Ich bin morgens ein Neandertaler, zumindest bis zum ersten Kaffee

Eigentlich bin ich physikalisch gesehen noch gar nicht alt.
Also… rein theoretisch.
Wenn mich jemand fragt, würde ich sogar behaupten, dass ich mitten im Leben stehe.
Mein Körper sieht das allerdings etwas anders.
Der wacht morgens auf und denkt sich:
„Ach komm… heute spielen wir einfach mal 85.“
Im Ernst.
Wer hat sich das eigentlich ausgedacht?
Ich öffne morgens die Augen, schlage die Bettdecke zurück und denke noch:
„Na, das wird heute ein guter Tag.“
Dann stehe ich auf.
Oder besser gesagt…
Ich versuche es.
Denn in den ersten Minuten laufe ich ungefähr so elegant durch die Wohnung wie ein Neandertaler auf dem Weg zur Mammutjagd.
Leicht nach vorne gebeugt.
Ein bisschen steif.
Mit einem Gesichtsausdruck, der eindeutig sagt:
„Bitte sprich mich erst nach dem Kaffee an.“
Wenn ich mich morgens im Spiegel sehen würde, könnte man meinen, die Evolution hätte beschlossen, für zwei Minuten einen kleinen Rückschritt einzulegen.
Dabei waren wir doch irgendwann mal Affen.
Zumindest erzählt uns das die Wissenschaft.
Gut…
Manche Menschen benehmen sich heute noch so.
Aber das ist wieder ein anderes Thema.
Jedenfalls stelle ich mir manchmal vor, wie unsere Vorfahren morgens ihre Höhle verlassen haben.
Gebückt.
Langsam.
Vorsichtig.
Und dann denke ich:
„So weit weg bin ich davon eigentlich gar nicht.“
Bis mein Körper sich sortiert hat, vergehen locker ein bis zwei Minuten.
Erst richtet sich der Rücken auf.
Dann die Schultern.
Dann irgendwann auch meine Laune.
Und spätestens nach dem ersten Kaffee bin ich wieder offiziell im 21. Jahrhundert angekommen.
Eine kleine Zeitreise.
Jeden Morgen.
Kostenlos.
Und dann wären da noch meine Füße.
Meine Güte…
Über diese Fersenschmerzen sollten wir wirklich einmal sprechen.
Ich hatte früher keine Ahnung, dass so etwas mit den Wechseljahren zusammenhängen kann.
Man versucht morgens aufzustehen.
Und plötzlich sagen die Füße:
„Heute lieber nicht.“
Ich stehe also da.
Oder eher halb.
Und überlege ernsthaft, ob ich einfach wieder ins Bett gehen sollte.
Natürlich nicht.
Der Kaffee wartet schließlich.
Als wären das nicht schon genug kleine Überraschungen, meldet sich inzwischen auch gerne mal meine Hüfte.
Das fällt mir besonders auf Flohmärkten auf.
Ich liebe Flohmärkte.
Zwischen alten Schränken, Porzellan und Dingen, von denen niemand mehr weiß, wofür sie eigentlich gedacht waren, fühle ich mich pudelwohl.
Zumindest mein Kopf.
Meine Hüfte sieht das etwas anders.
Nach einer Stunde Bummeln beschließt sie regelmäßig, eigene Pläne zu entwickeln.
Und ich laufe plötzlich so, als hätte ich den halben Flohmarkt gekauft und müsste ihn jetzt alleine nach Hause tragen.
Natürlich wollte ich wissen, warum das so ist.
Und wie so oft in den Wechseljahren lautet die Antwort:
Östrogen.
Oder besser gesagt:
Zu wenig davon.
Können wir bitte einmal ganz in Ruhe über dieses Hormon sprechen?
Jahrelang begleitet es uns.
Regelt gefühlt alles.
Und wenn es beschließt, sich langsam zu verabschieden, hinterlässt es ein einziges Chaos.
Östrogen schützt nämlich unter anderem unsere Gelenke.
Es sorgt dafür, dass Knorpel, Sehnen und Bänder gut versorgt werden und geschmeidig bleiben.
Sinkt der Östrogenspiegel, können die Gelenke steifer werden.
Auch die Faszien verlieren an Elastizität.
Deshalb berichten viele Frauen in den Wechseljahren über Fersen-, Knie-, Hüft- oder Schulterschmerzen, besonders morgens nach dem Aufstehen.
Eigentlich erstaunlich.
Man denkt bei Wechseljahren sofort an Hitzewallungen.
Aber kaum jemand spricht über das Gefühl, morgens wie ein rostiges Scharnier durch die Wohnung zu laufen.
Ich habe inzwischen beschlossen, meinen Körper nicht mehr dafür zu verurteilen.
Er leistet seit Jahrzehnten Großartiges.
Er trägt mich durchs Leben.
Er hat gearbeitet.
Gelacht.
Geliebt.
Getrauert.
Er verändert sich.
Und das darf er auch.
Natürlich fluche ich trotzdem manchmal.
Vor allem morgens.
Oder wenn ich auf dem Flohmarkt plötzlich das Gefühl habe, meine Hüfte möchte lieber nach Hause als ich.
Aber mittlerweile nehme ich vieles mit Humor.
Denn mal ehrlich…
Was bleibt mir auch anderes übrig?
Wenn ich schon durch die Wohnung laufe wie ein Neandertaler, dann wenigstens mit Stil.
Und mit einer großen Tasse Kaffee in der Hand.
Denn spätestens dann erinnert sich mein Körper wieder daran, dass wir inzwischen in der Gegenwart angekommen sind.
Und dass heute hoffentlich keine Mammuts mehr gejagt werden müssen.

Und während irgendwo ein kleiner Wichtel morgens verschlafen aus seinem Wichtelbett klettert, sich einmal kräftig streckt und dabei ebenfalls leise „Autsch“ murmelt, lächelt er und flüstert:

„Jeder Körper erzählt seine eigene Geschichte. Manche eben morgens etwas lauter als andere. Aber solange wir noch lachen können, sind wir genau dort, wo wir sein sollen, mitten im Leben.“

Schön das du hier bist 🩶

5 Kommentare zu „Ich bin morgens ein Neandertaler, zumindest bis zum ersten Kaffee

  1. Wenn meine Hüftschmerzen tatsächlich welche sind könnte das ja der Grund sein.
    Ich denke eher es ist eine Entzündung im Magen oder Darm.
    Weil seitdem ich regelmäßig Omeprazol nehme sind die Hüftschmerzen links wieder weg.
    Die vorher wochenlang da waren.

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      1. Ja und kaputte Zähne und Magen oder Darm hängt auch zusammen und bei mir meine ehemals kaputten Zähne und mein sehr viel zu niedriger Blutdruck.
        Seitdem ich ein Vollgebiss trage habe ich keinerlei Kreislaufprobleme mehr.

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      2. Das ist natürlich immer Dinge die man ausschließen sollte. Bevor ich alles auf Wechseljahre zb schiebe. Zb auch Eisenmangel oder Schilddrüse. Bei mir haben sich die Wechseljahre über die Blase gezeigt. Ich hatte jeden Monat eine. Ok Leben hätte ich nicht gedacht das es die Hormone sind.

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      3. Bei mir sind es definitiv die Hitzewallungen.
        Alles andere schiebe ich eher auf meine Fructoseintoleranz und darauf,
        dass ich seitdem ich die habe keine oder nicht wirklich angemessene Diät halte.
        Vielleicht ist es hier dann beides.

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