
Neulich hat mich ein Bild zum Lächeln gebracht.
Darauf stand:
„Vielleicht gibt es schönere Zeiten, aber diese ist die unsere.“ Eigentlich ist es ein Zitat von Jean Paul Sartre, einem französischen Romantiker und Dramatiker, Philosoph. Er hat damit gemeint, dass es kein Schicksal von oben gibt, das man das hier und jetzt annehmen sollte und das man für sich selbst Verantwortung tragen sollte.
Und je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr hatte dieser Satz recht.
Ich interessiere mich schon immer für Geschichte.
Nicht für die Version aus dem Schulunterricht.
Seien wir ehrlich…
Damals bestand Geschichte gefühlt aus Jahreszahlen, Königen und Kriegen.
Wer wann wen geheiratet hat.
Wer wann gegen wen verloren hat.
Und warum wir das alles für die Klassenarbeit auswendig lernen mussten.
Spannend fand ich das damals nicht.
Heute sehe ich Geschichte mit ganz anderen Augen.
Denn wenn man sich wirklich mit vergangenen Zeiten beschäftigt, merkt man erst, wie Menschen damals gelebt haben.
Wie sie geliebt haben.
Wie sie gearbeitet haben.
Wie sie gehofft haben.
Jede Zeit hatte ihre Sorgen.
Jede Zeit hatte ihre Wunder.
Und jede Generation war überzeugt, dass früher oder später alles besser werden würde.
Kommt euch das bekannt vor?
Wie oft sagen wir heute:
„Früher war alles besser.“
Oder:
„Später wird alles leichter.“
Dabei vergessen wir etwas ganz Entscheidendes.
Genau jetzt findet unser Leben statt.
Nicht gestern.
Nicht morgen.
Sondern heute.
Mein Leben ist bestimmt nicht perfekt.
Ganz im Gegenteil.
Ich habe Wechseljahre.
Ich stoße mir regelmäßig den kleinen Zeh am Türrahmen.
Natürlich ist grundsätzlich der Türrahmen schuld.
Nicht ich.
Ich schwitze.
Ich suche ständig irgendwelche Dinge.
Ich diskutiere mit meinem Exemplar über Haarbürsten, Wäscheberge oder darüber, warum man Tomatensoße nicht mit einem Holzlöffel voller Herzlöcher auf den Teller schöpfen kann.
Und trotzdem…
Liebe ich genau dieses Leben.
Weil es echt ist.
Die Zeit mit meinem Exemplar ist unsere Zeit.
Unser gemeinsames Kapitel.
Unsere Erinnerungen entstehen nicht irgendwann.
Sie entstehen genau jetzt.
Wenn wir zusammen lachen.
Wenn wir uns über Kleinigkeiten streiten.
Wenn wir später gemeinsam über dieselben Geschichten lachen.
Ob wir jemals noch einmal diese Chance bekommen?
Ich weiß es nicht.
Niemand weiß das.
Ich weiß nicht, was morgen passiert.
Ich weiß nicht, ob es ein Danach gibt.
Ob wir irgendwann wiederkommen.
Oder ob dieses eine Leben alles ist, was wir haben.
Aber genau deshalb möchte ich es nicht damit verbringen, ständig auf bessere Zeiten zu warten.
Ich möchte mich freuen.
Über einen Kaffee.
Über den Duft von frisch gekochter Tomatensoße.
Über einen Sonnenuntergang.
Über einen lustigen Versprecher.
Über Menschen, die mein Herz berühren.
Über die kleinen Geschichten, die niemand plant.
Denn genau sie bleiben.
Wir leben in einer Welt, in der viele versuchen, perfekt zu sein.
Perfekte Wohnungen.
Perfekte Körper.
Perfekte Urlaube.
Perfekte Fotos.
Perfekte Social-Media-Profile.
Aber wisst ihr was?
Perfekt finde ich ehrlich gesagt ziemlich langweilig.
Ich möchte lachen.
So richtig.
Bis mir der Bauch wehtut.
Ich möchte Fehler machen.
Ich möchte manchmal völlig überzeugt sein, den richtigen Weg zu gehen…
…und dann feststellen, dass ich gerade in die falsche Richtung gelaufen bin.
Ich möchte mich über den Türrahmen aufregen, nachdem ich mir mal wieder den kleinen Zeh gestoßen habe.
Ich möchte laut schimpfen.
Und fünf Minuten später über mich selbst lachen.
Ich möchte Menschen um mich haben, die nicht perfekt sind.
Die Ecken und Kanten haben.
Die manchmal traurig sind.
Manchmal verrückt.
Manchmal laut.
Manchmal leise.
Denn genau das macht uns menschlich.
Und genau das macht das Leben schön.
Vielleicht besteht Glück gar nicht aus den großen Momenten.
Vielleicht besteht es aus tausend kleinen Geschichten.
Aus einem Kochlöffel mit einem Herz.
Aus einem verschwundenen Haarbürsten-Abenteuer.
Aus einem gemeinsamen Abendessen.
Aus einem Blick.
Aus einem Lachen.
Aus einem Menschen, der bleibt.
Vielleicht werden wir eines Tages zurückblicken und denken:
„Das waren eigentlich richtig schöne Zeiten.“
Nicht, weil alles perfekt war.
Sondern weil wir gelebt haben.
Mit allem, was dazugehört.
Und vielleicht ist genau das die größte Kunst.
Nicht auf das perfekte Leben zu warten.
Sondern das unperfekte zu lieben.

Und wenn irgendwo ein kleiner Wichtel heute Abend auf einem alten Baumstumpf sitzt, die Füße baumeln lässt und den Sonnenuntergang beobachtet, dann lächelt er leise und flüstert:
„Die schönsten Geschichten entstehen nicht in perfekten Zeiten. Sie entstehen genau jetzt, mitten im Leben.“
Schön das du hier bist 🩶
Was für ein schöner Text. Kann man immer wieder lesen und lächeln.
LikeGefällt 1 Person
Vielen Dank für die Worte
LikeGefällt 1 Person