Periode, Aufklärung und 30 Jahre Unterschied

Periode und Aufklärung. Ein Thema, das uns aktuell begleitet. Und ehrlich gesagt: Es ist spannend. Nicht nur, weil es um den Körper geht. Sondern weil es zeigt, wie unterschiedlich zwei Generationen aufwachsen können.
Meine Tochter und ich. 30 Jahre auseinander. Und gefühlt… manchmal Welten.


Früher oder: „Das kam halt einfach“
Bei uns wurde damals nicht viel darüber gesprochen. Eigentlich… gar nicht. Sexualkunde? Fehlanzeige. Aufklärung zu Hause? Auch nicht wirklich. Ich weiß gar nicht, ob es ein Tabu war. Oder ob man einfach dachte: „Das ergibt sich schon.“
Als ich ungefähr zehn war, haben meine Eltern mir die Bravo gekauft. Wahrscheinlich, weil sie dachten: „Da sind schöne Poster drin.“ Und ja… die habe ich natürlich auch aufgehängt. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie nicht darüber nachgedacht haben, dass es da noch etwas anderes gab. Das Dr. Sommer Team. Und plötzlich waren da Fragen. Antworten. Themen, über die man sonst nicht gesprochen hat. Zu Hause jedenfalls nicht. Und dann gab es diesen einen Moment in der Schule. Pause. Ich hatte meine Bravo dabei. Und die Jungs? Die fanden das unglaublich witzig. Sie haben die Seite vom Dr. Sommer Team aufgeschlagen und mitten auf den Tisch gelegt. Großartig. Meine Klassenlehrerin fand das weniger witzig. Ich kassierte einen ordentlichen Anschiss. Und ich stand da und dachte mir: „Okay… also das ist wohl falsch.“ Und genau so hat sich das angefühlt. Nicht wie Aufklärung. Sondern wie etwas, das man lieber nicht zeigt. Nicht anspricht. Nicht lebt.


Mein erster Moment
Meine erste Periode bekam ich mit elf. In der Stadt. Beim Shoppen. Mit meiner Mutter. Und dann passierte es. Ohne Vorwarnung. Ohne Gespräch vorher. Einfach da. Und ich? Ich war mir ziemlich sicher: Das war’s jetzt. Ich sterbe. Wirklich. Ich hatte keine Ahnung, was da passiert. Keinen Bezug. Keine Erklärung. Nur dieses Gefühl: Hier stimmt gerade irgendwas ganz gewaltig nicht. Naja… Ich habe es überlebt. Und schreibe heute diesen Artikel. War halt so. Und wenn ich heute darüber nachdenke, frage ich mich: War das gut? Vielleicht. Weil wir uns weniger Gedanken gemacht haben. Kein „Was ist wenn“. Kein „Wie wird das sein“. Es kam einfach. Und wir mussten damit klarkommen. Nicht vorbereitet. Aber irgendwie… unvoreingenommen.


Heute oder: „Mama, was ist eigentlich eine Periode?“
Und dann kam meine Tochter. Als sie Zehn Jahre alt war. Und stellt mir diese eine Frage: „Mama, was ist eigentlich eine Periode?“ Und ich denke mir: Okay. Jetzt bist du dran. Also habe ich es ihr erklärt. Ganz normal. Ganz ruhig. Und was passiert? Sie bricht in Tränen aus, schreit und weint und weiß nicht mehr wohin mit sich. „Ich will kein Mädchen mehr sein.“, war ihre Reaktion. Zack. Gespräch beendet. Jeder weitere Versuch? Gescheitert. Also habe ich das gemacht, was man in solchen Momenten manchmal macht: Tot schweigen. Nicht, weil es richtig ist. Sondern weil es gerade nicht anders geht.


Und dann kommt die Schule
Kurz danach: Sexualkunde. In der 4. Klasse. Vierte Klasse. Die können noch nicht mal richtig Mathe… aber Sexualkunde. Ich saß da und dachte: „Ernsthaft jetzt?“ Aber gut. Zack. Alles, was wir zu Hause hatten, diese niedlichen Bücher wie „Mami hat ein Ei gelegt“… …war plötzlich überholt. Hier wurde nichts mehr verniedlicht. Hier wurde erklärt. Und zwar richtig. Mit Bildern. Mit Begriffen. Mit allem, was dazugehört. Und meine Tochter? Wusste plötzlich Bescheid. Also richtig. Und ich dachte mir nur: „Okay… da muss ich jetzt wohl durch.“ Denn es blieb ja nicht nur beim Wissen. Es wurde getestet. Ein Test. Über Geschlechtsteile. Auswendig lernen. Und ich musste unweigerlich an meine Klassenlehrerin denken. Die gleiche Generation. Die mich damals für die Bravo „zurechtgewiesen“ hat. Und jetzt? Wird das alles ganz offiziell abgefragt. Schon verrückt, oder?


Loslassen, ein ganz eigenes Thema
Und dann ist da noch etwas. Ein Thema, das leise mitschwingt. Loslassen. Denn mein Exemplar…guckt jetzt auch schon nach Jungs. Darf sie auch. Nach dem Motto: „Nur gucken, nicht anfassen.“ Und ganz ehrlich? Die Jungs, die sie sich ausgesucht hat… sehen alle gleich aus. Diese Dauerwellen-Frisuren. Wie kleine, niedliche Alpakas. Irgendwie süß. Aber wirklich: Alle gleich. Hat aber auch Vorteile. Muss man sich nicht entscheiden. Sinkt halt der Marktwert. (Man muss ja auch mal realistisch bleiben.) Und ich denke mir:
Wie war das eigentlich bei uns? Ach ja.
Die Jungs damals… Sind schwarz gefahren. Haben an einer Simson geschraubt. Und rochen nach Motoröl. Ach herrje. Wie sich die Zeiten ändern.


Selbstbewusstsein oder: Das, was ich anders machen will
Wenn ich ehrlich bin: Ich hatte das damals nicht. Selbstbewusstsein. Meine Grenzen? Kannte ich gar nicht. Ich habe funktioniert. Mehr nicht. Und genau das möchte ich anders machen. Wenn meine Tochter mich heute fragt: „Muss ich beim Training mitmachen?“ Dann sage ich: Ja. Ganz bewusst. Nicht, weil ich sie zwingen will. Sondern weil ich möchte, dass sie etwas lernt. Und ich sage ihr: „Du musst deine eigenen Grenzen kennenlernen. Du musst selbst wissen, wie weit du gehen kannst.“ Denn das konnte ich damals nicht. Und vielleicht ist genau das der Unterschied. Nicht nur in der Aufklärung. Sondern im Umgang mit sich selbst. Und jetzt du Wie war das bei dir?
Wurde bei dir darüber gesprochen?
Wusstest du, was passiert?
Oder kam es einfach?
Und wie machst du es heute? Mit deinen Kindern? Redest du darüber? Oder merkst du, dass es dir manchmal selbst schwerfällt? Denn egal, wie offen wir heute sind: Es bleibt ein sensibles Thema. Ein persönliches Thema. Ein Thema, das mehr ist als nur Biologie. Ein kleiner Gedanke zum Schluss Vielleicht geht es gar nicht darum, alles perfekt zu erklären. Vielleicht geht es darum, da zu sein. Fragen zuzulassen. Und auch auszuhalten, wenn es mal unangenehm wird. Denn genau darin liegt Verbindung. Zwischen Generationen. Zwischen Mutter und Tochter. Zwischen früher und heute.

Und während ich so darüber nachdenke, wie unterschiedlich unsere Wege waren und wie ähnlich sie sich doch manchmal anfühlen, sitzt vielleicht irgendwo ein kleiner Wichtel am Rand eines Kinderzimmers, hört sich all diese Gespräche an, schmunzelt leise und denkt sich: „Früher hat man es einfach erlebt… heute versucht man es zu verstehen und irgendwo dazwischen wächst man zusammen.“

Schön das du hier bist 🩶

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