Wechseljahres-Wundertüte Teil 7: Nicht schon wieder, wenn plötzlich die Blase ständig meckert

Kommen wir zu einem Symptom, bei dem ich wirklich niemals auf die Wechseljahre gekommen wäre.
Die Blase.
Hitzewallungen? Klar.
Schlafstörungen? Hat man schon mal gehört.
Stimmungsschwankungen? Mein Umfeld kann sie bestätigen.
Aber Blasenentzündungen?
Was soll denn meine Blase bitte mit meinen Hormonen zu tun haben?
Heute weiß ich: offenbar mehr, als ich dachte.
Wer schon einmal eine Blasenentzündung hatte, weiß, dass das kein kleines „Oh, da zwickt etwas“ ist. Und wer noch nie eine hatte:
Sei dankbar. Sei glücklich. Und geh durchs Leben in dem Wissen, dass deine Blase ein friedliches Wesen ist.
Denn diese Schmerzen willst du nicht haben.
Ich hatte schon öfter Blasenentzündungen. Aber vor ungefähr zwei Jahren begann bei mir der persönliche Levelaufstieg.
Erst kam eine ungefähr alle sechs Monate.
Gut.
Nicht schön, aber damit konnte ich leben.
Dann alle drei Monate.
Da wurde ich langsam misstrauisch.
Jedes Mal ging ich zum Hausarzt. Urin untersuchen, Blasenentzündung und wenn ein bakterieller Infekt festgestellt wurde, gab es entsprechend Antibiotika.
Das übliche Prozedere.
Nur interessierte meine Blase das offenbar herzlich wenig.
Drei Monate später:
Hallo. Ich bin wieder da.
Irgendwann dachte ich: Das kann doch nicht normal sein.
Also ab zum Urologen.
Und was dort auf mich zukam, hätte mir vorher auch kein Autor glaubwürdig verkaufen können.
Nach der ersten Untersuchung bekam ich einen Termin zur Blasenspiegelung.
Zu diesem Termin zog ich ein rotes Kleid an.
Warum?
Keine Ahnung.
Vielleicht dachte mein Unterbewusstsein: Wenn wir schon unsere Würde an der Anmeldung abgeben, dann wenigstens gut angezogen.
Ich kam in den Untersuchungsraum und sollte auf einen Stuhl, der eine gewisse Ähnlichkeit mit dem beim Frauenarzt hatte.
Nur irgendwie wirkte das alles noch eine Spur technischer.
Die Schwester bereitete mich vor, legte mir ein Tuch über und verließ den Raum.
Was?
Warum gehst du?
Bleib hier!
Neben mir lagen die Instrumente für die Untersuchung.
Und ich lag da unter meinem Tuch und dachte:
Das hat gerade eine ganz merkwürdige Atmosphäre.
Rotes Kleid.
Dieser Stuhl.
Besteck neben mir.
Ich lag da wie jemand, der auf Mister Grey wartet.
Dann ging die Tür auf.
Ein älterer Mann mit Schürze kam herein.
Gott.
Nicht Mister Grey.
Der Schlachter.

Nun gut.
Was muss, das muss.
Die Blasenspiegelung wurde gemacht und das Ergebnis war immerhin beruhigend:
Alles unauffällig.
Eigentlich hätte die Geschichte damit beendet sein können.
Meine Blase hatte allerdings andere Pläne.
Irgendwann kamen die Beschwerden jeden Monat.
Und spätestens da hört der Spaß auf.
Ich probierte alles Mögliche.
Kijimea.
D-Mannose.
Viel trinken.
Anders trinken.
Auf Toiletten achten.
Und wahrscheinlich hätte ich irgendwann bei Vollmond rückwärts um die Toilette getanzt, wenn mir jemand glaubhaft versichert hätte, dass meine Blase anschließend endlich Ruhe gibt.
Nichts brachte dauerhaft die erhoffte Veränderung.
Bis ich irgendwann selbst darüber las, dass wiederkehrende Blasenbeschwerden tatsächlich mit den Wechseljahren zusammenhängen können.
Da saß ich vor meinem Handy und dachte:
Das hätte mir vielleicht auch mal jemand sagen können.
Also wieder zum Frauenarzt.
Und dort wurde wenigstens zugehört.
Ich bekam eine lokal anzuwendende Estriol-Creme verschrieben.
Und bei mir wurde es damit tatsächlich ziemlich schnell besser.
Heute habe ich manchmal noch dieses Gefühl, als würde sich eine Blasenentzündung ankündigen.
Dieses leichte Brennen.
Dieses:
Oh nein. Nicht schon wieder.
Aber daraus wird bei mir inzwischen nicht mehr ständig eine nachgewiesene bakterielle Blasenentzündung.
Und genau da wird das Thema interessant.
Denn in und nach den Wechseljahren kann weniger Östrogen dazu führen, dass sich das Gewebe im Bereich von Scheide, Vulva, Harnröhre und Blase verändert. Es kann trockener, dünner und empfindlicher werden. Ärzte sprechen dabei vom genitourinären Syndrom der Menopause, kurz GSM.
Das kann Brennen, Reizungen und häufigeren oder stärkeren Harndrang verursachen und auch wiederkehrende Harnwegsinfekte begünstigen.
Und das bedeutet gleichzeitig:
Nicht jedes Brennen ist automatisch eine bakterielle Blasenentzündung.
Manchmal können die Schleimhautveränderungen selbst Beschwerden machen, die sich verdammt ähnlich anfühlen.
Natürlich sollte man deshalb nicht auf eigene Faust entscheiden: „Ach, Wechseljahre“, und eine mögliche Infektion ignorieren. Gerade bei wiederkehrenden Beschwerden lohnt es sich, genauer hinzuschauen und ärztlich abklären zu lassen, was tatsächlich dahintersteckt. Bei Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen in der Flanke oder im Rücken, Blut im Urin oder starkem Krankheitsgefühl sollte man zeitnah medizinische Hilfe suchen.
Und ich finde noch etwas wichtig:
Sprecht die Wechseljahre beim Arzt ruhig ausdrücklich an.
Denn ich wäre selbst niemals darauf gekommen, meine ständig meckernde Blase mit meinen Hormonen in Verbindung zu bringen.
Mein Körper hatte schließlich schon genug zu tun.
Er schaltet ungefragt die Zentralheizung ein.
Er weckt mich nachts um drei.
Er lässt meinen Fuß kribbeln.
Er versteckt Wörter in meinem Gehirn.
Und irgendwann dachte sich offenbar meine Blase:
Hallo? Ich hätte auch gerne ein eigenes Kapitel!
Bitte schön.
Hier ist es.
Teil sieben meiner Wechseljahres-Wundertüte.
Und vielleicht liest das gerade eine Frau, die seit Monaten immer wieder mit ähnlichen Beschwerden herumläuft und sich fragt, warum.
Dann möchte ich ihr vor allem eines sagen:
Lass es abklären.
Und erzähl deinem Arzt auch, dass du möglicherweise in den Wechseljahren bist.
Manchmal muss man zwei Dinge erst miteinander verbinden, bevor plötzlich einiges Sinn ergibt.


Und irgendwo sitzt ein kleiner Wichtel mit einer winzigen Wärmflasche vor der Badezimmertür und flüstert: „Manchmal meckert unser Körper nicht, um uns zu ärgern. Manchmal versucht er nur ziemlich hartnäckig, unsere Aufmerksamkeit zu bekommen. Du musst nicht jede Veränderung hinnehmen und auch nicht selbst herausfinden, was dahintersteckt. Frag nach, lass hinschauen und nimm dich ernst. Und falls du heute zum fünften Mal zur Toilette musst, ich passe solange auf deinen Tee auf.“

Schön das du hier bist 🩶

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