Endlich Ferien! Oder: Warum sich beim Thema Schule seit den 90ern erstaunlich wenig verändert hat

In zwei Wochen sind Ferien und Gestern fiel dieser eine Satz. Der Satz, der zuverlässig das Ende eines Schuljahres ankündigt. Mein Exemplar stand vor mir und sagte: „Wir müssen morgen unsere Bücher abgeben.“

Für mich bedeutete das sofort: Na hoffentlich sehen die Bücher noch aus wie Bücher und nicht wie Überlebende eines Naturkatastrophengebiets.

Für mein Exemplar bedeutete es etwas ganz anderes. Nämlich: „Endlich vorbei.“Endlich bald  Ferien.

Endlich ausschlafen.Endlich keine Klassenarbeiten. Endlich keine Hausaufgaben. Und vor allem: „Endlich muss ich meine Klassenkameraden eine Weile nicht mehr sehen.“

Ich musste lachen. Nicht weil ich es nicht ernst nehme. Sondern weil ich in ihrem Alter exakt das Gleiche gedacht habe.

Schule in den 90ern

Wenn ich an meine eigene Schulzeit zurückdenke, dann erinnere ich mich erstaunlich wenig an den Unterricht.

Ich weiß noch, dass ich oft dachte: „Wofür brauche ich das eigentlich später?“ Eine Frage, die vermutlich jede Generation seit der Erfindung der Schule stellt. Ich erinnere mich an langweilige Stunden. An Fächer, die mich überhaupt nicht interessiert haben. An Lehrer, die großartig waren. Und an Lehrer, bei denen man bereits beim Betreten des Klassenraums wusste, dass das heute wieder ein sehr langer Tag wird.

Und natürlich erinnere ich mich an Mitschüler. Manche waren toll. Andere waren der Grund dafür, dass man sich morgens freiwillig eine Grippe gewünscht hat. Eigentlich also alles wie heute.

Was sich verändert hat

Und trotzdem beobachte ich als Mutter heute etwas, das mich manchmal wirklich nachdenklich macht. Das Schulsystem scheint für viele Kinder kaum noch Ruhe zu haben.

Lehrer wechseln ständig und damit meine ich in einem Schuljahr. In einem Jahr 3 Englischlehrer. Unterricht fällt aus. Vertretungsstunden werden zur Normalität, und dafür gibt es die perfekte Lösung: Apps. Inzwischen haben wir 2 Apps die den Unterricht koordinieren sollen. Da sieht man Ende keiner mehr durch. Jeder vermittelt Inhalte anders. Jeder hat seine eigene Methode. Jeder erklärt anders. Und irgendwo dazwischen sitzt mein Exemplar und versucht herauszufinden, wie sie das alles verstehen soll.

Manchmal habe ich das Gefühl, die Kinder müssen nicht nur den Stoff lernen. Sie müssen zusätzlich lernen, wie jeder einzelne Lehrer diesen Stoff erklärt. Das ist ungefähr so, als würde man jede Woche die Sprache wechseln. Nicht komplett. Aber gerade genug, um alle zu verwirren.

Die Sache mit den Hausaufgaben

Ein Punkt überrascht mich besonders. Es gibt kaum noch Hausaufgaben. Jetzt weiß ich, dass viele Kinder diesen Satz vermutlich feiern. Mein Exemplar vermutlich auch. Aber ich sehe das tatsächlich zwiespältig. Denn Hausaufgaben waren früher nicht nur eine Strafe für ein erfülltes Kinderleben. Sie hatten auch einen Sinn. Man konnte Inhalte wiederholen. Festigen. Üben. Fehler machen. Nochmal probieren. Heute scheint vieles direkt im Unterricht passieren zu müssen.

Das Problem ist nur: Nicht jedes Kind lernt gleich schnell. Nicht jedes Kind versteht alles sofort. Und manchmal braucht ein Gehirn einfach etwas mehr Zeit.

Das eigentliche Problem

Was mich aber am meisten beschäftigt, sind gar nicht die Noten. Es ist der Druck. Kinder stehen heute unter einem enormen Leistungsdruck. Sie vergleichen sich ständig. Mit Mitschülern. Mit sozialen Medien. Mit Erwartungen. Mit Dingen, die sie oft gar nicht beeinflussen können. Dabei vergessen wir manchmal etwas ganz Wichtiges.

Kinder sind keine Maschinen. Sie sind Menschen. Sie dürfen Fehler machen. Sie dürfen schlechte Tage haben. Sie dürfen Dinge nicht sofort verstehen. Und sie dürfen auch einmal scheitern. Denn genau daraus lernen sie.

Ferien sind manchmal wichtiger als Zeugnisse

Mein Exemplar hat dieses Schuljahr geschafft. Mit guten und weniger guten Momenten. Mit Erfolgen. Mit Frust. Mit Lernen. Mit Zweifeln. Und jetzt freut sie sich auf die Ferien. Und weißt du was?.Das darf sie.

Vielleicht sind Ferien sogar wichtiger als manche Note. Weil Kinder Zeit brauchen. Zeit zum Durchatmen. Zeit zum Kindsein. Zeit zum Ausschlafen. Zeit für Abenteuer. Zeit für Eis. Zeit für Langeweile. Denn genau in dieser Langeweile entstehen oft die schönsten Erinnerungen.

Was ich meinem Exemplar wünsche

Ich wünsche ihr keine perfekten Noten. Ich wünsche ihr Neugier. Mut. Selbstvertrauen. Und die Fähigkeit zu erkennen, dass eine Zahl auf einem Zeugnis niemals ihren Wert bestimmt. Denn sie ist so viel mehr als jede Note. Und das gilt übrigens für jedes Kind.

Während irgendwo Eltern heimlich aufatmen, weil sie sechs Wochen lang keine Brotdosen schmieren müssen, und Kinder bereits gedanklich im Freibad liegen, sitzt ein kleiner Wichtel auf einem abgegebenen Mathebuch, schaukelt mit den Füßen und flüstert:


„Nicht jede Rechnung im Leben muss richtig sein. Aber Ferien sind immer eine gute Idee. Also sammle Sonnenstrahlen, iss Eis und denke nicht zu oft an die Schule. Dafür ist später noch genug Zeit.“

Schön das du hier bist 🩶

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