Meine Morgenroutine – zwischen Stille, Kaffee und einem kleinen Stück Me-Time

Was sind deine Morgenrituale? Wie sieht die erste Stunde deines Tages aus?

Meine Tage beginnen früh, meistens früher, als es mir manchmal lieb ist. Doch weil mein Alltag von vielen Begegnungen und Gesprächen geprägt ist, habe ich mir eine Morgenroutine geschaffen, die genau das Gegenteil davon ist: ruhig, still und ganz für mich allein.

Ich bin kein Morgenmuffel. Im Gegenteil, ich starte bewusst in den Tag. Aber ich brauche diese erste Stunde, in der niemand etwas von mir will. Kein Gespräch, kein Lärm, keine Anforderungen. Nur ich, mein Kaffee und die Stille.

Der erste Kaffee ist dabei mehr als nur ein Getränk. Er ist mein Ankommen im Tag. Während ich langsam wach werde, scrolle ich durch Instagram, ein bisschen Inspiration, ein bisschen Ablenkung, ganz ohne Verpflichtung. Es ist meine kleine, persönliche Blase, bevor der Alltag beginnt.

Parallel dazu läuft meine Morgenroutine fast automatisch ab: Haare kämmen, Zähne putzen, duschen, anziehen. Alles hat seinen festen Platz, nichts muss groß überlegt werden. Und irgendwo dazwischen wartet schon der zweite Kaffee, mein eigentliches Startsignal. Spätestens dann fühle ich mich bereit für alles, was kommt.

Diese ruhigen Momente am Morgen sind für mich unglaublich wertvoll. Denn sobald der Tag richtig beginnt, bin ich von Menschen umgeben, im Austausch, im Gespräch. Umso wichtiger ist dieser stille Übergang, ein sanfter Start, bevor es lebendig wird.

An freien Tagen sieht das Ganze etwas anders aus. Dann darf alles langsamer sein. Ich nehme mir Zeit für ein ausgiebiges Frühstück, genieße jeden Bissen und lasse den Tag ganz bewusst beginnen. Ohne Eile, ohne Druck, einfach im eigenen Tempo.

Egal ob Arbeitstag oder freier Tag: Meine Morgenroutine ist mein Anker. Sie gibt mir Struktur, Ruhe und genau die Energie, die ich brauche, um gut durch den Tag zu kommen.

Zwischen „Digga“ und Augenrollen- willkommen in der Pubertät

„Ich rasier dich“

Es gibt Sätze, bei denen bleibt man kurz stehen.

Nicht, weil man sie nicht versteht.
Sondern weil man sie… zu gut versteht.

Oder zumindest denkt, man versteht sie.

Und dann merkt man:

Man versteht sie überhaupt nicht.

„Ich rasier dich.“

Als ich das gehört habe, war für mich klar:

Ähm… Moment mal.

In meiner Welt hat dieser Satz eine ganz andere Bedeutung.

Und ganz ehrlich?
Ich fühlte mich kurz, als wäre ich in einem Paralleluniversum gelandet.

So ein Moment, in dem man denkt:
„Hab ich was verpasst… oder reden wir einfach komplett unterschiedliche Sprachen?“

Aber fangen wir mal von vorne an.

Generationen.

Jeder hat sie erlebt.

Und jede Generation war anders.

Hat anders gesprochen.
Anders gedacht.
Anders gelebt.

Und doch hatten sie alle etwas gemeinsam:

Sie wollten sich selbst finden.

Sich entwickeln.
Sich abgrenzen.
Und manchmal auch ganz bewusst:

gegen ihre Eltern rebellieren.

Früher war das mit dem Rebellieren… sagen wir mal… etwas schwieriger.

Denn eine Backpfeife hat damals nicht lange auf sich warten lassen.

Da wurde nicht diskutiert.

Da wurde gemacht.

Oder eben nicht gemacht.

Und trotzdem:

Groß geworden sind sie alle.

Ich komme aus den 80er/90er Jahren.

Ich bin diese Generation dazwischen.

Die letzte ohne Handy.

Ohne Tablet. Ohne TikTok.

Wir hatten andere Themen.

Andere Grenzen. Andere Worte.

Das Wort „geil“ war schon fast strafbar.

Ich höre heute noch die Augen meiner Eltern rollen.

Und ja…

auch wir wollten uns verwirklichen.

Auch wir haben Grenzen getestet.

Auch wir waren manchmal anstrengend.

Aber das, was ich heute erlebe…

lässt mich manchmal wirklich kurz den Atem anhalten.

Denn ich habe so ein Exemplar zu Hause.

Ein Teenager.

Und man weiß nie so genau:

Wann der Zünder die Bombe erreicht.

Es reicht manchmal ein einziges Wort.

Ein falscher Ton.

Ein Blick.

Und plötzlich kippt die Stimmung.

Komplett.

Und dann ist es nicht einfach nur „sauer sein“.

Nein. Der Unterton… der sitzt.

Wie kleine Messerstiche. Direkt in den Rücken.

Und ab diesem Moment ist alles egal.

Was du sagst.
Wie du es sagst.
Was du versuchst.

Du hast verloren. Du hast verschissen.

Du hast es verkackt.

Und während ich da sitze und denke:

„Was ist hier eigentlich gerade passiert?“

…geht das Leben ganz normal weiter.

Zumindest für den Teenager.

Ich sitze ganz gerne mal auf dem Spielplatz.

Nicht, weil meine Tochter dort noch spielt.

Das tun sie ja in dem Alter nicht mehr wirklich.

Sie sitzen. Schauen TikTok. Lachen.

Oder eben auch nicht.

Und ich? Ich sitze da und tanke Sonne.

Einfach mal kurz. Ein bisschen Ruhe.

Ein bisschen Wärme. Ein bisschen durchatmen.

Und während ich da sitze, beobachte ich.

Diese kleinen Gruppen. Diese „Exemplare“.

Und ich höre zu. Und ganz ehrlich:

Ich verstehe oft… kein Wort.

„Digga.“

Ein Wort. Ein Satz. Ein Lebensgefühl.

„Ey Digga… Digga, wirklich Digga… Digga, ich sag dir…“

Ich frage mich manchmal:

Kennen die eigentlich ihre richtigen Namen?

Oder ist das einfach egal geworden?

Und egal, wie der Satz beginnt oder endet:

„Digga“ passt immer. Und das Schlimmste:

Du wirst als Erwachsener…

„weg-gediggert“.

Du stehst daneben. Und bist plötzlich… nicht mehr Teil der Sprache.

Ein weiteres Highlight:

„Checkst du?“

Dieses Wort hat bei uns inzwischen Hausverbot.

Offiziell. „Checkst du Mama?“

Und ich denke mir nur:

„Nein. Check ich nicht.
Ich bin wohl einfach nicht so schlau wie du“ und sage „Nein ich bin aus dem Paralleluniversum“.

Es ist dieser Unterton. Dieses Gefühl, dass man plötzlich… nicht mehr dazugehört.

Und dann gibt es noch dieses Wort:

„Rede.“

Ich weiß bis heute nicht, wer das erfunden hat.

Oder warum. Oder wofür.

Aber anscheinend ist es eine Form von Applaus.

Ein verbaler Schulterklopfer.

„Rede.“

Und ich sitze da und denke:

„Ja… aber… was soll ich jetzt damit anfangen?“

Kopfschütteln. Innerlich. Und manchmal auch äußerlich.

Und dann… kam dieser eine Moment.

Disney Song Quiz.

Ich wusste von Anfang an: Ich habe keine Chance.

Ich mag keine Filme, in denen gesungen wird.

Das ist einfach nicht meine Welt.

Aber ich habe mitgemacht.

Natürlich. Man ist ja Mutter. Und ich habe verloren.

Haushoch. Katastrophal.

Und dann schaut mich mein Teenager an und sagt:

„Ich rasier dich.“

Stille. In meinem Kopf: Kurz alles gleichzeitig.

Verwirrung.
Überraschung.
Und dieser Gedanke:

„Das meinst du jetzt hoffentlich anders, als es sich anhört…“

Also habe ich das gemacht,
was man heute in solchen Momenten macht:

Ich habe gegoogelt.

Und dann stand da:

👉 „Ich besiege dich“
👉 „Ich mach dich fertig“

Aha.

Also kein Angriff. Keine Drohung. Sondern…

ein Sieg.

Und ich saß da. Zwischen Erleichterung… und völliger Verwirrung.

Denn ganz ehrlich: Wer kommt auf sowas?

Und gleichzeitig musste ich lachen.

Weil es so absurd ist.

So anders. So weit weg von dem, womit ich groß geworden bin.

Und genau da wurde mir etwas klar.

Wir reden nicht nur unterschiedlich.

Wir leben auch unterschiedlich.

Was für mich komisch klingt… ist für sie normal.

Was für mich Grenzen überschreitet… ist für sie Alltag.

Und vielleicht ist das genau der Punkt.

Dass jede Generation ihre eigene Sprache hat.

Ihre eigenen Codes. Ihre eigene Art, sich auszudrücken.

Und wir als Eltern… stehen daneben.

Und versuchen, das irgendwie zu verstehen.

Mal besser. Mal schlechter.

Und ja… manchmal nervt es. Manchmal bringt es einen an die Grenze.

Aber manchmal… ist es auch einfach nur lustig.

Weil es zeigt, wie sehr sich alles verändert.

Wie schnell. Wie intensiv.

Und dann stelle ich mir manchmal vor… wie das später wird.

Vorstellungsgespräch.

Ein Teenager von heute.

Im Anzug. Oder vielleicht auch nicht.

Der Chef sitzt gegenüber. Stellt Fragen. Ernst.

Konzentriert.

Und dann kommt die Antwort:

„Ja Digga… also ich hab das schon gecheckt… Rede… ich rasier das.“

Ich muss lachen. Allein bei dem Gedanken.

Und gleichzeitig frage ich mich:

Wird sich das irgendwann wieder ändern?

Oder wird genau das… die neue Normalität?

Vielleicht ist es wie bei uns damals.

Vielleicht haben unsere Eltern genau das Gleiche gedacht.

Vielleicht saßen sie da und dachten: „Was reden die da eigentlich?“

Und heute sitzen wir da… und denken genau das Gleiche.

Und vielleicht ist genau das der Kreislauf.

Dass jede Generation ihre eigene Sprache erfindet.

Ihre eigene Welt baut. Ihre eigenen Regeln lebt.

Und wir?

Wir dürfen lernen, damit umzugehen.

Nicht alles zu verstehen. Aber vieles zu akzeptieren.

Und manchmal einfach… mitzulachen.

Auch wenn wir innerlich denken:

„Das hätte es bei uns früher nicht gegeben.“

Und vielleicht sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel auf einer Parkbank, hört diesen ganzen Gesprächen zu, schüttelt leicht den Kopf und sagt mit einem Grinsen:

„Die Wörter ändern sich… aber das Erwachsenwerden bleibt immer gleich.“

Ecken, Kanten und ein Lächeln – was Menschen wirklich einzigartig macht

Welche Aspekte machen deiner Meinung nach eine Person einzigartig?

Was macht einen Menschen eigentlich einzigartig? Ist es Perfektion, Anpassung oder das Streben danach, so zu sein wie alle anderen? Für mich ist die Antwort ganz klar: das Gegenteil davon.

Es sind die Ecken und Kanten, die einen Menschen besonders machen. Die kleinen Unvollkommenheiten, die Eigenheiten, die vielleicht nicht immer glatt oder bequem sind, genau sie geben einer Persönlichkeit Tiefe und Charakter. Absolute Perfektion wirkt oft austauschbar. Doch echte Menschen, mit all ihren Facetten, bleiben im Gedächtnis.

Ein weiterer Aspekt, der für mich Einzigartigkeit ausmacht, ist die Fähigkeit, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Über sich selbst lachen zu können, ist eine Stärke, die nicht jeder besitzt. Es zeigt Selbstbewusstsein und eine gewisse Leichtigkeit im Umgang mit dem Leben. Gerade in einer Welt, die oft von Druck und Erwartungen geprägt ist, wirkt diese Haltung wie ein befreiender Gegenpol.

Besonders wertvoll sind auch die Menschen, die es schaffen, anderen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Diejenigen, die in jeder Situation einen passenden Spruch parat haben und mit ihrer Art für gute Stimmung sorgen. Sie bringen Licht in den Alltag,oft ganz unbewusst und genau das macht sie so besonders.

Wir leben in einer Zeit, in der viele versuchen, einem bestimmten Bild zu entsprechen. Doch davon gibt es bereits mehr als genug. Was wir wirklich brauchen, sind Menschen, die zu sich selbst stehen. Menschen, die ihre Meinung vertreten, die authentisch sind und sich nicht verbiegen lassen.

Einzigartig ist also nicht der, der perfekt ist, sondern der, der echt ist. Der, der lacht, aneckt, inspiriert und anderen das Gefühl gibt, gesehen zu werden.

Und genau solche Menschen machen die Welt ein kleines Stück besser.

Der Duft von Erinnerungen

Kennst du dieses Gefühl, wenn du einen Raum betrittst und plötzlich ist da mehr als nur das Hier und Jetzt?

Ein Geruch.
Ein Licht.
Ein kleines Detail.

Und auf einmal bist du woanders.

Früher.
Tiefer.
Bei dir.

Heute hatte ich genau so einen Moment.

Ich hatte richtig Lust auf eine Trödelscheune.

Ich liebe es, über Flohmärkte zu streifen.
Mich treiben zu lassen zwischen Dingen, die längst jemandem gehört haben.

Dinge, die nicht perfekt sind.
Dinge mit kleinen Macken.
Dinge, die etwas erlebt haben.

Für meine Fotos und meine Geschichten finde ich dort die schönsten Requisiten.

Nicht neu.
Nicht geschniegelt.

Sondern echt.

Eigentlich war ich auf der Suche nach einer Kanne.

So eine besondere.

Keine, die in jedem Küchenschrank steht.

Sondern eine, die eine Geschichte trägt.
Eine, bei der man sich automatisch fragt:

Wer hat daraus getrunken?
Welche Gespräche wurden dabei geführt?
Welche Hände haben sie gehalten?

Doch gefunden habe ich etwas ganz anderes.

Es war kein Gegenstand.

Es war der Duft.

Dieser unverwechselbare Geruch von altem Holz.

Ein bisschen feucht.
Ein bisschen schwer.
Und doch irgendwie warm.

Er lag in der Luft, als hätte er sich über die Jahre dort festgesetzt.

Und mit einem Mal war ich nicht mehr in dieser Scheune.

Ich war wieder ein Kind.

Ich war auf dem Dachboden meiner Oma.

Oder zumindest dort, wo ich eigentlich schlafen sollte.

Die Fenster waren aus altem Holz.
Die Farbe abgeplatzt, als hätte die Zeit selbst daran genagt.

Alles wirkte ein bisschen schief.
Ein bisschen still.

Und gleichzeitig voller Geschichten.

Wenn alles ruhig wurde, konnte man die LKWs hören, die unten auf der Straße entlangfuhren.

Dieses entfernte Rauschen.

Es war kein lautes Geräusch.

Eher ein Begleiter der Nacht.

Und irgendwie machte es die Stille noch größer.

Allein die Treppe nach oben war schon ein kleines Abenteuer.

Oder vielleicht eher:

eine Mutprobe.

Jede Stufe knarrte.

Als würde sie erzählen wollen, wer sie schon alles betreten hat.

Und oben…

wartete dieser Dachboden.

Dieses Knarren.

Dieses Halbdunkel.

Und vor allem dieser Geruch.

Er hat mir damals den Rest gegeben.

Ich lag da.

Wach.

Lauschend.

Spürend.

Und plötzlich war alles ein bisschen zu viel.

Natürlich bin ich irgendwann wieder die Treppe runter.

Leise.

Schnell.

Fast ohne zu atmen.

Und direkt zu meiner Oma ins Bett gekrochen.

Dort, wo alles anders war.

Warm.
Ruhig.
Vertraut.

Und heute?

Heute stehe ich in dieser Trödelscheune.

Mitten zwischen alten Möbeln, Kisten und kleinen Fundstücken.

Und atme genau diesen Geruch ein.

Und mein Körper…

erinnert sich schneller als mein Kopf.

Da ist dieses leichte Schaudern.

Dieses alte Gefühl von Unsicherheit, das sich ganz kurz meldet.

Fast so, als würde mein inneres Kind sagen:

„Weißt du noch?“

Aber diesmal bleibt es nicht dabei.

Denn gleichzeitig ist da noch etwas anderes.

Eine Ruhe.

Eine Neugier.

Ein Gefühl von:

Ich möchte bleiben.

Ich gehe langsam durch die Scheune.

Lasse meinen Blick über die Dinge wandern.

Über alte Schränke.
Über kleine Kisten.
Über Geschirr, das schon viele Hände gesehen hat.

Und plötzlich sehe ich sie.

Die Kanne.

Nicht perfekt.

Nicht geschniegelt.

Ein bisschen abgenutzt.

Aber genau das macht sie besonders.

Ich nehme sie in die Hand.

Und frage mich:

Wer hat sie wohl einmal benutzt?

Stand sie auf einem Tisch, an dem gelacht wurde?
Oder an einem, an dem lange Gespräche geführt wurden?

War sie Teil eines Alltags?

Oder von besonderen Momenten?

Und genau das liebe ich.

Diese Gedanken.

Diese kleinen Geschichten, die entstehen, ohne dass man sie plant.

Denn für mich sind solche Orte mehr als nur Orte.

Sie sind voller Leben.

Auch wenn sie still wirken.

In jeder Kanne.

In jedem Möbelstück.

In jedem kleinen Fundstück…

steckt ein Stück Vergangenheit.

Ein Stück Erinnerung.

Ein Stück Gefühl.

Und vielleicht ist genau das der Moment, in dem meine Geschichten entstehen.

Nicht am Schreibtisch.

Nicht mit einem Plan.

Sondern genau hier.

Zwischen Staub, Holz und Erinnerungen.

Aus einem Geruch wird ein Gefühl.

Aus einem Gefühl ein Gedanke.

Und aus einem Gedanken…

eine Geschichte.

Ich nehme die Kanne mit.

Nicht nur als Requisite.

Sondern als Teil von etwas.

Als Anfang.

Und während ich die Scheune verlasse, habe ich das Gefühl:

Ich habe nicht nur etwas gefunden.

Ich habe etwas mitgenommen, das man nicht sehen kann.

Eine Erinnerung.

Eine Stimmung.

Eine Geschichte, die erst noch erzählt werden will.

Und vielleicht ist genau das das Schönste daran.

Dass wir manchmal nur einen Moment brauchen…

um wieder bei uns selbst anzukommen.

Und vielleicht sitzt irgendwo zwischen alten Kisten und vergessenen Dingen ein kleiner Wichtel, streicht mit seinen Fingern über das Holz, atmet diesen Duft ein und flüstert leise:

„Manche Erinnerungen gehen nie verloren… sie warten nur darauf, wiedergefunden zu werden.“

Vom Kindertraum zur Berufung- mein Weg in die Pflege

Was wolltest im Alter von fünf Jahren einmal werden?

Eine dieser Fragen, die einfach klingen, aber oft mehr über uns erzählen, als wir zunächst denken. Ehrlich gesagt kann ich mich gar nicht mehr ganz genau daran erinnern, was mein ganz konkreter Traumberuf mit fünf Jahren war. Aber wenn ich in meine Erinnerungen hineinhöre, sehe ich mich ziemlich deutlich: allein in meinem Zimmer, eine Haarbürste als Mikrofon in der Hand, laut singend und überzeugt davon, dass ich eines Tages auf einer großen Bühne stehen würde. Sängerin also, das war wohl mein erster großer Traum.
Heute muss ich darüber ein wenig schmunzeln. Nicht, weil Träume lächerlich wären, ganz im Gegenteil. Sondern weil das Leben manchmal andere Wege für uns bereithält, als wir sie uns als Kinder ausmalen. Und weil ich inzwischen weiß, dass nicht jeder, der gern singt, automatisch ein Singvogel ist. Manche von uns sind vielleicht eher… sagen wir: charaktervolle Krähen.
Aus diesem Traum ist also nichts geworden. Kein Applaus, keine Bühne, kein Rampenlicht. Stattdessen kam das Leben, ganz leise, ganz unspektakulär dazwischen.
Nach der Schule stand ich wie viele andere junge Menschen vor der großen Frage: „Und jetzt?“ Ich hatte keine klare Vision, keinen Plan, keine innere Stimme, die mir sagte: Das ist dein Weg. Also tat ich das, was viele tun: Ich entschied mich für eine Ausbildung, nicht unbedingt aus Leidenschaft, sondern eher, um überhaupt etwas zu machen. Um nicht stehen zu bleiben. Um weiterzugehen, auch wenn ich nicht genau wusste, wohin.
Es war kein schlechter Weg, aber auch keiner, der mich wirklich erfüllt hat. Ich funktionierte, ich machte meine Aufgaben, ich ging meinen Alltag, doch irgendwo tief in mir war da dieses Gefühl, dass da noch mehr sein müsste. Etwas, das mich berührt. Etwas, das Sinn ergibt.
Und dann kam der zweite Anlauf.
Ich entschied mich, in die Pflege zu gehen. Altenpflege, um genau zu sein. Eine Entscheidung, die damals vielleicht nicht wie ein großer Traum wirkte, sondern eher wie ein neuer Versuch. Ein neuer Weg. Vielleicht sogar ein bisschen wie ein „Mal sehen, was passiert“.
Wenn ich heute darauf zurückblicke, kann ich sagen: Es war eine der wichtigsten Entscheidungen meines Lebens.
Ob die Pflege jemals mein klassischer „Traumberuf“ war? Wahrscheinlich nicht. Ich bin nicht mit dem Gedanken aufgewachsen: Ich will unbedingt Altenpflegerin werden. Es war kein Kindheitstraum wie die Bühne oder das Singen. Und doch ist es etwas geworden, das viel tiefer geht als ein Traum.
Denn Träume sind oft schön, aber sie sind nicht immer real. Die Pflege hingegen ist real. Direkt. Ungefiltert. Man kann sich nicht verstecken. Man wird gebraucht. Und genau das verändert einen.
Die Arbeit mit alten und kranken Menschen hat mich auf eine Weise geprägt, wie ich es mir früher niemals hätte vorstellen können. Sie hat mir Dinge gezeigt, die man nicht in Büchern lernt. Dinge, die man nicht googeln kann. Dinge, die man nur versteht, wenn man sie erlebt.
Vor allem hat sie mir eines sehr deutlich gemacht: Unsere Zeit ist nicht unendlich.
Das klingt vielleicht banal, fast wie ein Spruch, den man schon tausendmal gehört hat. Aber in der Pflege bekommt dieser Satz ein Gesicht. Jeden Tag. In jeder Begegnung. In jedem Abschied.
Ich habe Menschen kennengelernt, die ein ganzes Leben hinter sich haben. Menschen mit Geschichten, mit Erinnerungen, mit Erfahrungen, die tiefer gehen als alles, was ich bis dahin kannte. Und ich habe gesehen, wie dieses Leben langsam zu Ende geht. Nicht plötzlich, nicht dramatisch, sondern oft ganz leise.
Das verändert den Blick auf das eigene Leben.
Plötzlich werden Dinge, die einem früher unglaublich wichtig erschienen, kleiner. Ärger, Stress, Alltagsprobleme, sie verlieren an Gewicht. Nicht, weil sie unwichtig sind, sondern weil man versteht, dass es am Ende auf etwas anderes ankommt.
Auf Zeit. Auf Nähe. Auf Menschlichkeit.
Die Pflege hat mir gezeigt, wie wertvoll ein einfaches Gespräch sein kann. Wie wichtig ein Lächeln ist. Wie viel ein Mensch braucht, um sich gesehen und verstanden zu fühlen und wie wenig es manchmal dafür braucht.
Ich habe gelernt, zuzuhören. Wirklich zuzuhören. Nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem Herzen.
Ich habe gelernt, geduldig zu sein. Auch dann, wenn es schwerfällt. Auch dann, wenn man müde ist. Auch dann, wenn der Alltag einen überrollt.
Ich habe gelernt, Verantwortung zu tragen,  nicht nur für Aufgaben, sondern für Menschen.
Und ich habe gelernt, mit Leid umzugehen.
Das ist wahrscheinlich einer der schwierigsten Aspekte dieses Berufs. Das Leid der Menschen zu sehen, mitzuerleben, manchmal auch mitzutragen. Es gibt Tage, die sind schwer. Tage, an denen man nach Hause geht und das Gefühl hat, dass das Herz ein bisschen schwerer ist als am Morgen.
Aber genau dieses Leid hat mir auch etwas gegeben, das ich vorher nicht hatte: Erkenntnis.
Ich habe durch das Leid anderer Menschen viel über mich selbst gelernt.
Ich habe gelernt, was wirklich zählt. Ich habe gelernt, wo meine Grenzen sind und dass es okay ist, diese zu haben. Ich habe gelernt, dass Stärke nicht bedeutet, immer stark zu sein, sondern auch, sich berühren zu lassen.
Und ich habe gelernt, dass es eine besondere Form von Schönheit gibt, eine, die nichts mit Perfektion zu tun hat.
Es ist die Schönheit in kleinen Momenten:
Wenn jemand deine Hand drückt.
Wenn ein Mensch dich anschaut und dankbar ist.
Wenn du merkst, dass du gerade einen Unterschied machst, auch wenn er noch so klein ist.
Die Pflege ist kein leichter Beruf. Sie ist anstrengend, körperlich wie emotional. Sie fordert viel, oft mehr, als man erwartet. Und sie wird nicht immer so wertgeschätzt, wie sie es verdient hätte.
Aber sie gibt auch unglaublich viel zurück.
Nicht in Form von Applaus oder Anerkennung im klassischen Sinne. Sondern in Form von Begegnungen. Erfahrungen. Wachstum.
Wenn ich heute gefragt werde, ob ich meinen Weg bereue, kann ich mit voller Überzeugung sagen: Nein.
Auch wenn es nicht der Traum aus meiner Kindheit war. Auch wenn ich keine Sängerin geworden bin und keine Bühne erobert habe.
Ich habe etwas anderes gefunden.
Etwas Echtes.
Etwas, das mich verändert hat.
Etwas, das mich wachsen lässt, jeden Tag ein Stück mehr.
Vielleicht ist das am Ende viel wertvoller als jeder Kindheitstraum.
Denn Träume sind oft das, was wir uns vorstellen. Aber das Leben zeigt uns manchmal, was wirklich zu uns passt.
Und manchmal finden wir unseren Platz nicht dort, wo wir ihn gesucht haben, sondern dort, wo wir gebraucht werden.
Ich bin Altenpflegerin geworden. Nicht, weil es mein großer Traum war. Sondern weil ich den Mut hatte, einen zweiten Weg zu gehen.
Und heute kann ich sagen: Es war genau der richtige.

Vom Traumhaus und einem Schneckenhaus

Manchmal beginnt etwas ganz Großes mit etwas ganz Kleinem.

Mit einer Idee.
Mit einem Gefühl.
Oder mit einem Fund, der eigentlich unscheinbar wirkt und doch so viel in Bewegung bringt.

Gestern war so ein Moment.

Ich habe ein Schneckenhaus gefunden.

Ein ganz kleines.
Leer.
Verlassen.

Und natürlich war mir eines sofort wichtig:

Ich vertreibe keine Schnecke aus ihrem Zuhause.

Schon gar nicht in Zeiten wie diesen.

Die Immobiliensuche ist schließlich nicht nur für uns Menschen schwierig geworden.

Also lag es da.

Still.
Leicht.
Und irgendwie perfekt.

Ich habe es in die Hand genommen und sofort gemerkt:

Das ist nicht einfach nur ein Schneckenhaus.

Das ist ein kleines Zuhause.

Und plötzlich war da dieser Gedanke.

Ganz leise.
Und gleichzeitig ganz klar:

„Hier könnte jemand wohnen.“

Vielleicht muss man dafür ein bisschen verrückt sein.

Oder fantasievoll.

Oder einfach jemand, der noch an kleine Geschichten glaubt.

Denn wenn ich ehrlich bin, hatte ich diesen Traum schon immer.

Ein eigenes Haus.

Am liebsten irgendwo im Wald.

Mit einem Garten.

Ein Ort, an dem man sich selbst versorgen kann.
An dem alles ein bisschen ruhiger ist.
Ein bisschen echter.

Ein Ort, an dem man ankommt.

Schon als Kind hatte ich dieses Bild im Kopf.

Ein kleines Haus.
Natur.
Freiheit.

Und dann wird man erwachsen.

Und merkt:

So einfach ist das alles nicht.

Die Realität sieht anders aus.

Häuser sind teuer.
Grundstücke selten.
Und das Leben… läuft einfach weiter.

Mit Verpflichtungen.
Mit Alltag.
Mit all den Dingen, die dazugehören.

Aber vielleicht verschwinden Träume nicht.

Vielleicht verändern sie sich nur.

Vielleicht werden sie kleiner.

Oder kreativer.

Und genau so wurde aus meinem Traumhaus…

ein Schneckenhaus.

Ich habe mich hingesetzt.

In meiner Küche.

An meinem einzigen freien Tag der Woche.

Zwischen Haushalt.
Zwischen „Ich müsste eigentlich noch…“
Und dem Versuch, einfach mal kurz durchzuatmen.

Denn ehrlich gesagt:

Ich hatte das Bedürfnis, mich ein bisschen zurückzuziehen.

Von Menschen.

Von Geräuschen.

Von allem, was gerade ein bisschen zu viel ist.

Und dann lag es da.

Dieses kleine Schneckenhaus.

Und plötzlich wurde alles leiser.

Ich begann zu basteln.

Ganz ohne Plan.

Einfach aus dem Gefühl heraus.

Mit kleinen Materialien.
Mit Ideen, die einfach entstanden sind.

Und während meine Hände beschäftigt waren, wurde auch mein Kopf ruhiger.

Ich habe Wege gebaut.

Einen kleinen Eingang gestaltet.

Ein kleines Zuhause entstehen lassen.

Für jemanden, den es vielleicht noch gar nicht gibt.

Oder vielleicht doch.

Herr Schneck.

So habe ich ihn genannt.

Und natürlich bleibt er nicht allein.

Er hat eine Familie.

Ein Leben.

Ein Zuhause.

Und dieses Zuhause ist jetzt… mein kleines Schneckenhaus.

Natürlich wird es vermietet.

Aber keine Sorge:

Kostenlos.

Ich bin ja kein Unmensch.

Und während ich da saß und gebastelt habe, ist mir etwas aufgefallen.

Wie viel in meinem Kopf passiert.

Wie viele Gedanken kommen und gehen.

Wie schnell sich aus einem kleinen Gegenstand eine ganze Welt entwickeln kann.

Denn für mich ist das mehr als Basteln.

Es ist ein Ausgleich.

Ein Rückzugsort.

Ein kleiner Moment, in dem ich einfach nur bin.

Gerade in einer Zeit, in der so viel gleichzeitig passiert.

Im Kopf.
Im Körper.
Im Alltag.

Das Schneckenhaus wurde zu einem Symbol.

Für meinen eigenen Wunsch nach Ruhe.

Nach einem Ort, an dem ich einfach sein kann.

Und vielleicht ist das genau das, was wir alle manchmal brauchen.

Kein großes Haus im Wald.

Kein perfektes Leben.

Sondern kleine Momente.

Kleine Räume.

Kleine Geschichten.

Aus diesem Schneckenhaus wird eine Geschichte entstehen.

Das weiß ich jetzt schon.

Eine von denen, die leicht sind.

Die ein bisschen Magie in sich tragen.

Die den Alltag für einen Moment vergessen lassen.

Und genau das ist mir wichtig.

Denn die Welt da draußen ist oft laut genug.

Schnell genug.

Und manchmal auch schwer genug.

Ich möchte etwas anderes schaffen.

Mit meinen Geschichten.

Mit meinen Bildern.

Mit Lulu, Tilda und Bruno.

Mit all den kleinen Figuren, die in meiner Welt leben.

Geschichten, die verbinden.

Die ein kleines Lächeln bringen.

Die zeigen, dass es auch anders geht.

Für Kinder.

Und für Erwachsene.

Für alle, die sich ein Stück Fantasie bewahren möchten.

Und vielleicht ist genau das mein Weg.

Mit all dem umzugehen, was gerade ist.

Nicht alles zu schwer zu nehmen.

Sondern es umzuwandeln.

In etwas Schönes.

In etwas Leichtes.

Während ich also in meiner Küche saß, zwischen Wäsche, Gedanken und diesem kleinen Schneckenhaus, habe ich gemerkt:

Manchmal braucht es gar nicht viel.

Kein großes Projekt.

Kein perfektes Ergebnis.

Manchmal reicht ein kleines Schneckenhaus.

Und die Idee, daraus ein Zuhause zu machen.

Und vielleicht sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel, beobachtet mich dabei, wie ich Herrn Schneck einziehe, und denkt sich schmunzelnd:

„Manche bauen Häuser… und manche bauen kleine Welten.“

Und vielleicht ist genau das… genug.

Schön das du hier bist🩶

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Freitagmorgen

Die Welt draußen tut so, als hätte sie alles im Griff, Menschen hetzen zur Bahn, Autos rauschen vorbei, irgendwo bellt ein Hund motiviert ins Nichts. Und ich? Ich sitze auf meiner Couch.

Mit meinem ersten Kaffee.

Und meinem zweiten.

Und meiner Couch.

Vor allem meiner Couch.

Wir haben inzwischen eine Beziehung aufgebaut, die man nicht einfach so ignoriert. Andere nennen es Möbelstück, ich nenne es Seelenverwandte. Sie kennt mich in allen Zuständen: verschlafen, zerzaust, leicht koffeiniert und jetzt gerade… schwer bewegungsunwillig.

„Du musst los“, sagt mein Verstand.

„Bleib einfach hier“, sagt die Couch. Und sie sagt es überzeugend. Sehr überzeugend.

Ich nehme noch einen Schluck Kaffee und überlege kurz, ob es gesellschaftlich akzeptabel wäre, einfach hier wohnen zu bleiben. Für immer. Mit gelegentlichen Lieferdiensten als soziales Highlight.

Aber nein. Es ist Freitag. FREITAG! Der Tag, an dem man sich denkt: „Nur noch heute, dann Wochenende!“

…wobei… Moment mal.

Ich muss ja arbeiten.

Und dann, als wäre das nicht schon genug Verrat am Lebenswillen, kommt diese Zeitumstellung um die Ecke. Irgendjemand hat beschlossen, dass es eine fantastische Idee ist, uns allen einfach eine Stunde zu klauen.

Eine. Ganze. Stunde.

Als ob ich die übrig hätte!

Die Couch versteht das übrigens auch nicht. Sie hat mich heute Morgen extra ein bisschen fester „festgehalten“. Aus Solidarität. Oder Besitzanspruch. Man weiß es nicht genau.

Ich stehe schließlich auf. Schweren Herzens. Die Couch lässt mich gehen, aber ich schwöre, sie wirkt enttäuscht.

„Heute Abend“, flüstere ich ihr zu.

Und sie weiß genau, dass ich es ernst meine.

Denn egal, wie sehr Freitag mich verarscht,
am Ende lande ich wieder genau da, wo ich hingehöre:

Auf meiner Couch.
Mit mindestens zwei Kaffee.
Und dem festen Vorsatz, mich nie wieder zu bewegen.

Hängt eure Couch auch so an euch?

Schön das du hier bist🩶

Wer bin ich eigentlich

Wer bin ich eigentlich?

Vielleicht ist diese Frage gar nicht nur meine.

Vielleicht ist sie unsere.

Meine und die meiner Tochter.

Denn wenn ich im Moment auf unser Leben schaue, dann sehe ich zwei Menschen, die sich gleichzeitig verändern.
Die ähnliche Gefühle durchleben und doch könnten diese unterschiedlicher kaum sein.

Bei mir ist es ein leiser, manchmal chaotischer Umbau.
Ein inneres Hochspannungswerk, das nicht immer so funktioniert wie früher.

Bei ihr ist es ein Aufbruch.
Ein Sturm aus Gefühlen, Gedanken und neuen Wegen.

Und irgendwo zwischen uns beiden passiert gerade ganz viel.

Manchmal gleichzeitig.
Manchmal gegensätzlich.

Aber immer… spürbar.


Ich habe viele Jahre damit verbracht, darüber nachzudenken, wer ich eigentlich bin.

Was mich ausmacht.
Und vielleicht noch viel mehr:

Wer ich für andere sein sollte.

Ich habe versucht, es allen recht zu machen.

Zuzuhören.
Dazusein.
Mich anzupassen.

Nicht aufzufallen.
Nicht anzuecken.
Einfach „richtig“ zu sein.

So, wie man es gelernt hat.

Denn so sind wir aufgewachsen.

Man hat gegrüßt.
Man hat sich benommen.
Man war respektvoll.

Und vor allem:

Man hat darauf geachtet, was andere denken.

Die Meinung der anderen hatte Gewicht.

Sie war wichtig.
Fast wichtiger als die eigene.

Und ohne es bewusst zu merken, hat man sein Leben danach ausgerichtet.


Was aber nie wirklich Raum hatte, waren die leisen Dinge.

Die persönlichen.

Die körperlichen.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass meine Mutter jemals gesagt hat:

„Ich bin in den Wechseljahren.“

Es wurde nicht benannt.

Nicht erklärt.

Nicht geteilt.

Sie war vielleicht genervt.
Oder müde.
Oder sie hat geschwitzt.

Aber es war einfach… da.

Ohne Worte.

Und so habe ich als Kind etwas gelernt, ohne dass es jemand ausgesprochen hat:

Darüber spricht man nicht.

Das ist etwas, das man mit sich selbst ausmacht.

Still.
Leise.
Für sich.


Und vielleicht hat mich genau das lange begleitet.

Dieses Gefühl, Dinge aushalten zu müssen, ohne sie wirklich zu verstehen.

Ohne sie zu teilen.

Bis ich irgendwann gemerkt habe:

So möchte ich das nicht weitergeben.


Als ich älter wurde und vielleicht auch ein bisschen reifer habe ich angefangen, Dinge zu verändern.

Ganz leise.

Ich habe begonnen, Menschen aus meinem Leben auszusortieren.

Ohne großes Drama.
Ohne schlechtes Gewissen.

Einfach, weil es sich nicht mehr richtig angefühlt hat.

Und ja…

Es sind nicht mehr viele übrig geblieben.

Aber die, die geblieben sind, fühlen sich echt an.

Ehrlich.
Ruhig.
Vertraut.


Heute ist mir nicht mehr wichtig, was andere über mich denken.

Nicht in dem Maß, wie es früher war.

Denn ich habe verstanden:

Es ist mein Leben.

Und ich muss mich darin wohlfühlen.

Nicht die anderen.

Das bedeutet nicht, dass mir alles egal ist.

Respekt ist mir wichtig.
Werte auch.

Aber ich habe aufgehört, mich zu verbiegen.

Nicht mehr kleiner machen.
Nicht mehr anpassen, nur um irgendwo dazuzugehören.

Denn am Ende bin ich diejenige, die dieses Leben lebt.

Mit allem, was dazugehört.


Und genau das versuche ich meiner Tochter mitzugeben.

Dass sie sprechen darf.

Über alles.

Über ihren Körper.
Über ihre Gefühle.
Über das, was sich verändert.

Dass sie nicht still schweigen muss.

Nicht aushalten muss, ohne zu verstehen.

Ich möchte, dass sie ihren Körper kennenlernt.

Dass sie lernt, auf sich zu hören.

Auf ihr Bauchgefühl.

Denn ich glaube, das ist eines der wichtigsten Dinge im Leben:

Sich selbst zu vertrauen.


Natürlich knallt es bei uns auch.

Unsere Hormone spielen oft Pingpong.

Mal fliegt der Ball von mir zu ihr.
Mal von ihr zurück zu mir.

Und manchmal landen wir beide gleichzeitig im Aus.

Ein falscher Satz.
Ein falscher Moment.

Und plötzlich stehen wir uns gegenüber, obwohl wir eigentlich auf derselben Seite stehen.

Aber auch das gehört dazu.

Denn während sie lernt, ihren eigenen Weg zu gehen, lerne ich, meinen neu zu definieren.


Vor knapp einem Jahr habe ich angefangen zu schreiben.

Geschichten.

Und ich habe begonnen, Fotos mit meinen kleinen Mäusen zu machen.

Lulu, Tilda und Bruno.

Und ich hätte nie gedacht, wie viel das in mir verändern würde.

Denn diese kleinen Figuren sind mehr als nur Figuren.

In ihnen steckt ein Teil von mir.

Lulu ist die Mutige.
Die, die keine Angst hat und alles wissen will.

Tilda ist die Nachdenkliche.
Die, die hinterfragt und trotzdem weitergeht.

Und Bruno…

Bruno ist der Weise.

Er sieht die Dinge mit Ruhe.
Mit Klarheit.
Und hat immer einen Gedanken, der alles ein bisschen leichter macht.


In meinen Geschichten finde ich mich wieder.

Zwischen Fantasie und Alltag.

Zwischen Chaos und Ruhe.

Zwischen all den Veränderungen, die mich gerade durchrütteln.

Das Schreiben ist für mich mehr geworden als nur ein Hobby.

Es ist ein Weg.

Ein Weg, Dinge zu verarbeiten.
Ein Weg, mich selbst zu verstehen.

Und vielleicht auch ein Weg, dem Alltag etwas Leichtigkeit zu geben.


Denn die Welt da draußen ist oft schon laut genug.

Negativ genug.

Schnell genug.

Und ich habe für mich entschieden:

Ich möchte dem etwas entgegensetzen.

Mit meinen Geschichten.

Mit meinen Bildern.

Mit kleinen Momenten, die zeigen:

Es darf auch leicht sein.

Es darf auch ruhig sein.

Es darf auch schön sein.


Meine Geschichten sind nicht nur für mich.

Sie sind für jung und alt.

Für alle, die sich irgendwo wiederfinden.

Für alle, die manchmal einfach einen kleinen Moment brauchen, um durchzuatmen.


Und vielleicht ist genau das meine Antwort auf die Frage:

Wer bin ich eigentlich?

Ich bin jemand, der sich verändert.

Der gelernt hat, loszulassen.

Der gelernt hat, hinzuhören.

Und der immer noch dabei ist, sich selbst zu entdecken.

Ich bin nicht mehr die, die ich einmal war.

Aber ich bin auch nicht verloren.

Ich bin einfach…

unterwegs.


Vielleicht bin ich ein bisschen Lulu.

Ein bisschen Tilda.

Und ein bisschen Bruno.

Und vielleicht bin ich genau deshalb ich.

Nicht perfekt.
Nicht fertig.

Aber echt.

Und genau das…

reicht.

Schön das du hier bist🩶

ICH

Wer ist die selbstbewussteste Person, die du kennst?

Ich würde sagen, dass Selbstbewusstsein nichts ist, womit man einfach geboren wird, es entsteht oft durch Erfahrungen, durch Herausforderungen und durch das, was man im Leben durchstehen musste. Für mich persönlich ist Selbstbewusstsein kein Zufall, sondern etwas, das ich mir hart erarbeitet habe.

Ich habe mich durchs Leben gekämpft, bin an meine Grenzen gestoßen und habe gelernt, immer wieder aufzustehen. Genau das hat mich stark gemacht. Mit der Zeit habe ich aufgehört, mich ständig danach zu richten, was andere über mich denken. Heute weiß ich: Die Meinung anderer definiert mich nicht.

Vielleicht bin ich deshalb so selbstbewusst geworden, nicht, weil alles leicht war, sondern weil es oft schwer war. Und genau darin liegt meine Stärke.

Menschen mit meinem Lächeln Wärme zu schenken

Was ist eine geheime Fertigkeit oder Fähigkeit, die du besitzt oder gerne besitzen würdest?

Ein Lächeln kann mehr bewirken, als wir oft glauben. Es kostet nichts, aber schenkt so viel, Nähe, Vertrauen und manchmal genau die Wärme, die jemand gerade braucht. Meine „geheime Fähigkeit“ ist es, mit kleinen Gesten große Gefühle zu berühren. Wenn ich es schaffe, auch nur einem Menschen den Tag ein Stück heller zu machen, dann hat sich mein eigenes Lächeln schon gelohnt.