
Letzte Woche musste ich mal wieder zur Höhlenforschung.
Und nein, glaub mal nicht, dass ich dabei an Dinosaurier, Tropfsteine oder Steinzeitmenschen denke.
Wir Frauen wissen, welche Art von Expedition gemeint ist.
Du liegst da, versuchst möglichst würdevoll an die Zimmerdecke zu schauen und denkst dir: Nun ja. Andere Menschen gehen für Abenteuer in den Kletterwald. Ich gehe zum Frauenarzt.
Wat muss, dat muss.
Wie dem auch sei.
Eigentlich sollte es diesmal gar nicht um ein neues Symptom meiner Wechseljahres-Wundertüte gehen. Eher um einen kleinen Zwischenstand. Denn inzwischen hat sich ja einiges angesammelt.
Hitzewallungen.
Schlafstörungen.
Reizbarkeit.
Hier und da zwickt und kribbelt es.
Und dann wäre da noch mein Bauch.
Oder nennen wir es liebevoll:
die Beule.
Ja, ich habe vorne am Bauch inzwischen eine kleine Beule. Früher hätte ich wahrscheinlich noch versucht, sie einzuziehen. Heute weiß ich: Das ist ungefähr so erfolgreich, wie einen aufgeblasenen Schwimmring mit gutem Zureden wieder in die Verpackung zu bekommen.
Natürlich kann sich in den Wechseljahren auch die Körperzusammensetzung verändern und Fett kann sich stärker in Richtung Bauch verlagern. Aber meine Frauenärztin macht etwas, das ich wirklich sehr schätze:
Sie nimmt mich ernst.
Nicht dieses:
„Sie sind halt über 40.“
Nicht:
„Das sind die Wechseljahre.“
Und auch nicht:
„Essen Sie weniger und bewegen Sie sich mehr.“
Sie hört zu. Und gleichzeitig möchte sie nicht einfach alles in die große Wechseljahres-Schublade werfen.
Sehr vernünftig.
Denn nur weil ich inzwischen bei jedem merkwürdigen Körperereignis denke Hormone, heißt das schließlich nicht automatisch, dass die Hormone auch wirklich an allem schuld sind.
Also sagte sie, ich solle zu meiner Hausärztin gehen und ein Blutbild machen lassen. Unter anderem sollte geschaut werden, ob es Hinweise auf andere Ursachen gibt, zum Beispiel bei der Schilddrüse.
Na wunderbar.
Meine persönliche Funkzentrale sollte also einmal komplett durchgecheckt werden.
Ich möchte manchmal gar nicht so genau wissen, was da drin alles los ist.
Mein Körper betreibt schließlich offenbar mehrere Abteilungen gleichzeitig.
Die Temperaturregelung hat gekündigt.
Die Schlafabteilung arbeitet nur noch Teilzeit.
Die Nervenabteilung reagiert inzwischen auf Schmatzen.
Und die Bauchabteilung hat ohne Rücksprache angebaut.
Aber gut.
Wat muss, dat muss.
Also Blut abgenommen.
Und dann wartet man.
Ich bin übrigens hervorragend darin, mir einzureden, dass ich mir überhaupt keine Gedanken mache.
Ich mache mir wirklich keine Gedanken.
Gar keine.
Nur vielleicht drei.
Oder sieben.
Und zwischendurch denkt man dann doch:
Was, wenn die Schilddrüse spinnt?
Was, wenn irgendein Wert völlig danebenliegt?
Was, wenn mein Cholesterin inzwischen beschlossen hat, ein eigenes Start-up zu gründen?
Gestern hatte ich dann die Auswertung.
Und was soll ich sagen?
Alles gut.
Auch die untersuchten Schilddrüsenwerte waren unauffällig.
Und selbst meine Cholesterinwerte.
Ich war ehrlich gesagt ein bisschen überrascht.
Ich hatte innerlich schon damit gerechnet, dass meine Ärztin die Brille absetzt, mich ernst anschaut und fragt, ob ich Butter eigentlich trinke.
Nichts.
Alles im grünen Bereich.
Tja.
Dann ist es wohl doch mein luxuriöses Dahinvegetieren.
Vielleicht sitzt meine Bauchbeule einfach da und denkt:
Ich bleibe.
Und wisst ihr was?
So ein Ergebnis beruhigt mich trotzdem.
Nicht, weil ein unauffälliges Blutbild automatisch bedeutet, dass damit jede denkbare Ursache ausgeschlossen ist. Das kann es natürlich nicht. Und auch ein einzelner Laborwert erzählt niemals die komplette Geschichte eines Körpers.
Aber genau deshalb fand ich den Weg meiner Frauenärztin so gut.
Nicht einfach sagen:
„Das sind die Wechseljahre.“
Sondern:
„Es könnte dazugehören. Aber wir schauen trotzdem hin.“
Denn genau das wünsche ich mir eigentlich für diese ganze Reihe.
Ich möchte über Hitzewallungen lachen können.
Über meinen nächtlichen Toilettengang.
Über meinen kribbelnden Fuß.
Über meine Zündschnur in Briefmarkengröße.
Und über diese kleine Beule an meinem Bauch, die offenbar gekommen ist, um zu bleiben.
Aber ich möchte gleichzeitig nicht anfangen, jedes neue Symptom mit einem Schulterzucken auf die Hormone zu schieben.
Manchmal sind es die Wechseljahre.
Manchmal ist es etwas anderes.
Und manchmal schaut man nach, lässt Blut abnehmen, sitzt ein paar Tage später bei der Ärztin und hört:
Alles in Ordnung.
Auch das gehört für mich zu den Wechseljahren.
Nicht nur über Symptome zu sprechen.
Sondern den eigenen Körper ernst zu nehmen.
Nicht panisch.
Nicht bei jedem Zwicken mit Google und Testament auf dem Sofa sitzen.
Aber eben auch nicht alles wegwischen.
Vielleicht ist genau das die goldene Mitte:
Hinschauen, abklären und danach wieder weiterleben.
Mit Hitzewallungen.
Mit Augenringen.
Mit einer gelegentlich sehr kurzen Zündschnur.
Und bei mir offenbar mit einer kleinen Bauchbeule.
Die Laborwerte sagen jedenfalls nichts Dramatisches.
Also gut.
Dann dürfen mein Bauch und ich jetzt erst einmal gemeinsam luxuriös dahinvegetieren.
Er vorneweg.
Ich hinterher.
Und irgendwo sitzt ein kleiner Wichtel mit einem winzigen Klemmbrett in meiner Funkzentrale, schaut sich meine Laborwerte an und flüstert:
„Nicht jede Veränderung bedeutet, dass etwas Schlimmes dahintersteckt. Aber du darfst trotzdem nachsehen lassen. Auf den eigenen Körper zu achten heißt nicht, Angst vor ihm zu haben. Es heißt, ihn ernst zu nehmen. Und wenn am Ende alles in Ordnung ist, darfst du den Zettel auch wieder weglegen, dir einen Tee machen und einfach weiterleben, Bauchbeule inklusive.“
Schön das du hier bist 🩶