Die Kraft der Selbstfindung: Wie bewusster Rückzug zu mehr Zufriedenheit führt

Beschreibe eine positive Veränderung, die du in deinem Leben vorgenommen hast.

In einer Welt, die oft von Hektik, Reizüberflutung und ständigem Austausch geprägt ist, kann es eine der wertvollsten Veränderungen sein, wieder zu sich selbst zu finden. Genau das ist mir gelungen und es hat mein Leben nachhaltig positiv beeinflusst.

Der erste und vielleicht wichtigste Schritt war die Selbstfindung. Für mich bedeutet das, im Einklang mit mir selbst zu sein, meine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und anzunehmen. Daraus entsteht ein Gefühl von innerem Glück und Zufriedenheit. Denn nur wer selbst erfüllt ist, kann diese positive Energie auch an andere weitergeben.

Ein entscheidender Faktor auf diesem Weg war mein bewusster Umgang mit Medien. Ich habe aufgehört, regelmäßig Nachrichten zu konsumieren und reduziere Fernsehen auf ein Minimum. Stattdessen schaffe ich Raum für Dinge, die mich wirklich bereichern, vor allem Kreativität.

Durch meine Hobbys, die Fotografie und das Schreiben von Geschichten, habe ich etwas wiederentdeckt, das im Alltag oft verloren geht: das Staunen. Dieses Staunen öffnet den Blick für die kleinen, oft übersehenen Details des Lebens und ist für mich eine Quelle von Wissen und Inspiration geworden. Es ist gleichzeitig ein Rückzugsort vom Alltagsstress, ein Moment, in dem ich ganz bei mir bin.

Eine weitere wichtige Erkenntnis war, dass Alleinsein nichts Negatives ist. Im Gegenteil: Es kann ein Geschenk sein. Zeit nur für mich selbst zu haben, ohne Ablenkung oder äußere Einflüsse, gibt mir Kraft und Klarheit. Ich habe gelernt, diese Momente zu schätzen und bewusst zu genießen.

Diese Veränderungen haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, sich selbst Raum zu geben für Stille, Kreativität und Reflexion. Denn genau darin liegt oft der Schlüssel zu einem erfüllten und ausgeglichenen Leben.

Welche Sportart macht am meisten Spass?

Welche sportliche Betätigung macht am meisten Spaß?

Diese Frage klingt zunächst einfach, fast so, als gäbe es darauf eine allgemeingültige Antwort. Doch je länger man darüber nachdenkt, desto klarer wird: Spaß am Sport ist etwas sehr Persönliches.
Für viele Menschen bedeutet Sport Ausgleich, Energie und Begeisterung. Für andere hingegen ist er vor allem anstrengend. Und genau das ist völlig in Ordnung.
Ich gehöre eher zur zweiten Gruppe. Nach einem langen Arbeitstag bin ich ehrlich gesagt einfach nur froh, wenn ich meine Beine hochlegen kann. Der Gedanke, mich dann noch aktiv zu bewegen, wirkt nicht motivierend, sondern eher abschreckend. Sport ist für mich kein Muss und auch keine Leidenschaft.
Und trotzdem gibt es etwas, das mich am Sport fasziniert: die Atmosphäre.
Ich gehe unglaublich gerne zu Spielen im American Football. Nicht, weil ich selbst spielen möchte, sondern wegen der Stimmung. Die Energie im Stadion, die Fans, das gemeinsame Mitfiebern, das alles hat eine ganz eigene Magie. Es ist dieses Gefühl von Gemeinschaft und Spannung, das mich begeistert.
Abseits davon genieße ich etwas viel Ruhigeres: Spaziergänge. Ohne Leistungsdruck, ohne Ziele, einfach nur gehen. Frische Luft, Gedanken sortieren, vielleicht ein bisschen abschalten, das ist für mich die angenehmste Form von Bewegung.
Vielleicht ist genau das die Antwort auf die Frage:
Die Sportart, die am meisten Spaß macht, ist nicht unbedingt die, die man aktiv ausübt. Manchmal ist es die, die man beobachtet. Oder die Bewegung, die sich gar nicht wie Sport anfühlt.
Spaß entsteht nicht durch Anstrengung allein, sondern durch das, was sich für einen selbst richtig anfühlt.

Braucht Liebe noch die Ehe?- Zwischen früheren Werten und heutiger Freiheit

Gestern hatte ich ein Gespräch, das mich nicht mehr loslässt.

Ich saß bei einer Bewohnerin, wie ich es schon so oft getan habe. Gespräche am Lebensende sind oft ehrlich, klar und frei von dem, was wir im Alltag so gerne ausblenden. Vielleicht, weil nichts mehr beschönigt werden muss. Vielleicht, weil man am Ende genau weiß, was wirklich gezählt hat. Wir sprachen über das Thema Heiraten.

Ich fragte sie, ob sie ihren Mann noch einmal heiraten würde, wenn sie die Wahl hätte.

Ohne zu zögern sagte sie:
„Ja. Sofort. Er war ein guter Ehemann. Ich wünschte, er würde noch leben.“

Dieser Satz war so einfach und gleichzeitig so schwer. Denn er stellte mir eine Frage, die ich seitdem nicht mehr loswerde:
Würden wir heute noch einmal genauso entscheiden?

Das Bild, das wir einmal hatten. Als ich in der vierten Klasse war, sollten wir einen Aufsatz schreiben: „Wo siehst du dich mit 30?“ Ich wusste die Antwort sofort. Ich schrieb:

verheiratet

zwei Kinder

ein Haus

Haustiere

Das klassische Bild einer Bilderbuchfamilie. Ich habe mir das nicht ausgedacht. Ich habe es vorgelebt bekommen. Meine Eltern hatten genau das, Stabilität, Struktur, ein gemeinsames Leben. Für mich war das kein Traum, sondern eine Selbstverständlichkeit. So funktioniert das Leben, dachte ich. Man wächst auf, verliebt sich, heiratet, gründet eine Familie und bleibt zusammen.

Es war ein einfacher Plan. Und ein klarer. Die Realität, in der ich heute lebe. Heute bin ich 42. Ich bin nicht verheiratet. Ich habe ein Kind. Ich habe kein Haus. Und vor allem: Ich kann mir eine Ehe heute nicht mehr so vorstellen, wie ich sie mir damals vorgestellt habe. Nicht, weil ich nicht an Liebe glaube. Im Gegenteil. Ich glaube nur nicht mehr daran, dass ein Ring entscheidet, ob zwei Menschen zusammengehören. Ich glaube nicht mehr daran, dass eine Unterschrift Liebe stabil macht. Und ich frage mich: War das Konzept jemals so stabil, wie wir es uns eingeredet haben? Früher war nicht alles Liebe, aber vieles war Notwendigkeit.

Wenn wir über „früher“ sprechen, reden wir oft mit einer gewissen Verklärung. Wir sehen: lange Ehen, Beständigkeit, Menschen, die „durchgehalten“ haben und wir verbinden das automatisch mit tiefer Liebe. Aber war das wirklich so? Ein großer Teil dieser Stabilität hatte weniger mit Romantik zu tun und mehr mit wirtschaftlicher Realität. Früher war es für viele Menschen schlicht nicht möglich, alleine zu leben.

Frauen hatten oft kein eigenes Einkommen oder nur ein sehr geringes. Wohnungen wurden bevorzugt an Ehepaare vergeben, ein Haus konnte man sich meist nur gemeinsam leisten, soziale Absicherung war eng an Familie und Ehe gebunden. Eine Ehe war nicht nur ein emotionales Bündnis, sie war ein wirtschaftliches Modell. Man heiratete nicht nur aus Liebe, sondern auch: um sich ein Leben leisten zu können, um gesellschaftlich anerkannt zu sein, um Sicherheit zu haben. Alleinstehend zu sein bedeutete oft Unsicherheit. Heute ist das anders. Heute kann eine Frau alleine leben. Heute kann man als Single eine Wohnung bekommen. Heute kann man ein Kind haben, ohne verheiratet zu sein. Diese Freiheit ist ein Fortschritt. Aber sie hat auch etwas verändert.

Wenn man bleiben muss und wenn man gehen kann. Früher blieb man oft, weil man musste. Heute bleibt man, weil man will. Das klingt zunächst wie eine Verbesserung und das ist es in vielerlei Hinsicht auch. Niemand sollte in einer unglücklichen oder gar schädlichen Beziehung gefangen sein. Aber diese Freiheit hat eine Kehrseite. Wenn Gehen jederzeit möglich ist, wird Bleiben zu einer bewussten Entscheidung, immer wieder neu. Und genau das macht Beziehungen heute anspruchsvoller. Denn: man muss sich aktiv füreinander entscheiden, man hat weniger äußeren Druck zusammenzubleiben, man hat mehr Optionen. Und Optionen verändern unser Verhalten.

Die Illusion der perfekten Passung Ich beobachte heute oft, dass Beziehungen schneller hinterfragt werden. Wenn etwas nicht passt, kommt schnell die Frage: „Ist das wirklich der richtige Mensch für mich?“ Und was natürlich für die heutige Zeit spricht: Muss ich überhaupt einen Partner an meiner Seite haben? Viele Menschen (Mütter, Frauen, Männer) leben heute gut alleine. Der Alltag ist oft so anspruchsvoll und stressig, das gar kein Platz und keine Zeit für einen Partner ist.

Früher stellte man diese Frage vielleicht auch, aber die Antwort hatte weniger Konsequenzen. Heute schon. Wir leben in einer Zeit, in der wir glauben, dass es irgendwo die perfekte Passung geben muss: der richtige Partner, die richtige Beziehung,  das richtige Gefühl. Und wenn es schwierig wird, denken viele: Vielleicht gibt es jemanden, bei dem es leichter ist.

Früher dachte man eher: Das gehört dazu. Wir müssen einen Weg finden. „Man hat früher nicht alles weggeworfen“ Das ist ein Satz, den ich in meiner Arbeit oft höre.

Viele der Menschen, die ich am Ende ihres Lebens begleitet habe, hatten lange Ehen. Manche hatten auch mehrere (geschuldet durch Krankheit, Krieg oder ähnliches). Aber fast alle sagen irgendwann: „Früher hat man Dinge repariert.“ Und sie meinen damit nicht nur Gegenstände. Sie meinen Beziehungen.Man hat gestritten, aber man ist geblieben. Man hat Krisen durchgestanden. Man hat Kompromisse gemacht. Das bedeutet nicht, dass alles gut war. Aber es bedeutet, dass der Umgang mit Problemen ein anderer war. Heute wird oft schneller entschieden: Das passt nicht mehr. Früher wurde öfter gefragt: Wie können wir das wieder passend machen?

Die Rolle von Verantwortung und Pflicht. Ein weiterer Unterschied liegt im Verständnis von Verantwortung. Früher war Ehe oft auch Pflicht: gegenüber dem Partner, gegenüber den Kindern, gegenüber der Gesellschaft. Heute ist Ehe oder Beziehung allgemein stärker mit persönlichem Glück verbunden. Und das ist verständlich. Aber es verändert den Fokus. Wenn Glück im Mittelpunkt steht, wird eine Beziehung daran gemessen, wie sehr sie dieses Glück erfüllt. Wenn Pflicht im Mittelpunkt steht, wird eine Beziehung daran gemessen, ob man sie aufrechterhält. Beides hat Vor- und Nachteile.

Meine Begegnungen mit alten Paaren. Ich habe viele Paare am Ende ihres Lebens gesehen. Einige waren noch immer eng verbunden. Man konnte sehen, dass da etwas gewachsen ist – über Jahrzehnte.  Andere hatten eine komplizierte Geschichte:mehrere Ehen, Brüche, neue Anfänge. Und trotzdem sagten viele am Ende: „Es war gut.“ Nicht perfekt. Aber gut. Und was ich immer wieder bei dieser Verbundenheit erlebt habe, war nicht nur der Satz „ich Liebe dich“. Es ging immer darum, für einander da zu sein, bis zum Tod auch wenn es nicht immer leicht war. Die Hand des anderen zu halten. Das Leben wurde damit gefüllt, den anderen zu pflegen.   Was mich besonders berührt hat, war nicht die Perfektion ihrer Beziehungen, sondern ihre Beständigkeit trotz Unvollkommenheit.

Die Frauen, die alles zusammengehalten haben Viele Männer waren früher lange weg: auf See, auf Montage, bei der Arbeit. Und die Frauen haben den Alltag getragen: Haushalt, Kinder, Organisation. Sie haben Strukturen geschaffen, die das Leben zusammengehalten haben.Das war oft selbstverständlich und gleichzeitig eine enorme Leistung. Heute sind Rollen anders verteilt. Und das ist gut. Aber es bedeutet auch, dass Beziehungen neu ausgehandelt werden müssen. Nichts ist mehr vorgegeben. Und wo stehe ich heute? Ich habe das Leben nicht so gelebt, wie ich es mir als Kind vorgestellt habe. Und trotzdem fühlt es sich nicht falsch an.

Ich habe gelernt: Liebe braucht keine Form, um echt zu sein. Nähe entsteht nicht durch einen Vertrag.  Verbindung entsteht durch gemeinsame Entscheidungen. Ich wollte früher einmal heiraten. Heute denke ich: Vielleicht ist es nicht die Ehe, die ich wollte, sondern das Gefühl dahinter. Sicherheit. Zusammengehörigkeit. Verlässlichkeit. Und vielleicht kann man all das auch ohne Trauschein haben. Der Begriff „Lebensgefährte“. In einem Interview sagte einmal jemand, dass sie den Begriff „Lebensgefährte“ schöner findet als „Ehemann“. Ich musste darüber nachdenken.

Und ich glaube für mich, sie hat recht. „Ehemann“ klingt nach Rolle. Nach Institution. Nach etwas Festgelegtem. „Lebensgefährte“ klingt nach: gemeinsam gehen, begleiten, ein Stück Leben teilen. Es ist weniger starr. Und vielleicht ehrlicher. Funktioniert das alte Konzept noch? Ich glaube: Ja. Aber nicht automatisch. Es funktioniert bei Menschen, die: ähnliche Werte haben, bereit sind, durch schwierige Zeiten zu gehen, nicht beim ersten Zweifel aufgeben. Ich sehe solche Paare auch heute noch.

Aber ich sehe auch viele, die schneller auseinandergehen. Nicht, weil sie unfähig sind zu lieben, sondern weil sie andere Möglichkeiten haben. Haben wir etwas verloren? Vielleicht. Vielleicht haben wir ein Stück Verbindlichkeit verloren. Vielleicht haben wir verlernt, Dinge auszuhalten. Vielleicht haben wir zu viele Optionen und zu wenig Geduld. Aber wir haben auch etwas gewonnen: Freiheit, Selbstbestimmung, die Möglichkeit, sich nicht an ein Leben zu binden, das nicht passt.

Die Frage ist nicht, ob früher alles besser war.

Die Frage ist: Was davon war wertvoll und was davon wollen wir behalten?

Die eigentliche Frage

Wenn ich an das Gespräch mit meiner Bewohnerin denke, bleibt eine Frage: War ihre Ehe so gut, weil sie aus einer anderen Zeit stammt? Oder weil sich zwei Menschen hatten, die sich wirklich füreinander entschieden haben, immer wieder?

Vielleicht ist es genau das. Nicht die Zeit. Nicht die Umstände. Sondern die Entscheidung.

Fazit

Liebe hat sich nicht verändert. Aber die Bedingungen, unter denen wir sie leben, haben sich verändert. Früher war Ehe oft ein Rahmen, der Stabilität gegeben hat, manchmal aus Überzeugung, manchmal aus Notwendigkeit.

Heute ist dieser Rahmen optional. Das macht Beziehungen freier, aber auch fragiler.

Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, ob man heiratet oder nicht. Sondern darum:

ob man bleibt, wenn es schwierig wird,  ob man bereit ist, gemeinsam zu wachsen,  ob man einen Menschen findet, der nicht perfekt ist, aber richtig.

Und vielleicht ist das Schönste nicht der Titel „Ehemann“ oder „Ehefrau“.

Sondern das Gefühl, jemanden an seiner Seite zu haben, der ein Stück des Weges mitgeht. Einen Lebensgefährten.

Und vielleicht sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel auf einer alten Bank, hört sich all diese Geschichten von früher und heute an, lächelt leise und denkt sich:

„Früher war nicht alles besser… aber vielleicht haben die Menschen sich manchmal einfach länger füreinander entschieden.“

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Blicke in der Pubertät

Es gibt Menschen, bei denen reicht ein Blick. Ein einziger. Und du weißt genau, was los ist.
Da ist der Blick, der sagt: „Mir geht’s gut.“ Und du glaubst es. Dann gibt es den Blick, der sagt: „Alles in Ordnung.“ Und du weißt sofort: Nichts ist in Ordnung.
Und dann gibt es diese ganz besondere Kategorie. Diese Mischung aus… irgendwas. Ein bisschen echt. Ein bisschen gespielt. Ein bisschen undurchschaubar.
Und irgendwann, wenn man älter wird, lernt man, das zu lesen. Man wird vorsichtiger. Lässt nicht mehr jeden nah ran. Schaut genauer hin.
Und man merkt ziemlich schnell: Wer es ehrlich meint. Und wer nicht.
Zumindest denkt man das.
Bis… man ein pubertierendes Mädchen zu Hause hat.
Denn dann merkt man ganz schnell: All das Wissen… hilft dir genau gar nicht.
Mein Exemplar ist da ein perfektes Beispiel.
Pubertierende Mädchen sind sowieso ein Phänomen. Wirklich.
Ich bin mir nicht sicher, ob man das verstehen muss oder ob man es einfach nur beobachten sollte. Denn eines ist sicher: Sie haben einen Gesichtsausdruck.
Einen.
Und der ist… nicht zu deuten. Wirklich nicht. Ich habe schon alles versucht.
Interpretieren.
Analysieren.
Zwischen den Zeilen lesen.
Keine Chance.
Mein Exemplar betritt also den Raum. Alles wirkt ruhig. Alles wirkt normal. Aber dieser Blick…
Ich schaue sie an.
Sie schaut mich an.
Und in meinem Kopf läuft ein ganzes Programm ab:
„Was ist passiert?“
„Habe ich etwas vergessen?“
„Ist in der Schule etwas gewesen?“
„Habe ich irgendwas falsch gemacht?“
Und dann stelle ich die Frage: „Was ist denn jetzt schon wieder passiert?“
Und die Antwort kommt prompt: „Nichts.“
Aha. Nichts. Dieser Blick sagt alles. Aber das Wort sagt: nichts.
Und dann beginnt dieses kleine Spiel. „So siehst du aber nicht aus.“
„Mama… so sehe ich immer aus.“ Stille. Und ich denke mir: „Ja… wenn man pubertierend ist vielleicht.“
Denn ganz ehrlich? So sehe ich nicht aus, wenn bei mir „nichts“ ist. Bei mir sieht man das. Ich bin da sehr… transparent. Wenn ich gut drauf bin, sieht man das. Wenn ich genervt bin, sieht man das auch. Und wenn ich versuche, es zu überspielen, sieht man es wahrscheinlich erst recht. Ich bin nicht der Mensch, der viel versteckt.
Ich stehe morgens auf. Und meistens beginnt der Tag gut. Der erste Kaffee. Ruhe. Dieses gedämpfte Licht am Morgen. Die Welt ist noch leise. Meine Gedanken auch. Ich sitze da. Trinke meinen Kaffee. Und denke mir: „Okay… das könnte heute ein guter Tag werden.“ Dann kommt der zweite Kaffee. Und dann… kommt der Rest.
Menschen. Geräusche. Gespräche. Und irgendwo zwischen all dem verändert sich etwas. Ganz schleichend. Ich merke oft gar nicht genau, wann es passiert. Wann dieser Punkt kommt, an dem meine Stimmung kippt. Ein Satz. Ein Geräusch. Ein Moment. Und plötzlich bin ich genervt. Nicht dramatisch. Aber spürbar. Und das ist der Unterschied. Bei mir merkt man das. Ich meckere vielleicht kurz. Ein kleiner Kommentar. Ein kleiner Ausbruch. Und dann… geht es weiter. Ich versuche, mich wieder einzufangen. Zurückzukommen. Denn ich möchte nicht in diesem Gefühl bleiben. Ich möchte lieber wieder lächeln. Nicht, weil ich muss. Sondern weil ich es möchte. Weil ich weiß, dass es sich besser anfühlt.

Und trotzdem… bin ich ehrlich. Ich verstecke es nicht komplett. Meine Stimmung darf man sehen. Und genau deshalb verstehe ich diesen Teenager-Blick nicht.
Dieser Blick, der alles sein kann. Und nichts gleichzeitig.
Ist sie traurig? Ist sie genervt? Ist sie müde? Ist sie einfach nur… da? Ich weiß es nicht. Und das macht mich manchmal wahnsinnig. Denn ich bin es gewohnt, zu lesen. Zu verstehen. Aber hier? Stehe ich vor einem Rätsel. Und vielleicht ist genau das der Punkt. Dass Pubertät nicht logisch ist. Dass sie nicht klar ist. Dass sie nicht immer erklärbar ist. Sondern einfach… ist.
Ein Zustand. Ein Gefühl. Ein Chaos. Und vielleicht ist dieser Blick genau das. Ein Spiegel von innen.
Ein Gesichtsausdruck, der gar nicht dafür da ist, verstanden zu werden. Sondern einfach… da ist. Und während ich versuche, diesen Blick zu deuten… steht sie wahrscheinlich und denkt: „Warum macht sie daraus jetzt schon wieder so ein Ding?“
Und irgendwo haben wir beide recht. Ich mit meinem Bedürfnis zu verstehen. Und sie mit ihrem Bedürfnis, einfach zu sein. Und vielleicht ist das der Unterschied zwischen uns. Ich möchte Dinge einordnen. Sie möchte sie einfach fühlen. Und beides ist okay. Auch wenn es manchmal nicht zusammenpasst. Und vielleicht muss ich lernen, nicht alles zu hinterfragen. Nicht jeden Blick zu analysieren. Nicht jedes „Nichts“ zu übersetzen. Vielleicht reicht es manchmal, es einfach stehen zu lassen. Auch wenn es schwerfällt. Denn am Ende… ist es nur ein Blick. Und dahinter steckt ein Mensch der gerade seinen eigenen Weg findet. Mit Gefühlen, die neu sind. Mit Gedanken, die sich noch sortieren müssen. Und vielleicht… ist dieser Blick gar nicht leer. Sondern einfach nur voll. Zu voll, um ihn in Worte zu packen. Und während ich darüber nachdenke, wie ich früher selbst war… wird mir klar: Vielleicht war ich gar nicht so anders. Vielleicht habe ich nur vergessen, wie sich das anfühlt.
Dieses Durcheinander. Dieses Nicht-Wissen. Dieses „Lass mich einfach“. Und vielleicht ist genau das meine Aufgabe. Nicht alles zu verstehen. Sondern da zu sein. Auch mit Fragezeichen im Kopf. Auch mit diesem Blick vor mir. Und vielleicht sitze ich irgendwann da, trinke meinen Kaffee in Ruhe, das Licht ist wieder gedämpft und meine Gedanken sind leise… und denke mir: „Das war gar nicht so schlimm.“

Und vielleicht sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel auf der Sofalehne, beobachtet mich dabei, wie ich versuche, diesen einen Gesichtsausdruck zu entschlüsseln, schmunzelt leise und sagt: „Manche Blicke sind nicht dafür da, verstanden zu werden… sondern einfach dafür, da zu sein.“

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Zwischen Mut und Freiheit – welche Figur wäre ich

Wenn du eine Figur aus einem Buch oder Film sein könntest, wer wärst du? Warum?

Wenn man mich fragt, welche Figur aus einem Buch oder Film ich gerne wäre, fällt mir die Antwort heute ganz anders aus als noch in meiner Kindheit. Früher wollte ich unbedingt Cinderella sein, die klassische Märchenfigur, die trotz aller Widrigkeiten am Ende ihr Glück findet. Ich liebte die Geschichten und Filme in all ihren Varianten. Doch je älter ich wurde, desto mehr erkannte ich: In der Realität ist das Leben selten ein Märchen, und das „Gerettetwerden“ ist kein Konzept, mit dem ich mich identifizieren möchte.
Heute sehe ich mich eher als eine Mischung aus zwei ganz besonderen Figuren: Mulan und Ronja die Räubertochter.
Beginnen wir mit Mulan. Ihre Geschichte ist geprägt von Mut, Selbstaufopferung und innerer Stärke. Sie tritt an die Stelle ihres Vaters, verkleidet sich als Mann und zieht in den Krieg, nicht aus Ruhmsucht, sondern aus Liebe und Verantwortung. Was mich an ihr besonders beeindruckt, ist jedoch nicht nur ihr Mut, sondern ihre Authentizität. Trotz der Verkleidung und der Erwartungen, die auf ihr lasten, bleibt sie sich selbst treu. Mulan zeigt, dass wahre Stärke nicht darin liegt, sich anzupassen, sondern darin, zu sich selbst zu stehen. Ihre Botschaft ist klar: Du musst nicht den Erwartungen anderer entsprechen, um wertvoll zu sein.
Auf der anderen Seite steht Ronja Räubertochter, erschaffen von Astrid Lindgren. Ronja ist wild, frei und zutiefst mit der Natur verbunden. Sie wächst in einer Welt voller Konflikte auf, entscheidet sich jedoch bewusst für ihren eigenen Weg. Besonders beeindruckend ist ihr moralischer Kompass: Für sie zählt Freundschaft mehr als Feindschaft, selbst wenn sie sich damit gegen ihre eigene Familie stellt. Ronja zeigt, dass es in Ordnung ist, bestehende Regeln zu hinterfragen und eigene Werte zu entwickeln.
Diese beiden Figuren vereinen für mich zwei essenzielle Lebenshaltungen: den Mut, für sich und andere einzustehen, und die Freiheit, den eigenen Weg zu gehen. Während Mulan für innere Stärke und Selbsttreue steht, verkörpert Ronja Unabhängigkeit und die Kraft, nach den eigenen Überzeugungen zu leben.
Wenn ich also wählen könnte, wäre ich keine einzelne Figur, sondern eine Mischung aus beiden. Eine Person, die mutig genug ist, Verantwortung zu übernehmen, und gleichzeitig frei genug, sich nicht von äußeren Erwartungen einschränken zu lassen. Eine, die weiß, wer sie ist, und den Mut hat, genau das auch zu leben.

Haben wir verlernt, miteinander zu sprechen?


Manchmal sitze ich einfach nur da und beobachte. Ganz still. Ganz unauffällig. Und schaue mir an, wie Menschen miteinander umgehen. Oder besser gesagt… wie sie es manchmal nicht mehr tun.
Neulich habe ich eine Dokumentation über Tiere gesehen. Und ich war ehrlich gesagt fasziniert. Nicht nur ein bisschen. Sondern so richtig. Denn dort funktioniert etwas, was bei uns Menschen irgendwie… anders geworden ist.
Kommunikation.
In der Tierwelt ist sie überlebenswichtig. Nicht optional. Nicht nebenbei. Sondern essenziell. Ameisen zum Beispiel. So klein. So unscheinbar. Und doch so unglaublich stark.
Wenn eine Überschwemmung kommt, passiert etwas Faszinierendes. Sie verbinden sich. Mit ihren Beinen. Mit ihren Körpern. Mit allem, was sie haben. Sie werden zu einer Einheit. Zu einer kleinen Insel. Keine Panik. Kein Chaos. Nur Kommunikation. Jede weiß, was zu tun ist. Jede verlässt sich auf die andere. Und gemeinsam überleben sie.
Oder Sardinen. Ein Schwarm. Tausende von kleinen Fischen. Und plötzlich… werden sie zu einem Bild. Sie bewegen sich wie ein einziger Körper. Formen Muster. Täuschen Größe vor. Verwirren ihre Feinde. Und das alles… ohne Worte. Nur durch Kommunikation.
Und dann sind da noch die Vögel. Diese unglaublichen Schwärme am Himmel. Die sich bewegen, als wären sie verbunden. Ein Richtungswechsel. Und alle folgen. Ohne Zusammenstoß. Ohne Chaos. Wie ein Tanz. Perfekt abgestimmt. Und ich sitze da und denke: Wie machen die das?
Wie schaffen sie es, so miteinander zu sein? So verbunden. So aufmerksam. So klar. Und dann denke ich an uns. An die Menschen. Und frage mich: Haben wir das verlernt? Oder sind wir gerade dabei, es zu verlernen? Oder liegt es daran, das die Tiere vielleicht nicht reden und ihre Kommunikation anders vollziehen? Weil wenn sie vielleicht reden könnten, würden sie vielleicht auch nicht mehr so eine Einheit bilden weil die Kommunikation am Thema vorbei geht oder einfach unpassend ist oder einfach nur nervt?
Denn eigentlich… konnten wir das auch einmal. Vor 200 Jahren zum Beispiel. Auf Schlachtfeldern In Situationen, in denen es ums Überleben ging. Da war Kommunikation entscheidend. Ein Blick. Ein Zeichen. Ein Ruf. Und man wusste, was zu tun ist. Oder noch weiter zurück.
Steinzeit.
Menschen, die noch nicht so gesprochen haben wie wir heute. Und trotzdem… haben sie sich verstanden. Sie mussten es. Um zu überleben. Um zu jagen. Um sich zu schützen.
Und heute? Heute können wir alles sagen. Alles erklären. Alles ausdrücken. Wir müssen ja aber auch nicht mehr zwingend überleben. Den Überlebensmodus haben wir ausgestellt, alles bekommen wir aufs Silbertablett serviert. Da muss man auch nicht mehr ordentlich kommunizieren.
Und trotzdem… wird es irgendwie weniger. Echte Gespräche. Diese Gespräche, bei denen man wirklich zuhört. Bei denen man nicht nur wartet, bis man selbst wieder dran ist. Diese Gespräche, bei denen man ganz da ist.
Ohne Ablenkung. Ohne Gedanken woanders. Ich merke das selbst. Dass es anstrengend geworden ist. Ein Gespräch bis zum Ende zu führen. Wirklich zuzuhören.
Dran zu bleiben. Nicht, weil ich nicht möchte. Sondern weil so viel da ist.
Der Alltag..Die Gedanken. Die Lautstärke. Diese Welt ist laut geworden.
Schnell..Reizvoll. Überfordernd.
Und dann kommt noch etwas dazu. Das Handy. Social Media. Und ich bin ehrlich: Ich mag es. Ich mag es,.weil ich mir aussuchen kann, was ich sehe.
Ich kann meinen Kopf leiser machen. Ich kann abschalten. Für einen Moment rausgehen aus all dem. Aber… es hat auch eine andere Seite.
Denn der Griff zum Handy ist so viel leichter geworden als der Griff zu einem Gespräch.
Wenn es anstrengend wird. Wenn es zu viel wird. Wenn man nicht mehr zuhören möchte.
Dann schaut man kurz aufs Display. Nur kurz. Und plötzlich ist man weg.
Nicht körperlich. Aber mit dem Kopf. Und genau da passiert etwas. Die Verbindung bricht.
Ganz leise. Nicht laut. Nicht sichtbar. Aber spürbar. Und ich frage mich oft: Was macht das mit uns? Mit unseren Beziehungen. Mit unserem Miteinander. Denn Kommunikation ist nicht nur reden. Es ist zuhören. Fühlen. Reagieren. Es ist das Dazwischen. Das, was nicht gesagt wird.
Und genau das… geht manchmal verloren. Ich merke das auch zu Hause. Mit meinem Teenager. Zwei Welten. Die eine… möchte reden. Verstehen. Austauschen. Die andere… lebt in einer ganz eigenen Geschwindigkeit. Direkter. Kürzer. Ein Satz. Ein Blick. Ich bin die, die die kurze Kommunikation bevorzugt ohne viel drum herum. Meine Tochter ist natürlich das komplette Gegenteil.
Ein „Ja“ oder „Nein“. Und oft denke ich: „Halte dich kurz…“ und der Moment ist schon vorbei. Und vielleicht liegt das gar nicht nur an ihr. Sondern auch an mir. Weil ich manchmal selbst nicht mehr die Ruhe habe. Weil ich selbst manchmal abschweife. Weil ich selbst manchmal lieber in mein Handy schaue, als ein Gespräch weiterzuführen. Deswegen haben wir das Ritual eingeführt, eine Uhrzeit, in der wir Zeit haben zu zuhören. So richtig. Den Tag auswerten, nicht nur nebenbei, sondern mit allen Sinnen.
Und das ist der Punkt, der mich nachdenklich macht. Denn eigentlich wissen wir es doch besser. Wir wissen, wie wichtig es ist. Diese echten Momente. Diese Gespräche. Diese Verbindungen.
Und trotzdem… verlieren wir sie manchmal. Nicht absichtlich. Sondern einfach… weil es leichter ist. Weil es schneller geht. Weil es weniger Kraft kostet. Und vielleicht ist genau das das Problem. Dass wir uns an das Einfache gewöhnt haben. An das Schnelle. An das Oberflächliche.
Und dabei vergessen, wie wertvoll das Tiefe ist. Denn echte Kommunikation braucht Zeit. Sie braucht Aufmerksamkeit. Und manchmal auch Geduld. Und vielleicht auch ein bisschen Mut. Mut, zuzuhören. Mut, da zu bleiben. Mut, sich wirklich einzulassen. So wie die Ameisen. So wie die Sardinen. So wie die Vögel. Die nicht überlegen, ob sie gerade Lust haben.
Die nicht abgelenkt sind. Die einfach… funktionieren. Gemeinsam. Und vielleicht müssen wir gar nicht alles verlernen. Vielleicht müssen wir uns nur wieder erinnern. Daran, wie es sich anfühlt, wirklich zuzuhören. Wirklich da zu sein. Nicht nur nebeneinander. Sondern miteinander. Und vielleicht fängt das schon ganz klein an. Ein Gespräch ohne Handy. Ein Blick ohne Ablenkung. Ein Moment ohne Eile. Vielleicht reicht das schon. Um wieder ein bisschen mehr Verbindung zu schaffen. Und während ich darüber nachdenke, wie Ameisen sich zu Inseln formen, wie Fische zu Bildern werden und wie Vögel gemeinsam durch den Himmel tanzen… sitze ich da mit meinem Handy in der Hand und lege es langsam zur Seite.
Nicht, weil ich muss. Sondern weil ich möchte. Weil ich merke, dass da noch mehr ist.
Mehr als Nachrichten. Mehr als Bilder. Mehr als kurze Ablenkung. Da ist Verbindung.

Und vielleicht sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel auf einer Bank, beobachtet uns Menschen bei unseren halben Gesprächen, unseren schnellen Blicken aufs Handy und unserem ständigen Hin und Her, schüttelt leicht den Kopf und sagt mit einem kleinen Lächeln: „Ihr könnt so viel sagen… aber manchmal vergesst ihr einfach, einander wirklich zu hören.“

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Zuhören… Die unterschätzte Kraft in einer lauten Welt

Welchen Job würdest du umsonst machen?

Eine scheinbar einfache Frage und doch trägt sie in der heutigen Zeit ein enormes Gewicht. In einer Welt, in der viele Menschen täglich ums Überleben kämpfen, in der Zeit oft gegen Geld getauscht wird und Aufmerksamkeit zur knappen Ressource geworden ist, wirkt diese Frage fast schon provokant.
Und doch gibt es eine Antwort, die leise ist und gleichzeitig unglaublich kraftvoll: Zuhören. Nicht das beiläufige Hören von Worten, während der Blick aufs Handy gerichtet ist. Nicht das schnelle Reagieren, Unterbrechen oder Bewerten. Sondern echtes Zuhören. Mit Geduld. Mit Offenheit. Mit dem Herzen. Gerade am Anfang und am Ende des Lebens zeigt sich, wie wertvoll diese Fähigkeit ist.
Menschen in ihrer letzten Lebensphase haben oft ein tiefes Bedürfnis zu sprechen. Sie möchten ihre Geschichten teilen, Erinnerungen festhalten, vielleicht auch Dinge aussprechen, die sie ihr Leben lang getragen haben. Sorgen, Geheimnisse, unausgesprochene Gedanken. Es geht nicht immer darum, Antworten zu bekommen. Oft geht es einfach darum, gehört zu werden, ohne Urteil, ohne Zeitdruck. Zuhören kann hier eine Form von Würde sein. Eine stille Begleitung, die Lasten leichter macht.
Doch auch Kinder erleben zunehmend eine Welt, in der ihnen zwar zugehört wird, aber selten wirklich. Zwischen Terminen, Erwartungen und digitalen Ablenkungen gehen ihre Gedanken und Gefühle oft unter. Dabei brauchen gerade sie jemanden, der sich auf ihre Perspektive einlässt. Der nicht sofort korrigiert, belehrt oder bewertet. Sondern einfach da ist. Der zeigt: Deine Worte sind wichtig. Du bist wichtig.
Und dann sind da all die Menschen dazwischen. Menschen, die nicht mehr weiter wissen. Die sich verloren fühlen. Die vielleicht keine Lösung suchen, sondern nur einen Raum, in dem sie ehrlich sein dürfen. Oft unterschätzen wir, wie viel ein offenes Ohr bewirken kann. Ein Gespräch kann keine Probleme verschwinden lassen, aber es kann verhindern, dass jemand sich alleine fühlt.
Zuhören ist keine kleine Geste. Es ist eine Haltung. Eine Entscheidung, dem Gegenüber Raum zu geben. Es bedeutet, sich selbst zurückzunehmen, um jemand anderen wirklich zu sehen und zu verstehen. Vielleicht ist Zuhören deshalb eine der wertvollsten „Tätigkeiten“, die man verschenken kann. Sie kostet kein Geld, aber sie erfordert etwas viel Kostbareres: Zeit, Aufmerksamkeit und echtes Mitgefühl. In einer Welt, die immer lauter wird, ist Zuhören vielleicht genau das, was wir am dringendsten brauchen.

Die Wärme in der Nacht und das Monster am Zeh

Schlaf. Eigentlich etwas ganz Einfaches. Man legt sich hin. Schließt die Augen.
Und wacht am nächsten Morgen wieder auf. So sollte es zumindest sein.
Aber wenn man mal ehrlich ist, ist Schlaf viel mehr als das. Schlaf ist Pause.
Für den Kopf. Für den Körper. Für all das, was sich über den Tag angesammelt hat.
Es ist die Zeit, in der sich Gedanken sortieren. In der Gefühle leiser werden.
In der der Körper irgendwie alles wieder auf Anfang stellt. Und ich merke das immer dann ganz besonders, wenn er fehlt. Wenn die Nacht unruhig ist. Wenn man sich ständig hin und her dreht.
Wenn man morgens aufwacht und denkt: „Ich bin irgendwie gar nicht wirklich da.“
Dann ist der Tag anders. Schwerer. Reizbarer. Lauter. Und plötzlich merkt man:
Wie wichtig guter Schlaf eigentlich ist. Nicht nur, um ausgeruht zu sein. Sondern um sich selbst wieder ein Stück näher zu kommen.
Und genau da beginnt mein Problem. Denn Schlaf… ist nicht mehr das, was er einmal war.
Und vielleicht liegt es nicht nur an der Wärme. Nicht nur an dem Körper, der plötzlich eigene Wege geht.
Sondern auch an etwas, das schon viel länger da ist.
Das Monster.
Als Kind hatte ich ein Bett, das für mich etwas ganz Besonderes war. Es war rot.
Ein bisschen wie ein Prinzessinnenbett. Und unter mir war ganz viel Platz. Eigentlich perfekt.
Wäre da nicht ein kleines Problem gewesen. Oder besser gesagt: Ein ziemlich großes. Unter meinem Bett wohnte ein Monster. Kein niedliches.
Keins mit Lolli im Mund. Keins, das freundlich winkt und sagt: „Keine Angst.“ Nein.
Das war eines von der Sorte, die darauf wartet, dass man einen Fehler macht.
Zum Beispiel… einen Fuß auf den Boden setzt.
Denn in meiner Vorstellung war ganz klar: Sobald mein Fuß den Boden berührt, ist er weg.
Einfach so. Gefressen. Und das Verrückte daran? Das hat sich eingebrannt.
So richtig. Tief. Ich weiß bis heute nicht, woher dieses Monster kam.
Ob ich es mir selbst ausgedacht habe. Ob es irgendwo erzählt wurde. Oder ob es einfach eines dieser typischen Kinderdinge ist, die plötzlich da sind und bleiben.
Aber eines weiß ich: Es war real. Zumindest für mich. Ich habe abends im Bett gelegen,
die Decke fest um mich gezogen und genau darauf geachtet: Bloß kein Fuß raus.
Manchmal lag ich sogar ganz still. Nur um sicherzugehen, dass ich es nicht aus Versehen herausfordere.
Und wenn ich nachts auf Toilette musste? Dann wurde es spannend.
Ich habe meinen Fuß ganz vorsichtig aus dem Bett bewegt. Ganz langsam. Bereit, ihn im Notfall sofort wieder hochzuziehen.
Und dann… zack. Schnell aufstehen. Licht an. Rennen.
Denn man weiß ja nie. Und irgendwann wird man älter. Man wächst.
Man versteht mehr. Man weiß: Unter dem Bett ist nichts. Oder?
Heute bin ich erwachsen. Zumindest sagt man das so. Aber eines hat sich nicht geändert.
Das Monster. Es ist vielleicht nicht mehr ganz so laut. Nicht mehr ganz so präsent. Aber es ist da. Manchmal ganz leise. Manchmal nur ein Gedanke. Und besonders nachts… meldet es sich wieder.
Wenn ich im Bett liege. Alles ruhig ist. Und meine Füße langsam Richtung Bettkante wandern. Dann ist da dieser Moment. Dieses kleine Zögern.
Dieses Gefühl von: „Vielleicht… lieber nicht.“ Denn wer weiß schon,
ob es nicht doch noch da sitzt. Am Fußende. Geduldig. Wartend.
Und ich bin mir ziemlich sicher: Dieses Monster lässt sich auch nicht vom Geruch abschrecken. Leider. Früher war das alles kein Problem.
Ich war zugedeckt. Die Decke war meine Sicherheit. Mein Schutzschild. Meine Grenze zwischen „alles gut“ und „besser nicht“. Doch dann kam etwas Neues dazu. Die Wärme.
Oder besser gesagt: Die Hitze. Nachts. Ich liege im Bett.
Und plötzlich wird es warm. Nicht angenehm warm. Sondern dieses:
„Ich muss hier raus“-warm. Dieses Gefühl,
als würde die Decke plötzlich zu viel sein.
Zu schwer. Zu nah. Und dann beginnt der innere Konflikt. Bleibe ich unter der Decke und schwitze vor mich hin? Oder wage ich es… einen Fuß rauszustrecken?
Ein Risiko. Ein echtes. Denn mit jedem Zentimeter außerhalb der Decke
kommt dieses alte Gefühl zurück. Dieses kleine Ziehen im Kopf.
Dieses: „Bist du dir sicher?“ Und dann liege ich da. Halb zugedeckt.
Halb draußen. Ein Bein raus. Das andere noch sicher versteckt. Ein Kompromiss.
Ich taste mich langsam vor. So, als würde ich das Monster nicht wecken wollen.
Und dann passiert… nichts. Meine Füße sind noch da. Und trotzdem… bleibt dieses Gefühl.
Diese Mischung aus Kindheit und Gegenwart. Aus Wissen und Gefühl.
Denn rational weiß ich natürlich: Da ist nichts. Aber Gefühle… funktionieren nicht immer rational.
Und genau das ist es. Diese kleinen Dinge,
die aus der Kindheit bleiben. Die sich irgendwo festsetzen. Und die plötzlich wieder auftauchen.
In ganz anderen Momenten. Heute ist es nicht mehr nur das Monster. Heute ist es auch der Körper.
Die Wärme. Das Schwitzen. Diese Unruhe. Und plötzlich bekommt das Wort „Klimakterium“
eine ganz eigene Bedeutung. Klima. Temperatur. Veränderung.
Alles trifft zusammen. Und ich liege da… zwischen Decke und Freiheit. Zwischen Kindheit und Erwachsensein. Und denke mir: „Wie soll das im Sommer werden?“ Wenn es jetzt schon so ist.
Wenn ich jetzt schon halb aus dem Bett flüchte. Werde ich dann komplett ohne Decke schlafen?
Mit beiden Füßen draußen? Mutig. Oder einfach nur verzweifelt. Und vielleicht ist genau das das Spannende. Dass sich Dinge verändern. Der Körper. Das Gefühl. Der Schlaf.
Aber manche Dinge… bleiben. Diese kleinen Erinnerungen. Diese alten Gedanken.
Diese Monster, die irgendwo in uns wohnen. Und vielleicht sind sie gar nicht dafür da, uns Angst zu machen. Sondern uns daran zu erinnern, wer wir einmal waren. Dieses Kind. Das unter der Decke lag. Sich sicher gefühlt hat.
Und gleichzeitig die Welt noch voller Fantasie gesehen hat. Und vielleicht ist genau das etwas Schönes.
Dass ein Teil davon bleibt. Auch wenn wir heute wissen, dass da nichts ist.
Oder zumindest hoffen wir das. Und während ich nachts im Bett liege, ein Bein draußen, das andere noch unter der Decke, und versuche, die perfekte Temperatur zu finden… muss ich manchmal schmunzeln.
Über mich selbst. Über dieses kleine Monster. Über diese Mischung aus früher und heute.
Denn am Ende ist es genau das, was uns ausmacht.
Diese Erinnerungen. Diese kleinen Eigenheiten. Diese Gedanken, die man vielleicht nie ganz loswird.
Und vielleicht sitzt irgendwo am Fußende meines Bettes ein kleiner Wichtel, schaut auf meine vorsichtig ausgestreckten Füße, grinst leise und flüstert: „Manche Monster verschwinden nicht… sie werden nur ein bisschen leiser.“

Schön das du hier bist 🩶

Zwischen Nähe und Abstand- das Elternbett verrät mehr als wir denken

Ich praktiziere das Elternbett. Ich oute mich. Und ganz ehrlich? Ich bereue nicht einen einzigen Tag davon.
Wenn ich heute darüber nachdenke, ist es eigentlich viel mehr als nur ein Ort zum Schlafen. Es ist ein Raum. Ein Raum für Nähe. Für Sicherheit. Für Gespräche, die nachts leiser werden. Für Gedanken, die erst im Dunkeln ihren Platz finden. Und gleichzeitig ist es auch ein Ort, der zeigt, wie sehr sich alles verändert. Ganz leise.
Bevor ich dir erzähle, wie das Elternbett bei uns aussieht, möchte ich dir sagen, warum ich mich überhaupt dafür entschieden habe. Denn geplant war das alles nicht. Ganz im Gegenteil.
Meine Tochter war ein absolutes Wunschkind. Ich hatte eine schöne Schwangerschaft. Ich habe sie genossen. Ich habe mich gefreut. Auf dieses kleine Wesen. Auf dieses neue Leben. Auf alles, was da kommen würde.
Was ich nicht wusste: Dass es Schreibabys gibt. Und noch viel weniger wusste ich, dass ich eines bekommen würde.
Mein Baby war da. Und sie war… besonders. Ein Stillkind. Ausschließlich. Die Flasche?
Keine Chance. Der Schnuller? Abgelehnt. Und ich? Ich stand da und dachte: „Okay… das ist also jetzt unser Weg.“
Sie lag neben meinem Bett in einer Wiege. So, wie man es eben macht. So, wie man es überall liest. So, wie es einem gesagt wird. Und irgendwann kommt dieser Punkt.
„Jetzt muss das Kind ins eigene Bett.“ So steht es geschrieben. So machen es alle. So soll es sein. Also habe ich es versucht. Und ich bin gescheitert. Ich bekam ein Buch geschenkt von einer Mutter, das mit helfen sollte. Ich las es und klappte es direkt wieder zu. Die Methode sein Baby schreien zu lassen bis es einschläft hat mich zutiefst schockiert. Das war nicht mein Weg. Unabhängig davon hat sich mein Baby blau geschrien.
Meine Tochter wollte jede Stunde an die Brust. Jede. Einzelne. Stunde.
Ich saß im Stillsessel. Bin dort eingeschlafen. Mit meinem Baby im Arm. Zwei Jahre lang.
Diese Nächte… waren lang. Still und gleichzeitig laut. Ruhig und gleichzeitig anstrengend.
Sie schlief nicht. Sie schrie. Sie weinte. Ich weinte.
Und manchmal sitzt man da, mitten in der Nacht, mit einem kleinen Menschen im Arm und denkt: „Was mache ich falsch?“
Ein perfekter Kreislauf. Einer, der sich immer wieder drehte. Und irgendwann kommt dieser Moment, an dem man denkt: „Das kann doch nicht normal sein.“
Also sind wir zum Kinderarzt. Weil alle gesagt haben, das sei nicht normal. Und das verunsichert eine Mutter.
Schlaflabor. Untersuchungen. Fragen. Und am Ende? Mit meinem Baby war alles in Ordnung.

Und irgendwie war das gleichzeitig beruhigend… und auch nicht.
Denn wenn alles „normal“ ist, warum fühlt es sich dann so schwer an?
Ich habe abgestillt. Ihr die Nähe anders gegeben. Sie in ihr Bett gelegt. Aber es wurde nicht besser.
Und dann kam dieser Moment, der alles verändert hat. Ich habe sie zu mir ins Bett geholt.
Einfach so. Ohne Plan. Ohne Konzept. Nur aus einem Gefühl heraus.
Und plötzlich… wurde es ruhiger. Ihr Atem wurde gleichmäßiger. Ihr Körper entspannte sich.
Und ich? Auch. Mein Schlaf wurde ruhiger. Nicht perfekt. Aber ruhiger.
Die Nächte wurden weicher. Und aus „nur mal ausprobieren“ wurde: unser Weg.
Natürlich war es nicht immer nur harmonisch. Es gab Nächte, in denen ich kaum Platz hatte. Ein kleiner Fuß im Gesicht. Ein Ellbogen im Rücken. Die Decke irgendwo, nur nicht bei mir.
Und trotzdem… war da immer dieses Gefühl: Das ist richtig so.
Denn Nähe hat manchmal genau diese Form. Nicht perfekt. Nicht bequem. Aber echt.
Als sie zur Schule kam, sagte mir eine Lehrerin: „Ihre Tochter ist hochsensibel.“ Ein Wort.
Das plötzlich so vieles erklärt hat. Die Reize. Die Unruhe. Die vielen Eindrücke.
Und die Abende. Denn genau da… braucht sie mich. Um alles zu sortieren. Um runterzukommen.
Um sich sicher zu fühlen. Und genau das passiert im Elternbett. Dort wird nicht nur geschlafen.
Dort wird erzählt. Gefühlt. Gedacht. Verarbeitet.
Manchmal wird noch gelacht..Manchmal geweint. Manchmal einfach nur still nebeneinander gelegen.
Mein Kind hatte von Geburt an Bauchschmerzen. Immer um den Bauchnabel herum. Bis heute. Mitten in der Pubertät. Und auch wenn sich vieles verändert hat: Dieses Bedürfnis nach Nähe ist geblieben. Vielleicht anders. Vielleicht leiser. Aber es ist da.
Sie schläft immer noch bei mir. Und weißt du was? Das ist in Ordnung.
Denn sie entscheidet, wann sie bereit ist.
Nicht die Gesellschaft.. Nicht irgendwelche Meinungen.
Nicht das, was „man so macht“. Sondern sie. Und vielleicht auch ein kleines Stück ich.
Denn wenn ich ehrlich bin: Auch ich halte manchmal noch fest. Nicht aus Angst.
Sondern aus Liebe. Das Elternbett hat uns etwas gegeben, das man nicht messen kann.
Bindung. Nähe. Sicherheit. Für sie. Und auch für mich.
Und ja… ich habe viele Kommentare bekommen.
„Das kannst du doch nicht machen.“
„Die wird nie alleine schlafen.“
„Du gewöhnst ihr das falsch an.“
Und irgendwann habe ich aufgehört, zuzuhören.
Weil ich verstanden habe: Es ist unser Leben. Wir müssen damit klarkommen. Nicht die anderen.
Und ich würde es wieder genauso machen. Ich würde wieder so lange stillen. Ich würde mich wieder für das Elternbett entscheiden. Nicht, weil es immer einfach war. Sondern weil es sich richtig angefühlt hat. Und vielleicht ist genau das der wichtigste Punkt. Dass man nicht immer alles nach Plan macht. Nicht nach Regeln. Nicht nach Erwartungen. Sondern nach Gefühl.
Denn zwischen Nähe und Abstand gibt es keinen festen Zeitpunkt. Keine klare Linie.
Es ist ein Prozess. Ein leises Loslassen. Ein langsames Wachsen.
Heute ist sie kein kleines Baby mehr. Heute ist sie ein Teenager. Mit eigener Meinung.
Mit eigener Welt. Mit eigenen Türen, die sich manchmal schließen.
Und trotzdem… gibt es diesen einen Ort, an dem sie noch ganz sie selbst sein darf.
Ohne Maske. Ohne Stärke. Ohne „Ich muss jetzt erwachsen sein“.
Und das ist für mich das Elternbett. Ein Ort, der mitgewachsen ist. Von schlaflosen Nächten
zu stillen Gesprächen. Von Tränen zu Vertrauen. Und irgendwann wird der Moment kommen, an dem dieser Platz leer bleibt.
Ganz leise. Ohne Ankündigung.
Und vielleicht werde ich dann dort liegen und mir denken: „Wann ist das eigentlich passiert?“
Und vielleicht werde ich mich an all die Nächte erinnern. An all die kleinen Füße. An all die unruhigen Momente. An all die Nähe. Und vielleicht werde ich dann merken: Dass es nie nur ums Schlafen ging. Sondern ums Dasein.
Und wenn du das hier gerade liest und dich vielleicht fragst, ob dein Weg der richtige ist, dann möchte ich dir sagen:
Du bist nicht allein.
Es gibt so viele von uns, die nachts wach liegen, die zweifeln, die hinterfragen und trotzdem jeden Tag ihr Bestes geben. Es gibt kein „richtig“ und kein „falsch“, wenn es um Nähe, um Bindung und um das eigene Kind geht. Es gibt nur dein Gefühl.
Und wenn sich etwas für dich und dein Kind richtig anfühlt, dann darf es genau so sein. Du darfst deinen eigenen Weg gehen. Ohne dich erklären zu müssen. Ohne dich rechtfertigen zu müssen. Denn am Ende zählt nicht, was andere sagen. Sondern das, was zwischen euch entsteht.
Und vielleicht sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel am Fußende des Bettes, schaut auf die leere Seite, lächelt leise und flüstert:
„Manche Nähe bleibt… auch wenn der Platz daneben irgendwann frei wird.“

Schön das du hier bist🩶

Wie ich durch Corona zu mir selbst gefunden habe

Wie hast du dich an die Veränderungen angepasst, die die Covid-19-Pandemie mit sich gebracht hat?

Für mich kam COVID genauso überraschend wie für viele andere. Im ersten Moment dachte ich noch: „Was haben sie sich jetzt wieder ausgedacht?“, auch wenn ich zugeben muss, dass sich dieses Gefühl lange gehalten hat und auch heute noch hält. Doch leider gab es auch die Realität. Und die war nicht zu übersehen.
Ich arbeite im Gesundheitswesen. Die Coronatest die wir fast täglich machen mussten auf eine mir Menschenunwürdige Art und Weise, das ich es bis heute kaum in Worte fassen kann.

Plötzlich wurde unsere Einrichtung geschlossen, dicht. Die Menschen, die dort leben, sind alt. Und sie waren von einem Tag auf den anderen allein. Sie durften ihre eigenen Kinder nicht mehr sehen. Es war kaum auszuhalten, das mit anzusehen.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das erste Weihnachten. Angehörige standen draußen, Bewohner drinnen. Man durfte sich nur vom Balkon aus zuwinken. Kein Umarmen, kein Zusammensein. Nur Abstand. Nur Sehnsucht. Es war herzzerreißend.

Am Anfang habe ich innerlich rebelliert. Gegen die Situation, gegen die Maßnahmen, gegen dieses Gefühl der Ohnmacht. Doch mit der Zeit hat sich etwas verändert. Ich habe gelernt, mich zurückzuziehen.
Keine Nachrichten mehr. Kaum noch Fernsehen. Stattdessen Ruhe. Abstand. Zeit mit mir selbst. Und genau das hat etwas mit mir gemacht. Es hat mich ruhiger werden lassen. Klarer.
Die Zeit, die ich plötzlich alleine verbringen musste, habe ich irgendwann nicht mehr als Last gesehen, sondern als Geschenk. In dieser Zeit habe ich etwas ganz Besonderes für mich entdeckt: die Miniaturarbeit.

Alles begann damit, dass bei uns ein kleiner Wichtel eingezogen ist. Die Weihnachtsmärkte fielen aus, also haben wir uns die Magie einfach nach Hause geholt. Was als kleine Idee begann, wurde schnell zu etwas Größerem. Aus einem Wichtel wurde ein Hobby. Aus einem Hobby wurde Leidenschaft. Und aus dieser Leidenschaft entstand etwas, das mich verändert hat.
Die Arbeit im Kleinen, das Gestalten von Miniaturwelten, hat mir geholfen, mich selbst wieder zu spüren. Wenn ich Fotos mache, sehe ich in in dem kleinsten unserer Erde etwas magisches. Das ging mir fast verloren. Kreativität wurde mein Rückzugsort. Mein Ausgleich. Mein Weg zurück zu mir.

Heute bin ich dankbar für diese Erfahrung, so schwer sie auch war. Corona hat mir vieles genommen, aber auch etwas geschenkt:
Zeit. Ruhe. Und die Möglichkeit, mich selbst neu kennenzulernen.