Heute Morgen saß mein Exemplar vor mir und sagte, dass sie Bauchschmerzen hat. Als Mutter weiß man irgendwann, dass Bauchschmerzen nicht immer aus dem Bauch kommen. Manchmal kommen sie aus dem Kopf. Manchmal aus dem Herzen. Und manchmal aus Worten. Worten, die andere Menschen in den Mund nehmen und die dort vielleicht niemals hätten hineingehören sollen. Sie wollte nicht in die Schule. Nicht wegen einer Klassenarbeit. Nicht wegen schlechter Noten. Sondern wegen der Jungs. Wegen der Dinge, die manche Jungs zu den Mädchen sagen. Worte, die ich selbst nicht einmal gerne ausschreibe. Schimpfwörter. Beleidigungen. Abwertungen. Und Worte, die kein Mädchen über sich hören sollte. Natürlich weiß ich als Erwachsene, dass diese Jungen oft selbst unsicher sind. Dass sie Grenzen austesten. Dass sie dazugehören wollen. Dass sie manchmal Dinge sagen, deren Bedeutung sie selbst nicht einmal vollständig verstehen. Aber weißt du was? Das macht die Worte nicht weniger verletzend. Denn auf der anderen Seite sitzt ein Mädchen. Ein Mädchen, das gerade erst herausfindet, wer es eigentlich ist. Ein Mädchen, das morgens vor dem Spiegel steht und sich fragt, ob die Haare heute sitzen. Ob die Pickel auffallen. Ob die Hose komisch aussieht. Ob die anderen sie mögen. Und dann kommt jemand daher und wirft Worte nach ihr, als wären sie bedeutungslos. Sind sie aber nicht. Worte haben Gewicht. Vor allem in einem Alter, in dem man sich selbst noch sucht. Ich würde meinem Exemplar gerne all das ersparen. Wirklich. Ich würde ihr gerne meine Lebenserfahrung in die Schultasche packen. Zwischen Matheheft und Brotdose. Damit sie jederzeit darauf zurückgreifen kann. Aber so funktioniert das Leben leider nicht. Zwischen ihr und mir liegen Jahrzehnte. Erfahrungen. Fehler. Enttäuschungen. Und Erkenntnisse. Erkenntnisse, die man oft erst bekommt, wenn man älter wird. Eine davon lautet: Du musst dir nicht alles gefallen lassen. Nicht heute. Nicht morgen. Und nicht irgendwann. Vor allem nicht von Menschen, die gar nicht wissen, wer du wirklich bist. Und deshalb möchte ich heute etwas zu den Mädchen sagen. Zu meinem Exemplar. Und zu allen anderen Mädchen da draußen. Wenn ein Junge dich beleidigt, macht dich das nicht zu dem, was er sagt. Wenn jemand versucht, dich klein zu machen, wirst du dadurch nicht kleiner. Wenn jemand deinen Wert nicht erkennt, verliert nicht du deinen Wert. Sondern er zeigt nur, dass er ihn nicht sehen kann. Und ganz ehrlich? Ihr müsst euch das nicht sagen lassen. Nicht von Jungs, die es nicht einmal wert sind, dass ihr euch in zehn Jahren noch an ihren Namen erinnert. Nicht von Jungs, die heute laut sind und morgen keine Rolle mehr in eurem Leben spielen. Nicht von Menschen, die ihre eigene Unsicherheit auf andere werfen wie Konfetti. Denn die Wahrheit ist: Die meisten dieser Menschen werden irgendwann verblassen. Die Erinnerungen an sie werden verblassen. Ihre Meinung wird verblassen. Ihr Name wird verblassen. Aber ihr bleibt. Ihr lebt mit euch selbst euer ganzes Leben. Deshalb ist eure eigene Meinung über euch so viel wichtiger als die irgendeines Jungen auf einem Schulhof. Ich weiß, dass das schwer ist. Ich weiß, dass man mit dreizehn nicht einfach beschließt, sich nichts mehr zu Herzen zu nehmen. Das konnte ich damals auch nicht. Wir alle wollten dazugehören. Wir alle wollten gemocht werden. Wir alle haben Dinge geglaubt, die andere über uns gesagt haben. Aber wenn ich heute zurückblicke, dann weiß ich etwas ganz sicher: Keiner der Menschen, die mich damals verletzt haben, bestimmt heute mein Leben. Keiner. Und die meisten könnte ich wahrscheinlich nicht einmal mehr auf der Straße erkennen. Deshalb wünsche ich meinem Exemplar etwas anderes. Nicht, dass sie niemals verletzt wird. Das kann ich ihr leider nicht versprechen. Ich wünsche ihr, dass sie lernt, ihren eigenen Wert zu kennen. Dass sie lernt, sich selbst zu vertrauen. Und dass sie eines Tages erkennt, dass die Meinung der falschen Menschen niemals wichtiger sein darf als die eigene.
Und während du vielleicht gerade selbst ein Mädchen bist, das an sich zweifelt, oder eine Mutter, die ihr Kind stark machen möchte, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel auf einer Schulbank, baumelt mit den Beinen und flüstert:
„Die Menschen, die wirklich wichtig werden in deinem Leben, werden dich niemals klein machen, damit sie größer wirken. Und die Menschen, die das tun, sind oft nicht einmal die Mühe wert, sich ihren Namen zu merken.“
Für alle Frauen, die morgens um 4 Uhr aufstehen, mittags funktionieren müssen und abends trotzdem noch wissen wollen, wo sie ihre Autoschlüssel hingelegt haben.
Zutaten Findest du oben auf dem Bild. Du kannst auch anderes Proteinpulver nehmen, so wie es dein Geschmack hergibt.
Was die Wechseljahre dazu sagen: ▫️Hitzewallung: „Brauchen wir wirklich Brot?“
▫️Nachmittagstief: „Ja. Und zwar sofort.“
Zubereitung
Möhren raspeln. Lauchzwiebeln schneiden. Quark und Eier verrühren. Haferflocken und den ganzen Rest unterheben. Alles zusammenrühren.
Wichtig: Nicht wundern. Der Teig sieht aus, als hätte ein Kaninchen und ein Bodybuilder gemeinsam gekocht. In die Silikonform geben.
25–30 Minuten in die Heißluftfritteuse bei 160 Grad.
Während das Brot backt ✔️ Küche aufräumen ✔️ Kaffee trinken ✔️ Kurz vergessen, warum man eigentlich in die Küche gekommen ist Ergebnis Ein Brot, das: ✅ satt macht ✅ Eiweiß liefert ✅ morgens um 4 Uhr keinen Stress verursacht, wenn man es einen Tag vorher zubereitet ✅ länger durchhält als manche Motivation am Montag
Stephanie testet… ⭐⭐⭐⭐⭐ Protein-Gemüsebrot Schwierigkeitsgrad: Auch machbar mit einer Gehirnzelle vor dem ersten Kaffee. Familientest: Tochter hat gefragt, ob noch welches da ist. Wechseljahre-Test: Kein Heißhunger bis zum Mittag. Küchenchaos-Faktor: 3 von 10 Möhrenraspeln.
Ich liebe Essen. Wirklich. Ich liebe Essen eindeutig mehr als Menschen. Zumindest an manchen Tagen. Vor allem dann, wenn Menschen anstrengend sind und Essen nicht zurückredet. Essen diskutiert nicht. Essen hinterfragt meine Entscheidungen nicht. Essen rollt nicht mit den Augen, wenn ich zum dritten Mal dieselbe Geschichte erzähle. Essen ist einfach da. Zuverlässig. Verständnisvoll. Und meistens sehr lecker.
Sport hingegen… Nun ja. Sport und ich führen seit Jahren eine sehr komplizierte Beziehung. Genauer gesagt führt der Sport die Beziehung. Und ich versuche ihm aus dem Weg zu gehen. Natürlich weiß ich, dass Bewegung wichtig ist. Natürlich weiß ich, dass man etwas für seinen Körper tun sollte. Aber wenn ich die Wahl habe zwischen einer Stunde auf dem Crosstrainer und einem gemütlichen Abend auf dem Sofa mit einer Tasse Tee, dann gewinnt der Tee. Jedes Mal. Mit großem Abstand.
Nun sind die Wechseljahre allerdings äußerst kreativ, wenn es darum geht, uns auf neue Ideen zu bringen. Plötzlich funktioniert der Körper anders. Dinge, die früher problemlos liefen, laufen plötzlich überhaupt nicht mehr. Der Stoffwechsel macht sein eigenes Ding. Die Energie schwankt. Und die Waage scheint nachts heimlich neue Zahlen zu würfeln.
Irgendwann kam deshalb auch bei mir der Punkt, an dem ich dachte: Vielleicht sollte ich mir meine Ernährung einmal genauer anschauen und meine Ernährung umstellen. Und ich meine damit nicht den klassischen Wechsel vom Kühlschrank zum Stubentisch. Das beherrsche ich bereits auf olympischem Niveau. Nein. Ich meine wirklich Ernährung.
Also setzte ich mich hin. Soweit mein Urteilsvermögen das zuließ. Und begann nach Lösungen zu suchen. Dabei bin ich auf die Marke More gestoßen. Keine Werbung. Einfach meine persönliche Erfahrung.
Das Lustige ist, dass ich mit solchen Produkten früher immer meine Schwierigkeiten hatte. Diese typischen Shakes. Pulver. Getränke. Alles, was man anrühren muss. Das Problem war nicht einmal die Idee dahinter. Das Problem war der Geschmack. Oder eher mein Gesichtsausdruck beim Trinken. Denn viele dieser Produkte schmeckten für mich ungefähr so attraktiv wie Tapetenkleister. Und wer mich kennt, weiß: Ich esse gerne. Ich kaue gerne. Ich möchte das Gefühl haben, wirklich etwas gegessen zu haben. Ein Shake ersetzt für mich kein Essen. Ein Shake macht mich nicht glücklich. Und unglücklich möchte ich in den Wechseljahren nun wirklich nicht auch noch sein.
Deshalb begann ich, meinen eigenen Weg zu suchen. Meinen eigenen Ernährungsplan. Ohne Verbote. Ohne Hungern. Ohne das Gefühl, ständig auf etwas verzichten zu müssen. Denn genau da liegt für mich der wichtigste Punkt. Eine Ernährungsumstellung muss zum Leben passen. Nicht umgekehrt. Was bringt mir der perfekte Ernährungsplan, wenn ich ihn nach drei Tagen hasse? Was bringt mir eine Diät, wenn ich dabei dauerhaft schlechte Laune habe? Davon hat niemand etwas. Weder ich. Noch mein Umfeld. Und glaubt mir:
Eine Frau in den Wechseljahren mit Hunger sollte man grundsätzlich nicht provozieren.
Für mich war deshalb schnell klar: Das gemeinsame Abendessen mit meinem Exemplar bleibt. Punkt. Das ist unsere Zeit. Unsere wichtigste Mahlzeit. Dort wird geredet. Gelacht. Diskutiert. Manchmal auch verhandelt. Und genau deshalb wollte ich daran nichts verändern.
Also habe ich angefangen, die anderen Mahlzeiten anzupassen. Mehr Eiweiß. Mehr Proteine. Mehr Lebensmittel, die lange satt machen. Mehr Dinge, die meinem Körper guttun. Und tatsächlich bietet More dafür viele Möglichkeiten. Vor allem für Menschen wie mich, die lieber essen als trinken.
Mein Exemplar zieht übrigens erstaunlich gut mit. Manche Produkte mag sie sogar selbst. Das macht die Sache natürlich deutlich einfacher. Wobei Jugendliche ohnehin faszinierende Wesen sind. Manchmal verweigern sie Gemüse mit der Leidenschaft eines Freiheitskämpfers. Und am nächsten Tag essen sie freiwillig proteinreiche Snacks. Verstehen muss man das nicht. Man muss es einfach akzeptieren.
Was ich aber wirklich gelernt habe: Die Wechseljahre sind kein Wettkampf. Es geht nicht darum, möglichst schnell möglichst viel abzunehmen. Es geht nicht darum, perfekt zu essen. Es geht auch nicht darum, sich jeden Genuss zu verbieten. Es geht darum, sich wohlzufühlen. Im eigenen Körper. Im eigenen Alltag. Im eigenen Leben.
Und manchmal bedeutet das eben auch, einen proteinreichen Frühstücksquark zu essen und abends trotzdem gemeinsam mit seinem Kind eine warme Mahlzeit zu genießen. Manchmal bedeutet Gesundheit nicht Verzicht. Sondern Balance. Deshalb möchte ich euch in den nächsten Wochen und Monaten gerne mitnehmen. Auf meine ganz persönliche Reise. Durch Rezepte. Durch Erfahrungen. Durch kleine Erfolge. Und vermutlich auch durch einige lustige Fehlversuche. Denn nicht jedes Rezept wird ein Meisterwerk werden. Manches wird wahrscheinlich aussehen wie ein biologisches Experiment. Aber genau das gehört dazu. Am Ende geht es nicht darum, perfekt zu sein. Sondern darum, Wege zu finden, die zu uns passen. Denn Ernährung sollte uns stärken. Nicht stressen.
Und während du vielleicht gerade darüber nachdenkst, welche kleinen Veränderungen deinem Körper guttun würden, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel auf einer Heißluftfritteuse, knabbert zufrieden an einem proteinreichen Snack und flüstert:
„Vielleicht bedeutet gesund leben nicht, auf alles zu verzichten, was du liebst. Vielleicht bedeutet es einfach, besser auf das zu hören, was dein Körper gerade braucht. Und manchmal braucht er eben Eiweiß. Manchmal Ruhe. Und manchmal einfach ein gemeinsames Abendessen mit den Menschen, die wir lieben.“
Eigentlich wollte ich nur eine Eistruhe kaufen. Eine kleine. Eine wirklich kleine. Zumindest hatte ich mir das so vorgestellt. Nun muss man dazu sagen, dass meine Fähigkeiten in den Bereichen Größenverhältnisse, Maßeinschätzung und räumliches Vorstellungsvermögen ungefähr auf dem Niveau eines leicht verwirrten Goldfisches liegen. Auf Etsy sah die Truhe jedenfalls wunderbar klein aus. Perfekt für meinen selbstgebauten Marktplatz. Also bestellt. Voller Vorfreude. Und wie das Leben manchmal so spielt, kam sie an und war ungefähr dreimal größer als erwartet. Vielleicht auch viermal. Ich habe nicht nachgemessen. Das hätte ohnehin nichts geändert. Da stand sie nun. Groß. Rot.
Und definitiv zu groß für den Platz, für den sie eigentlich gedacht war. Normale Menschen hätten wahrscheinlich gedacht: „Mist. Falsch bestellt.“ Ich hingegen schaute die Truhe an und dachte: „Da könnte jemand drin wohnen.“ So entstehen wahrscheinlich Geschichten. Oder Wichtelwohnungen. Oder Mäusewohnungen. Die Grenzen sind fließend. Also holte ich meinen Dremel hervor. Wenn man einen Dremel in der Hand hält, wird man automatisch kreativ. Oder gefährlich. Manchmal beides gleichzeitig.
Ich bohrte ein Loch hinein. Dann noch eins. Und plötzlich entstand eine Idee. Eine kleine Wohnung. Mit einer Tür. Mit einer Leiter. Mit Möbeln aus Eisstielen. Und natürlich mit einem Bewohner. Eine kleine Maus zog ein. Später bekam sie sogar einen Mitbewohner. Denn wer möchte schon alleine in einer Eistruhe wohnen?
So wurde aus einer viel zu großen Eistruhe eine kleine Geschichte. Oder zumindest der Anfang einer. Denn die eigentliche Geschichte muss ich erst noch schreiben. Aber manchmal beginnt eine Geschichte lange bevor das erste Wort auf Papier landet. Manchmal beginnt sie mit einer Idee. Oder mit einer Eistruhe, die viel zu groß geliefert wurde. Während ich die kleine Wohnung baute, passierte etwas Merkwürdiges. Etwas, das mir oft passiert, wenn ich bastle. Erinnerungen kamen zurück. Nicht laut. Nicht aufdringlich. Eher wie alte Freunde, die plötzlich vor der Tür stehen.
Und alles begann mit Eis. Denn ich bin Mitte der Achtziger geboren. Also noch in der DDR. Und damals gab es etwas, das für mich zu den schönsten Kindheitserinnerungen gehört: Softeis. Dieses wunderbar cremige Softeis. Für uns war das etwas Besonderes. Nicht etwas, das man jeden Tag bekam. Sondern etwas, worauf man sich freute. In unserer Stadt gab es eine kleine Eisdiele. Die gibt es übrigens heute noch. Und dort bekam man dieses Softeis. Ich nahm immer Streusel dazu. Natürlich. Denn Streusel machten aus Eis etwas Magisches. Zumindest für Kinder. Eigentlich wahrscheinlich auch heute noch. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich mich noch dort stehen. Mit klebrigen Fingern. Viel zu glücklich. Und fest davon überzeugt, dass es nichts Besseres auf der Welt geben kann.
Dann kam die Wende. Und da zogen wir aufs Dorf. Dort wartete eine ganz andere Eiserinnerung auf mich. Der Eiswagen. Jeden Samstag. Pünktlich. Zuverlässig. Fast schon wie ein Naturgesetz. Und das Beste war: Man hörte ihn schon lange bevor man ihn sah. Irgendwo am Anfang des Dorfes erklang die Melodie. Und sofort wusste jedes Kind: Jetzt geht es los. Innerhalb weniger Sekunden setzte im gesamten Dorf hektische Betriebsamkeit ein. Kinder rannten los. Türen flogen auf. Eltern wurden gesucht. Und überall hörte man dieselbe Frage: „Kann ich fünfzig Pfennig haben?“ Es war völlig egal, was man gerade gemacht hatte. Hausaufgaben? Unwichtig. Fernsehen? Unwichtig. Spielen? Unwichtig. Der Eiswagen hatte oberste Priorität. Und dann stand man an der Straße. Mit seinem Geldstück fest in der Hand. Und hoffte, dass noch genug Eis da war. Heute würde man wahrscheinlich von einem Event sprechen. Für uns war es einfach Samstag. Die Sorten waren überschaubar. Vanille. Schoko. Erdbeere. Engelblau. Mehr brauchte kein Mensch. Zumindest kein Kind. Und trotzdem schmeckte jede Kugel nach Sommer. Nach Freiheit. Nach Ferien. Nach Kindheit.
Später kamen dann diese Eistruhen. Die großen von Langnese. Mit den bunten Bildern. Und natürlich mit dieser Werbung. „Like ice in the sunshine…“ Sobald die Werbung im Fernsehen lief, hatte man automatisch Lust auf Eis. Völlig egal, ob draußen dreißig Grad waren oder Regen gegen die Scheiben prasselte. Man wollte Eis. Sofort. Und wenn wir schon bei Erinnerungen sind: Da war auch noch Eis am Stiel. Diesen Film haben wir geschaut. Obwohl wir eigentlich noch viel zu jung dafür waren. Zumindest offiziell. Inoffiziell gehörte das wahrscheinlich zur Jugendkultur. Man verstand die Hälfte nicht. Aber man schaute ihn trotzdem. So wie alle anderen auch. Wenn ich heute darüber nachdenke, merke ich, dass Eis für viele Menschen viel mehr ist als nur eine kalte Süßigkeit. Eis ist Erinnerung. Eis ist Kindheit. Eis ist Sommer. Eis ist Familie. Eis ist dieses Gefühl, wenn man für einen kurzen Moment alles um sich herum vergisst. Vielleicht lieben wir Eis deshalb so sehr. Nicht wegen der Kalorien. Nicht wegen der Schokolade. Nicht wegen der Waffel. Sondern wegen der Erinnerungen. Weil in jeder Kugel ein kleines Stück Vergangenheit steckt. Und weil manche Geschmäcker uns direkt zurück in eine Zeit bringen können, die längst vergangen ist. Eine Zeit, die nie wieder genauso zurückkommen wird. Und vielleicht macht genau das sie so wertvoll.
Übrigens habe ich meine Liebe zu Eis offenbar erfolgreich vererbt. Mein Exemplar liebt Eis mindestens genauso sehr wie ich. Vielleicht sogar mehr. Und wehe, die Truhe ist leer. Dann kann ich mir wirklich eine Pfeife anstecken. Das wird sofort bemerkt. Schneller als jede schlechte Schulnote. Schneller als jede verschwundene Haarbürste. Schneller als jede vergessene Brotdose. Eis besitzt offenbar einen ganz besonderen Stellenwert. Genetisch bedingt, vermute ich. Anders kann ich es mir nicht erklären. Und so steht nun diese kleine Eistruhe bei mir. Mit einer Maus darin. Mit einer kleinen Wohnung. Mit einer Geschichte, die noch geschrieben werden möchte. Und mit ganz vielen Erinnerungen, die sie bereits jetzt in sich trägt. Vielleicht ist das das Schönste am Älterwerden. Dass plötzlich die kleinsten Dinge Erinnerungen wecken können. Eine Melodie. Ein Geruch. Ein Geschmack. Oder eine viel zu große Eistruhe.
Und während irgendwo eine kleine Maus ihre neue Wohnung in einer Eistruhe einrichtet, sitzt ein kleiner Wichtel auf dem Deckel, schleckt genüsslich an einer Kugel Engelblau und flüstert:
„Manche Erinnerungen schmelzen nie. Sie verstecken sich nur eine Weile und warten darauf, von einem Lied, einem Duft oder einer viel zu großen Eistruhe wieder geweckt zu werden.“
Heute bin ich über die Frage gestolpert und ich finde sie toll.
Was würdest du deinem 20-jährigen Ich sagen?
Und ganz ehrlich?
Mein erstes Bedürfnis war, mich hinzusetzen, mein 20-jähriges Ich liebevoll an den Schultern zu packen und zu sagen: „Mädchen, entspann dich mal.“
Wirklich. Entspann dich.
Denn wenn ich heute an mich mit zwanzig denke, sehe ich einen Menschen, der ständig auf der Suche war.
Auf der Suche nach Antworten. Auf der Suche nach Liebe. Auf der Suche nach Freundschaften. Auf der Suche nach dem perfekten Platz im Leben. Und vor allem auf der Suche nach Zugehörigkeit.
Mit zwanzig wollte ich unbedingt dazugehören. Ich wollte Menschen finden, die bleiben. Eine beste Freundin. Einen Seelenpartner. Menschen, die mich verstehen. Und wenn ich ehrlich bin, hätte ich damals wahrscheinlich so ziemlich jeden genommen, der freundlich gelächelt hat. Nicht weil ich verzweifelt war. Sondern weil ich glaubte, dass Glück irgendwo außerhalb von mir auf mich wartet.
Heute weiß ich: Das tut es nicht.
Mit zwanzig war ich außerdem fest davon überzeugt, dass meine Meinung die richtige ist. Nicht eine mögliche Meinung. Nicht eine interessante Sichtweise. Nein. Die richtige. Punkt. Diskussion beendet. Ich hatte zu allem eine Meinung. Und meistens auch direkt die passende Erklärung dazu. Rückblickend betrachtet war ich wahrscheinlich anstrengend. Sehr anstrengend. Wahrscheinlich hätte ich mit meinem heutigen Ich keine fünf Minuten diskutieren können, ohne dass eine von uns genervt den Raum verlassen hätte.
Heute ist das anders. Heute finde ich andere Meinungen spannend. Nicht weil ich meine eigene verloren habe. Sondern weil ich verstanden habe, dass die Welt nicht nur aus Schwarz und Weiß besteht. Menschen haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Unterschiedliche Geschichten erlebt. Unterschiedliche Wege hinter sich. Und genau deshalb kommen sie manchmal zu völlig anderen Ergebnissen. Das finde ich inzwischen faszinierend.
Mit zwanzig wollte ich Recht haben. Heute möchte ich verstehen. Das ist ein großer Unterschied.
Wenn ich meinem jüngeren Ich noch etwas sagen dürfte, dann wahrscheinlich auch das: „Hör auf, ständig perfekt sein zu wollen.“ Denn auch das hat mich lange begleitet. Ich wollte alles richtig machen. Die richtigen Menschen kennenlernen. Die richtigen Entscheidungen treffen. Die richtigen Wege gehen. Bloß keinen Fehler machen. Heute kann ich darüber nur schmunzeln.
Denn die meisten Dinge, die mich wirklich weitergebracht haben, entstanden aus Situationen, die überhaupt nicht perfekt waren. Manche meiner größten Lektionen kamen durch Fehler. Manche meiner wichtigsten Erkenntnisse durch Enttäuschungen. Und einige meiner schönsten Erinnerungen entstanden genau dann, wenn überhaupt nichts nach Plan lief.
Mit zwanzig dachte ich außerdem, dass viele Menschen um mich herum automatisch bedeuten, dass ich glücklich bin. Heute weiß ich, dass das nicht stimmt. Ich verbringe gerne Zeit mit Menschen. Aber ich verbringe auch gerne Zeit mit mir selbst. Und das hätte mein 20-jähriges Ich wahrscheinlich überhaupt nicht verstanden. Damals bedeutete Alleinsein für mich oft Einsamkeit. Heute bedeutet Alleinsein manchmal Frieden. Ruhe. Durchatmen. Keine Erwartungen. Keine Verpflichtungen. Einfach ich. Und weißt du was? Das ist völlig in Ordnung.
Vielleicht würde ich meinem 20-jährigen Ich am Ende nur einen einzigen Satz mitgeben: „Du musst nicht überall dazugehören.“
Denn ich glaube, genau das hat sich im Laufe meines Lebens am stärksten verändert. Früher wollte ich dazugehören. Heute möchte ich einfach ich selbst sein. Früher wollte ich, dass andere mich mögen. Heute ist mir wichtiger, dass ich mich selbst mag. Früher habe ich viel Energie darauf verwendet, Erwartungen zu erfüllen. Heute investiere ich meine Energie lieber in Dinge, die mich glücklich machen. Und ganz ehrlich? Das fühlt sich deutlich leichter an.
Und während irgendwo mein 20-jähriges Ich wahrscheinlich gerade wieder versucht, die Welt zu retten, den perfekten Menschen zu finden und allen ihre Meinung zu erklären, sitzt ein kleiner Wichtel auf ihrer Schulter, schaukelt mit den Beinen und flüstert:
„Du musst nicht alles wissen. Du musst nicht perfekt sein. Du musst nicht überall dazugehören. Das Leben wird dir vieles zeigen, manches beibringen und einiges wieder nehmen. Aber am Ende wirst du feststellen, dass die wichtigste Person, bei der du ankommen musst, immer du selbst bist.“
Wenn mir vor zehn Jahren jemand erzählt hätte, dass ich freiwillig grünes Pulver in heißes Wasser rühre und dafür auch noch Geld bezahle, hätte ich ihn wahrscheinlich ausgelacht. Wirklich. Ich hätte vermutlich gefragt, ob er heimlich Rasenschnitt verkauft.
Heute stehe ich in meiner Küche, öffne eine Dose mit leuchtend grünem Pulver und freue mich darauf. Das Leben nimmt manchmal wirklich seltsame Wendungen. Früher bestand mein Morgenritual aus Kaffee. Viel Kaffee. Sehr viel Kaffee.
Man könnte sagen, Kaffee war damals mein Lebenskonzept. Heute trinke ich immer noch gerne Kaffee. Aber Matcha hat sich inzwischen einen festen Platz in meinem Alltag erobert. Und das, obwohl unsere Beziehung nicht ganz einfach angefangen hat.
Matcha und die Sache mit der Achtsamkeit
Was ich am Matcha wirklich mag, ist das Ritual dahinter. Zumindest theoretisch. Denn Matcha soll ja nicht einfach nur getrunken werden. Nein. Matcha wird zelebriert. Man nimmt eine Schüssel. Dann nimmt man einen Bambusquirl. Dann schlägt man den Tee in einer bestimmten Technik auf. Bis ein feiner Schaum entsteht. Ganz ruhig. Ganz achtsam. Ganz harmonisch. So weit die Theorie. In der Praxis sieht das bei mir etwas anders aus. Zunächst einmal ist die Schüssel für meine motorischen Fähigkeiten eindeutig zu klein.
Was ist ein Bambusquirl? Ein Werkzeug, das vermutlich für Menschen entwickelt wurde, die Geduld besitzen. Ich gehöre nicht dazu. Jedenfalls stehe ich da. Schlage. Rühre. Schlage weiter. Der Schaum erscheint nicht. Mein Arm wird müde. Der Tee wird langsam beleidigt.
Und ich überlege, ob Achtsamkeit vielleicht einfach nichts für mich ist. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich wahrscheinlich eher eine Sehnenscheidenentzündung als einen perfekt aufgeschlagenen Matcha. Und vermutlich wäre am Ende nicht die Schüssel grün. Sondern die Arbeitsplatte. Die Wand. Meine Strickjacke.
Also habe ich eine vernünftige Entscheidung getroffen. Eine moderne. Eine praktische. Eine, die wahrscheinlich dazu führt, dass mir in Japan lebenslang Hausverbot erteilt wird. Ich habe mir einen elektrischen Milchaufschäumer gekauft. Einen Knopf. Ein Summen. Fertig.
Drei Sekunden später habe ich Schaum. Keine Verletzungen. Keine Wutanfälle. Keine grüne Küche. Gott sei Dank sieht das kein Japaner.
Vielleicht ist das auch Achtsamkeit
Je älter ich werde, desto mehr denke ich über das Wort Achtsamkeit nach. Überall liest man davon. Achtsam essen. Achtsam atmen. Achtsam leben. Manchmal habe ich das Gefühl, man müsste inzwischen sogar achtsam die Spülmaschine ausräumen. Aber vielleicht bedeutet Achtsamkeit gar nicht, alles perfekt zu machen.
Vielleicht bedeutet sie einfach, sich einen kleinen Moment nur für sich selbst zu nehmen. Ohne Handy. Ohne Termine. Ohne To-do-Liste. Ohne jemanden, der gleichzeitig etwas von einem möchte. Und genau das ist für mich inzwischen Matcha. Keine Teezeremonie. Kein spirituelles Erlebnis. Kein buddhistischer Erleuchtungsmoment. Einfach ein paar Minuten Ruhe. Eine warme Tasse. Und das Gefühl, kurz durchatmen zu dürfen. Gerade in den Wechseljahren weiß man solche Momente plötzlich sehr zu schätzen.
Was Matcha eigentlich mit unserem Körper macht
Bei all meinem Spaß über Bambusquirl, Schüsseln und grüne Küchen sollte man eine Sache nicht vergessen: Matcha ist tatsächlich ziemlich gesund. Und nein, ich sage das nicht, weil irgendein Influencer das behauptet. Sondern weil tatsächlich einiges dahinter steckt. Matcha ist im Grunde grüner Tee. Allerdings in einer besonders konzentrierten Form. Die Teeblätter werden vor der Ernte beschattet und anschließend zu feinem Pulver vermahlen.
Der Unterschied: Man trinkt nicht nur den Aufguss. Man trinkt das komplette Blatt. Und damit auch viele der wertvollen Inhaltsstoffe. Matcha enthält besonders viele Antioxidantien. Das sind Stoffe, die unsere Zellen vor sogenannten freien Radikalen schützen können. Klingt kompliziert. Bedeutet vereinfacht: Der Körper freut sich darüber.
Die Sache mit dem Kaffee und der ruhigen Energie
Außerdem enthält Matcha Koffein. Und jetzt wird es interessant. Denn Matcha wirkt anders als Kaffee. Beim Kaffee habe ich manchmal das Gefühl, mein Gehirn startet direkt im Sportmodus.
Alles auf einmal. Volle Leistung. Volle Lautstärke. Volle Geschwindigkeit. Und zwei Stunden später fragt man sich, warum man plötzlich müde ist. Matcha fühlt sich für mich anders an. Ruhiger. Gleichmäßiger. Wacher. Ohne dieses nervöse Kribbeln.
Der Grund dafür ist eine Aminosäure namens L-Theanin. Diese wirkt beruhigend auf das Nervensystem und sorgt gleichzeitig dafür, dass das enthaltene Koffein langsamer freigesetzt wird. Man ist wach. Aber nicht hibbelig. Konzentriert. Aber nicht überdreht. Und gerade das finde ich unglaublich angenehm.
Die Sache mit den Gelenken, die plötzlich Geräusche machen
Mal ehrlich. Früher bin ich morgens aufgestanden. Heute stehe ich morgens auf und höre dabei Geräusche. Aus mir selbst. Manchmal weiß ich nicht, ob das mein Knie war oder die Treppe. Die Wechseljahre haben nämlich nicht nur Auswirkungen auf unsere Hormone. Viele Frauen bemerken plötzlich Veränderungen an ihren Gelenken.
Alles fühlt sich etwas steifer an. Etwas unbeweglicher. Manchmal zwickt es hier. Manchmal zieht es dort. Auch das hängt unter anderem mit dem sinkenden Östrogenspiegel zusammen. Wenn dieser Schutz langsam nachlässt, merken das viele Frauen zuerst an ihren Gelenken.
Matcha kann keine Wunder vollbringen. Aber die enthaltenen Pflanzenstoffe werden immer wieder mit entzündungshemmenden Eigenschaften in Verbindung gebracht. Und ganz ehrlich: Wenn mein Körper gerade eine Großbaustelle ist, nehme ich jede Unterstützung dankend an.
Die Sache mit dem Kollagen und der welken Pflaume
Jetzt kommen wir zu einem Thema, über das wahrscheinlich viele Frauen heimlich nachdenken. Die Haut. Genauer gesagt: Die Haut, die plötzlich macht, was sie will. Früher war sie einfach da. Heute wird sie täglich kontrolliert. Kritisch. Mit zusammengekniffenen Augen.
Und grundsätzlich in einem Badezimmerlicht, das jede Falte doppelt darstellt. Mit den Wechseljahren sinkt auch die körpereigene Kollagenproduktion. Kollagen sorgt vereinfacht gesagt dafür, dass Haut, Bindegewebe und andere Strukturen stabil bleiben.
Deshalb bemerken viele Frauen irgendwann: Die Haut wird trockener. Feiner. Manchmal auch etwas dünner. Natürlich zaubert Matcha keine zwanzig Jahre weg. Wenn das funktionieren würde, würde ich vermutlich in einer Badewanne voller Matcha wohnen.
Aber die Antioxidantien können helfen, unsere Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Und alles, was meine Haut davon abhält, sich in eine Rosine zu verwandeln, bekommt von mir grundsätzlich Pluspunkte.
Warum plötzlich jedes Stück Kuchen direkt einzieht
Ein weiteres Thema, das viele Frauen kennen: Man schaut einen Keks an. Und nimmt gefühlt zwei Kilo zu. Früher konnte ich essen. Heute verhandelt mein Stoffwechsel offenbar erst mit der Personalabteilung. Die Wechseljahre verändern auch unseren Energieverbrauch. Der Grundumsatz sinkt häufig. Der Muskelanteil nimmt ab. Die Fettverteilung verändert sich.
Und plötzlich zieht es alles bevorzugt Richtung Bauch. Eine Frechheit, wenn ihr mich fragt. Matcha wird oft mit Stoffwechselprozessen in Verbindung gebracht. Vor allem die enthaltenen Catechine stehen seit Jahren im Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen.
Natürlich ersetzt Matcha weder Bewegung noch eine ausgewogene Ernährung. Schön wär’s. Aber einige Studien deuten darauf hin, dass Matcha die Fettverbrennung unterstützen kann. Nicht dramatisch. Nicht über Nacht. Aber möglicherweise ein kleines bisschen. Und manchmal sind viele kleine Dinge zusammen genau das, was einen Unterschied macht.
Die Sache mit dem Blutzucker und den Energieabstürzen
Was ich persönlich besonders spannend finde: Matcha sorgt bei mir für deutlich weniger Achterbahnfahrten. Kennt ihr dieses Gefühl? Man isst etwas Süßes. Fühlt sich kurz großartig. Und zwei Stunden später könnte man sich freiwillig unter den Schreibtisch legen. Viele Frauen erleben in den Wechseljahren stärkere Schwankungen beim Energielevel. Auch die Insulinsensitivität verändert sich häufig.
Das bedeutet vereinfacht: Der Körper reagiert manchmal anders auf Zucker als früher. Und genau deshalb fühlen sich viele Frauen plötzlich schneller müde oder ausgelaugt. Matcha sorgt durch die Kombination aus Koffein und L-Theanin oft für eine gleichmäßigere Energie.
Nicht dieses: „Ich könnte jetzt die Wohnung renovieren.“ Und eine Stunde später: „Lasst mich einfach hier liegen.“ Sondern eher: Wach. Konzentriert. Ruhig. Und genau das mag ich daran.
Mein persönliches Matcha-Latte-Rezept
Und jetzt kommen wir zum wichtigsten Teil. Denn natürlich trinke ich Matcha nicht nach einer traditionellen japanischen Teezeremonie. Dafür fehlt mir ehrlich gesagt die Geduld. Und vermutlich auch die Begabung.
Mein persönlicher Matcha sieht deshalb so aus: 1 bis 2 Teelöffel Matcha, etwas Wasser mit ungefähr 80 Grad, heiße aufgeschäumte Milch und mein elektrischer Milchaufschäumer. Zuerst verrühre ich das Matchapulver mit dem heißen Wasser. Danach kommt die warme Milch dazu. Fertig. Mein Matcha Latte. Cremig. Wärmend. Lecker. Und vor allem alltagstauglich.
Vielleicht würden japanische Teemeister jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Aber ich bin mir ziemlich sicher: Achtsamkeit bedeutet nicht, alles perfekt zu machen. Achtsamkeit bedeutet manchmal einfach, einen Weg zu finden, der zu einem selbst passt.
Die kleine Pause zwischendurch
Und genau deshalb mag ich Matcha so gerne. Nicht weil er alle Probleme löst. Nicht weil er die Wechseljahre verschwinden lässt. Nicht weil mein Brainfog danach plötzlich die richtigen Wörter findet. Sondern weil er mich daran erinnert, kurz stehen zu bleiben. Kurz durchzuatmen. Kurz nur an mich zu denken. Und manchmal sind genau diese kleinen Momente wichtiger als jede große Lösung.
Und während du vielleicht gerade deine nächste Tasse Matcha vorbereitest, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel auf dem Rand einer grünen Schüssel, beobachtet das Treiben, schaukelt mit den Beinen und flüstert:
„Vielleicht geht es im Leben gar nicht darum, alles perfekt zu machen. Vielleicht reicht es manchmal, gut für sich selbst zu sorgen. Einen Moment innezuhalten. Einen Schluck Wärme zu trinken. Und sich daran zu erinnern, dass auch kleine Rituale große Kraft schenken können.“
Gestern wollte ich meinem Exemplar etwas sagen. Was genau, weiß ich nicht mehr. Und das ist leider kein Stilmittel für diesen Artikel. Ich weiß es wirklich nicht mehr. Es ist weg. Gelöscht. Verschwunden. Wahrscheinlich irgendwo zwischen meinen letzten drei Gedanken, dem Einkaufszettel, den Wechseljahren und der Frage, warum ich eigentlich in die Küche gegangen bin. Jedenfalls wollte ich meinem Exemplar etwas mitteilen. Vielleicht war es eine Anweisung. Vielleicht eine Bitte. Vielleicht etwas Wichtiges. Man wird es nie erfahren.
Während ich mit ihr sprach, passierte nämlich das, was in letzter Zeit erstaunlich oft passiert: Mein Gehirn schickte Wörter los, die überhaupt nicht zu dem passten, was ich sagen wollte.
Sie sollte ihre Brotdose aus dem Rucksack holen und in die Küche bringen. Ein einfacher Satz. Wirklich nicht kompliziert. Mein Gehirn machte daraus: „Bring mal die Brotdose ins Badezimmer.“
Stille. Mein Exemplar schaut mich an. Ich schaue mein Exemplar an. Mein Gehirn versucht verzweifelt aufzuholen. Und mein Kind blickt mich an, als hätte ich gerade vorgeschlagen, den Kühlschrank ins Wohnzimmer zu stellen und dort einzuschulen. „Ins Badezimmer?“ fragt sie.
Und in diesem Moment weiß ich selbst nicht mehr, warum die Brotdose plötzlich duschen gehen sollte. Willkommen in meinem Alltag. Willkommen beim Brainfog.
Früher war mein Gehirn besser organisiert
Früher war ich anders. Nicht perfekt. Aber ich war schlagfertig. Ich wusste, was ich sagen wollte. Ich hatte eine klare Meinung. Einen klaren Standpunkt, hab ich heute immer noch, nur mit verwirrten Sätzen.
Wenn ich diskutieren wollte, konnte ich das. Wenn ich etwas erklären wollte, fand ich die richtigen Worte, und ja die finde ich immer noch, nur nicht in manchen Situationen.
Heute stehe ich manchmal mitten im Satz und denke: Wie heißt dieses Ding nochmal? Dieses Dings. Na dieses Gedönst. Du weißt schon. Dieses… Ding eben.
Und plötzlich haben sämtliche Gegenstände dieser Welt denselben Namen. Dings. Gedönst. Das da. Das andere da. Das weiße Teil. Das runde Ding. Mein Wortschatz hat sich zeitweise auf ungefähr acht Begriffe reduziert.
Mein Exemplar liebt diese Momente übrigens überhaupt nicht. Sie steht dann vor mir. Wartet auf eine klare Anweisung. Ich suche nach dem passenden Wort. Sie wird genervt. Ich werde genervt. Sie rollt mit den Augen. Ich rolle innerlich mit den Augen. Und ehe man sich versieht, diskutieren zwei Menschen miteinander, obwohl keiner mehr genau weiß, worum es ursprünglich eigentlich ging.
Der Türsteher in meinem Gehirn
Noch schlimmer wird es allerdings, wenn mein Exemplar mir etwas erzählen möchte. Und glaubt mir: Ich höre zu. Wirklich. Ich bin da. Ich schaue sie an. Ich nicke. Ich gebe mir größte Mühe. Ich möchte wissen, was sie erzählt.
Aber dann passiert etwas. Plötzlich macht mein Gehirn einfach zu. Nicht absichtlich. Nicht aus Desinteresse. Nicht weil ich sie nicht ernst nehme. Sondern weil da offenbar irgendwo in meinem Kopf ein kleiner Türsteher sitzt.
Und dieser Türsteher entscheidet irgendwann: „So Freunde. Feierabend. Mehr kommt heute nicht rein.“ Mein Exemplar redet weiter. Der erste Satz kommt noch an. Vielleicht auch der zweite. Beim dritten Satz klappt die Schranke herunter. Zack. Geschlossen. Der Türsteher verschränkt die Arme. Nichts geht mehr.
Wörter prallen ab wie Flummis an einer Betonwand. Und dann kommt die unvermeidliche Frage: „Mama, hörst du mir überhaupt zu?“
Natürlich höre ich zu. Also zumindest hatte ich das vor. „Doch!“ sage ich empört. „Was habe ich denn gerade gesagt?“ fragt sie. Und genau in diesem Moment weiß ich: Ich habe verloren. Ich habe verkackt. Da komm ich nicht mehr raus. Komplett. Endgültig. Sie dreht sich weg, ich Versuche die Situation zu retten.
Mein Gehirn durchsucht hektisch sämtliche Archive. Nichts. Leere. Wüste. Funkstille. Mein innerer Türsteher lehnt gelangweilt an seiner Schranke und hilft mir kein bisschen. „Ähm …“ Stille. Mein Exemplar grinst bereits.
„Siehst du? Du hast mir gar nicht zugehört.“ Und da hat sie mich. Technisch gesehen habe ich zugehört. Praktisch gesehen ist die Information irgendwo zwischen Ohr und Gehirn verloren gegangen. Vermutlich sitzt sie jetzt neben dem Wort, das ich gestern gesucht habe, und der Erinnerung daran, warum ich eigentlich in die Küche wollte.
Was passiert da eigentlich im Gehirn?
Das Verrückte ist: Viele Frauen denken irgendwann: „Oh Gott. Werde ich jetzt dement?“
„Warum vergesse ich plötzlich alles?“
„Warum finde ich die einfachsten Wörter nicht mehr?“ Dabei passiert etwas ganz anderes. Unser Gehirn baut nicht ab. Es arbeitet nur unter anderen Bedingungen. Stell dir dein Gehirn wie eine riesige Stadt vor. Normalerweise fahren die Informationen dort über gut ausgebaute Straßen.
Alles läuft. Alles funktioniert. Dann kommen die Wechseljahre. Und plötzlich werden überall Baustellen eröffnet. Nicht weil etwas kaputt ist. Sondern weil der Körper umbaut. Kennen wir ja von Großstädten, überall wird eine Baustelle eröffnet, nirgends kommt man durch und, dann muss man lange Umwege nehmen und man kommt verspätet bis gar nicht an. Tja und meine Informationen steigen schon irgendwo aus und machen nen Picknick. Und genau deshalb dauert manches länger.
Die Hormone mischen kräftig mit
Was viele nicht wissen: Östrogen ist nicht nur für die Periode zuständig. Und auch nicht nur für Hitzewallungen. Östrogen arbeitet tatsächlich an vielen Stellen im Gehirn mit. Unter anderem in Bereichen, die zuständig sind für: Konzentration, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache, Lernen, Emotionen.
Wenn die Hormonspiegel schwanken, merkt das Gehirn das sofort. Es ist ein bisschen so, als würde jemand ständig die WLAN-Verbindung an- und ausschalten. Das Internet funktioniert noch. Aber eben nicht mehr durchgehend stabil. Und genau so fühlt sich Brainfog manchmal an.
Warum fallen uns plötzlich Wörter nicht mehr ein?
Das frage ich mich ungefähr achtmal am Tag. Manchmal stehe ich vor meinem Exemplar und möchte etwas ganz Einfaches sagen. Dann suche ich nach einem Wort. Und suche. Und suche. Und suche. Das Wort ist da. Irgendwo. Ich weiß es. Aber mein Gehirn hat beschlossen, es vorübergehend in einem Schrank abzulegen, dessen Schlüssel verschwunden ist. Neurologisch betrachtet ist das sogar logisch. Unser Gehirn muss ständig Informationen abrufen. Normalerweise funktioniert das automatisch.
Bei Brainfog wird dieser Abruf manchmal langsamer. Das Wort ist nicht weg. Es kommt nur nicht rechtzeitig an. Wie ein Zug, der Verspätung hat. Irgendwann taucht es wieder auf. Meistens nachts um drei. Wenn man es überhaupt nicht mehr braucht.
Warum wir plötzlich so schnell überfordert sind
Das hat übrigens nicht nur mit den Hormonen zu tun. Viele Frauen in den Wechseljahren tragen gleichzeitig unglaublich viel Verantwortung. Familie. Kinder. Beruf. Termine. Haushalt. Pflege von Angehörigen. Organisation.
Und ganz nebenbei sollen wir auch noch funktionieren. Unser Gehirn verarbeitet jeden Tag unzählige Informationen. Irgendwann sagt es: „Mehr geht heute nicht.“ Und genau da sitzt mein kleiner Türsteher und macht die Schranke dicht.
Du bist nicht verrückt
Und das finde ich wichtig. Weil viele Frauen sich deshalb Vorwürfe machen. Wenn wir etwas vergessen.
Wenn wir mitten im Satz den Faden verlieren. Wenn wir den Autoschlüssel suchen, während wir ihn in der Hand halten oder so wie ich jeden Morgen mein gesamtes Auto suche weil ich vergessen habe wo ich es Abends abgestellt habe. Jeden Morgen. Wirklich. Dann denken wir oft: „Ich müsste doch besser funktionieren.“
Nein. Musst du nicht. Dein Gehirn arbeitet jeden Tag auf Hochtouren. Es leistet gerade Anpassungsarbeit. Und Anpassung kostet Energie. Sehr viel Energie.
Du darfst Pausen machen
Und genau deshalb möchte ich dir heute etwas sagen: Du darfst Pausen machen. Wirklich. Du darfst dich fünf Minuten zurückziehen. Du darfst die Tür schließen. Du darfst kurz durchatmen. Du musst nicht immer funktionieren. Du musst nicht immer stark sein. Du musst nicht jede Aufgabe sofort erledigen.
Wenn du das Gefühl hast, dass das Karussell in deinem Kopf gerade einen Wackelkontakt hat, dann steig kurz aus. Trink einen Tee. Setz dich hin. Atme tief durch. Sammle deine Gedanken. Du bist es wert. Wir Frauen kümmern uns oft um alle anderen. Um Kinder. Partner. Familie. Arbeit. Freunde.
Und manchmal vergessen wir dabei die wichtigste Person. Uns selbst. Vielleicht besteht Selbstfürsorge manchmal nicht aus Wellness oder einem perfekten Spa-Tag. Vielleicht besteht sie einfach darin, sich fünf Minuten Ruhe zu erlauben, bevor man versucht, die Brotdose erneut ins Badezimmer zu schicken.
Und während du vielleicht gerade schmunzelnd an deinen eigenen Brainfog-Moment denkst, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel auf einem Stapel verlorener Gedanken, schaukelt mit den Beinen und flüstert ganz leise:
„Vielleicht musst du nicht immer alles sofort wissen, alles sofort schaffen und alles sofort erinnern. Manchmal reicht es, freundlich mit dir selbst zu sein. Denn auch ein müdes Gehirn verdient Verständnis. Und vielleicht ist eine kleine Pause manchmal keine Schwäche, sondern genau das, was dein Kopf gerade braucht, um wieder seinen Weg durch all die Gedanken zu finden.“
Es gibt Dinge, die verstehe ich einfach nicht. Zum Beispiel die Anziehungskraft von Rossmann und DM. Wirklich. Was haben diese Läden, was andere Läden nicht haben? Goldene Wasserhähne? Einen geheimen Eingang nach Hogwarts? Einen versteckten Schalter, der pubertierende Mädchen aktiviert? Ich weiß es nicht.
Aber ich weiß, dass mein Exemplar normalerweise nicht unbedingt für spontane Aktivitäten bekannt ist. Wenn ich sage: „Ich fahre einkaufen.“ Dann bekomme ich meistens ein gelangweiltes: „Nee, keine Lust.“ Wenn ich frage: „Willst du mit spazieren gehen?“ Dann folgt oft ein Blick, als hätte ich gerade vorgeschlagen, den Mount Everest zu besteigen.
Mein Exemplar befindet sich aktuell in einer Lebensphase, die ich liebevoll als Energiesparmodus bezeichne. Kennt man ungefähr von Faultieren. Nicht ganz so extrem natürlich. Sie braucht keine sieben Tage, um sich von einem Ast zum anderen zu bewegen. Aber die Grundidee ist ähnlich. Besonders nach der Schule. Dann wird das Bett aufgesucht. Und dort bleibt man. Liegend. Rollend. Existierend.
Manchmal habe ich das Gefühl, sie würde dort Wurzeln schlagen, wenn man sie ließe. Irgendwann muss der Kreislauf ja auch erst wieder hochfahren. Von Null auf Mensch dauert das manchmal etwas.
Doch dann passiert etwas. Etwas, das selbst Wissenschaftler vermutlich nicht erklären können. Ich sage: „Ich fahre kurz zu Rossmann.“
Und plötzlich verwandelt sich mein menschliches Faultier in einen olympischen Sprinter. Sie springt auf. Findet innerhalb von Sekunden ihre Kleidung. Hat Schuhe an. Jacke an. Haare gerichtet. Und steht schneller an der Haustür als ich meinen Autoschlüssel gefunden habe. „ICH KOMME MIT!“ Natürlich kommst du mit. Die eigentliche Frage ist: Warum? Was haben diese Läden? Denn wenn wir ehrlich sind, verkaufen sie Shampoo. Duschgel. Zahnpasta. Taschentücher. Dinge, die man braucht.
Aber für Jugendliche sind Rossmann und DM längst keine Drogeriemärkte mehr. Sie sind Erlebniswelten. Früher hatten wir einen SPAR-Markt. Oder einen Konsum. Und wenn wir Glück hatten, gab es eine neue Sorte Kaugummi oder ein Ü-Ei. Das war aufregend genug.
Heute betreten Jugendliche eine Drogerie und verhalten sich, als wären sie gerade in Disneyland angekommen. Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass es gar nicht um die Produkte geht. Denn die Pubertät ist eine seltsame Zeit. Plötzlich verändert sich alles. Die Haut. Die Haare. Der Körper. Die Gefühle. Die Freundschaften. Manchmal wahrscheinlich sogar die eigene Persönlichkeit im Stundentakt.
Während wir Erwachsenen denken: „Meine Güte, das ist doch nur eine Gesichtscreme.“ Denken Jugendliche vielleicht: „Vielleicht hilft mir das dabei, mich wohler zu fühlen.“ Und genau das vergessen wir manchmal. Für uns ist ein Lipgloss ein Lipgloss. Für ein pubertierendes Mädchen kann es ein kleines Stück Selbstvertrauen sein. Oder einfach das Gefühl, langsam erwachsener zu werden.
Natürlich spielt dabei auch TikTok eine große Rolle. Und hier muss ich wahrscheinlich zugeben, dass ich endgültig alt werde. Denn früher hatten wir die Bravo. Heute haben Jugendliche Skinfluencer. Ich muss gestehen, dass ich dieses Wort immer noch faszinierend finde. Skinfluencer. Das klingt ein bisschen wie eine seltene Hautkrankheit. Ist aber tatsächlich jemand, der anderen Menschen erklärt, wie sie ihre Haut pflegen sollen. Und diese jungen Frauen haben eine unglaubliche Reichweite. Sie testen Produkte. Empfehlen Produkte. Bewerten Produkte. Zeigen Vorher-Nachher-Bilder. Erklären Routinen. Und natürlich möchten Jugendliche diese Produkte dann selbst ausprobieren. Nicht weil sie oberflächlich sind. Sondern weil sie sich orientieren. Weil sie dazugehören möchten. Weil sie ausprobieren. Weil sie herausfinden möchten, wer sie eigentlich sind.
Das haben wir früher übrigens genauso gemacht. Nur eben mit anderen Mitteln. Wir hatten Zeitschriften. Sie haben TikTok. Wir hatten Bravo-Stars. Sie haben Influencer. Wir haben Frisuren aus Magazinen kopiert. Sie speichern Tutorials. Im Grunde hat sich gar nicht so viel verändert. Nur die Plattform.
Und dann gibt es noch etwas, das ich erst vor Kurzem verstanden habe. Diese ganzen Beauty-Routinen. Ich dachte lange Zeit, das wäre einfach nur Kosmetik. Aber vielleicht steckt viel mehr dahinter. Denn die Pubertät ist eine riesige Baustelle. Und zwar nicht nur äußerlich. Auch im Kopf. Alles wird umgebaut. Gefühle. Gedanken. Wünsche. Träume. Das Gehirn selbst befindet sich im Dauerumbau.
Und genau deshalb suchen viele Jugendliche nach Dingen, die ihnen Sicherheit geben. Eine Routine. Etwas Vertrautes. Etwas, das jeden Tag gleich ist. Gesicht reinigen. Creme auftragen. Haare machen. Fertig. Für uns klingt das vielleicht banal. Für Jugendliche kann es ein kleiner Anker sein. Ein Stück Kontrolle in einer Lebensphase, die sich oft anfühlt wie ein Überraschungsei auf Hormonen. Vielleicht ist genau das der Grund, warum mein Exemplar manchmal mit einer Ernsthaftigkeit über Gesichtsmasken spricht, als würde sie einen medizinischen Fachkongress leiten.
Wobei ich zugeben muss: Die Industrie macht ihren Job auch erschreckend gut. Denn selbst ich bleibe manchmal stehen und denke: „Ach Gott, ist das süß.“ Lipgloss mit Popcorn als Deckel. Verpackungen mit kleinen Cowboy-Stiefeln. Hello Kitty. Bärchen. Herzchen. Glitzer. Farben. Manche Produkte sehen inzwischen eher aus wie Süßigkeiten als wie Kosmetik. Und genau deshalb fühlen sich Jugendliche dort vermutlich wie im Schlaraffenland.
Meine Tochter jedenfalls könnte dort wahrscheinlich übernachten. Ihre beste Freundin übrigens auch. Die beiden besitzen Gesichtsmasken in Mengen, die vermutlich hundert Jahre reichen würden. Die Schubladen sind so voll, dass sie selbst nicht mehr wissen, was sich darin befindet.
Wenn morgen sämtliche Drogeriemärkte schließen würden, könnten die beiden vermutlich problemlos einen eigenen Kosmetikladen eröffnen. Mit Kundenkarte. Bonusprogramm. Und eigener Filiale. Trotzdem wird weiter gesucht. Nach neuen Produkten. Nach neuen Farben. Nach neuen Verpackungen. Und irgendwo zwischen Lipgloss, Gesichtsmasken und TikTok-Trends wird langsam eine Persönlichkeit aufgebaut. Ein eigener Stil entwickelt. Eine junge Frau erwachsen. Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum diese Läden so faszinierend sind.
Nicht wegen der Produkte. Sondern wegen der Möglichkeiten. Weil man dort ausprobieren darf. Entdecken darf. Verwerfen darf. Neu anfangen darf. Und weil man dort ein kleines Stück von sich selbst findet. Auch wenn das für uns Eltern manchmal aussieht wie eine sehr teure Schnitzeljagd.
Trotzdem bleibt für mich die größte Erkenntnis: Wenn mein Exemplar für Bewegung, frische Luft oder spontane Unternehmungen ungefähr die Energie eines Akkus bei drei Prozent besitzt, dann reichen drei magische Worte: „Ich fahre zu DM.“ Und plötzlich wird aus einem Faultier ein Düsenjet. Allein dafür sollten diese Läden wissenschaftlich untersucht werden.
Denn offenbar schaffen sie etwas, woran Eltern seit Generationen scheitern: Sie aktivieren pubertierende Mädchen innerhalb von Sekunden.
Und während du vielleicht gerade schmunzelnd an dein eigenes Exemplar denkst, das beim Wort „DM“ plötzlich schneller ist als jeder Spitzensportler, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel am Ende dieses Artikels, beobachtet das Ganze mit einem Lächeln und flüstert:
„Vielleicht sind es gar nicht die Lipglosse, Gesichtsmasken oder Hello-Kitty-Verpackungen, die Jugendliche so glücklich machen. Vielleicht ist es einfach die Freude, die Welt zu entdecken – auch wenn dabei das Taschengeld und die Geduld der Eltern gelegentlich auf der Strecke bleiben.“
„Wie baust du dir loyale Abonnentinnen und Abonnenten auf?“
Und ganz ehrlich? Ich glaube, ich habe darauf keine klassische Antwort.
Mein Blog ist noch jung. Ich habe ihn erst in diesem Jahr gegründet. Es gibt Menschen, die bloggen schon seit vielen Jahren, kennen alle Tricks, verstehen Suchmaschinen, Reichweitenstrategien und Algorithmen. So ist es oft auf anderen Social Media Plattformen.
Ich gehöre nicht dazu.
Als ich meinen Blog gegründet habe, hatte ich keinen Businessplan. Ich wollte keine Marke aufbauen und auch keine möglichst hohen Klickzahlen erreichen.
Ich hatte einfach das Gefühl, dass manche Themen mehr Aufmerksamkeit verdienen. Themen, über die viel zu wenig ehrlich gesprochen wird.
Vor allem die Wechseljahre. Aber auch Pubertät, Hochsensibilität, Pflege, das Älterwerden, Sorgen, Ängste und all die kleinen Dinge des Alltags, die uns manchmal mehr beschäftigen als die großen Schlagzeilen der Welt.
Gerade die Wechseljahre werden oft belächelt.
Da wird über Hitzewallungen gewitzelt, über Stimmungsschwankungen gelacht und oft so getan, als wäre das alles nur ein kleiner Abschnitt, den Frau eben überstehen muss.
Dabei erleben viele Frauen in dieser Zeit körperliche und emotionale Veränderungen, die ihr gesamtes Leben beeinflussen.
Ähnlich ist es bei der Pubertät.
Auch dort spielen Hormone plötzlich verrückt, Gefühle fahren Achterbahn und Familien versuchen gemeinsam durch eine Lebensphase zu navigieren, die manchmal gleichzeitig wunderschön und anstrengend ist.
Genau darüber wollte ich schreiben. Nicht wissenschaftlich. Nicht belehrend. Sondern ehrlich. So, wie ich es selbst erlebe.
Und wenn sich jemand in meinen Geschichten wiederfindet, dann freue ich mich darüber.
Wenn jemand einen Artikel liest und denkt: „Endlich spricht es mal jemand aus.“
Dann hat sich das Schreiben bereits gelohnt. Natürlich freue ich mich über jeden Abonnenten. Das wäre gelogen, etwas anderes zu behaupten.
Jeder Mensch, der sich entscheidet zu bleiben, ist ein Zeichen dafür, dass die eigenen Gedanken irgendwo angekommen sind.
Aber noch wichtiger als die Zahl hinter dem Wort „Abonnenten“ sind für mich die Menschen dahinter.
Menschen, die kommentieren. Menschen, die schreiben. Menschen, die erzählen, dass sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Menschen, die sich verstanden fühlen.
Das sind für mich keine Follower. Das sind Begegnungen. Auf Instagram ist das manchmal etwas anders. Dort ist alles schneller. Heute folgt jemand. Morgen nicht mehr. Follow. Unfollow. Weiter zum nächsten Beitrag.
Manchmal wirkt es fast so, als würden Menschen nur kurz durch ein Schaufenster schauen und dann wieder verschwinden. Und natürlich gehört das dazu. Denn Reichweite entsteht nun einmal durch Sichtbarkeit. Aber Reichweite allein bedeutet noch keine Verbindung. Ich finde es besonders schön wenn meine Follower im Anschluss mit mir über die Geschichte in den Austausch gehen, mir Gedanken dazu mitteilen. Das ist oft wichtiger als tausende von Followern, weil man jemanden erreicht hat.
Deshalb versuche ich dort meinen eigenen Weg zu gehen. Viele denken vielleicht, meine Seite handelt von kleinen Mäusen. Von Bruno, Tilda und Lulu. Und natürlich tun sie das.
Aber eigentlich erzählen diese Geschichten etwas ganz anderes. Die Mäuse sind nur die Erzähler. Sie erleben Abenteuer. Sie begegnen Herausforderungen. Sie machen Fehler. Sie helfen einander. Sie entdecken die Welt.
Und zwischen all diesen Geschichten verstecken sich Botschaften, die auch für uns Menschen wichtig sind. Botschaften über Freundschaft. Über Mut. Über Verlust. Über Hoffnung. Über Zusammenhalt. Über das Anderssein. Über das Leben.
Manchmal lassen sich schwierige Themen durch eine kleine Maus leichter erzählen als durch einen langen Vortrag. Kinder sehen vielleicht ein Abenteuer. Erwachsene erkennen oft die Bedeutung dahinter. Und genau das liebe ich an diesen Geschichten. Sie dürfen fantasievoll sein. Sie dürfen warm sein. Sie dürfen Menschen zum Lächeln bringen.
Aber sie dürfen gleichzeitig auch etwas hinterlassen. Einen Gedanken. Ein Gefühl. Eine Erinnerung. Vielleicht ist genau das der Grund, warum manche Menschen bleiben.
Nicht weil die Bilder perfekt sind. Nicht weil ich jeden Trend mitmache. Nicht weil ich irgendwelche Geheimnisse des Internets kenne. Sondern weil sie spüren, dass hinter den Geschichten ein echter Mensch sitzt. Jemand, der nicht versucht, perfekt zu sein. Jemand, der auch mal über seine Hitzewallungen schreibt.
Über sein pubertierendes Exemplar. Über Bauchschmerzen. Über Pflege. Über Sorgen. Über Freude. Über ganz normales Leben. Ich glaube nämlich, dass Menschen sich nicht an Perfektion binden.
Sie binden sich an Ehrlichkeit. An Wärme. An Authentizität. An das Gefühl, gesehen zu werden. Und vielleicht entstehen genau so loyale Leser. Nicht durch Strategien. Nicht durch Tricks. Sondern durch Vertrauen.
Deshalb freue ich mich über jeden Menschen, der meinen Blog besucht. Über jeden Kommentar. Über jede Nachricht. Über jeden stillen Leser.
Und wenn jemand bleibt, weil er sich in meinen Geschichten wiederfindet, dann ist das wahrscheinlich das Schönste, was einem Autor passieren kann. Denn am Ende sind loyale Abonnenten keine Zahlen. Es sind Menschen. Menschen, die sich in einer Geschichte selbst begegnen. Und genau dafür schreibe ich.
Eigentlich existiert dieses Phänomen schon länger. Wahrscheinlich sogar seit mehreren Jahren. Aber manchmal gibt es diese Momente, in denen etwas, das längst da ist, plötzlich bewusst wird.
Und natürlich geht es um mein Exemplar. Wobei. Nicht nur um mein Exemplar.
Eigentlich geht es auch um mich. Früher habe ich mich gerne geschminkt. So richtig.
Ich hatte Schubladen voller Schminke. Lippenstifte in Farben, die ich nie benutzt habe. Lidschatten, die wunderschön aussahen, aber irgendwie nie zu meinem Gesicht passen wollten. Make-up. Puder. Mascara.
Dazu kamen gefärbte Haare. Mal heller. Mal dunkler. Mal bunt. Mal die Idee, dass irgendeine neue Farbe mein Leben verändern könnte. Hat sie natürlich nie. Aber ausprobiert habe ich es trotzdem.
Heute sieht mein Badezimmer völlig anders aus. Meine Haare sind wieder natürlich. Geschminkt bin ich gar nicht. Und meine tägliche Hautpflege besteht hauptsächlich aus Hyalurongel von Garnier. Mehr Luxus bekommt mein Gesicht aktuell nicht.
Wobei ich zugeben muss, dass ich schon immer eine gewisse Angst davor hatte, irgendwann auszusehen wie eine welke Pflaume. Das klingt gemein. Ist aber die Wahrheit.
Als ich ein Kind war, gab es diese Frauen, die mit Mitte dreißig plötzlich aussahen, als hätten sie beschlossen, direkt in die Rente zu wechseln. Kittelschürze. Dauerwelle. Praktische Schuhe. Und irgendwie wirkten sie für mein Kinderhirn uralt.
Heute bin ich älter als viele dieser Frauen damals. Und trage weder Kittelschürze noch Dauerwelle. Dafür Wechseljahre. Man kann eben nicht alles haben.
Aber zurück zum Badezimmer. Denn mittlerweile steht dort zwar jede Menge Schminke. Nur nicht meine. Da stehen Abschminktücher. Blush. Concealer. Pinsel. Irgendwelche Produkte, deren Namen ich nicht einmal aussprechen kann. Und sie gehören alle meinem Exemplar.
Früher gehörte mir das Badezimmer. Heute bin ich dort eher Gast. Noch schlimmer wird es bei meiner Haarbürste. Meine Haarbürste. Nicht ihre. Meine. Warum sie ständig meine benutzt? Weil sie ihre nie findet. Oder weil sie zu faul ist zu suchen. Ich schwanke noch zwischen beiden Theorien.
Jedenfalls suche ich mittlerweile regelmäßig meine eigene Bürste wie ein Archäologe auf Ausgrabung. Manchmal finde ich sie. Manchmal nicht. Und manchmal liegt sie dort, wo sie definitiv nicht hingehört. Pubertät scheint eine natürliche Fähigkeit zu entwickeln, Gegenstände zu verlegen, die einem gar nicht gehören.
Doch heute erreichte das Ganze eine neue Stufe. Im letzten Artikel habe ich bereits von den legendären Roblox-Telefonaten berichtet. Diese stundenlangen Gespräche mit der besten Freundin. Zwanzig Stufen entfernt. Über WhatsApp. Während beide Roblox spielen. Ein Konzept, das ich bis heute nicht vollständig verstanden habe.
Heute kam allerdings eine Erweiterung hinzu. YouTube lief auf dem Tablet, das auf der Toilette lag. Dort lief Musik. Auf dem Handy, das daneben lag, war ihre beste Freundin zu sehen. Und mein Exemplar schminkte sich. Währenddessen kommentierte sie jeden einzelnen Schminkschritt. Jeden. Einzelnen.
„Jetzt mache ich Blush drauf.“
„Warte, ich nehme doch den anderen.“
„Nee, das sieht komisch aus.“
„Findest du?“
„Ich glaube, das passt besser.“
„Warte.“
„Jetzt noch Concealer.“
„Oh nein.“
„Doch.“
„Nee.“
„Doch.“
Ich stand in der Küche und fragte mich, ob ich versehentlich in einer Live-Übertragung gelandet war. Denn gefühlt kommentierte sie ihr Gesicht wie ein Fußballmoderator ein Bundesligaspiel. Und ihre Freundin machte begeistert mit.
Ich hätte niemals gedacht, dass man über Concealer länger diskutieren kann als über Politik. Aber offenbar ist alles möglich. Währenddessen stand ich in meiner eigenen kleinen Realität. Der Kuchen war im Ofen. Die Hitzewallung meines Lebens rollte an. Ich schwitzte wie ein Marathonläufer kurz vor dem Zieleinlauf. Und versuchte gleichzeitig zu verhindern, dass mein Kuchen zu einer biologischen Waffe wird.
Das ist übrigens auch so ein Wechseljahre-Ding. Man macht etwas völlig Normales. Zum Beispiel backen. Und plötzlich entscheidet der Körper: Wir simulieren jetzt tropisches Klima. Und noch besser. Backmischungen werden einfach nicht mehr richtig gelesen. So wird aus einer simplen Backmischung ein neues Rezept. Viel Spaß.
Also stand ich da. Mit rotem Gesicht. Schwitzend. Genervt. Und schaute nebenbei „Achtsam Morden“. Nicht wegen des Mordens. Das möchte ich ausdrücklich betonen. Sondern weil die Serie erstaunlich entspannend ist. Was vermutlich ebenfalls etwas über mein Alter aussagt. Mit zwanzig hätte ich Action geschaut. Mit vierzig freue ich mich über Menschen, die lernen, Grenzen zu setzen. Das ist wahrscheinlich die natürliche Entwicklung einer Frau.
Mit zwanzig kämpfst du um die Liebe. Mit vierzig kämpfst du um Ruhe. Und deshalb verstehe ich die Hauptfigur von „Achtsam Morden“ manchmal erschreckend gut. Nicht das Morden. Nur die Sehnsucht nach Ruhe. Denn ab vierzig brauchst du definitiv eine Form von Achtsamkeitstraining. Sonst würdest du irgendwann anfangen, Menschen anzuknurren.
Vor allem dann, wenn gleichzeitig: der Kuchen verbrennt, die Hitzewallung kommt, die Haarbürste verschwunden ist, Roblox im Hintergrund läuft, eine Freundin über WhatsApp zugeschaltet ist, und jemand ausführlich erklärt, warum der neue Blush besser aussieht als der alte. Das Leben mit einer pubertierenden Tochter ist faszinierend. Nicht schlimm. Nicht anstrengend im klassischen Sinn. Einfach faszinierend. Man beobachtet täglich, wie sich ein Mensch verändert. Wie plötzlich Interessen entstehen. Wie Dinge wichtig werden, die gestern noch völlig egal waren. Wie aus dem kleinen Mädchen langsam eine junge Frau wird.
Und manchmal passiert das so schleichend, dass man es erst merkt, wenn man plötzlich vor einem Badezimmer steht, das nicht mehr aussieht wie das eigene. Dann wird einem bewusst: Die Zeit vergeht. Die Rollen verändern sich. Und irgendwann steht dort nicht mehr das kleine Kind, das deine Haarbürste klaut. Sondern eine junge Frau. Mit eigenen Gedanken. Eigenem Stil. Eigenem Leben.
Und während sie sich schminkt, Roblox spielt, telefoniert und Musik hört, stehst du in der Küche, kämpfst mit den Wechseljahren und einem Kuchen. Und irgendwie sind beide Lebensphasen gar nicht so unterschiedlich. Sie entdeckt sich selbst. Und ich entdecke mich gerade neu. Sie bekommt mehr Hormone. Ich verliere welche. Sie beginnt einen neuen Abschnitt. Ich ebenfalls.
Nur an unterschiedlichen Enden des Lebens. Und vielleicht ist genau das das Verrückte daran. Wir beide verändern uns gleichzeitig. Nur in unterschiedliche Richtungen. Und trotzdem sitzen wir am Abend oft gemeinsam auf der Couch. Sie mit ihrem Handy. Ich mit meiner Serie. Und irgendwo dazwischen liegt meine verschwundene Haarbürste.
Und falls heute irgendwo ein kleiner Wichtel seine Bürste sucht, während im Hintergrund Roblox läuft und jemand über Blush diskutiert, dann weiß er: Das Leben ist manchmal chaotisch. Aber genau dieses Chaos macht die schönsten Geschichten.