
Heute geht es in die Sauna.
Und ich freue mich darauf.
Draußen ist inzwischen richtiges Herbstwetter. Die Blätter fallen von den Bäumen, es regnet und die Temperaturen laden auch nicht unbedingt dazu ein, sich im Bikini an den Strand zu legen.
Wobei man das an der Ostsee ja nie so genau weiß. Irgendeiner geht schließlich immer baden.
Für uns beginnt jetzt jedenfalls wieder die schönste Saunazeit.
Wir gehen besonders gerne im Herbst und Winter. Wenn es draußen kalt, nass und ungemütlich ist, gibt es für mich kaum etwas Schöneres, als mich freiwillig in einen Raum zu setzen, in dem Temperaturen herrschen, bei denen andere Menschen anfangen würden, die Feuerwehr zu rufen.
Und falls jetzt jemand denkt:
„Moment mal! Hat die nicht gerade noch wegen ihrer Hitzewallungen herumgeheult?“
Ja.
Habe ich.
Und ich werde es vermutlich wieder tun.
Aber liebe Leute, das ist etwas vollkommen anderes!
Eine Hitzewallung fragt nicht nach meiner Erlaubnis.
Die kommt einfach.
Ich stehe morgens auf Arbeit, mache ein Bett und plötzlich beschließt mein Körper, seine eigene Zentralheizung auf höchste Stufe zu stellen.
Ohne Vorwarnung.
Ohne Temperaturregler.
Und vor allem ohne Ausschaltknopf.
In der Sauna dagegen entscheide ICH, wann es warm wird.
Ich gehe freiwillig hinein, setze mich gemütlich hin und weiß, was mich erwartet.
Wenn es mir zu heiß wird, gehe ich wieder raus.
Versuch das mal bei einer Hitzewallung!
Da kannst du höchstens vor dir selbst weglaufen. Und selbst das bringt nichts, weil dein Körper selbstverständlich mitkommt.
Aber Sauna ist für mich viel mehr als einfach nur Schwitzen.
Es ist ein kleines Ritual geworden.
Gerade in der kalten Jahreszeit.
Wir nehmen uns Zeit füreinander, unterhalten uns, gehen zwischendurch ein bisschen schwimmen und genießen die Wärme.
Und natürlich darf danach eine heiße Schokolade nicht fehlen.
Ja, ich weiß.
Erst freiwillig schwitzen und anschließend etwas Heißes trinken.
Mein Körper versteht meine Entscheidungen wahrscheinlich auch nicht immer.
Aber ich liebe genau diese Mischung.
Die Wärme, das Wasser, die Gespräche und dieses Gefühl, dass draußen gerade alles ein bisschen langsamer werden darf.
Und besonders wichtig ist mir dabei mein Exemplar.
Sie kommt nämlich schon seit ihrem siebten Lebensjahr mit in die Sauna.
Natürlich nutzen wir dafür eine Familiensauna, in der Kinder ausdrücklich willkommen sind.
Denn ich finde, Kinder dürfen ruhig früh lernen, dass Entspannung nicht immer etwas mit einem Bildschirm zu tun haben muss.
Manchmal reicht es, einfach nur dazusitzen.
Nichts zu müssen.
Keine Hausaufgaben.
Keine Termine.
Keine Nachrichten.
Und für einen Moment auch kein „Mama, weißt du eigentlich …?“
Wobei wir uns nichts vormachen müssen.
Mein Exemplar schafft es selbstverständlich auch in der Sauna, mir Fragen zu stellen.
Aber genau das mag ich.
Wir reden miteinander.
Über alles Mögliche.
Manchmal über wichtige Dinge und manchmal über vollkommenen Unsinn.
Und zwischendurch genießen wir einfach die Ruhe.
Ich finde solche gemeinsamen Rituale unglaublich wertvoll.
Natürlich spielt für mich auch die Gesundheit eine Rolle.
Gerade im Herbst und Winter haben Erkältungsviren schließlich wieder Hochsaison.
Und wer Kinder hat, weiß, dass diese kleinen unsichtbaren Mitbewohner gelegentlich sehr großzügig mit nach Hause gebracht werden.
Da wird in der Schule einmal ordentlich gehustet und schon darf die ganze Familie an der Verlosung teilnehmen.
Herzlichen Glückwunsch! Sie haben einen Infekt gewonnen!
Bitte holen Sie Ihren Preis in Form einer laufenden Nase und drei schlaflosen Nächten ab.
Regelmäßiges Saunieren kann den Kreislauf und die Anpassung an Wärme und Kälte trainieren. Es gibt auch Hinweise darauf, dass regelmäßige Saunabesuche mit weniger Atemwegsinfekten zusammenhängen können. Allerdings ist nicht sicher bewiesen, dass Sauna Erkältungen zuverlässig verhindert oder das Immunsystem einfach stärker macht.
Ich sehe sie deshalb nicht als Wundermittel, sondern als einen schönen Bestandteil unseres Alltags.
Und gerade bei Kindern finde ich es wichtig, dabei auf ihre Bedürfnisse zu achten.
Eine Familiensauna ist schließlich kein Wettbewerb darin, wer am längsten bei der höchsten Temperatur sitzen bleibt.
Kinder brauchen altersgerechte, eher milde Temperaturen, kürzere Saunagänge, ausreichend Flüssigkeit und Erwachsene, die aufmerksam bleiben.
Wenn mein Exemplar genug hat, dann hat sie genug.
Fertig.
Und mit Fieber oder einem akuten Infekt gehört man sowieso nicht in die Sauna. Bei häufigen oder ungewöhnlich schweren Infekten sollte man lieber ärztlich nach den Ursachen schauen, statt auf die Sauna als Lösung zu vertrauen.
Denn Gesundheit bedeutet für mich auch, die eigenen Grenzen zu kennen.
Und vielleicht ist das sogar eine der schönsten Erfahrungen, die ich meinem Exemplar mitgeben möchte.
Auf den eigenen Körper zu hören.
Zu merken, wann Wärme guttut.
Wann eine Pause nötig ist.
Wann man Ruhe braucht.
Und dass man nicht immer funktionieren muss.
Wir leben schließlich in einer Zeit, in der selbst Erholung manchmal wie ein weiterer Termin im Kalender behandelt wird.
Da wird entspannt, aber bitte möglichst effektiv.
Am besten mit Schrittzähler, Fitnessuhr und einer App, die anschließend auswertet, ob man auch wirklich ausreichend entspannt war.
Ich möchte das gar nicht.
Ich möchte einfach auf einer Liege sitzen, meine heiße Schokolade trinken und für einen Moment nichts leisten müssen.
Nicht einmal besonders gut entspannen.
Einfach nur sein.
Und wenn ich dann neben meinem Exemplar sitze, denke ich manchmal daran, dass genau solche Kleinigkeiten später vielleicht einmal zu ihren Erinnerungen gehören.
Nicht unbedingt die große Reise.
Nicht das teuerste Geschenk.
Sondern diese Sonntage im Herbst.
Draußen Regen.
Drinnen Wärme.
Ein bisschen schwimmen.
Gemeinsam lachen.
Und hinterher mit warmen Füßen und roten Wangen nach Hause fahren.
Vielleicht wird sie irgendwann selbst sagen:
„Wenn es draußen kalt wird, muss ich unbedingt mal wieder in die Sauna.“
Vielleicht auch nicht.
Aber die Erinnerung an unsere gemeinsame Zeit bleibt.
Und während ich heute freiwillig in der Sauna schwitze, hoffe ich natürlich sehr, dass meine körpereigene Zentralheizung ausnahmsweise einmal Urlaub macht.
Denn zwei Heizsysteme gleichzeitig brauche ich wirklich nicht.
Und irgendwo sitzt ein kleiner Wichtel auf einer warmen Holzbank, hat ein winziges Handtuch um die Schultern gelegt und lässt zufrieden die Füße baumeln. Neben ihm steht eine kleine Tasse Kakao. Er schaut durch das Fenster auf die fallenden Herbstblätter und sagt:
„Manchmal braucht die Seele keine großen Abenteuer. Manchmal reichen ein warmer Ort, ein Mensch an deiner Seite und ein bisschen Zeit, die niemand von dir verlangt. Denn die schönsten Erinnerungen entstehen oft genau dann, wenn wir für einen Moment aufhören, etwas Besonderes erleben zu wollen.“
Schön das du hier bist 🩶