
Ich höre für mein Leben gerne Podcasts.
Das ist irgendwann einfach passiert. Seitdem ich mich aus der medialen Fernsehwelt größtenteils zurückgezogen habe, musste schließlich etwas Neues her. Fernsehen schaue ich nur noch sehr ausgewählt. Mal eine amerikanische Sendung auf Sixx, gerne eine gute Dokumentation und dann reicht es mir meistens auch schon wieder.
Streamingdienste?
Nun ja.
Irgendwann hat man das Gefühl, man hat alles gesehen, was einen interessiert. Und bei manchen neuen Serien frage ich mich nach zwanzig Minuten, ob ich wirklich noch weitere sieben Stunden meines Lebens dafür opfern möchte.
Bücher finde ich übrigens großartig.
Theoretisch.
Ich liebe Bücherregale. Ich liebe Geschichten. Ich liebe den Gedanken daran, gemütlich mit einem Buch auf der Couch zu sitzen und völlig darin zu versinken.
Mein Problem ist nur: Ich habe ungefähr die Geduld eines Eichhörnchens auf drei Tassen Kaffee.
Bis ich ein Buch tatsächlich zu Ende gelesen habe, könnte der Autor vermutlich schon den nächsten Teil geschrieben haben.
Also brauchte ich irgendwann etwas, das mich unterhält, mich zum Nachdenken bringt und meinen Kopf ein bisschen füttert.
Und dann kamen die Podcasts.
Herrlich!
Menschen unterhalten sich über Themen, von denen ich vorher manchmal nicht einmal wusste, dass sie mich interessieren. Ich kann zuhören, während ich etwas anderes mache. Ich kann lachen, nachdenken, anderer Meinung sein oder plötzlich feststellen:
Ach, so habe ich das noch gar nicht betrachtet.
Und genau durch einen Podcast ist mir in diesem Jahr etwas passiert, worüber ich mich immer noch unglaublich freue.
Denn plötzlich war ich nicht mehr nur diejenige, die zuhört.
Plötzlich sollte ich selbst sprechen.
Aber von vorne.
Wie so oft saß ich irgendwann mit meinem Handy da und scrollte durch Instagram. Ein bisschen hier schauen, ein bisschen dort liken, neue Accounts entdecken und bei den Menschen vorbeischauen, denen ich bereits folge.
Und irgendwann blieb ich bei einem Account hängen, der sich mit einem Thema beschäftigte, bei dem ich natürlich sofort genauer hinschaute:
Pflege.
Dort entstand die Idee für einen Podcast, in dem Menschen aus der Pflege und dem Gesundheitswesen eine Stimme bekommen sollten.
Und da war ich sofort aufmerksam.
Denn genau das ist ein Thema, das mir unglaublich am Herzen liegt.
Pflege besteht eben nicht nur aus Medikamenten, Dokumentation, Verbänden, Dienstplänen und irgendwelchen Vorschriften.
Pflege besteht vor allem aus Menschen.
Aus Geschichten.
Aus Erfahrungen.
Aus Situationen, die einen berühren, zum Lachen bringen, manchmal wütend machen und manchmal noch lange nach einem Dienst beschäftigen.
Also schrieb ich eine Nachricht.
Eigentlich nur, weil ich sagen wollte, wie toll ich diese Idee finde.
Mehr nicht.
Kein ausgeklügelter Plan.
Keine heimliche Bewerbung als Podcastgast.
Einfach ein ehrliches:
„Ich finde das großartig, was ihr da macht.“
Und manchmal macht das Leben aus so einer kleinen Nachricht plötzlich etwas ganz anderes.
Denn kurze Zeit später bekam ich tatsächlich die Einladung, selbst Gast in diesem Podcast zu sein.
Ich!
Ach Gott.
Da saß ich nun mit meinem Handy und dachte wahrscheinlich ungefähr drei Sekunden lang:
Das ist ja toll!
Und unmittelbar danach:
Um Himmels willen. Ich soll in einen Podcast?!
Denn eines muss man dazu sagen:
Früher hätte ich mich das im Leben nicht getraut.
Wirklich nicht.
Ich hätte vermutlich zwölf Gründe gefunden, warum das gerade nicht geht.
Keine Zeit.
Zu aufgeregt.
Was soll ich überhaupt erzählen?
Was, wenn ich mich verspreche?
Was, wenn mir plötzlich nichts mehr einfällt?
Was, wenn ich mitten im Satz vergesse, wie ein Satz funktioniert?
Heute denke ich anders.
Heute denke ich:
Warum eigentlich nicht?
Ich habe etwas zu erzählen.
Ich arbeite seit vielen Jahren in der Pflege. Ich habe Veränderungen erlebt, Menschen begleitet und Erfahrungen gesammelt.
Ich habe eine Meinung.
Und vor allem habe ich eine Stimme.
Also sagte ich zu.
Und dann kam tatsächlich der Tag der Aufnahme.
Ach Gott, war ich aufgeregt.
Nicht dieses kleine „Ach, wird schon“-aufgeregt.
Nein.
Dieses wunderbare Gemisch aus Vorfreude, Nervosität und dem Gedanken:
Was mache ich hier eigentlich gerade?
Und dann saß ich tatsächlich dort.
Vor einem Mikrofon.
Und redete über Pflege.
Über meinen Beruf.
Über meine Erfahrungen.
Über Dinge, die sich verändert haben.
Über Menschlichkeit.
Und über das, was mir nach all den Jahren in diesem Beruf noch immer wichtig ist:
den Menschen hinter der Pflege nicht zu vergessen.
Und wisst ihr was?
Es war toll.
Nicht, weil plötzlich alles perfekt lief.
Nicht, weil ich auf einmal eine professionelle Podcastsprecherin geworden bin.
Und auch nicht, weil ich jeden Satz druckreif formuliert hätte.
Sondern weil ich etwas erleben durfte, das ich mir vor einigen Jahren selbst niemals zugetraut hätte.
Meine Stimme in einem Podcast.
Allein dieser Satz fühlt sich für mich noch ein bisschen unwirklich an.
Das Ergebnis lässt noch etwas auf sich warten.
Und wo ihr meine Stimme irgendwann hören könnt, verrate ich euch heute ganz bewusst noch nicht.
Ein bisschen geheimnisvoll darf ich schließlich auch mal sein.
Sobald ich es erzählen darf, werde ich es natürlich tun.
Bis dahin bleibt für mich aber etwas ganz anderes viel wichtiger als die eigentliche Veröffentlichung:
Ich habe mich getraut.
Ich durfte etwas Neues ausprobieren.
Ich durfte über etwas sprechen, das mir wichtig ist.
Und ich durfte feststellen, dass sich manchmal Türen öffnen, obwohl man überhaupt nicht vorhatte, irgendwo hindurchzugehen.
Eigentlich wollte ich nur eine nette Nachricht schreiben.
Ein kleines:
„Ich finde eure Idee toll.“
Mehr nicht.
Und plötzlich saß ich vor einem Mikrofon.
Vielleicht ist genau das etwas, was ich in den vergangenen Jahren gelernt habe.
Wir müssen nicht immer vorher wissen, wohin etwas führt.
Wir müssen auch nicht für alles einen perfekten Plan haben.
Manchmal reicht es, neugierig zu sein.
Etwas zu sagen.
Eine Nachricht zu schreiben.
Eine Gelegenheit anzunehmen.
Und vielleicht auch einmal über den eigenen Schatten zu springen.
Früher hätte ich mich wahrscheinlich versteckt.
Heute rede ich.
Und ja:
Darauf bin ich tatsächlich stolz.
Nicht, weil ich jetzt in einem Podcast zu hören sein werde.
Sondern weil ich merke, wie sehr ich mich selbst verändert habe.
Manchmal erkennen wir unsere eigene Entwicklung nämlich erst dann, wenn wir plötzlich etwas tun, von dem unser früheres Ich überzeugt gewesen wäre:
Das traue ich mich niemals.
Und dann sitzt man da.
Vor einem Mikrofon.
Redet.
Lacht.
Erzählt.
Und stellt irgendwann fest:
Doch.
Ich kann das.
Der Podcast kommt bald raus. Und dann werde ich euch natürlich auf dem laufenden halten.
Und irgendwo sitzt wahrscheinlich ein kleiner Wichtel mit viel zu großen Kopfhörern vor einem winzigen Mikrofon, hört ganz aufmerksam zu und denkt sich: „Siehst du, manchmal muss man seine Stimme erst benutzen, um zu merken, wie viel sie eigentlich zu sagen hat.“
Schön das du hier bist 🩶