Was würde ich meinem 20-jährigen Ich sagen?

Was würdest du deinem 20-jährigen Ich gern sagen?

Heute bin ich über die Frage gestolpert und ich finde sie toll.

Was würdest du deinem 20-jährigen Ich sagen?

Und ganz ehrlich?

Mein erstes Bedürfnis war, mich hinzusetzen, mein 20-jähriges Ich liebevoll an den Schultern zu packen und zu sagen: „Mädchen, entspann dich mal.“

Wirklich. Entspann dich.

Denn wenn ich heute an mich mit zwanzig denke, sehe ich einen Menschen, der ständig auf der Suche war.

Auf der Suche nach Antworten. Auf der Suche nach Liebe. Auf der Suche nach Freundschaften. Auf der Suche nach dem perfekten Platz im Leben. Und vor allem auf der Suche nach Zugehörigkeit.

Mit zwanzig wollte ich unbedingt dazugehören. Ich wollte Menschen finden, die bleiben. Eine beste Freundin. Einen Seelenpartner. Menschen, die mich verstehen. Und wenn ich ehrlich bin, hätte ich damals wahrscheinlich so ziemlich jeden genommen, der freundlich gelächelt hat. Nicht weil ich verzweifelt war. Sondern weil ich glaubte, dass Glück irgendwo außerhalb von mir auf mich wartet.

Heute weiß ich: Das tut es nicht.

Mit zwanzig war ich außerdem fest davon überzeugt, dass meine Meinung die richtige ist. Nicht eine mögliche Meinung. Nicht eine interessante Sichtweise. Nein. Die richtige. Punkt. Diskussion beendet. Ich hatte zu allem eine Meinung. Und meistens auch direkt die passende Erklärung dazu. Rückblickend betrachtet war ich wahrscheinlich anstrengend. Sehr anstrengend. Wahrscheinlich hätte ich mit meinem heutigen Ich keine fünf Minuten diskutieren können, ohne dass eine von uns genervt den Raum verlassen hätte.

Heute ist das anders. Heute finde ich andere Meinungen spannend. Nicht weil ich meine eigene verloren habe. Sondern weil ich verstanden habe, dass die Welt nicht nur aus Schwarz und Weiß besteht. Menschen haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Unterschiedliche Geschichten erlebt. Unterschiedliche Wege hinter sich. Und genau deshalb kommen sie manchmal zu völlig anderen Ergebnissen. Das finde ich inzwischen faszinierend.

Mit zwanzig wollte ich Recht haben. Heute möchte ich verstehen. Das ist ein großer Unterschied.

Wenn ich meinem jüngeren Ich noch etwas sagen dürfte, dann wahrscheinlich auch das: „Hör auf, ständig perfekt sein zu wollen.“ Denn auch das hat mich lange begleitet. Ich wollte alles richtig machen. Die richtigen Menschen kennenlernen. Die richtigen Entscheidungen treffen. Die richtigen Wege gehen. Bloß keinen Fehler machen. Heute kann ich darüber nur schmunzeln.

Denn die meisten Dinge, die mich wirklich weitergebracht haben, entstanden aus Situationen, die überhaupt nicht perfekt waren. Manche meiner größten Lektionen kamen durch Fehler. Manche meiner wichtigsten Erkenntnisse durch Enttäuschungen. Und einige meiner schönsten Erinnerungen entstanden genau dann, wenn überhaupt nichts nach Plan lief.

Mit zwanzig dachte ich außerdem, dass viele Menschen um mich herum automatisch bedeuten, dass ich glücklich bin. Heute weiß ich, dass das nicht stimmt. Ich verbringe gerne Zeit mit Menschen. Aber ich verbringe auch gerne Zeit mit mir selbst. Und das hätte mein 20-jähriges Ich wahrscheinlich überhaupt nicht verstanden. Damals bedeutete Alleinsein für mich oft Einsamkeit. Heute bedeutet Alleinsein manchmal Frieden. Ruhe. Durchatmen. Keine Erwartungen. Keine Verpflichtungen. Einfach ich. Und weißt du was? Das ist völlig in Ordnung.

Vielleicht würde ich meinem 20-jährigen Ich am Ende nur einen einzigen Satz mitgeben: „Du musst nicht überall dazugehören.“

Denn ich glaube, genau das hat sich im Laufe meines Lebens am stärksten verändert. Früher wollte ich dazugehören. Heute möchte ich einfach ich selbst sein. Früher wollte ich, dass andere mich mögen. Heute ist mir wichtiger, dass ich mich selbst mag. Früher habe ich viel Energie darauf verwendet, Erwartungen zu erfüllen. Heute investiere ich meine Energie lieber in Dinge, die mich glücklich machen. Und ganz ehrlich? Das fühlt sich deutlich leichter an.

Und während irgendwo mein 20-jähriges Ich wahrscheinlich gerade wieder versucht, die Welt zu retten, den perfekten Menschen zu finden und allen ihre Meinung zu erklären, sitzt ein kleiner Wichtel auf ihrer Schulter, schaukelt mit den Beinen und flüstert:

„Du musst nicht alles wissen. Du musst nicht perfekt sein. Du musst nicht überall dazugehören. Das Leben wird dir vieles zeigen, manches beibringen und einiges wieder nehmen. Aber am Ende wirst du feststellen, dass die wichtigste Person, bei der du ankommen musst, immer du selbst bist.“

Schön, dass du hier bist. 🩶

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