und genau dieser Satz setzt viele Frauen unter Druck.

Wenn Sexualität zur Pflicht wird

Ich glaube, viele Frauen kennen dieses Gefühl. Nicht unbedingt offen ausgesprochen. Aber innerlich. Man tut etwas, das man eigentlich gar nicht möchte.

Nicht aus Lust. Sondern aus Pflichtgefühl. Aus Angst, den Partner zu verlieren. Aus Angst, „nicht genug“ zu sein. Oder weil man gelernt hat: „Zu einer guten Beziehung gehört Sex eben dazu.“

Doch was passiert eigentlich, wenn Sexualität nicht mehr freiwillig ist? Wenn der eigene Körper längst Nein sagt, aber man trotzdem Ja gibt? Dann entsteht oft etwas völlig anderes: Stress. Denn der Körper reagiert auf Dinge, die wir innerlich ablehnen. Und plötzlich wird aus Nähe Druck. Aus Berührung Anspannung. Und aus etwas, das eigentlich Verbindung schaffen soll, entsteht innerer Rückzug. Ich glaube, genau das wird gesellschaftlich oft völlig unterschätzt. Denn viele Menschen sprechen über Sexualität nur aus der Perspektive von:

Lust, Leidenschaft, Begehren. Aber viel zu selten über: Druck, Erschöpfung, hormonelle Veränderungen, emotionale Distanz zum eigenen Körper.

Wechseljahre verändern nicht nur Hormone

Was mich heute rückblickend beschäftigt: Wie wenig ehrlich über Wechseljahre gesprochen wird. Man hört: „Da kommen Hitzewallungen.“

Aber kaum jemand spricht darüber, dass Wechseljahre oft die gesamte Beziehung zum eigenen Körper verändern. Denn Libidoverlust ist nicht einfach: „Ich habe heute keine Lust.“ Es kann sich anfühlen wie: völlige körperliche Distanz, emotionale Müdigkeit, Überforderung, Reizbarkeit, das Bedürfnis nach Ruhe statt Nähe.

Und gleichzeitig lebt man in einer Gesellschaft, die Sexualität permanent als etwas Wichtiges darstellt. Fast so, als würde fehlende Lust automatisch bedeuten, dass etwas falsch läuft. Dabei verändert sich der Körper in den Wechseljahren massiv. Hormone schwanken. Das Nervensystem reagiert empfindlicher. Der Schlaf verändert sich. Energie verändert sich. Und manchmal verändert sich eben auch das sexuelle Empfinden. Nicht aus Boshaftigkeit. Nicht gegen den Partner. Sondern weil der Körper plötzlich andere Bedürfnisse hat.

Was gehört wirklich zu einer guten Beziehung?

Je älter ich werde, desto mehr frage ich mich: Was macht eine gute Beziehung eigentlich wirklich aus? Ist es tatsächlich nur Sexualität? Oder vielleicht viel mehr: Respekt, Vertrauen, Kommunikation, Verständnis, ein liebevoller Umgang miteinander.

Denn wenn Sexualität der einzige Stabilitätsfaktor einer Beziehung wäre, wäre das eigentlich ziemlich traurig. Natürlich kann Sex wunderschön sein. Verbindend. Nähe schaffen.

Aber sollte ein Mensch wirklich Dinge tun müssen, die sich innerlich falsch anfühlen, nur um eine Beziehung zu erhalten? Ich glaube nicht. Und ich glaube auch, dass viele Frauen genau an diesem Punkt beginnen, sich selbst zu verlieren. Weil sie funktionieren. Weil sie glauben: „Ich muss doch.“ Dabei vergessen sie irgendwann zu fragen: „Was möchte ich eigentlich selbst noch?“

Die stille Erschöpfung vieler Frauen

Ich glaube, Libidoverlust hat oft viel tiefere Ursachen als reine Hormone. Denn viele Frauen sind dauerhaft erschöpft. Mental. Emotional. Körperlich. Sie organisieren Familien. Arbeiten. Kümmern sich um andere. Denken ständig mit.

Und irgendwann bleibt vom eigenen Körpergefühl oft kaum noch etwas übrig. Wie soll Lust entstehen, wenn der Körper permanent im Funktionsmodus läuft? Vielleicht verlieren viele Frauen nicht nur Lust auf Sex. Sondern zuerst den Zugang zu sich selbst. Und genau darüber spricht fast niemand offen.

Warum das Thema so tabuisiert ist

Was ich faszinierend finde: Über Sex wird heute überall gesprochen. In Serien. In Werbung. In Podcasts. Auf Social Media. Aber meistens nur aus einer Perspektive: Mehr Lust.

Besserer Sex. Mehr Leidenschaft. Kaum jemand spricht darüber, dass manche Menschen Sexualität bewusst weniger wichtig finden. Oder sich irgendwann fragen: „Brauche ich das überhaupt noch?“ Vor allem Frauen.

Denn bei Männern wird fehlende Lust oft medizinisch betrachtet. Bei Frauen dagegen schnell emotional bewertet. Und genau deshalb schweigen viele. Weil sie Angst haben: falsch zu sein, den Partner zu verletzen, nicht normal zu wirken. Dabei wäre Ehrlichkeit wahrscheinlich viel gesünder als jahrelanges innerliches Funktionieren.

Die neue Generation und ihre andere Sicht auf Sexualität

Was ich ebenfalls spannend finde: Die jüngere Generation scheint heute teilweise ganz anders mit Sexualität umzugehen als früher.

Wenn man an Jugendliche früher denkt, hatte man oft das Bild von: Experimentierfreude, frühem Ausprobieren, großem Interesse an Beziehungen und Sexualität. Heute wirkt vieles anders. Viele junge Menschen haben später Sex. Oder weniger.

Und ich glaube nicht, dass das automatisch etwas Schlechtes ist. Vielleicht verändert sich einfach die Gesellschaft. Vielleicht spielen dabei Dinge eine Rolle wie: Leistungsdruck, Unsicherheit, soziale Medien, weniger Vertrauen, Überforderung, emotionale Erschöpfung. Oder vielleicht verschieben sich Prioritäten einfach.

Schlaf wird wichtiger. Ruhe wird wichtiger. Alleinsein wird plötzlich nicht mehr automatisch negativ bewertet. Und vielleicht überlegen Menschen heute genauer, worauf sie sich emotional einlassen möchten.

Früher wirkte vieles wagemutiger. Man ging schneller Beziehungen ein. Vielleicht auch naiver. Heute wirken viele Menschen vorsichtiger. Nicht unbedingt beziehungsunfähig. Aber bewusster.

Die Gesellschaft liebt Selbstoptimierung, auch beim Sex

Vielleicht liegt genau dort eines der größten Probleme. Wir leben in einer Gesellschaft, die ständig vermittelt: mehr fühlen, mehr erleben, mehr Leidenschaft, mehr Begehren, mehr Performance. Fast alles wird optimiert. Sogar Intimität.

Und vielleicht vergessen wir dabei, dass Menschen unterschiedlich sind. Dass Sexualität nicht bei jedem denselben Stellenwert haben muss. Und dass es völlig legitim sein sollte, ehrlich über die eigenen Bedürfnisse zu sprechen. Auch dann, wenn diese Bedürfnisse nicht gesellschaftlichen Erwartungen entsprechen.

Nähe ist nicht nur Sexualität

Was mir persönlich wichtig ist: Nähe besteht nicht nur aus Sex. Menschen sehnen sich oft eigentlich nach: Verständnis, Geborgenheit, Ruhe, emotionaler Sicherheit, ehrlicher Verbindung.

Und manchmal geht genau das verloren, wenn Sexualität nur noch als „Pflicht für funktionierende Beziehungen“ betrachtet wird. Vielleicht wäre es gesünder, mehr darüber zu sprechen: Wie fühlt sich Nähe eigentlich wirklich an? Denn ein Mensch kann sexuell aktiv sein und sich trotzdem einsam fühlen. Und ein anderer Mensch kann kaum Sexualität erleben und sich trotzdem tief verbunden fühlen.

Die bewusste Entscheidung

Vielleicht ist genau das der schwierigste Punkt: Die bewusste Entscheidung. Nicht: „Im Moment habe ich weniger Lust.“ Sondern: „Ich möchte das gerade nicht mehr.“ Und ja: Das darf Menschen erschrecken. Den Partner. Die Beziehung. Auch einen selbst.

Aber vielleicht ist Ehrlichkeit trotzdem wichtiger als jahrelanges innerliches Übergehen. Denn der eigene Körper ist kein gesellschaftliches Pflichtprogramm. Und vielleicht beginnt Selbstbestimmung manchmal genau dort: Wo Menschen ehrlich zu ihren eigenen Bedürfnissen werden.

Mein persönlicher Gedanke dazu

Ich glaube nicht, dass es die eine richtige Form von Beziehung gibt. Manche Menschen brauchen Sexualität sehr. Andere weniger. Manche zeitweise gar nicht. Und all das sollte eigentlich ohne Scham besprechbar sein.

Denn Beziehungen bestehen aus viel mehr als nur körperlicher Nähe. Zumindest sollten sie das.

Vielleicht brauchen wir gesellschaftlich einfach viel mehr ehrliche Gespräche. Nicht über perfekte Sexualität. Sondern über echte Gefühle.

Über Veränderungen. Über Druck. Über Bedürfnisse. Über Erschöpfung. Und darüber, dass Menschen sich im Laufe ihres Lebens verändern dürfen. Auch körperlich. Auch emotional.

Und während du vielleicht gerade über deine eigene Beziehung nachdenkst, über Nähe, Erwartungen oder Dinge, die man sich oft nicht laut auszusprechen traut, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, schaut dich verständnisvoll an und flüstert:

„Vielleicht bedeutet Liebe nicht, sich selbst ständig zu übergehen, sondern gemeinsam einen Weg zu finden, auf dem beide Menschen ehrlich sie selbst bleiben dürfen.“

Schön das du hier bist 🩶

Wenn Wäscheaufhängen zur Privatsauna wird

Wechseljahre, Hitzewallungen und der tägliche Kampf mit einem Körper, der plötzlich eigene Regeln hat

Es gibt diese Tage in den Wechseljahren, an denen man morgens aufwacht und eigentlich richtig gute Laune hat.

Endlich frei. Endlich Zeit. Zeit für die Dinge, die liegen geblieben sind. Zeit für Haushalt. Vielleicht ein Spaziergang.

Vielleicht einfach das gute Gefühl, endlich mal wieder etwas geschafft zu haben. Und dann steht man mit einem Wäschekorb mitten im Wohnzimmer und merkt schon beim ersten Schritt: Heute macht der Körper nicht mit.

Nicht dieses normale: „Ich brauche erstmal Kaffee.“ Sondern dieses tiefe Gefühl von: „Mein Körper hat heute beschlossen, komplett in den Energiesparmodus zu wechseln.“ Und trotzdem versucht man es natürlich. Denn es ist ja „nur Wäsche aufhängen“. Dieses kleine Wort „nur“ ist in den Wechseljahren manchmal die größte Lüge des Tages.

Denn plötzlich wird aus einer völlig normalen Alltagssituation eine Mischung aus Kreislaufexperiment, Hitzeschlacht und unfreiwilligem Saunabesuch. Und ehrlich? Manchmal sind diese Situationen so absurd, dass man entweder lachen oder verzweifeln könnte.

Der Moment, in dem die Hitzewallung zuschlägt

Ich stand also da. Hoodie an. Wäschekorb vor mir. Eigentlich motiviert. Keine Weltreise. Kein Marathon. Keine Alpenüberquerung. Einfach Wäsche.

Und dann passierte das, was wahrscheinlich Millionen Frauen kennen. Diese unfassbare Hitze schoss plötzlich durch meinen Körper, als hätte innerlich jemand einen Heizstrahler eingeschaltet. Nicht langsam. Nicht angenehm warm. Sondern BAM. Innerhalb von Sekunden: glühendes Gesicht, Hitze im Nacken, Herzklopfen, Schweiß, innere Unruhe. Und während ich versuchte, ein T-Shirt auf den Wäscheständer zu hängen, hatte ich ernsthaft das Gefühl, ich würde gerade in einer finnischen Sauna arbeiten. Nur ohne Aufguss. Und ohne Entspannung.

Die Privatsauna des Todes

Es ist wirklich faszinierend, wie absurd Wechseljahre manchmal sein können. Man steht mitten im eigenen Wohnzimmer und denkt: „Warum schwitze ich, als würde ich gerade einen Vulkan besteigen?“ Der Raum war nicht heiß. Es war kein Hochsommer. Ich bin nicht gerannt. Ich hing Wäsche auf. Aber mein Körper reagierte, als hätte ich den Klimawandel persönlich ausgelöst. Und genau das ist das Verrückte an Hitzewallungen: Sie interessieren sich überhaupt nicht für Logik. Der Körper entscheidet einfach: „Wir simulieren jetzt tropisches Klima.“ Mitten im Alltag. Beim Einkaufen. Beim Staubsaugen. Nachts im Bett. Im Supermarkt. Oder eben beim Wäscheaufhängen.

Und plötzlich fühlt man sich wie die eigene kleine Klimazone.

Wenn der Körper plötzlich macht, was er will

Früher hatte ich irgendwie das Gefühl, meinen Körper zu kennen. Man wusste: Wenn ich müde bin, brauche ich Schlaf. Wenn mir warm ist, ziehe ich die Jacke aus. Wenn ich Fahrrad fahre, komme ich ins Schwitzen. So soll es sein.  Heute? Heute fühlt sich mein Körper manchmal an wie ein eigenes Wesen mit sehr schlechter Kommunikation. Man plant einen freien Tag voller Energie: Haushalt, Erledigungen, endlich mal Ordnung schaffen. Und der Körper sagt einfach: „Nein.“  Nicht morgen. Nicht später. Sofort. Dieses Gefühl kennen unglaublich viele Frauen in den Wechseljahren: Der Kopf will. Der Körper streikt. Und genau das ist oft so frustrierend. Weil man sich selbst manchmal gar nicht wiedererkennt.

Diese Müdigkeit versteht kaum jemand

Das Schwierige ist: Es ist nicht einfach normale Müdigkeit. Es ist diese tiefe, schwere Erschöpfung, die plötzlich auftaucht, als hätte jemand innerlich den Stecker gezogen. Man setzt sich „nur kurz“ auf die Couch und merkt sofort: Der Körper möchte heute eigentlich gar nichts mehr. Und gleichzeitig beginnt sofort dieses schlechte Gewissen. „Ich müsste doch eigentlich …“ Eigentlich produktiv sein. Eigentlich den freien Tag nutzen. Eigentlich mehr schaffen. Doch Wechseljahre funktionieren nicht nach „eigentlich“. Und genau darüber wird viel zu wenig ehrlich gesprochen.

Denn viele Frauen fühlen sich dadurch plötzlich faul oder unmotiviert. Dabei arbeitet der Körper in den Wechseljahren auf Hochtouren. Hormone verändern sich. Der Schlaf verändert sich. Das Nervensystem reagiert empfindlicher. Die Temperaturregulation spielt verrückt. Und all das kostet Energie. Sehr viel Energie.

Warum Hitzewallungen so anstrengend sind

Viele Menschen denken bei Hitzewallungen nur an: „Ein bisschen warm.“ Doch eine echte Hitzewallung ist oft viel mehr. Der gesamte Körper reagiert. Die Blutgefäße erweitern sich. Die Herzfrequenz steigt. Die Schweißproduktion startet. Das Stresssystem wird aktiviert. Im Grunde erlebt der Körper kurzzeitig eine Art inneren Alarmzustand. Und wenn das mehrfach täglich passiert, ist es eigentlich kein Wunder, dass viele Frauen irgendwann erschöpft sind. Besonders anstrengend ist: Diese Hitzeschübe kommen oft völlig überraschend. Der Körper fühlt sich dadurch unberechenbar an. Und genau das macht emotional müde. Denn man verliert ein Stück Kontrolle über etwas, das früher selbstverständlich funktioniert hat.

Niemand bereitet Frauen wirklich darauf vor

Das Erstaunlichste ist eigentlich: Wie wenig ehrlich über Wechseljahre gesprochen wird. Ja, man hört: „Da kommen Hitzewallungen.“ Aber niemand erklärt: dass man sich plötzlich fremd im eigenen Körper fühlen kann, dass Wäscheaufhängen zur sportlichen Höchstleistung wird, dass man gleichzeitig lachen und heulen könnte, dass man völlig erschöpft sein kann, obwohl man „nichts gemacht“ hat. Niemand sagt: Du wirst vielleicht Tage haben, an denen dein Körper einfach nicht kooperieren möchte. Und genau deshalb fühlen sich viele Frauen verunsichert. Weil sie denken: „Warum bin ich plötzlich so?“

Der Druck, trotzdem funktionieren zu müssen

Besonders schwierig ist dieses ständige Gefühl von: „Ich müsste doch eigentlich.“ Eigentlich mehr schaffen. Eigentlich belastbarer sein. Eigentlich einfach weitermachen wie früher. Doch Wechseljahre funktionieren nicht nach Leistung. Der Körper hat plötzlich seine eigene Agenda. Und manchmal bedeutet Selbstfürsorge eben nicht: „Noch schnell alles erledigen.“ Sondern: „Heute reicht Wäscheaufhängen vollkommen aus.“ Auch wenn sich selbst das anfühlt wie ein Kampf gegen Lava.

Die emotionale Seite der Wechseljahre

Über Hormone wird mittlerweile etwas mehr gesprochen. Über Gefühle deutlich weniger. Dabei ist die emotionale Belastung oft riesig. Denn Wechseljahre verändern nicht nur den Körper. Sie verändern oft auch: das Selbstbild, das Energiegefühl, die Belastbarkeit, die Beziehung zum eigenen Körper. Manchmal schaut man sich selbst an und denkt: „Warum fühle ich mich plötzlich so anders?“ Und gleichzeitig versucht man weiter zu funktionieren: für Familie, für Arbeit, für Alltag, für andere Menschen. Während der eigene Körper mitten in einer kleinen hormonellen Revolution steckt.

Zwischen Humor und Verzweiflung

Was mir persönlich hilft? Humor. Denn ehrlich: Manche Situationen sind so absurd, dass man wirklich nur noch lachen kann. Wenn man komplett verschwitzt mit Wäscheklammern in der Hand dasteht und denkt: „Ich bin sicher meine eigene Klimazone.“ Dann hilft manchmal ein bisschen Selbstironie. Humor nimmt den Wechseljahren nicht die Schwierigkeit. Aber manchmal den Schrecken. Und vielleicht braucht man genau das zwischendurch. Ein bisschen Leichtigkeit mitten in diesem hormonellen Chaos.

Der unsichtbare Kraftakt vieler Frauen

Das Verrückte ist: Viele Frauen wirken nach außen völlig normal. Sie gehen arbeiten. Kümmern sich um andere. Organisieren den Alltag. Machen Haushalt. Funktionieren. Und gleichzeitig kämpfen sie innerlich mit: Schlafproblemen, Hitzewallungen, Erschöpfung, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsproblemen. Das sieht oft niemand. Und genau deshalb fühlen sich viele Frauen unverstanden. Weil diese Phase häufig still durchlebt wird. Ohne große Gespräche. Ohne echtes Verständnis.

Die Couch ruft und vielleicht ist das okay

An diesem Tag wollte ich eigentlich produktiv sein. Ich wollte Dinge erledigen, basteln. Den freien Tag sinnvoll nutzen. Etwas schaffen. Aber mein Körper wollte nur eins: Die Couch. Und früher hätte ich mich dafür wahrscheinlich verurteilt. Heute versuche ich langsam zu akzeptieren: Vielleicht braucht mein Körper das gerade wirklich. Vielleicht ist Ruhe nicht Schwäche. Vielleicht ist sie notwendig.

Wechseljahre sind keine Schwäche

Das ist mir wichtig. Wechseljahre bedeuten nicht, dass Frauen schwach werden. Der Körper verändert sich. Das Nervensystem verändert sich. Der Energiehaushalt verändert sich. Und trotzdem erwartet die Welt oft, dass Frauen einfach weitermachen wie bisher. Doch vielleicht geht es in dieser Lebensphase gar nicht mehr darum, immer stärker zu sein. Vielleicht geht es darum, ehrlicher mit sich selbst zu werden.

Der Alltag wird plötzlich körperlich

Vor den Wechseljahren denkt man über viele Dinge gar nicht nach: Treppen steigen, Einkaufstaschen tragen, Haushalt, Hitze, Schlaf. Doch plötzlich spürt man den eigenen Körper viel intensiver. Und manchmal fühlt sich selbst Alltag körperlich anstrengend an. Nicht jeden Tag. Aber an manchen Tagen sehr.

Dieses seltsame Gefühl von „nicht ich selbst“

Viele Frauen beschreiben genau das: „Ich erkenne mich manchmal selbst nicht wieder.“ Und das kann Angst machen. Denn man erinnert sich an die eigene Energie. An die Belastbarkeit. An die Leichtigkeit von früher. Doch Wechseljahre verändern vieles. Nicht dauerhaft schlecht. Aber anders. Und „anders“ braucht Zeit.

Warum wir offener darüber sprechen sollten

Je mehr Frauen ehrlich darüber reden, desto weniger allein fühlt man sich. Denn plötzlich merkt man: Ich bin nicht verrückt. Ich bin nicht faul. Ich bilde mir das nicht ein. Andere erleben das auch. Und genau das kann unglaublich entlastend sein. Vielleicht brauchen Wechseljahre weniger Tabu und mehr Ehrlichkeit. Weniger Scham und mehr Verständnis. Denn diese Lebensphase betrifft Millionen Frauen. Und trotzdem reden viele noch immer nur flüsternd darüber.

Die Wahrheit über freie Tage

Man denkt immer: „Wenn ich endlich frei habe, mache ich alles.“ Und dann kommt der freie Tag und der Körper sagt: „Heute schaffen wir maximal eine Waschmaschine.“ Vielleicht liegt genau darin eine der größten Lektionen der Wechseljahre: Dass der eigene Wert nicht davon abhängt, wie produktiv man ist. Die kleine Trauer darüber. Und ja: Man darf übrigens auch traurig darüber sein. Darüber, dass sich der Körper verändert. Darüber, dass Energie plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist. Darüber, dass manche Dinge schwerer geworden sind. Diese Gefühle sind legitim. Denn Wechseljahre sind nicht nur biologisch. Sie sind emotional.

Der Körper ist nicht gegen uns

So verrückt Hitzewallungen auch sind: Der Körper arbeitet nicht gegen uns. Er versucht nur, sich neu zu regulieren. Mit schwankenden Hormonen. Mit Veränderungen. Mit einem neuen Gleichgewicht. Auch wenn sich das manchmal eher wie eine fehlerhafte Wetter-App anfühlt.

Mein persönliches Fazit

An diesem Tag habe ich gelernt: Manchmal ist Wäscheaufhängen eben nicht „nur Wäscheaufhängen“. Manchmal wird daraus: eine Hitzeschlacht, eine Privatsauna, ein Kreislaufexperiment und ein ernsthaftes Gespräch mit der Couch. Und vielleicht ist genau das die Realität vieler Frauen in den Wechseljahren: Der Alltag bleibt derselbe, aber der Körper erlebt ihn plötzlich völlig anders.

Für alle Frauen, die gerade ähnlich fühlen

Wenn du das hier liest und dich wiedererkennst: Du bist nicht allein. Wenn dein Körper plötzlich müde ist, wenn du wegen einer Hitzewallung denkst, du schmilzt, wenn selbst kleine Aufgaben anstrengend wirken, dann bist du nicht schwach. Du befindest dich in einer körperlichen Umbruchphase, über die viel zu lange viel zu wenig ehrlich gesprochen wurde. Und manchmal reicht es völlig, die Wäsche aufzuhängen, danach auf die Couch zu sinken und darüber zu lachen, dass der eigene Körper aus einem normalen Haushaltstag eine tropische Extremwetterlage gemacht hat.

Und während du vielleicht gerade selbst verschwitzt auf deiner Couch sitzt, innerlich mit deiner eigenen kleinen Privatsauna kämpfst oder dich fragst, warum dein Körper plötzlich seine ganz eigenen Wetterregeln entwickelt hat, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, grinst verständnisvoll und flüstert:

„Vielleicht bedeutet Stärke manchmal nicht, alles schaffen zu müssen, sondern liebevoll zu akzeptieren, dass selbst ein kleiner Alltagstag für den Körper gerade ein großer Kraftakt sein kann.“

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„Wo ist meine Mama?“ Was Demenz wirklich mit Menschen macht- Gedanken einer Pflegekraft

Ich denke oft noch über meinen Tag auf Arbeit nach. Nicht unbedingt negativ. Eher nachdenklich.

Weil man in der Pflege ständig Menschen begegnet, die einen auf ganz unterschiedliche Weise berühren. Manche Momente sind wunderschön. Manche traurig. Manche faszinierend. Und bei manchen fehlen mir ehrlich gesagt einfach die Worte. Vielleicht liegt genau darin etwas Besonderes an diesem Beruf.

Man erlebt Menschen nicht nur in guten Zeiten. Sondern oft in den verletzlichsten Momenten ihres Lebens. Da sind ältere Menschen, die jeden Tag auf Besuch warten. Menschen, die körperlich schwächer werden, innerlich aber noch voller Humor stecken. Menschen mit wunderbaren Angehörigen, die jeden Tag da sind. Und andere, die erschreckend einsam geworden sind.

Manche Bewohner brauchen einfach Unterstützung im Alltag. Und manche verlieren langsam etwas viel Größeres: Ihre Orientierung in der Welt.

Ich glaube, genau deshalb beschäftigt mich Demenz mittlerweile so sehr. Weil diese Erkrankung nicht nur Erinnerungen verändert. Sondern manchmal die gesamte Wirklichkeit eines Menschen. Und je mehr Zeit ich in der Pflege verbringe, desto häufiger begegnet sie mir. Vielleicht auch, weil unsere Gesellschaft älter wird. Vielleicht auch, weil wir heute viel länger leben als früher.

Aber vor allem, weil Demenz etwas ist, das sich nicht nur medizinisch erklären lässt. Denn hinter jeder Diagnose sitzt ein Mensch. Ein Mensch mit Erinnerungen. Mit einer Geschichte. Mit Liebe, Verlusten, Familie und einem ganzen gelebten Leben.

Und irgendwann beginnt genau dieses Leben langsam zu verschwimmen. Nicht plötzlich. Nicht laut. Sondern oft ganz leise. Vielleicht ist genau das das Erschütternde daran. Dass Menschen nicht einfach vergessen. Sondern dass sich ihre Realität langsam verändert. Und ehrlich? Es gibt Situationen, die mich selbst lange nicht loslassen. Nicht, weil sie grausam sind. Sondern weil sie zeigen, wie geheimnisvoll das menschliche Gehirn eigentlich ist. Denn Demenz bedeutet nicht einfach nur Vergesslichkeit.

Demenz ist viel größer. Viel trauriger. Viel komplexer. Und manchmal auch unglaublich beängstigend. Ich glaube, viele Menschen stellen sich Demenz vor wie einen Menschen, der Namen vergisst oder nicht mehr weiß, welcher Tag gerade ist. Doch wenn man in der Pflege arbeitet, begegnet man irgendwann einer ganz anderen Seite dieser Krankheit. Einer Seite, die gleichzeitig erschüttert und fasziniert. Denn Demenz verändert nicht nur Erinnerungen. Sie verändert manchmal die gesamte Wahrnehmung der Welt. Und ehrlich? Es gibt Situationen, die lassen einen selbst nach Feierabend nicht mehr los.

„Da sind Kinder auf meinem Bett.“

Eine Bewohnerin schaute eines Abends panisch auf ihr Bett. „Die Kinder springen da wieder herum!“ Doch dort war niemand. Keine Kinder. Keine Bewegung. Nur ein ordentlich gemachtes Bett in einem stillen Zimmer. Und trotzdem war ihre Angst echt. Eine andere Bewohnerin sah Schlangen durch ihr Zimmer kriechen. Eine andere erzählte völlig aufgelöst von Männern, die jeden Abend auf ihrem Balkon stehen und durch die Wand schauen würden.

Und gestern stand ich vor einer Frau, die voller Angst berichtete, wie eine andere Frau vor ihren Augen gefesselt und missbraucht wurde. Natürlich war dort niemand. Und trotzdem war diese Szene für sie vollkommen real. Vielleicht ist genau das etwas, das Menschen außerhalb der Pflege kaum verstehen können: Diese Menschen „denken sich das nicht aus“. Ihr Gehirn erlebt es wirklich.

Neurobiologisch betrachtet passiert bei Demenz etwas unglaublich Komplexes. Das Gehirn verarbeitet Sinneseindrücke nicht mehr zuverlässig. Erinnerungen, Ängste, alte Bilder, Gefühle und aktuelle Wahrnehmungen beginnen sich zu vermischen. Manche Bereiche des Gehirns können Realität nicht mehr richtig einordnen. Und plötzlich entstehen Welten, die nur dieser Mensch sehen kann. Das Faszinierende daran ist: Das Gehirn arbeitet grundsätzlich bei jedem Menschen ständig mit inneren Bildern. Es ergänzt Informationen. Es interpretiert. Es füllt Lücken. Normalerweise geschieht das unbemerkt.

Doch bei Demenz oder anderen neurologischen Veränderungen kann genau diese Verarbeitung entgleisen. Dann wird aus einem Schatten plötzlich ein Mensch. Aus einem Muster auf der Tapete eine Schlange. Oder aus einer Erinnerung eine scheinbar reale Szene mitten im Zimmer.

Und manchmal frage ich mich wirklich: Wie fühlt sich das an? Stell dir vor, du sitzt in deinem Zimmer und plötzlich steht dort jemand. Für dich vollkommen sichtbar. Mit Gesicht. Mit Bewegung. Mit Präsenz. Und alle anderen sagen dir: „Da ist niemand.“ Was macht das mit einem Menschen? Vielleicht liegt genau darin diese tiefe Angst vieler Bewohner. Weil ihre Welt plötzlich nicht mehr dieselbe ist wie unsere.

Zwischen zwei Wirklichkeiten

Ich glaube, was mich an Demenz am meisten bewegt, ist dieses Leben zwischen zwei Wirklichkeiten. Da ist unsere Realität. Und da ist ihre. Und manchmal überschneiden sich beide nur noch für kurze Momente.

Eine Bewohnerin sitzt ruhig im Aufenthaltsraum und unterhält sich ganz normal mit dir. Minuten später fragt sie plötzlich: „Wann kommt meine Mama mich holen?“ Und in diesem Moment sitzt keine fast neunzigjährige Frau vor dir. Sondern irgendwo auch ein kleines Kind.

Denn Demenz zerstört Erinnerungen nicht einfach linear. Das Gehirn verliert oft zuerst neuere Informationen, während alte Erinnerungen plötzlich wieder unglaublich präsent werden.

Vergangenheit und Gegenwart beginnen sich zu vermischen. Deshalb sprechen manche Bewohner von ihren Eltern, als würden diese noch leben. Und vielleicht ist genau das einer der traurigsten Momente überhaupt: Wenn ein Mensch erneut erfährt, dass die eigene Mutter längst verstorben ist. Nicht einmal. Sondern immer wieder. Stell dir das vor. Du fragst nach deiner Mama. Ganz selbstverständlich.

Und plötzlich sagt dir jemand: „Deine Mutter ist tot.“ Und in diesem Moment bricht diese Realität erneut über dich herein.

Vielleicht zum zehnten Mal an diesem Tag. Vielleicht zum hundertsten Mal in den letzten Monaten. Und jedes Mal fühlt sich der Verlust wieder neu an. Das ist etwas, das mich tief erschüttert.

Denn wir Gesunden erleben Trauer meist als einen Weg. Schmerz. Verarbeitung. Erinnerung. Doch manche Menschen mit Demenz scheinen in einer Schleife aus Verlust festzustecken. Sie vergessen die Information. Aber nicht immer das Gefühl.

Das Gehirn vergisst, das Herz manchmal nicht

Je länger ich in der Pflege arbeite, desto mehr glaube ich, dass Gefühle oft viel länger bestehen bleiben als Fakten. Eine Bewohnerin erkennt ihre Tochter vielleicht nicht mehr richtig und hält trotzdem ihre Hand fest, weil sich diese Nähe vertraut anfühlt.

Ein Mann weiß nicht mehr, welches Jahr wir haben, aber sucht jeden Abend nach seiner verstorbenen Frau. Und vielleicht zeigt genau das etwas unglaublich Menschliches:

Dass Liebe tiefer gespeichert sein kann als Erinnerung. Ich musste einmal lange über diesen Gedanken nachdenken: Vielleicht vergisst das Gehirn Namen, Zeiten und Gesichter.

Aber das Herz erinnert sich manchmal weiter. Und genau deshalb suchen manche Bewohner nach Menschen, die längst nicht mehr da sind. Nicht nur, weil sie vergessen haben, dass diese Menschen gestorben sind. Sondern weil ein Teil ihres Gefühlslebens noch immer mit ihnen verbunden ist. Vielleicht klingt das traurig. Und das ist es auch.

Aber gleichzeitig steckt darin etwas unglaublich Berührendes. Denn wenn ein Mensch trotz all seiner verlorenen Erinnerungen noch immer nach seinem Partner fragt, zeigt das doch eigentlich nur, wie tief diese Liebe einmal gewesen sein muss. Vielleicht liegt darin etwas unglaublich Trauriges. Aber auch etwas Schönes.

Weil Liebe offenbar Spuren hinterlässt, die tiefer gehen als Worte, Namen oder Zeit. Manchmal frage ich mich, ob Menschen mit Demenz uns unbewusst etwas zeigen, das wir Gesunden oft vergessen: Dass Beziehungen viel mehr sind als Erinnerungen allein. Vielleicht bestehen sie auch aus Gefühl. Aus Vertrautheit. Aus etwas, das nicht vollständig verschwindet, selbst wenn vieles andere verloren geht. Und trotzdem bleibt Demenz schwer. Für Angehörige. Für Partner. Für Kinder. Zu sehen, wie ein Mensch langsam Teile seiner Orientierung verliert, tut weh.

Besonders dann, wenn dieser Mensch plötzlich nicht mehr versteht, warum jemand fehlt. Oder wenn er denselben Verlust immer wieder neu erlebt. Ich glaube, viele Angehörige zerbrechen innerlich genau daran. An diesem täglichen kleinen Abschied. Und vielleicht gibt es darauf keine perfekte Antwort. Keine perfekte Art, damit umzugehen. Man kann nur versuchen, dem Menschen Sicherheit zu geben. Nicht immer mit Wahrheit. Sondern manchmal einfach mit Nähe. Mit einem ruhigen Satz. Einer Hand auf der Schulter.

Oder einem: „Sie vermissen ihn sehr, oder?“ Denn oft geht es gar nicht darum, Realität zu korrigieren. Sondern Gefühle aufzufangen. Je länger ich in der Pflege arbeite, desto mehr glaube ich, dass Demenz uns auch Demut lehrt. Weil sie zeigt, wie geheimnisvoll das menschliche Gehirn eigentlich ist. Und wie tief Menschen lieben können. Selbst dann, wenn Erinnerungen längst begonnen haben zu verschwimmen. Vielleicht ist Liebe am Ende tatsächlich stärker als Erinnerung. Vielleicht bleibt sie manchmal genau dort bestehen, wo Worte, Zeiten und Fakten längst verloren gegangen sind.

Und während du vielleicht gerade an einen Menschen denkst, der langsam Erinnerungen verliert, oder dich fragst, wie sich Demenz wohl wirklich anfühlen muss, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, schaut dich still an und flüstert:

„Vielleicht zeigt uns Demenz nicht nur, was Menschen vergessen können, sondern auch, wie tief Liebe, Angst und Sehnsucht selbst dann noch bleiben, wenn Erinnerungen längst zu verschwimmen beginnen.“

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Muttertag zwischen Blumen, Erwartungen und dem Wert gemeinsamer Zeit

Heute ist Muttertag.

Und wie an so vielen anderen Tagen im Jahr sieht man plötzlich überall Blumensträuße, Geschenkideen, Werbung und perfekt inszenierte Bilder voller Harmonie.

Frühstückstabletts im Bett. Herzförmige Schokolade. Große Geschenkboxen. Und überall das Gefühl, dass dieser Tag irgendwie „besonders genug“ sein muss. Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch. Dieses leise schlechte Gewissen, wenn man nichts Großes schenkt. Dieses Bedürfnis, etwas Besonderes machen zu müssen. Fast so, als würde Liebe sich messen lassen. Doch heute Morgen musste ich über genau diesen Gedanken nachdenken. Mein kleines Exemplar wollte mir natürlich auch etwas schenken. Ganz aufgeregt. Ganz voller Liebe. Und ich sagte irgendwann zu ihr:

„Du musst dich doch nicht stressen. Lass uns einfach etwas zusammen machen. Eis essen vielleicht. Das reicht doch völlig.“ Und während ich das sagte, wurde mir plötzlich bewusst, wie sehr sich solche Tage verändert haben. Denn eigentlich ist gemeinsame Zeit doch eines der wertvollsten Geschenke überhaupt. Vielleicht sogar das Wertvollste. Und trotzdem leben wir heute oft in einer Welt, in der Liebe immer häufiger gekauft statt erlebt wird. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr frage ich mich: Warum haben wir eigentlich so oft das Gefühl, dass wir viel schenken müssen? Wann wurde aus kleinen Gesten plötzlich eine große Erwartungshaltung? Vielleicht liegt genau darin etwas Trauriges. Denn viele dieser Tage entstanden ursprünglich aus etwas sehr Menschlichem. Nicht aus Konsum. Sondern aus Liebe.

Warum gibt es Muttertag überhaupt?

Wenn man ehrlich ist, wissen wahrscheinlich die wenigsten Menschen, wie Muttertag eigentlich entstanden ist. Ich wusste es lange selbst nicht wirklich. Der Muttertag geht auf eine Frau namens Anna Jarvis zurück. 1905 starb ihre Mutter. Eine Frau, die sich zu Lebzeiten gewünscht hatte, dass Mütter eines Tages besonders geehrt werden. Aus diesem Wunsch heraus organisierte Anna Jarvis 1907 die erste Feier zu Ehren von Müttern. Ein Jahr später folgte eine weitere Feier. Und schließlich wurde der Muttertag 1914 offizieller Feiertag in den USA. Was ich dabei besonders berührend finde: Eine zentrale Rolle spielten Nelken.

Denn Nelken waren die Lieblingsblumen ihrer Mutter. Anna Jarvis entschied sich damals bewusst für weiße Nelken. Und auch die Bedeutung der Farben erzählt eigentlich etwas sehr Schönes.

Weiße Nelken stehen für Mütter, die bereits verstorben sind. Sie symbolisieren Reinheit und unvergängliche Liebe.

Rote Nelken hingegen stehen für die Mütter, die noch leben. Für Verehrung. Für Liebe. Für Dankbarkeit.

Eigentlich steckt darin etwas unglaublich Ruhiges und Wertvolles. Keine riesigen Geschenke. Keine überfüllten Einkaufspassagen. Sondern Erinnerung. Liebe. Wertschätzung. Vielleicht ging es ursprünglich einfach darum, Mütter wirklich zu sehen.

Wie Muttertag nach Deutschland kam

1923 kam der Muttertag schließlich nach Deutschland. Und ehrlich gesagt fand ich die Geschichte dahinter fast ein bisschen traurig. Denn hier wurde der Tag nicht etwa von Frauenrechtlerinnen eingeführt, sondern vom Verband deutscher Blumengeschäftsinhaber.

Nach dem Ersten Weltkrieg sollte das Blumengeschäft angekurbelt werden. Damals warben Floristen mit Plakaten, auf denen stand: „Ehret die Mutter.“ Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr spürt man eigentlich schon dort diesen Wandel.

Aus einem emotionalen Gedanken wurde langsam ein Geschäft. Aus Erinnerung wurde Werbung. Aus Wertschätzung wurde Konsum.

Und vielleicht ist genau das etwas, das wir heute immer stärker spüren. Nicht nur an Muttertag. Auch an Valentinstag. An Weihnachten. An Geburtstagen. Immer häufiger scheint Liebe mit Aufwand verwechselt zu werden. Mit Größe. Mit Preis. Mit Perfektion. Dabei sind die Dinge, die Menschen wirklich berühren, oft ganz andere. Zeit. Aufmerksamkeit. Nähe. Zuhören.

Die traurige Geschichte von Anna Jarvis

Was mich beim Lesen der Geschichte besonders bewegt hat:

Anna Jarvis selbst war irgendwann entsetzt darüber, wie kommerziell der Muttertag geworden war. Sie organisierte Proteste. Sie kämpfte gegen die Vermarktung dieses Tages. Und sie opferte dafür sogar ihr gesamtes Vermögen. Sie wollte den Muttertag wieder abschaffen. Weil sie das Gefühl hatte, dass seine eigentliche Bedeutung verloren gegangen war. Und irgendwie berührt mich das sehr. Weil es zeigt, wie schnell etwas Schönes seine ursprüngliche Seele verlieren kann. 1948 starb Anna Jarvis einsam und verbittert in einem Pflegeheim. Und vielleicht liegt gerade darin eine stille Tragik. Dass eine Frau einen Tag erschuf, der eigentlich Liebe und Dankbarkeit ausdrücken sollte und später zusehen musste, wie daraus immer mehr ein Geschäft wurde.

Wann wurde Liebe so anstrengend?

Je älter ich werde, desto mehr fällt mir auf, wie viel Druck mittlerweile auf besonderen Tagen liegt. Nicht nur auf Müttern. Auf allen. Valentinstag. Geburtstage. Weihnachten. Jahrestage. Überall scheint es plötzlich darum zu gehen, etwas „Besonderes genug“ zu machen. Als würden kleine Gesten nicht mehr reichen.

Dabei frage ich mich manchmal: Seit wann muss Liebe eigentlich bewiesen werden? Und warum glauben wir so oft, dass ein teures Geschenk automatisch mehr Bedeutung hat als echte gemeinsame Zeit? Vielleicht, weil wir alle müde geworden sind.

Müde vom Alltag. Vom Funktionieren. Vom Schnellsein. Und manchmal versuchen wir dann, Gefühle mit Dingen auszugleichen. Doch ich glaube nicht, dass Menschen sich am Ende an den Preis eines Geschenks erinnern. Ich glaube, Menschen erinnern sich an Gefühle. An gemeinsame Nachmittage. An Gespräche. An ehrliche Nähe. Vielleicht erinnern sich Kinder später viel eher daran, dass ihre Mutter mit ihnen Eis essen gegangen ist, als an irgendein teures Geschenk.

Das wertvollste Geschenk ist oft Zeit

Als mein kleines Exemplar heute so unbedingt etwas schenken wollte, wurde mir genau das wieder bewusst. Kinder schenken aus Liebe. Nicht aus Pflicht. Nicht aus Erwartung. Sie basteln schiefe Herzen, pflücken Blumen oder malen Bilder und in ihrer Welt ist genau das genug.

Vielleicht verlieren wir Erwachsenen irgendwann dieses einfache Verständnis davon, was wirklich zählt. Denn Zeit ist heute etwas geworden, das vielen Menschen fehlt. Wir hetzen durch Tage. Von Termin zu Termin. Von Aufgabe zu Aufgabe.

Und manchmal verbringen Menschen zwar Zeit miteinander, aber kaum noch echte Zeit. Dabei ist Zeit das Einzige, was sich niemals zurückholen lässt. Vielleicht wäre genau das der schönste Muttertag: Nicht der teuerste Blumenstrauß. Nicht das perfekte Geschenk. Sondern wirkliche Aufmerksamkeit. Ein gemeinsamer Spaziergang. Ein Gespräch ohne Handy. Ein Nachmittag ohne Stress. Ein ehrliches „Schön, dass es dich gibt.“

Vielleicht sollten wir wieder bewusster schenken

Ich glaube nicht, dass Geschenke grundsätzlich etwas Schlechtes sind. Blumen können wunderschön sein. Kleine Aufmerksamkeiten auch. Aber vielleicht geht es darum, warum wir schenken.

Nicht aus Druck. Nicht aus Pflichtgefühl. Sondern aus echter Wertschätzung. Vielleicht sollten wir wieder lernen, bewusster zu schenken. Bewusster zu lieben. Bewusster zu leben.

Denn Liebe zeigt sich oft nicht in großen Dingen. Sondern in kleinen Gesten mitten im Alltag. Im Zuhören. Im Zeitnehmen. Im Dasein. Und vielleicht vergessen wir genau das manchmal zwischen Werbung, Konsum und all diesen Bildern davon, wie perfekte Tage aussehen sollen.

Muttersein besteht aus so viel mehr

Gerade am Muttertag denke ich oft daran, wie viel Mütter eigentlich täglich leisten. Nicht nur sichtbar. Sondern vor allem unsichtbar. Das Mitdenken. Das Sorgen.

Das emotionale Tragen. Mütter organisieren nicht nur Tage. Sie tragen oft ganze Stimmungen einer Familie mit. Und trotzdem erwarten viele Mütter gar keine großen Dinge. Oft wünschen sie sich einfach nur Nähe. Dankbarkeit. Zeit.

Vielleicht ist das etwas, das wir viel häufiger sagen sollten: Dass Menschen wichtig sind, solange wir sie noch bei uns haben. Nicht erst später. Nicht irgendwann. Jetzt.

Vielleicht liegt genau darin der eigentliche Sinn dieses Tages

Nicht im Kaufen. Nicht im Perfektsein. Sondern im Erinnern. Daran, wie wertvoll Menschen sind. Wie kostbar gemeinsame Zeit ist. Und dass Liebe oft viel stiller ist, als Werbung sie uns zeigt. Vielleicht sollten wir deshalb wieder anfangen, solche Tage einfacher zu machen. Weniger Erwartungen. Weniger Druck. Mehr echtes Leben. Denn manchmal reicht tatsächlich schon ein Eis in der Sonne.

Ein ehrliches Gespräch. Oder das Gefühl, gemeinsam Zeit zu verbringen. Und vielleicht sind genau das am Ende die Momente, die bleiben. Nicht die Dinge, die gekauft wurden. Sondern die Augenblicke, die sich nach Zuhause angefühlt haben.

Und während du vielleicht gerade an deine eigene Mutter denkst, an einen gemeinsamen Moment oder an Menschen, denen du viel öfter sagen möchtest, wie wichtig sie dir sind, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, lächelt warm und flüstert:

„Vielleicht sind die wertvollsten Geschenke niemals die teuersten, sondern die Momente, in denen Menschen sich wirklich Zeit füreinander schenken.“

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Wenn Freiheit leise verschwindet- Gedanken zu The Handmaid’s Tale

Manche Serien enden mit dem Abspann.

Und manche bleiben still irgendwo im Kopf zurück. Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch.

Du schaust etwas und Tage später denkst du plötzlich wieder daran. Nicht an eine bestimmte Szene. Nicht an ein Zitat. Sondern an dieses Gefühl, das geblieben ist.

Genau so ging es mir mit The Handmaid’s Tale. Ich habe die Serie nicht nur einmal geschaut. Ich schaue sie gerade ein zweites Mal.

Und vielleicht berührt sie mich gerade deshalb noch tiefer. Denn beim ersten Anschauen sieht man vor allem die Härte dieser Welt. Die Kontrolle. Die Angst. Die Ungerechtigkeit.

Doch beim zweiten Mal habe ich angefangen, viel stärker auf die Menschen zu achten. Auf die Frauen. Frauen, die einmal mitten im Leben standen. Frauen mit Kindern, Ehemännern, Berufen und Träumen. Frauen, die gelacht haben, Entscheidungen getroffen haben und eine Stimme hatten. Frauen, die jemand waren.

Und plötzlich leben sie in einem System, das versucht, all das auszulöschen. Ich glaube, genau dieser Kontrast hat mich so wachgerüttelt.

Denn wenn wir ehrlich sind, leben viele Frauen heute in einer Welt voller Möglichkeiten. Natürlich ist nicht alles perfekt. Natürlich gibt es noch immer Ungleichheiten, Erwartungen und Druck. Aber trotzdem haben viele Frauen heute Freiheiten, für die andere Generationen kämpfen mussten.

Die Freiheit, selbst zu entscheiden. Zu arbeiten. Zu lieben, wen man möchte. Sich weiterzuentwickeln. Nein zu sagen. Eigene Wege zu gehen. Und manchmal vergessen wir vielleicht im Alltag, wie wertvoll das eigentlich ist. Weil Freiheit leise geworden ist. Selbstverständlich. Normal.

Vielleicht hat mich die Serie deshalb so getroffen, weil sie genau diesen Gedanken plötzlich sichtbar macht. Wie schnell Menschen etwas verlieren können, das vorher ganz selbstverständlich wirkte. Und das Erschreckende daran ist nicht nur die dystopische Welt der Serie. Sondern wie real manche Gefühle darin wirken. Diese Angst. Diese Kontrolle. Dieses langsame Verschieben von Grenzen.

Nicht alles passiert plötzlich. Vieles geschieht schleichend. Vielleicht ist genau das der Grund, warum einen diese Geschichte so lange beschäftigt. Doch je länger ich die Serie gesehen habe, desto weniger ging es für mich nur um Unterdrückung.

Denn mitten in all dieser Dunkelheit gibt es etwas, das mich fast noch mehr berührt hat: Die unglaubliche Stärke der Frauen. Und dabei meine ich nicht nur die offensichtlichen Kämpferinnen. Nicht nur die Frauen, die rebellieren oder laut Widerstand leisten. Sondern alle. Die Frauen, die versuchen zu überleben. Die Frauen, die funktionieren, weil sie Angst haben. Die Frauen, die sich selbst irgendwo verloren haben. Und die Frauen, die langsam wieder anfangen, sich selbst zu finden.

Vielleicht ist genau das so menschlich an dieser Serie. Denn nicht jeder Mensch kämpft laut. Nicht jeder Mensch rebelliert sichtbar. Manche Menschen kämpfen einfach, indem sie morgens wieder aufstehen. Und genau das zeigt die Serie unglaublich ehrlich.

Es gibt Frauen dort, die weiterhin das tun, was von ihnen verlangt wird. Frauen, die sich angepasst haben, vielleicht aus Angst, vielleicht aus Gewohnheit oder einfach, weil sie keinen anderen Weg mehr sehen. Und trotzdem spürt man oft, dass tief in ihnen noch etwas lebt. Ein Gedanke. Eine Erinnerung. Ein Wunsch nach Freiheit. Dann gibt es die Frauen, die beginnen, sich selbst wiederzufinden. Die anfangen zu hinterfragen. Die merken, dass irgendwo unter all der Angst noch immer ihre eigene Persönlichkeit existiert.

Und dann gibt es die Kämpferinnen. Die Frauen, die sich weigern, innerlich aufzugeben. Die rebellisch bleiben. Die riskieren. Die trotz allem versuchen, ihre Würde zu behalten.

Was mich daran so berührt hat, ist die Tatsache, dass Stärke dort ganz unterschiedlich aussieht. Und vielleicht ist das auch im echten Leben so. Nicht jede starke Frau ist laut. Nicht jede starke Frau kämpft sichtbar. Manche Stärke zeigt sich in kleinen Dingen. Im Durchhalten. Im Mitgefühl. Im Weitermachen. Oder darin, sich selbst nicht vollständig zu verlieren.

Während ich die Serie geschaut habe, musste ich oft darüber nachdenken, wie schnell Menschen anfangen, nur noch ihre Rollen zu sehen. Die Ehefrau. Die Mutter. Die Dienerin. Die Gehorsame. Doch hinter jeder Rolle steckt ein Mensch mit Erinnerungen, Gefühlen und einer eigenen Geschichte. Und vielleicht erinnert uns die Serie genau daran. Dass Menschen niemals nur eine Funktion sind.

Was mich ebenfalls unglaublich bewegt hat, waren die Freundschaften, die sich entwickelt haben. Mitten in Angst. Mitten in Kontrolle. Mitten in Schmerz. Und vielleicht wirken gerade deshalb diese Verbindungen so intensiv. Denn selbst dort suchen Menschen wieder Nähe. Manchmal entstehen diese Freundschaften vorsichtig. Manchmal aus Misstrauen. Manchmal sogar nur, weil Menschen einander brauchen, um überhaupt zu überleben. Und trotzdem wird daraus etwas Echtes. Das fand ich unglaublich faszinierend. Dass selbst ein System, das Menschen voneinander trennen will, es nicht vollständig schafft, ihre Menschlichkeit zu zerstören.

Menschen finden trotzdem zueinander. Mit Blicken. Mit kleinen Gesten. Mit Vertrauen. Mit stiller Loyalität. Vielleicht ist genau das die größte Stärke dieser Frauen. Nicht nur, dass sie kämpfen. Sondern dass sie sich gegenseitig nicht vollkommen alleine lassen. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass The Handmaid’s Tale eigentlich weniger über Angst erzählt und mehr über Menschlichkeit unter Druck. Darüber, wie Menschen sich verändern. Aber auch darüber, was in ihnen bleibt.

Und vielleicht beschäftigt mich genau das so sehr. Denn wenn man die Serie schaut, fragt man sich automatisch auch selbst: Wie selbstverständlich nehme ich meine Freiheit eigentlich wahr? Wie oft denke ich darüber nach, eigene Entscheidungen treffen zu dürfen? Wie oft vergesse ich, was Frauen heute alles erreichen können?

Vielleicht ist das einer der wichtigsten Gedanken, die ich aus dieser Serie mitnehme: Dass Freiheit nicht laut sein muss, um wertvoll zu sein. Sie steckt oft in den kleinen Dingen. In der Möglichkeit, man selbst sein zu dürfen. Die eigene Meinung auszusprechen. Zu lieben. Zu träumen. Sich zu entwickeln. Oder einfach frei entscheiden zu dürfen, welchen Weg man gehen möchte. Und gleichzeitig zeigt die Serie etwas, das mich emotional tief berührt hat:

Dass Menschen selbst in den dunkelsten Situationen versuchen, Licht füreinander zu bleiben. Nicht perfekt. Nicht heldenhaft. Sondern menschlich. Vielleicht macht genau das diese Geschichte so intensiv. Nicht die Gewalt allein. Nicht die Kontrolle allein. Sondern die Tatsache, dass mitten darin trotzdem Hoffnung entsteht. In Freundschaften. In kleinen mutigen Momenten. In Frauen, die sich gegenseitig erinnern, wer sie wirklich sind.

Und während du vielleicht gerade selbst über Freiheit, Stärke oder die Frauen in deinem eigenen Leben nachdenkst, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, schaut dich ruhig an und flüstert:

„Vielleicht beginnt wahre Stärke oft nicht dort, wo Menschen keine Angst mehr haben, sondern dort, wo sie trotz ihrer Angst füreinander Mensch bleiben.“

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Scham- warum wir wieder lernen müssen zu sprechen

Scham. Ein Gefühl, das eigentlich überall ist. Und trotzdem spricht kaum jemand wirklich darüber. Vielleicht, weil Scham selbst schon Schambehaftet geworden ist. Denn heute wirkt es oft so, als dürfte man sich gar nicht mehr schämen.Als wäre Scham automatisch: Schwäche, Unsicherheit, mangelndes Selbstbewusstsein oder etwas, das man schnell „weg therapieren“ muss. Aber ich frage mich immer öfter: Was passiert eigentlich mit uns Menschen, wenn normale Scham keinen Platz mehr haben darf? Denn wenn ich ehrlich bin, glaube ich: Jeder Mensch schämt sich. Und das ist etwas völlig Menschliches.

Ein Podcast, der mich nachdenklich gemacht hat

Neulich hörte ich einen unglaublich interessanten Podcast mit Dr. Stephan Marks. Er beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Scham. Und ich fand seine Gedanken faszinierend. Vor allem seine Aussagen darüber, wie Scham in schwierigen Zeiten, zum Beispiel im Krieg, bewusst benutzt und ausgenutzt wird. Denn Scham ist ein unglaublich starkes Gefühl. Sie kann Menschen klein machen. Kontrollieren. Manipulieren. Zerstören. Und genau deshalb ist es so wichtig, sie zu verstehen.

Wir nennen es oft gar nicht mehr Scham

Denn eigentlich begegnet uns Scham jeden Tag. Nur benennen wir sie oft nicht so. Wenn uns etwas unangenehm ist. Wenn wir einen Fehler gemacht haben. Wenn wir uns bloßgestellt fühlen. Wenn wir merken: Das hätte ich anders machen sollen. Ist das nicht oft genau Scham? Und ist das wirklich nur schlecht?

Früher war Scham auch ein Teil von Lernen

Wenn ich mich für mein Verhalten schäme, dann denke ich darüber nach. Ich reflektiere. Vielleicht mache ich diesen Fehler nicht noch einmal. So haben wir es früher oft gelernt. Aber gleichzeitig wurde Scham früher auch missbraucht. Und genau dort wird das Thema kompliziert. Denn viele Menschen verbinden Scham sofort mit: Bloßstellung. Demütigung. Verletzung. Und leider gab es davon früher genug.

Erinnerungen aus der Schule

Früher mussten Kinder manchmal vor der ganzen Klasse in der Ecke stehen. Oder Lehrer nannten Schüler „dumm“, wenn sie etwas nicht wussten. Noch weiter zurück gab es den Zeigestock der auf die Finger der Kinder flog. Wenn ich heute darüber nachdenke, finde ich das schlimm. Denn dort wurde Scham nicht benutzt, um Reflexion zu fördern. Sondern um Macht auszuüben. Und genau das hinterlässt Spuren.

Heute gehen wir den anderen Weg

Heute versucht man eher, niemanden bloßzustellen. Es wird oft jemand anderes drangenommen. Niemand soll sich unangenehm fühlen. Ob das der absolut richtige Weg ist, ist auch fraglich.  Und grundsätzlich verstehe ich diesen Gedanken natürlich. Aber manchmal frage ich mich trotzdem: Verlieren wir dadurch vielleicht auch etwas Wichtiges? Denn ist es wirklich sinnvoll, unangenehme Gefühle komplett zu vermeiden? Oder wäre es vielleicht wichtiger, Kindern beizubringen: wie man mit solchen Gefühlen umgeht?

Selbstreflexion statt Bloßstellung

Denn genau dort sehe ich den Unterschied. Es geht nicht darum, Menschen zu demütigen. Nicht darum, sie klein zu machen. Sondern darum, Selbstreflexion zu lernen. Und ehrlich? Ich finde Selbstreflexion unglaublich wichtig. Gerade später im Beruf. Denn dort begegnen wir ständig Situationen, in denen wir: Fehler machen, falsch reagieren, Dinge übersehen, uns verbessern müssen. Und dafür braucht es die Fähigkeit, sich selbst ehrlich anzuschauen. Aber sich selbst ehrlich anzuschauen erfordert oft sehr viel Mut. 

Scham in der Pflege

Besonders deutlich sehe ich das Thema Scham in meinem Beruf. In der Pflege. Dort begegnet uns Scham jeden Tag. Und trotzdem wird kaum darüber gesprochen. Vielleicht, weil vieles inzwischen so selbstverständlich geworden ist. Aber genau das macht mir manchmal Sorgen.

Eine Situation aus dem Pflegealltag

Stell dir vor: Du bist Pflegekraft. Du bekommst einen neuen Bewohner oder eine neue Bewohnerin. Am nächsten Morgen gehst du ganz selbstverständlich in die Wohnung. Du hilfst beim Waschen. Natürlich auch im Intimbereich. Für Pflegekräfte gehört das zum Alltag. Aber was ist eigentlich mit der Person gegenüber? Was denkt sie in diesem Moment? Schämt sie sich? Hat sie Angst? Fühlt sie sich ausgeliefert? Oder hat sie längst aufgehört, etwas zu sagen, weil sie glaubt, keine Wahl mehr zu haben? Ich habe gerade erst so eine Situation erlebt. Eine Bewohnerin hat sich nass gemacht obwohl sie eine Vorlage trug, aber sie Hose war nass. Ich habe alles mit einem Lächeln und ohne es zu kommentieren Weg gemacht. Und sie sagte: „Ich schäme mich so“. Sofort kamen mir meine Worte in den Kopf. Und anstatt zu sagen, sie brauchen sich nicht zu schämen, sagte ich: „Ich verstehe Sie“. Und es ging mir noch etwas durch den Kopf. Wenn ich gesagt hätte, sie brauchen sich nicht schämen, dann wäre es nicht richtig gewesen. Denn ich hätte mich in der Situation auch geschämt. Und manchmal ist es gut, das wir über unsere Wörter mehr nachdenken. Auch wenn sie für uns selbstverständlich sind und wir es nur gut meinen. 

Der Mensch hinter der Pflege

Ich glaube, genau das vergessen wir manchmal. Weil Pflege oft unter Zeitdruck stattfindet. Weil alles funktionieren muss. Weil Abläufe eingehalten werden. Und weil wir irgendwann anfangen, Dinge nur noch praktisch zu sehen. Aber dort steht immer noch ein Mensch. Ein Mensch mit: Grenzen. Würde. Gefühlen. Scham. Und vielleicht ist genau das etwas, das in unserer Gesellschaft langsam verloren geht: der Blick für die Verletzlichkeit anderer Menschen.

Früher mussten wir uns hineinfühlen

In meiner Ausbildung vor fast zwanzig Jahren hatten wir noch Selbstexperimente. Wir sollten uns hineinfühlen in Menschen, die gepflegt werden. Wir sollten verstehen: wie es sich anfühlt, abhängig zu sein. Und ehrlich? Das war unglaublich wichtig. Denn Pflege ist nicht nur Versorgung. Pflege ist Nähe. Vertrauen. Würde. Und genau dort spielt Scham eine riesige Rolle.

Was passiert, wenn Zeit verschwindet?

Heute fehlt oft genau dafür die Zeit. Gespräche werden weniger. Vertrauen aufzubauen wird schwer. Der Mensch wird immer häufiger: ein Fall. ein Bewohner. eine Nummer. ein finanzieller Faktor. Und wenn Zeit verschwindet, verschwindet oft auch der Blick für Gefühle. Dann wird schnell gesagt: „Du brauchst dich nicht schämen.“ Aber ist Scham nicht eigentlich etwas völlig Menschliches?

Was geht verloren, wenn Scham keinen Platz mehr hat?

Diese Frage beschäftigt mich sehr. Denn was passiert eigentlich, wenn wir Menschen das Gefühl geben: Du darfst dich nicht schämen. Verlieren wir dann vielleicht: Feingefühl? Grenzen? Rücksicht? Selbstreflexion? Denn Scham ist nicht immer nur negativ. Manchmal schützt sie auch etwas. Unsere Intimsphäre. Unsere Würde. Unser Innerstes.

Scham und die heutige Gesellschaft

Heute wird unglaublich viel Geld mit Scham verdient. Vielleicht mehr denn je. Du schämst dich für Pickel? Hier ist die passende Creme. Du schämst dich für deinen Körper? Dann lass etwas operieren. Zu viele Falten? Zu alt? Zu wenig perfekt? Dann gibt es: Botox. Anti-Faltencremes. Schönheitsbehandlungen. Filter. Optimierungsprogramme. Tik Tok. Ich hab ja schon Mal erwähnt das ich social Media sehr mag und es viel nutze und auch KI fi den ich super, wenn man es richtig nutzt. Aber was ich wirklich gefährlich finde, sind die Menschen die sich dort als etwas ausgeben was sie nicht sind. Für Jugendliche, die noch nicht unterscheiden können, was echt ist und was nicht, was wirklich wichtig ist und wo ihr eigener Selbstwert liegt.  Und überall schwingt dieselbe Botschaft mit: Wenn du das veränderst, musst du dich nicht mehr schämen.

Aber endet Scham wirklich durch Perfektion?

Ich glaube nicht. Denn wenn Menschen lernen, sich nur dann wertvoll zu fühlen, wenn sie „perfekt“ wirken… dann entsteht oft etwas Gefährliches. Ein ständiger Kampf gegen sich selbst. Gegen das Älterwerden. Gegen Fehler. Gegen Natürlichkeit. Und vielleicht verlieren wir dadurch immer mehr die Fähigkeit, uns selbst als Mensch anzunehmen.

Scham ist nicht immer der Feind

Ich glaube, wir müssen anfangen, Scham differenzierter zu betrachten. Denn es gibt: zerstörerische Scham und gesunde Scham. Zerstörerische Scham macht Menschen klein. Sie verletzt. Sie entwürdigt. Sie erzeugt Angst. Aber gesunde Scham? Die hilft uns manchmal: Grenzen wahrzunehmen, respektvoll zu bleiben, unser Verhalten zu reflektieren, die Gefühle anderer zu erkennen

Dort, wo Scham beginnt, beginnt auch der Mensch

Dieser Gedanke beschäftigt mich besonders: Dort, wo Scham beginnt, beginnt der Mensch. Denn Scham zeigt oft: Hier ist etwas verletzlich. Etwas Persönliches. Etwas, das geschützt werden möchte. Und vielleicht können wir Menschenwürde nur wirklich verstehen, wenn wir auch Scham verstehen. Nicht verdrängen. Nicht weglächeln. Nicht verbieten. Sondern zulassen. Darüber sprechen.

Vielleicht brauchen wir wieder mehr Menschlichkeit

Vielleicht leben wir in einer Zeit, in der Menschen ständig stark wirken wollen. Perfekt. Selbstbewusst. Unangreifbar. Aber genau dadurch verlieren wir manchmal den Zugang zu den leisen Gefühlen. Zu den verletzlichen Seiten des Menschseins. Und vielleicht gehört Scham genau dazu.

Und jetzt du

Wann hast du dich das letzte Mal geschämt? Und war diese Scham wirklich nur schlecht? Oder wollte sie dir vielleicht etwas zeigen? Eine Grenze. Ein Gefühl. Eine Verletzlichkeit. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Frage: Müssen wir Scham wirklich loswerden? Oder sollten wir vielleicht einfach lernen, besser mit ihr umzugehen?

Und während du vielleicht gerade über Situationen nachdenkst, die dir unangenehm waren oder in denen du dich klein gefühlt hast, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, schaut dich ruhig an und flüstert:

„Vielleicht macht uns nicht das Fehlen von Scham menschlich, sondern die Fähigkeit, mit ihr würdevoll umzugehen.“

Schön das du hier bist 🩶