
Früher war mir bei Kosmetik eigentlich nur eines wichtig:
Es musste gut riechen.
Mehr Ansprüche hatte ich nicht.
Gut, wenn ich in die Diskothek gegangen bin, durfte es natürlich auch ein bisschen mehr sein. Schminke gehörte dazu. Schließlich wollte man nicht aussehen, als hätte man gerade drei Stunden auf der Couch geschlafen, wenn man eigentlich vorhatte, bis morgens um vier zu tanzen.
Was genau in meiner Foundation, meiner Bodylotion oder meinem Shampoo steckte?
Keine Ahnung.
Hat mich auch nicht interessiert.
Wenn auf einer Bodylotion irgendwas mit Vanille, Kokos oder exotischer Blütenpracht stand, war ich eigentlich schon überzeugt.
Chemische Bezeichnungen auf der Rückseite?
Die hätte ich ohnehin nicht aussprechen können.
Also musste ich sie auch nicht lesen.
Logisch.
Irgendwann hat sich das verändert.
Vor allem seit Corona habe ich angefangen, mich viel bewusster damit auseinanderzusetzen, was ich eigentlich täglich benutze und meinem Körper zuführe.
Nicht panisch.
Nicht so, dass ich plötzlich nur noch selbst angerührte Brennnesselpaste benutze und mein Shampoo bei Vollmond im Garten herstelle.
Aber bewusster.
Und irgendwann stieß ich auf eine App namens Yuka.
Das Prinzip ist ziemlich einfach: Man scannt den Barcode eines Produktes und bekommt eine Bewertung. Bei Kosmetik werden unter anderem die enthaltenen Stoffe betrachtet und erklärt, warum bestimmte Inhaltsstoffe kritischer bewertet werden als andere.
Für mich war das am Anfang ein kleines Abenteuer.
Scannen.
Warten.
Ergebnis anschauen.
Und manchmal denkt man anschließend:
Ach du Schande.
Plötzlich steht man im Badezimmer und betrachtet die eigene Bodylotion mit völlig anderen Augen.
Vor fünf Minuten roch sie noch wunderbar nach Sommerurlaub und Kokosnuss.
Jetzt sieht man sie an, als hätte sie einem jahrelang etwas verschwiegen.
Bei Lebensmitteln benutze ich die App tatsächlich deutlich seltener.
Aus Gründen.
Ich möchte meinen Kühlschrank schließlich nicht eines Tages öffnen und feststellen, dass ich nach dem Scannen nur noch eine Gurke und ein Glas Wasser besitzen darf.
Ich habe allerdings schon Lebensmittel gescannt, bei denen mich das Ergebnis wirklich überrascht hat.
Ein Kuchen zu Ostern zum Beispiel.
Ich dachte: Kuchen.
Die App dachte offenbar: kleines Chemiepraktikum.
Natürlich muss man solche Bewertungen trotzdem einordnen. Ein Produkt wird nicht automatisch zu Gift, nur weil eine App einen Inhaltsstoff kritisch bewertet. Menge, Verwendung und wissenschaftliche Bewertung spielen schließlich ebenfalls eine Rolle.
Aber genau das gefällt mir daran: Ich fange an, hinzuschauen.
Vor allem bei Kosmetik.
Denn diese Produkte benutze ich teilweise jeden Tag.
Shampoo.
Duschgel.
Creme.
Bodylotion.
Make-up.
Und inzwischen stehe ich tatsächlich im Laden und scanne Produkte, bevor sie in meinem Einkaufskorb landen.
Manchmal entscheide ich mich dann bewusst für ein anderes Produkt.
Und wenn dieses zwei Euro mehr kostet?
Dann ist das für mich in Ordnung.
Nicht weil ich glaube, dadurch unsterblich zu werden.
Sondern weil es mir ein besseres Gefühl gibt, bewusster auszuwählen.
Mein Exemplar befindet sich dagegen noch in meiner früheren Entwicklungsstufe.
Es riecht gut. Die Verpackung sieht toll aus. Ich brauche es.
Besonders gefährlich wird es, wenn irgendein Star seinen Namen darauf geschrieben hat.
Dann kann die Verpackung wahrscheinlich auch 14 Euro kosten und aussehen wie eine glitzernde Weltraumkapsel.
Mama steht natürlich daneben.
Mit dem Handy.
Scanner geöffnet.
Spielverderberin des Jahres.
Piep.
Und dann kommt dieser Moment.
Mein Exemplar schaut hoffnungsvoll.
Ich schaue auf die Bewertung.
Dann schaue ich sie an.
Sie schaut mich an.
Und ich denke:
Das möchtest du dir wirklich auf die Haut schmieren?
Natürlich bedeutet eine schlechte Bewertung nicht automatisch, dass ein Produkt bei jedem Menschen Hautreizungen verursacht oder grundsätzlich gefährlich ist. Aber wenn Inhaltsstoffe enthalten sind, die ich persönlich vermeiden möchte, lasse ich das Produkt eben stehen.
Darüber kann mein Exemplar selbstverständlich nur den Kopf schütteln.
Und irgendwie muss ich darüber lachen.
Denn wahrscheinlich hätte meine Mutter mir früher genau dasselbe erzählen können.
Und ich hätte vermutlich gesagt:
„Aber Mamaaaaa, das riecht voll gut!“
Vielleicht ist das tatsächlich eines dieser Dinge, die sich mit dem Älterwerden verändern.
Früher wollte ich wissen:
Wie riecht es?
Wie sieht es aus?
Passt es zu mir?
Heute frage ich zusätzlich:
Was ist eigentlich drin?
Ich möchte deshalb nicht in ständiger Angst vor irgendwelchen Inhaltsstoffen leben. Auch möchte ich nicht jedes Stück Kuchen analysieren, bis mir endgültig der Appetit vergangen ist.
Genuss gehört für mich genauso zum Leben.
Aber Bewusstsein eben auch.
Und vielleicht ist genau das für mich der Unterschied zwischen früher und heute.
Ich verbiete mir nicht alles.
Ich schaue nur genauer hin.
Ich stelle Fragen.
Und treffe anschließend meine eigene Entscheidung.
Tja.
So verändert man sich.
Früher stand ich mit Lippenstift vor dem Spiegel und überlegte, ob die Farbe zu meinem Oberteil passt.
Heute stehe ich mit dem Handy im Badezimmer und scanne mein Duschgel.
Und irgendwo sitzt ein kleiner Wichtel auf dem Rand meiner Bodylotion, lässt die Beine baumeln, schaut auf die winzige Zutatenliste und flüstert:
„Du musst nicht alles perfekt machen. Aber manchmal beginnt gut auf sich aufzupassen einfach damit, genauer hinzusehen und bewusst zu entscheiden, was sich für dich richtig anfühlt.“
Schön das du hier bist 🩶