Die Erkältung ist eingezogen ohne Mietvertrag und ohne Auszugsdatum

Bei uns ist die Erkältung eingezogen.
Einfach so.
Ohne Mietvertrag. Ohne Kaution. Nicht einmal gefragt hat sie.
Und das Schlimmste: Sie macht keinerlei Anstalten, wieder auszuziehen.
Ich jammere ja wirklich nicht oft herum. Zumindest bilde ich mir das ein. Mein Umfeld darf an dieser Stelle schweigen.  Aber bei einer Erkältung frage ich mich jedes Mal:
Warum hat sich die Natur eigentlich Schnupfen ausgedacht?
Was soll das?
Die Nase ist entweder komplett dicht, sodass du atmest wie ein alter Staubsauger, oder sie läuft, als hätte jemand vergessen, den Wasserhahn zuzudrehen. Dazwischen gibt es offenbar nichts.
Der Kopf fühlt sich an, als hätte jemand Watte hineingestopft, die Augen wollen eigentlich nur geschlossen bleiben und plötzlich wird schon der Weg vom Sofa in die Küche zu einer kleinen Expedition.
Und natürlich sieht man dabei fantastisch aus.
Haare irgendwie.
Nase rot.
Taschentuch in der Hand.
Decke um den Körper.
Fehlt eigentlich nur noch, dass jemand vorbeikommt und fragt:
„Na, alles gut?“
Nein, Gertrud.
Sieht das so aus?
Aber so eine Erkältung hat immerhin einen Vorteil: Man bekommt plötzlich Zeit für Dinge, die man sonst immer irgendwann machen wollte.
Bei mir waren das diesmal meine Vitaminboostwürfel.
Wenn mein Körper schon beschlossen hat, sich mit Viren herumzuärgern, kann ich ihm wenigstens etwas Leckeres hinstellen.
Natürlich heilen solche Würfel keine Erkältung weg. Auch Ingwer, Zitrone und Co. besitzen keinen geheimen Schalter, mit dem man Viren aus dem Körper katapultiert. Aber sie schmecken, sorgen für Flüssigkeit und enthalten Zutaten, die ich gerade in der Erkältungszeit gerne mag.
Also stand ich in der Küche.
Mit Schnupfennase.
Halb funktionierend.
Aber hoch motiviert.
Für meine Vitaminboostwürfel nehme ich:
etwa 100 g frischen Ingwer
2 Zitronen
4 Orangen
Minze
etwa 150 ml Wasser
Ingwer schälen oder gründlich waschen und klein schneiden. Zitronen und Orangen schälen und schneiden, Minze vom Strauch zupfen. Alles mit dem Wasser fein pürieren oder mixen, je nachdem was ihr da habt. Wer die Fasern nicht mag, kann die Mischung anschließend durchs Sieb geben.
Dann kommt alles in eine Eiswürfelform und ab ins Gefrierfach.
Bei Bedarf nehme ich einen Würfel heraus, gebe ihn in eine Tasse und gieße warmes Wasser darüber.
Und schon hast du das Gefühl:
So. Körper. Mehr kann ich jetzt wirklich nicht für dich tun. Den Rest musst du alleine regeln.
Aber weil wir schon dabei waren, durfte natürlich ein Klassiker nicht fehlen:
Zwiebelsaft.
Schon der Name klingt nicht gerade nach Wellnesshotel.
Zwiebelsaft ist eher die Hausmittelversion von:
Schön wird es nicht, aber wir ziehen das jetzt durch.
Dafür nehme ich:
1 große Zwiebel
2–3 EL Honig
alternativ Zucker
Die Zwiebel klein schneiden und in ein sauberes Glas geben. Honig darübergeben, vermischen und abgedeckt einige Stunden im Kühlschrank ziehen lassen, bis sich Flüssigkeit bildet. Danach kann man den entstandenen Saft abseihen und löffelweise nehmen.
Honig kann einen gereizten Hals und Husten etwas beruhigen, für Kinder unter einem Jahr ist Honig allerdings tabu. Und auch der Zwiebelsaft ist natürlich kein Ersatz für eine medizinische Behandlung.
Geschmacklich?
Nun ja.
Es ist Zwiebelsaft.
Wir müssen hier nichts romantisieren.

Ich finde aber, genau solche kleinen Rituale tun gut, wenn man krank auf dem Sofa liegt.
Tee machen.
Eine Decke holen.
Etwas vorbereiten, von dem man das Gefühl hat, dem eigenen Körper etwas Gutes zu tun.
Und vor allem:
Ruhe geben.
Denn während wir Erwachsenen bei einer Erkältung gerne denken: Ach, geht schon, denkt unser Körper möglicherweise längst:
Nein. Geht gerade nicht. Setz dich hin.
Also sitze ich.
Mit meinem Vitaminwürfel im warmen Wasser.
Meinem Zwiebelsaft im Kühlschrank.
Und einer Erkältung, die hoffentlich bald merkt, dass ihr Mietvertrag hier ohnehin niemals genehmigt wurde.
Wenn hohes oder länger anhaltendes Fieber, Atemnot, starke Schmerzen, deutliche Verschlechterung oder ungewöhnlich lang anhaltende Beschwerden dazukommen, gehört das natürlich medizinisch abgeklärt. Manchmal ist „nur eine Erkältung“ eben doch etwas, bei dem man genauer hinschauen sollte.
Bis dahin gilt:
Taschentücher auffüllen.
Tee machen.
Decke hochziehen.
Und warten, bis der unerwünschte Mitbewohner seine Sachen packt.


Und irgendwo sitzt ein kleiner Wichtel mit Schal und einer winzigen Tasse neben meinem Bett, schaut streng in Richtung meiner Schnupfennase und flüstert:

„Du musst nicht jeden Tag funktionieren. Manchmal ist das Vernünftigste, was du tun kannst, liegen zu bleiben, etwas Warmes zu trinken und deinem Körper Zeit zu geben. Die Welt kommt auch einen Tag ohne dich zurecht. Und die Erkältung? Die bekommt von mir ganz sicher keine Verlängerung ihres Mietvertrags.“

Schön das du hier bist 🩶

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