
Ich möchte heute einmal über etwas schreiben, das mir wirklich am Herzen liegt.
Und zwar über TikTok.
Ich habe TikTok schon ziemlich lange. Allerdings habe ich diese Plattform nie besonders intensiv genutzt. Für mich war das eher eine Möglichkeit, mit Freunden irgendwelche lustigen Videos auszutauschen.
Da schickt man sich gegenseitig etwas, lacht darüber und fragt sich gelegentlich, warum Menschen sich freiwillig bei den merkwürdigsten Dingen filmen.
Mehr war das für mich eigentlich nicht.
Vor ungefähr drei Monaten habe ich dann beschlossen, mein Profil öffentlich zu machen.
Ich dachte mir, warum eigentlich nicht? Ich nutze den kontent bei Instagram, kann ja bei TikTok auch klappen. Pustekuchen.
Ich schreibe gerne, teile meine Gedanken und zeige gelegentlich Bilder mit kleinen Texten dazu. Nichts Weltbewegendes. Keine tiefen Einblicke in mein Privatleben. Keine Familiengeheimnisse und auch keine tägliche Dokumentation darüber, was ich zum Frühstück gegessen habe.
Einfach ein bisschen von mir.
Und ja, auf manchen Bildern war auch mein Gesicht zu sehen.
Offenbar war genau das der entscheidende Punkt.
Denn plötzlich bekam ich Follower.
Erst einen.
Dann noch einen.
Und irgendwann fiel mir etwas auf.
Das waren fast ausschließlich Männer.
Nun könnte man natürlich sagen: Ist doch schön, wenn sich Menschen für deine Beiträge interessieren.
Ja, grundsätzlich schon.
Aber dann kamen die ersten Kommentare.
„Ich würde dich gerne kennenlernen.“
Aha.
Und was genau möchtest du kennenlernen?
Meine Gedanken? Meine Geschichten? Meine Begeisterung für kleine Mäusewelten?
Oder hast du den Text unter meinem Bild überhaupt gelesen?
Ich hatte jedenfalls ziemlich schnell das Gefühl, versehentlich auf einer Kontaktbörse gelandet zu sein.
Dabei wollte ich doch einfach nur meine Beiträge teilen.
Ich suche weder einen Mann noch eine neue Bekanntschaft fürs romantische Abendprogramm.
Und ganz ehrlich?
Ich finde diese Art der ungefragten Annäherung unangenehm.
Natürlich darf ein Mensch einen anderen sympathisch finden. Und nicht jede freundliche Nachricht ist gleich etwas Schlimmes.
Aber zwischen einem ehrlichen Interesse an meinen Inhalten und dem Versuch, aus meinem Profil eine Datingplattform zu machen, liegt für mich ein Unterschied.
Und jetzt kommen wir zu dem Punkt, weshalb ich diesen Artikel überhaupt schreibe.
Ich bin eine erwachsene Frau.
Ich kann solche Nachrichten einordnen.
Ich kann sie ignorieren.
Ich kann Menschen blockieren.
Und ich kann ziemlich deutlich sagen, wenn ich etwas nicht möchte.
Aber was ist mit unseren Kindern?
Was ist mit den Mädchen, die gerade einmal zwölf, dreizehn oder vierzehn Jahre alt sind?
Mit Mädchen im Alter meines Exemplars?
Ich sehe auf TikTok immer wieder junge Menschen, die sich dort sehr offen präsentieren.
Mit ihrem Gesicht.
Ihrem Alltag.
Manchmal mit Informationen, die eigentlich niemand Fremdes wissen müsste.
Und ich frage mich ernsthaft:
Wer schaut sich diese Bilder eigentlich alles an?
Wer schreibt diesen Mädchen?
Und wie viele Nachrichten bekommen sie, von denen ihre Eltern überhaupt nichts wissen?
Wenn ich als erwachsene Frau schon nach wenigen öffentlichen Bildern solche Annäherungsversuche erlebe, möchte ich mir gar nicht ausmalen, was manche Jugendliche möglicherweise erleben.
Natürlich bedeutet das nicht, dass jeder männliche Follower etwas Unangemessenes im Sinn hat.
Aber es bedeutet, dass wir genauer hinschauen sollten.
Denn nicht jeder Mensch, der einem Kind schreibt, ist auch der Mensch, für den er sich ausgibt.
Und nicht jede Nachricht beginnt gleich mit etwas offensichtlich Unangemessenem.
Manchmal beginnt es ganz harmlos.
Mit einem Kompliment.
Mit Interesse.
Mit dem Gefühl, endlich von jemandem verstanden zu werden.
Und genau deshalb finde ich es so wichtig, dass wir mit unseren Kindern darüber sprechen.
Bei uns gibt es klare Regeln.
Private Konten. Keine öffentlichen Gesichtsbilder. Und klare Absprachen darüber, was ins Internet gehört und was nicht.
Diese Regeln werden auch eingehalten.
Nicht, weil ich meinem Exemplar grundsätzlich misstraue.
Sondern weil ich weiß, dass ein Kind nicht sämtliche Absichten fremder Erwachsener erkennen können muss.
Und ganz ehrlich: Das schaffen manchmal nicht einmal Erwachsene.
Ich möchte auch nicht, dass mein Exemplar Angst vor dem Internet hat.
Sie soll die Möglichkeiten kennenlernen, Spaß haben, lachen und mit ihren Freunden Dinge teilen können, innerhalb sicherer, altersgerechter Grenzen.
Aber sie soll wissen, dass Aufmerksamkeit nicht automatisch Anerkennung bedeutet.
Dass ein Kompliment von einem Fremden keine Verpflichtung schafft.
Dass sie niemandem antworten muss.
Und dass sie jederzeit zu mir kommen kann, wenn ihr etwas merkwürdig vorkommt.
Ohne Angst davor, Ärger zu bekommen.
Denn was bringt mir die strengste Regel, wenn mein Kind sich anschließend nicht mehr traut, mir etwas zu erzählen?
Ich möchte an dieser Stelle auch etwas zu Instagram sagen.
Dort teile ich schon länger meine kreativen Inhalte, meine Geschichten und meine kleine Welt.
Und meine persönlichen Erfahrungen sind dort tatsächlich andere.
Ich bekomme ausschließlich Kommentare zu meinen Beiträgen.
Menschen sprechen mit mir über meine Geschichten, meine Gedanken und meine Kreativität.
Nicht darüber, ob sie mich kennenlernen oder Daten möchten.
Das bedeutet natürlich nicht, dass Instagram grundsätzlich sicherer wäre.
Auch dort können Menschen unangemessene Nachrichten bekommen. Auch dort gibt es Risiken für Kinder und Jugendliche.
Ich kann nur von dem erzählen, was ich selbst erlebt habe.
Und dieser Unterschied zwischen beiden Plattformen ist mir aufgefallen.
Vielleicht liegt es an meinen Inhalten.
Vielleicht an den Menschen, die mir folgen.
Vielleicht auch daran, wem die Plattformen meine Beiträge zeigen.
Ich weiß es nicht.
Aber meine Erfahrungen mit TikTok haben mich nachdenklich gemacht.
Denn wir Erwachsenen reden oft darüber, wie viel Zeit unsere Kinder am Handy verbringen.
Eine Stunde.
Zwei Stunden.
Drei Stunden.
Wir diskutieren über Bildschirmzeiten, Hausaufgaben und darüber, ob das Handy abends aus dem Kinderzimmer gehört.
Alles wichtige Fragen.
Aber vielleicht sollten wir noch viel häufiger fragen:
Mit wem sprechen unsere Kinder dort eigentlich?
Wer darf ihre Bilder sehen?
Wer kann ihnen Nachrichten schicken?
Und wissen sie, dass sie auch dann Nein sagen dürfen, wenn jemand besonders nett zu ihnen ist?
Dabei reicht ein privates Profil allein nicht aus. Auch Kontakte, die bereits angenommen wurden, können Grenzen überschreiten. Und selbst Bilder, die nur für einen kleinen Kreis gedacht sind, können weitergegeben werden.
Deshalb brauchen Kinder nicht nur Regeln.
Sie brauchen Gespräche.
Vertrauen.
Und Erwachsene, die zuhören, ohne sofort zu verurteilen.
Wir können unsere Kinder nicht vor jeder unangenehmen Erfahrung bewahren.
Aber wir können ihnen helfen, Warnzeichen zu erkennen, Grenzen zu setzen und sich Unterstützung zu holen.
Und eines möchte ich dabei ganz deutlich sagen:
Wenn ein Erwachsener die Grenzen eines Kindes überschreitet, trägt niemals das Kind die Schuld.
Nicht wegen eines Fotos.
Nicht wegen seiner Kleidung.
Nicht weil es freundlich geantwortet hat.
Die Verantwortung liegt immer bei dem Menschen, der diese Grenzen missachtet.
Vielleicht sollten wir uns als Eltern deshalb manchmal selbst auf diese Plattformen begeben.
Nicht um unsere Kinder heimlich zu kontrollieren.
Sondern um zu verstehen, in welcher Welt sie sich bewegen.
Denn genau das hat mir meine kleine TikTok-Erfahrung gezeigt.
Ich wollte ein paar Bilder und Gedanken teilen.
Und plötzlich habe ich mich gefragt, was dort wohl täglich in den Nachrichtenfächern junger Mädchen passiert.
Vielleicht ist das eine Frage, die wir uns alle ein bisschen häufiger stellen sollten.
Und irgendwo sitzt ein kleiner Wichtel neben einem leuchtenden Handy, betrachtet die vielen kleinen Nachrichten auf dem Bildschirm und schüttelt nachdenklich den Kopf. Dann sagt er:
„Nicht jeder, der dir Aufmerksamkeit schenkt, meint es gut mit dir. Und nicht jeder, der dich wirklich liebt, muss alles über dich wissen. Bewahre dir Menschen, denen du vertrauen kannst, und vergiss niemals: Du darfst Grenzen setzen, du darfst Nein sagen und du darfst jederzeit um Hilfe bitten. Denn manchmal ist der wichtigste Schutz kein Schloss vor einer Tür, sondern ein Mensch, bei dem du dich traust, sie zu öffnen.“
Schön das du hier bist 🩶
Das Internet war für mich lange Zeit ne tolle Sache : Unendliche Information aus aller Herren Länder. Und eine Option Kontakt zu Menschen auf anderen Kontinenten zu bekommen und zu halten. Inzwischen überwiegen negative Aspekte und ich ziehe mich immer weiter aus Netzwerken zurück.
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Ja dem kann ich nur zustimmen. Bei Instagram erlebe ich es noch so. Viele Menschen aus aller folgen einem, machen ähnlichen kontent aber leider wird es auf anderen Plattformen immer schlimmer
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Ich bin nur auf FB und stellte heute mit entsetzen fest mit was für merkwürdigen Kerlen eine meiner Bekannten so befreundet ist.
Der Herr hat nicht einen Kerl unter seinen Freunden.
Es passt zu Ihr,
aber dann muss Sie sich auch nicht wundern angebaggert zu werden.
Da ich die auch persönlich kenne finde ich das persönlich sehr suspekt.
Und unsere Kinder bei TikTok schützen ist glaube ich sehr schwierig.
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FB ist schon lange nicht mehr meine Plattform. Früher fand ich das Mal gut. Ja es ist wirklich sehr schwer unsere Kinder zu schützen, aber ich merke aus eigener Erfahrung das Kommunikation und Vertrauen sehr viel bringt. Mein Kind kommt zu mir, weiß das ich nicht schimpfe und eher Versuche das Problem mit ihr zu lösen. Kinder brauchen diese Stärkung. Aber es selbst zu erleben hat mich sehr nachdenklich gemacht.
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