
Vor drei Jahren fand ich ein kleines Haus,
alt und vom Wasser gezeichnet sah es aus.
Fast sechzig Jahre hatte es schon gesehen,
wer weiß, welche Kinder einst davor stehen.
Ich nahm es mit und schenkte ihm Zeit,
gab ihm ein neues, kleines Kleid.
Für die Wichtel meiner Tochter sollte es sein,
ein Zuhause, behaglich, warm und klein.
Heute wird darin nur selten gespielt,
doch es ist ein Anblick, der mir gefiel.
So steht es da, still und fein,
und manchmal lädt es zum Erinnern ein.
Denn als ich einer Bewohnerin davon erzähle,
berührt meine Geschichte etwas in ihrer Seele.
Sie lächelt und erinnert sich daran,
was ihr Vater einst für sie ersann:
Ein Puppenhaus, zum Aufklappen gemacht,
vom Vater gebaut und für sie erdacht.
Ein kleines Zuhause, mit Liebe versehen,
ich kann es fast vor ihren Augen sehen.
Doch dann kam der Krieg, sie mussten fort,
fliehen aus Königsberg, verlassen den Ort.
So vieles blieb zurück in jener Zeit,
auch ihr Puppenhaus aus der Kindheit.
„Für andere Kinder“, erzählt sie mir leise,
blieb es zurück auf ihrer langen Reise.
Vielleicht wurde dort weitergeträumt und gelacht,
vielleicht hat es anderen Kindern Freude gemacht.
Mein Puppenhaus steht heute noch bei mir,
doch manchmal öffnet es eine unsichtbare Tür.
Nicht nur zu Wichteln, zu Kinderspiel,
es führt zu Erinnerungen, warm und still.
Zu einem Vater, zu längst vergangener Zeit,
zu einem kleinen Stück Geborgenheit.
Und während sie erzählt und dabei lacht,
hat ein altes Puppenhaus
Vergangenes wieder lebendig gemacht.
S. H.