
Darf ich in dieser Welt noch unperfekt sein,
mit meinen Fehlern, meinen Zweifeln ganz mein?
Wenn alles berechnet und besser sein muss,
wird Menschlichkeit irgendwann nur noch Verdruss?
Wir wählen schon aus, was ein Kind einmal kann,
wie klug und wie sportlich – nach messbarem Plan.
Gesund soll es sein und erfolgreich dazu,
doch wo bleibt das Leben, das sagt: „Sei einfach du“?
Die Handys sind schneller, die Maschinen gescheit,
wir sparen Sekunden und verlieren doch Zeit.
Wir rennen und leisten, bis keiner mehr kann,
doch wer fängt die müden Gedanken noch auf irgendwann?
Die Seelen sind voll, doch die Wartezeit lang,
kein Platz für die Menschen mit Sorge und Bang.
Und irgendwann fragt eine Gesellschaft vielleicht:
Wer bleiben darf, wenn ein Mensch nicht mehr „reicht“?
Wird Krankheit zum Makel, Gesundheit zur Pflicht,
tauschen wir Menschen, die funktionieren nicht?
Wer entscheidet dann über wertvoll und klein?
Darf ich in dieser Welt noch unperfekt sein?
Science-Fiction war gestern ein ferner Planet,
heut staunen wir, wie nah manches vor uns schon steht.
Was früher im Kino noch Zukunft erschien,
beginnt längst ganz leise ins Heute zu ziehn.
Menschen mit Chips und Maschinen im Blick,
Roboter bestimmen vielleicht unser Glück.
Doch wenn alles berechnet und steuerbar scheint,
wer merkt dann noch, wenn irgendwo jemand weint?
Vielleicht liegt im Fehler das Menschlichste drin,
im Stolpern, im Fühlen, im eigenen Sinn.
Ich möchte nicht perfekt – nur lebendig noch sein,
denn genau meine Fehler machen mich mein.
S.H.