Matcha und die Sache mit der Achtsamkeit

Wenn mir vor zehn Jahren jemand erzählt hätte, dass ich freiwillig grünes Pulver in heißes Wasser rühre und dafür auch noch Geld bezahle, hätte ich ihn wahrscheinlich ausgelacht. Wirklich. Ich hätte vermutlich gefragt, ob er heimlich Rasenschnitt verkauft.

Heute stehe ich in meiner Küche, öffne eine Dose mit leuchtend grünem Pulver und freue mich darauf. Das Leben nimmt manchmal wirklich seltsame Wendungen. Früher bestand mein Morgenritual aus Kaffee. Viel Kaffee. Sehr viel Kaffee.

Man könnte sagen, Kaffee war damals mein Lebenskonzept. Heute trinke ich immer noch gerne Kaffee. Aber Matcha hat sich inzwischen einen festen Platz in meinem Alltag erobert. Und das, obwohl unsere Beziehung nicht ganz einfach angefangen hat.

Matcha und die Sache mit der Achtsamkeit

Was ich am Matcha wirklich mag, ist das Ritual dahinter. Zumindest theoretisch. Denn Matcha soll ja nicht einfach nur getrunken werden. Nein. Matcha wird zelebriert. Man nimmt eine Schüssel. Dann nimmt man einen Bambusquirl. Dann schlägt man den Tee in einer bestimmten Technik auf. Bis ein feiner Schaum entsteht. Ganz ruhig. Ganz achtsam. Ganz harmonisch. So weit die Theorie. In der Praxis sieht das bei mir etwas anders aus. Zunächst einmal ist die Schüssel für meine motorischen Fähigkeiten eindeutig zu klein.

Was ist ein Bambusquirl? Ein Werkzeug, das vermutlich für Menschen entwickelt wurde, die Geduld besitzen. Ich gehöre nicht dazu. Jedenfalls stehe ich da. Schlage. Rühre. Schlage weiter. Der Schaum erscheint nicht. Mein Arm wird müde. Der Tee wird langsam beleidigt.

Und ich überlege, ob Achtsamkeit vielleicht einfach nichts für mich ist. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich wahrscheinlich eher eine Sehnenscheidenentzündung als einen perfekt aufgeschlagenen Matcha. Und vermutlich wäre am Ende nicht die Schüssel grün. Sondern die Arbeitsplatte. Die Wand. Meine Strickjacke.

Also habe ich eine vernünftige Entscheidung getroffen. Eine moderne. Eine praktische. Eine, die wahrscheinlich dazu führt, dass mir in Japan lebenslang Hausverbot erteilt wird. Ich habe mir einen elektrischen Milchaufschäumer gekauft. Einen Knopf. Ein Summen. Fertig.

Drei Sekunden später habe ich Schaum. Keine Verletzungen. Keine Wutanfälle. Keine grüne Küche. Gott sei Dank sieht das kein Japaner.

Vielleicht ist das auch Achtsamkeit

Je älter ich werde, desto mehr denke ich über das Wort Achtsamkeit nach. Überall liest man davon. Achtsam essen. Achtsam atmen. Achtsam leben. Manchmal habe ich das Gefühl, man müsste inzwischen sogar achtsam die Spülmaschine ausräumen. Aber vielleicht bedeutet Achtsamkeit gar nicht, alles perfekt zu machen.

Vielleicht bedeutet sie einfach, sich einen kleinen Moment nur für sich selbst zu nehmen. Ohne Handy. Ohne Termine. Ohne To-do-Liste. Ohne jemanden, der gleichzeitig etwas von einem möchte. Und genau das ist für mich inzwischen Matcha. Keine Teezeremonie. Kein spirituelles Erlebnis. Kein buddhistischer Erleuchtungsmoment. Einfach ein paar Minuten Ruhe. Eine warme Tasse. Und das Gefühl, kurz durchatmen zu dürfen. Gerade in den Wechseljahren weiß man solche Momente plötzlich sehr zu schätzen.

Was Matcha eigentlich mit unserem Körper macht

Bei all meinem Spaß über Bambusquirl, Schüsseln und grüne Küchen sollte man eine Sache nicht vergessen: Matcha ist tatsächlich ziemlich gesund. Und nein, ich sage das nicht, weil irgendein Influencer das behauptet. Sondern weil tatsächlich einiges dahinter steckt. Matcha ist im Grunde grüner Tee. Allerdings in einer besonders konzentrierten Form. Die Teeblätter werden vor der Ernte beschattet und anschließend zu feinem Pulver vermahlen.

Der Unterschied: Man trinkt nicht nur den Aufguss. Man trinkt das komplette Blatt. Und damit auch viele der wertvollen Inhaltsstoffe. Matcha enthält besonders viele Antioxidantien. Das sind Stoffe, die unsere Zellen vor sogenannten freien Radikalen schützen können. Klingt kompliziert. Bedeutet vereinfacht: Der Körper freut sich darüber.

Die Sache mit dem Kaffee und der ruhigen Energie

Außerdem enthält Matcha Koffein. Und jetzt wird es interessant. Denn Matcha wirkt anders als Kaffee. Beim Kaffee habe ich manchmal das Gefühl, mein Gehirn startet direkt im Sportmodus.

Alles auf einmal. Volle Leistung. Volle Lautstärke. Volle Geschwindigkeit. Und zwei Stunden später fragt man sich, warum man plötzlich müde ist. Matcha fühlt sich für mich anders an. Ruhiger. Gleichmäßiger. Wacher. Ohne dieses nervöse Kribbeln.

Der Grund dafür ist eine Aminosäure namens L-Theanin. Diese wirkt beruhigend auf das Nervensystem und sorgt gleichzeitig dafür, dass das enthaltene Koffein langsamer freigesetzt wird. Man ist wach. Aber nicht hibbelig. Konzentriert. Aber nicht überdreht. Und gerade das finde ich unglaublich angenehm.

Die Sache mit den Gelenken, die plötzlich Geräusche machen

Mal ehrlich. Früher bin ich morgens aufgestanden. Heute stehe ich morgens auf und höre dabei Geräusche. Aus mir selbst. Manchmal weiß ich nicht, ob das mein Knie war oder die Treppe. Die Wechseljahre haben nämlich nicht nur Auswirkungen auf unsere Hormone. Viele Frauen bemerken plötzlich Veränderungen an ihren Gelenken.

Alles fühlt sich etwas steifer an. Etwas unbeweglicher. Manchmal zwickt es hier. Manchmal zieht es dort. Auch das hängt unter anderem mit dem sinkenden Östrogenspiegel zusammen. Wenn dieser Schutz langsam nachlässt, merken das viele Frauen zuerst an ihren Gelenken.

Matcha kann keine Wunder vollbringen. Aber die enthaltenen Pflanzenstoffe werden immer wieder mit entzündungshemmenden Eigenschaften in Verbindung gebracht. Und ganz ehrlich: Wenn mein Körper gerade eine Großbaustelle ist, nehme ich jede Unterstützung dankend an.

Die Sache mit dem Kollagen und der welken Pflaume

Jetzt kommen wir zu einem Thema, über das wahrscheinlich viele Frauen heimlich nachdenken. Die Haut. Genauer gesagt: Die Haut, die plötzlich macht, was sie will. Früher war sie einfach da. Heute wird sie täglich kontrolliert. Kritisch. Mit zusammengekniffenen Augen.

Und grundsätzlich in einem Badezimmerlicht, das jede Falte doppelt darstellt. Mit den Wechseljahren sinkt auch die körpereigene Kollagenproduktion. Kollagen sorgt vereinfacht gesagt dafür, dass Haut, Bindegewebe und andere Strukturen stabil bleiben.

Deshalb bemerken viele Frauen irgendwann: Die Haut wird trockener. Feiner. Manchmal auch etwas dünner. Natürlich zaubert Matcha keine zwanzig Jahre weg. Wenn das funktionieren würde, würde ich vermutlich in einer Badewanne voller Matcha wohnen.

Aber die Antioxidantien können helfen, unsere Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Und alles, was meine Haut davon abhält, sich in eine Rosine zu verwandeln, bekommt von mir grundsätzlich Pluspunkte.

Warum plötzlich jedes Stück Kuchen direkt einzieht

Ein weiteres Thema, das viele Frauen kennen: Man schaut einen Keks an. Und nimmt gefühlt zwei Kilo zu. Früher konnte ich essen. Heute verhandelt mein Stoffwechsel offenbar erst mit der Personalabteilung. Die Wechseljahre verändern auch unseren Energieverbrauch. Der Grundumsatz sinkt häufig. Der Muskelanteil nimmt ab. Die Fettverteilung verändert sich.

Und plötzlich zieht es alles bevorzugt Richtung Bauch. Eine Frechheit, wenn ihr mich fragt. Matcha wird oft mit Stoffwechselprozessen in Verbindung gebracht. Vor allem die enthaltenen Catechine stehen seit Jahren im Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen.

Natürlich ersetzt Matcha weder Bewegung noch eine ausgewogene Ernährung. Schön wär’s. Aber einige Studien deuten darauf hin, dass Matcha die Fettverbrennung unterstützen kann. Nicht dramatisch. Nicht über Nacht. Aber möglicherweise ein kleines bisschen. Und manchmal sind viele kleine Dinge zusammen genau das, was einen Unterschied macht.

Die Sache mit dem Blutzucker und den Energieabstürzen

Was ich persönlich besonders spannend finde: Matcha sorgt bei mir für deutlich weniger Achterbahnfahrten. Kennt ihr dieses Gefühl? Man isst etwas Süßes. Fühlt sich kurz großartig. Und zwei Stunden später könnte man sich freiwillig unter den Schreibtisch legen. Viele Frauen erleben in den Wechseljahren stärkere Schwankungen beim Energielevel. Auch die Insulinsensitivität verändert sich häufig.

Das bedeutet vereinfacht: Der Körper reagiert manchmal anders auf Zucker als früher. Und genau deshalb fühlen sich viele Frauen plötzlich schneller müde oder ausgelaugt. Matcha sorgt durch die Kombination aus Koffein und L-Theanin oft für eine gleichmäßigere Energie.

Nicht dieses: „Ich könnte jetzt die Wohnung renovieren.“ Und eine Stunde später: „Lasst mich einfach hier liegen.“ Sondern eher: Wach. Konzentriert. Ruhig. Und genau das mag ich daran.

Mein persönliches Matcha-Latte-Rezept

Und jetzt kommen wir zum wichtigsten Teil. Denn natürlich trinke ich Matcha nicht nach einer traditionellen japanischen Teezeremonie. Dafür fehlt mir ehrlich gesagt die Geduld. Und vermutlich auch die Begabung.

Mein persönlicher Matcha sieht deshalb so aus: 1 bis 2 Teelöffel Matcha, etwas Wasser mit ungefähr 80 Grad, heiße aufgeschäumte Milch und mein elektrischer Milchaufschäumer. Zuerst verrühre ich das Matchapulver mit dem heißen Wasser. Danach kommt die warme Milch dazu. Fertig. Mein Matcha Latte. Cremig. Wärmend. Lecker. Und vor allem alltagstauglich.

Vielleicht würden japanische Teemeister jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Aber ich bin mir ziemlich sicher: Achtsamkeit bedeutet nicht, alles perfekt zu machen. Achtsamkeit bedeutet manchmal einfach, einen Weg zu finden, der zu einem selbst passt.

Die kleine Pause zwischendurch

Und genau deshalb mag ich Matcha so gerne. Nicht weil er alle Probleme löst. Nicht weil er die Wechseljahre verschwinden lässt. Nicht weil mein Brainfog danach plötzlich die richtigen Wörter findet. Sondern weil er mich daran erinnert, kurz stehen zu bleiben. Kurz durchzuatmen. Kurz nur an mich zu denken. Und manchmal sind genau diese kleinen Momente wichtiger als jede große Lösung.

Und während du vielleicht gerade deine nächste Tasse Matcha vorbereitest, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel auf dem Rand einer grünen Schüssel, beobachtet das Treiben, schaukelt mit den Beinen und flüstert:

„Vielleicht geht es im Leben gar nicht darum, alles perfekt zu machen. Vielleicht reicht es manchmal, gut für sich selbst zu sorgen. Einen Moment innezuhalten. Einen Schluck Wärme zu trinken. Und sich daran zu erinnern, dass auch kleine Rituale große Kraft schenken können.“

Schön, dass du hier bist. 🩶

Hinterlasse einen Kommentar