
Teil 1: Ist hier eigentlich warm oder bin das wieder ich?
Die Symptome der Wechseljahre sind ungefähr so vielfältig wie der Obststand im Supermarkt.
Von allem ist etwas dabei.
Du musst dir nur etwas aussuchen.
Wobei „aussuchen“ natürlich maßlos übertrieben ist. Eigentlich greift dein Körper selbst ins Regal und entscheidet:
„Ach, die Hitzewallungen nehmen wir. Schlafprobleme sehen auch nett aus. Und weißt du was? Von den Gelenkschmerzen packen wir vorsichtshalber auch noch welche ein.“
Und wenn du das Richtige erst einmal gefunden hast, wirst du es teilweise erstaunlich lange nicht mehr los.
Wenn du besonders viel Glück hast, bekommst du sogar noch etwas dazu.
Gratis.
Willkommen in der Wechseljahres-Wundertüte.
Genau deshalb möchte ich mit diesem Artikel eine kleine Reihe beginnen. Ich möchte über die verschiedenen Symptome der Wechseljahre schreiben, vor allem über diejenigen, die ich selbst kenne und bei denen man manchmal niemals auf die Idee kommen würde, sie mit hormonellen Veränderungen in Verbindung zu bringen.
Warum?
Weil ich glaube, dass viele Frauen einen ziemlich langen Leidensweg hinter sich haben, bevor überhaupt einmal jemand das Wort Wechseljahre in den Raum wirft.
Die Wechseljahre beginnen nämlich nicht plötzlich an einem bestimmten Geburtstag. Die hormonelle Umstellung kann schon Jahre vor der letzten Regelblutung anfangen. Manche Frauen bemerken Veränderungen bereits in ihren Vierzigern, einige sogar früher.
Und trotzdem hört man noch immer Geschichten von Frauen, deren Beschwerden einzeln betrachtet werden.
Hier etwas gegen den Schlaf.
Dort etwas gegen Schmerzen.
Vielleicht noch etwas gegen die Stimmung.
Etwas gegen Herzklopfen.
Etwas gegen dieses und jenes.
Natürlich können all diese Beschwerden völlig andere Ursachen haben und sollten gerade dann ärztlich abgeklärt werden, wenn sie neu, stark oder ungewöhnlich sind. Nicht jedes Zipperlein ab 40 kommt automatisch aus der Wechseljahres-Wundertüte.
Aber vielleicht sollten wir Frauen und auch Ärzte manchmal zumindest daran denken, dass Hormone eine Rolle spielen könnten.
Denn bevor eine Frau irgendwann mit einer eigenen Medikamentenschublade zum Frühstück erscheint, könnte sich vielleicht auch einmal der Weg zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt lohnen.
Beginnen wir aber mit dem Prominentesten unter den Wechseljahressymptomen.
Der Hitzewallung.
Die kennt wahrscheinlich jede 1,5. Frau.
Jede Frau wäre übertrieben.
Jede zweite klingt mir wiederum zu wenig.
Also einigen wir uns auf 1,5.
Früher habe ich irgendwie nie Frauen gesehen, bei denen ich dachte:
Die braucht dringend einen persönlichen Schweißabwischer.
Auch niemanden, der während einer Hitzewallung nebenbei noch die Zimmerpflanzen hätte bewässern können.
Heute?
Steht gefühlt jeden zweiten Tag eine vor mir.
Meine Wenigkeit inklusive.
Es ist faszinierend.
Morgens sitzt du noch vollkommen friedlich am Frühstückstisch.
Vielleicht mit einer leichten Strickjacke.
Kaffee in der Hand.
Die Welt ist in Ordnung.
Dir ist sogar ein bisschen kühl.
Eine halbe Stunde später beziehst du die Betten.
Nicht den Mount Everest.
Nicht zehn Kilometer Joggen.
Du ziehst ein Spannbettlaken über eine Matratze.
Und plötzlich hat dein Körper beschlossen:
ZENTRALHEIZUNG AN!
Innerhalb kürzester Zeit wird dir warm.
Dann wärmer.
Dann sehr warm.
Und schließlich stehst du da und fragst dich, ob jemand unbemerkt die Sonne in deinen Brustkorb eingebaut hat.
Das Gemeine daran ist: Eine Hitzewallung ist nicht einfach nur „Mir ist ein bisschen warm“.
Diese Wärme kann plötzlich vom Oberkörper nach oben schießen. Gesicht und Hals werden heiß, man beginnt zu schwitzen und bei manchen Frauen kommt noch Herzklopfen dazu.
Und ich schwitze dann nicht elegant.
Ich gehöre nicht zu diesen Menschen, bei denen sich drei kleine Schweißperlen dekorativ an der Stirn bilden.
Nein.
Wenn schon, denn schon.
Der Schweiß läuft.
Natürlich bevorzugt Richtung Augen.
Und wer schon einmal Schweiß im Auge hatte, weiß:
Das Zeug brennt wie Hölle.
Dann stehst du da, versuchst dir die Augen abzuwischen, dir ist heiß, die Haare kleben irgendwo, wo sie nicht kleben sollten, und dein Körper findet offenbar, dass dies eine vollkommen angemessene Reaktion auf das Beziehen eines Bettes ist.
Danke für nichts.
Und danach?
Bin ich teilweise erschöpft.
Nicht ein bisschen.
Sondern so, als wäre ich gerade den Jakobsweg gefahren.
Mit dem Fahrrad.
Bergauf.
Gegenwind.
Mit Gepäck.
Dabei habe ich lediglich gelebt.
Das Verrückte ist, dass man irgendwann tatsächlich anfängt, seinen Alltag ein bisschen danach auszurichten.
Man wird schlauer.
Man zieht mehrere dünne Schichten an.
Man weiß plötzlich ganz genau, wo sich in einem Raum das nächste Fenster befindet.
Man entwickelt eine erstaunlich innige Beziehung zu Ventilatoren.
Und man lernt, langsamer zu machen.
Früher hätte ich vielleicht gedacht:
Ach komm, schnell noch das, dann das und anschließend noch jenes.
Heute sagt mein Körper gelegentlich:
Mach ruhig. Ich zeige dir gleich, wer hier das Sagen hat.
Also werde ich vernünftiger.
Nicht freiwillig natürlich.
So weit wollen wir nicht gehen.
Ich nehme bildlich gesprochen eben nicht mehr das Fahrrad bergauf.
Ich nehme den Aufzug.
Und vielleicht ist genau das neben all dem Chaos auch etwas, das diese Lebensphase mit sich bringt.
Der eigene Körper verändert sich.
Er macht Dinge, um die niemand gebeten hat.
Er schaltet Heizungen ein, obwohl draußen 18 Grad sind.
Und manchmal zwingt er uns damit auch, wieder genauer hinzuhören.
Hitzewallungen sind eines der bekanntesten Symptome der Wechseljahre. Sie entstehen im Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen, die unter anderem unsere Temperaturregulation beeinflussen können.
Aber keine Frau erlebt sie gleich.
Die eine hat kaum welche.
Die nächste gelegentlich.
Und eine andere überlegt bereits, ob sie beruflich in einen Kühlraum umziehen könnte.
Deshalb soll diese Reihe auch keine Anleitung werden, welche Beschwerden eine Frau haben muss.
Sie soll vielmehr sagen:
Du bist damit nicht allein.
Vielleicht erkennst du dich wieder.
Vielleicht erkennst du etwas, das du bisher gar nicht mit den Wechseljahren verbunden hast.
Und vielleicht führt dich das dazu, einmal genauer hinzuschauen und mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber zu sprechen.
Denn wir müssen nicht jedes Symptom einfach hinnehmen.
Und wir müssen uns auch nicht einreden lassen, wir seien „noch viel zu jung“ für hormonelle Veränderungen.
Beim nächsten Mal greifen wir dann wieder gemeinsam in meine Wechseljahres-Wundertüte.
Ich bin selbst gespannt, was drin ist.
Wobei, eigentlich nicht.
Ich hätte gerne einmal eine Niete.
Und irgendwo sitzt ein kleiner Wichtel mit einem winzigen Fächer auf meiner Schulter, wischt sich ebenfalls die Stirn und flüstert:
„Vielleicht müssen wir nicht jede Veränderung unseres Körpers verstehen oder mögen. Aber wir dürfen lernen, ihm zuzuhören. Und wenn er plötzlich seine eigene Zentralheizung einschaltet, obwohl niemand den Knopf gedrückt hat, dürfen wir das Fenster öffnen, langsamer machen und wissen: Irgendwo sitzt gerade garantiert noch eine andere Frau vor einem Ventilator und denkt genau dasselbe.“
Schön das du hier bist 🩶