Wechseljahres-Wundertüte Teil 4: Warum bin ich eigentlich um drei Uhr morgens wach?

Als Baby kannst du schlafen.
Als Kind kannst du schlafen.
Du schläfst im Auto ein, wirst ins Haus getragen, ausgezogen, ins Bett gelegt und bekommst von all dem nichts mit. Wahrscheinlich könnte neben dir eine Blaskapelle durchs Schlafzimmer marschieren und du würdest dich einmal umdrehen und weiterschlafen.
Und dann wirst du älter.
Irgendwann kommt der Tag, an dem dein Körper offenbar beschließt:
So. Das mit dem Schlaf haben wir jetzt lange genug gemacht.
Vorbei.
Wirklich vorbei.
Natürlich gibt es sehr kluge Experten und Wissenschaftler, die uns regelmäßig erklären:
„Ausreichend Schlaf ist wichtig für die Gesundheit.“
JA. WISSEN WIR.
Das brauchst du mir nicht ständig aufs Brot zu schmieren.
Ich würde ja gerne schlafen!
Ich liege nicht nachts um drei freiwillig im Bett und denke: Heute verzichte ich mal auf Schlaf. Mal schauen, was passiert.
Nein.
Ich möchte schlafen.
Mein Körper offenbar nicht.
Und damit willkommen bei Teil vier meiner Wechseljahres-Wundertüte.
Schlafstörungen.
Auch so ein wunderbares Geschenk, das man nicht bestellt hat.
Bei mir fing es mit dem Einschlafen an.
Du bist todmüde. Den ganzen Tag hast du dir vorgenommen, früh ins Bett zu gehen. Endlich liegst du da.
Kissen.
Decke.
Augen zu.
Und …
Nichts.
Dann kommen die gut gemeinten Tipps.
Meditier doch mal.
Hilft nicht.
Denk einfach an nichts.
Ich denke doch gar nicht nach!
Genau das ist ja das Problem. Ich liege einfach nur da und möchte schlafen.
Hör entspannende Musik.
Nee.
Was bei mir tatsächlich manchmal funktioniert hat, ist ASMR. Dabei werden beispielsweise sehr leise Geräusche erzeugt, geflüstert, geklopft oder geschmatzt.
Warum auch immer, manches davon macht mich müde.
Im Internet.
Mit Abstand.
Wenn allerdings nachts jemand neben mir im Bett anfängt, genüsslich zu schmatzen, endet die Entspannungsübung vermutlich relativ schnell.
Dann bin ich zwar immer noch wach, aber wenigstens nicht mehr gelangweilt.
Irgendwann habe ich Melatoninspray ausprobiert.
Bei mir funktioniert es gut.
Zweimal sprühen.
Umdrehen.
Zack.
Schlafen.
Herrlich!
Problem gelöst.
Dachte ich.
Denn meine Wechseljahres-Wundertüte hatte natürlich noch ein Zusatzpaket:
Durchschlafen wurde nicht mitgeliefert.
01:07 Uhr.
Wach.
03:12 Uhr.
Wach.
04:26 Uhr.
Wach.
Und irgendwann beschließt auch noch die Blase:
Wo wir gerade alle wach sind, könnten wir eigentlich mal zur Toilette.
Nein.
Könnten wir nicht.
Dann beginnt die Verhandlung.
Muss ich wirklich?
Vielleicht geht es wieder weg.
Kann ich noch eine Stunde durchhalten?
Nein?
Na gut.
Also stehst du auf.
Aber jetzt gilt die wichtigste Regel überhaupt:
NICHT RICHTIG WACH WERDEN!
Augen zukneifen.
Kein Licht.
Bloß nicht aufs Handy schauen.
Und dann tastest du dich halb blind durch die Wohnung Richtung Toilette.
Dass ich mir dabei noch nicht den kleinen Zeh am Türrahmen gebrochen habe, grenzt an ein medizinisches Wunder.
Zurück ins Bett.
Geschafft.
Augen zu.
Und dann:
Kribbeln im Fuß.
Ach komm.
Scheiß Spiel. Ehrlich.
Irgendwann schläfst du tatsächlich wieder ein.
Und gefühlt zwei Minuten später:
Wecker.
Guten Morgen!
Nein.
Ist es nicht.
Du stehst auf und fühlst dich, als hättest du nachts gearbeitet. Im Spiegel schaut dich ein Mensch an, der offenbar seit drei Wochen durch die Wüste läuft.
Und nun sollst du aussehen, als hättest du acht Stunden friedlich auf einer Wolke geschlafen.
Ich wäre schon froh, wenn ich mich wie jemand fühlen würde, der acht Stunden auf einer Wolke geschlafen hat.
Dass sich der Schlaf in den Wechseljahren verändern kann, ist übrigens keine Einbildung. Hormonelle Veränderungen können den Schlaf beeinflussen. Zusätzlich können Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen einen immer wieder aus dem Schlaf reißen. Und wenn man einmal wach ist, kann das erneute Einschlafen schwieriger werden.
Dazu kommt bei mir noch ein weiterer natürlicher Feind des Schlafes:
Andere Menschen.
Ich wohne in einem Mehrfamilienhaus.
Tagsüber vollkommen in Ordnung.
Nachts entwickelt so ein Haus allerdings ein erstaunliches Eigenleben.
Irgendwo fällt etwas herunter.
RUMMS.
Warum?
Was macht ihr um 2:34 Uhr?
Dann meint irgendwo jemand, jetzt wäre ein hervorragender Zeitpunkt für einen Streit.
Echt jetzt?
Habt ihr keine anderen Sorgen?
Ich schon.
ICH WILL SCHLAFEN!
Also Ohrstöpsel.
Rein damit.
Ruhe.
Du hörst nichts mehr.
Außer dich selbst.
Plötzlich hörst du deinen eigenen Blutkreislauf rauschen.
Eigentlich faszinierend.
Als Kind habe ich mir eine Muschel ans Ohr gehalten, dieses Rauschen gehört und gedacht, darin wäre das Meer.
Wie romantisch Kinder sind.
Heute brauche ich keine Muschel mehr.
Ich brauche Ohrstöpsel.
Das Meer habe ich gratis im Kopf.
Mit der Romantik ist es vorbei.
Und genau deshalb gehört der Schlaf für mich unbedingt in meine Wechseljahres-Wundertüte.
Denn schlechter Schlaf bedeutet nicht nur, nachts wach zu sein.
Er begleitet dich am nächsten Tag.
Du bist müde.
Unkonzentriert.
Vielleicht gereizter.
Dein Körper fühlt sich schwerer an.
Und irgendwann wird allein der Gedanke daran, abends wieder nicht schlafen zu können, zum zusätzlichen Stress.
Trotzdem gilt auch hier: Nicht jede Schlafstörung kommt von den Wechseljahren. Wenn Schlafprobleme länger anhalten, sehr belastend sind oder beispielsweise starkes Schnarchen, Atemaussetzer oder andere ungewöhnliche Beschwerden dazukommen, sollte man sie ärztlich abklären lassen.
Aber vielleicht sitzt gerade irgendwo eine Frau um 3:17 Uhr im Bett, liest diesen Artikel und denkt:
Ach guck. Ich bin nicht die Einzige.
Nein.
Bist du nicht.
Vielleicht liegen wir gerade alle irgendwo wach.
Eine schwitzt.
Eine muss zur Toilette.
Bei einer kribbelt der Fuß.
Und irgendwo sitzt eine mit Ohrstöpseln im Bett, hört ihren eigenen Blutkreislauf und versucht sich einzureden, es sei das Meer.
Willkommen bei Teil vier meiner Wechseljahres-Wundertüte.
Heute Nacht geöffnet.
Natürlich um drei Uhr.


Und irgendwo sitzt ein kleiner Wichtel nachts auf meiner Bettkante, hat sich selbst winzige Ohrstöpsel in die Ohren gesteckt und flüstert:

„Manchmal braucht unser Körper Ruhe, obwohl er den Weg dorthin gerade selbst nicht findet. Dann müssen wir nicht noch gegen uns kämpfen. Wir dürfen müde sein, Pausen brauchen und uns Hilfe holen, wenn die Nächte zu schwer werden. Und wenn du heute Nacht wieder das Rauschen in deinen Ohren hörst, stell dir ruhig für einen Moment vor, es wäre das Meer. Ein kleines bisschen Romantik dürfen wir uns von den Wechseljahren schließlich nicht auch noch nehmen lassen.“

Schön das du hier bist 🩶

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