
Schlaf. Eigentlich etwas ganz Einfaches. Man legt sich hin. Schließt die Augen.
Und wacht am nächsten Morgen wieder auf. So sollte es zumindest sein.
Aber wenn man mal ehrlich ist, ist Schlaf viel mehr als das. Schlaf ist Pause.
Für den Kopf. Für den Körper. Für all das, was sich über den Tag angesammelt hat.
Es ist die Zeit, in der sich Gedanken sortieren. In der Gefühle leiser werden.
In der der Körper irgendwie alles wieder auf Anfang stellt. Und ich merke das immer dann ganz besonders, wenn er fehlt. Wenn die Nacht unruhig ist. Wenn man sich ständig hin und her dreht.
Wenn man morgens aufwacht und denkt: „Ich bin irgendwie gar nicht wirklich da.“
Dann ist der Tag anders. Schwerer. Reizbarer. Lauter. Und plötzlich merkt man:
Wie wichtig guter Schlaf eigentlich ist. Nicht nur, um ausgeruht zu sein. Sondern um sich selbst wieder ein Stück näher zu kommen.
Und genau da beginnt mein Problem. Denn Schlaf… ist nicht mehr das, was er einmal war.
Und vielleicht liegt es nicht nur an der Wärme. Nicht nur an dem Körper, der plötzlich eigene Wege geht.
Sondern auch an etwas, das schon viel länger da ist.
Das Monster.
Als Kind hatte ich ein Bett, das für mich etwas ganz Besonderes war. Es war rot.
Ein bisschen wie ein Prinzessinnenbett. Und unter mir war ganz viel Platz. Eigentlich perfekt.
Wäre da nicht ein kleines Problem gewesen. Oder besser gesagt: Ein ziemlich großes. Unter meinem Bett wohnte ein Monster. Kein niedliches.
Keins mit Lolli im Mund. Keins, das freundlich winkt und sagt: „Keine Angst.“ Nein.
Das war eines von der Sorte, die darauf wartet, dass man einen Fehler macht.
Zum Beispiel… einen Fuß auf den Boden setzt.
Denn in meiner Vorstellung war ganz klar: Sobald mein Fuß den Boden berührt, ist er weg.
Einfach so. Gefressen. Und das Verrückte daran? Das hat sich eingebrannt.
So richtig. Tief. Ich weiß bis heute nicht, woher dieses Monster kam.
Ob ich es mir selbst ausgedacht habe. Ob es irgendwo erzählt wurde. Oder ob es einfach eines dieser typischen Kinderdinge ist, die plötzlich da sind und bleiben.
Aber eines weiß ich: Es war real. Zumindest für mich. Ich habe abends im Bett gelegen,
die Decke fest um mich gezogen und genau darauf geachtet: Bloß kein Fuß raus.
Manchmal lag ich sogar ganz still. Nur um sicherzugehen, dass ich es nicht aus Versehen herausfordere.
Und wenn ich nachts auf Toilette musste? Dann wurde es spannend.
Ich habe meinen Fuß ganz vorsichtig aus dem Bett bewegt. Ganz langsam. Bereit, ihn im Notfall sofort wieder hochzuziehen.
Und dann… zack. Schnell aufstehen. Licht an. Rennen.
Denn man weiß ja nie. Und irgendwann wird man älter. Man wächst.
Man versteht mehr. Man weiß: Unter dem Bett ist nichts. Oder?
Heute bin ich erwachsen. Zumindest sagt man das so. Aber eines hat sich nicht geändert.
Das Monster. Es ist vielleicht nicht mehr ganz so laut. Nicht mehr ganz so präsent. Aber es ist da. Manchmal ganz leise. Manchmal nur ein Gedanke. Und besonders nachts… meldet es sich wieder.
Wenn ich im Bett liege. Alles ruhig ist. Und meine Füße langsam Richtung Bettkante wandern. Dann ist da dieser Moment. Dieses kleine Zögern.
Dieses Gefühl von: „Vielleicht… lieber nicht.“ Denn wer weiß schon,
ob es nicht doch noch da sitzt. Am Fußende. Geduldig. Wartend.
Und ich bin mir ziemlich sicher: Dieses Monster lässt sich auch nicht vom Geruch abschrecken. Leider. Früher war das alles kein Problem.
Ich war zugedeckt. Die Decke war meine Sicherheit. Mein Schutzschild. Meine Grenze zwischen „alles gut“ und „besser nicht“. Doch dann kam etwas Neues dazu. Die Wärme.
Oder besser gesagt: Die Hitze. Nachts. Ich liege im Bett.
Und plötzlich wird es warm. Nicht angenehm warm. Sondern dieses:
„Ich muss hier raus“-warm. Dieses Gefühl,
als würde die Decke plötzlich zu viel sein.
Zu schwer. Zu nah. Und dann beginnt der innere Konflikt. Bleibe ich unter der Decke und schwitze vor mich hin? Oder wage ich es… einen Fuß rauszustrecken?
Ein Risiko. Ein echtes. Denn mit jedem Zentimeter außerhalb der Decke
kommt dieses alte Gefühl zurück. Dieses kleine Ziehen im Kopf.
Dieses: „Bist du dir sicher?“ Und dann liege ich da. Halb zugedeckt.
Halb draußen. Ein Bein raus. Das andere noch sicher versteckt. Ein Kompromiss.
Ich taste mich langsam vor. So, als würde ich das Monster nicht wecken wollen.
Und dann passiert… nichts. Meine Füße sind noch da. Und trotzdem… bleibt dieses Gefühl.
Diese Mischung aus Kindheit und Gegenwart. Aus Wissen und Gefühl.
Denn rational weiß ich natürlich: Da ist nichts. Aber Gefühle… funktionieren nicht immer rational.
Und genau das ist es. Diese kleinen Dinge,
die aus der Kindheit bleiben. Die sich irgendwo festsetzen. Und die plötzlich wieder auftauchen.
In ganz anderen Momenten. Heute ist es nicht mehr nur das Monster. Heute ist es auch der Körper.
Die Wärme. Das Schwitzen. Diese Unruhe. Und plötzlich bekommt das Wort „Klimakterium“
eine ganz eigene Bedeutung. Klima. Temperatur. Veränderung.
Alles trifft zusammen. Und ich liege da… zwischen Decke und Freiheit. Zwischen Kindheit und Erwachsensein. Und denke mir: „Wie soll das im Sommer werden?“ Wenn es jetzt schon so ist.
Wenn ich jetzt schon halb aus dem Bett flüchte. Werde ich dann komplett ohne Decke schlafen?
Mit beiden Füßen draußen? Mutig. Oder einfach nur verzweifelt. Und vielleicht ist genau das das Spannende. Dass sich Dinge verändern. Der Körper. Das Gefühl. Der Schlaf.
Aber manche Dinge… bleiben. Diese kleinen Erinnerungen. Diese alten Gedanken.
Diese Monster, die irgendwo in uns wohnen. Und vielleicht sind sie gar nicht dafür da, uns Angst zu machen. Sondern uns daran zu erinnern, wer wir einmal waren. Dieses Kind. Das unter der Decke lag. Sich sicher gefühlt hat.
Und gleichzeitig die Welt noch voller Fantasie gesehen hat. Und vielleicht ist genau das etwas Schönes.
Dass ein Teil davon bleibt. Auch wenn wir heute wissen, dass da nichts ist.
Oder zumindest hoffen wir das. Und während ich nachts im Bett liege, ein Bein draußen, das andere noch unter der Decke, und versuche, die perfekte Temperatur zu finden… muss ich manchmal schmunzeln.
Über mich selbst. Über dieses kleine Monster. Über diese Mischung aus früher und heute.
Denn am Ende ist es genau das, was uns ausmacht.
Diese Erinnerungen. Diese kleinen Eigenheiten. Diese Gedanken, die man vielleicht nie ganz loswird.
Und vielleicht sitzt irgendwo am Fußende meines Bettes ein kleiner Wichtel, schaut auf meine vorsichtig ausgestreckten Füße, grinst leise und flüstert: „Manche Monster verschwinden nicht… sie werden nur ein bisschen leiser.“
Schön das du hier bist 🩶