
Urlaub beginnt für viele Menschen erst dann, wenn sie endlich angekommen sind.
Für mich nicht.
Mein Urlaub beginnt schon Wochen vorher.
Mit einer Liste.
Natürlich mit einer Liste.
Ich überlege, was wir sehen möchten, welche Orte spannend sein könnten und welche kleinen Schätze die Region bereithält. Ich plane keine Minute durch. Das wäre mir selbst zu anstrengend. Aber ich mag einen groben Plan. Einen Plan, von dem man jederzeit wieder abweichen darf. Einfach weil man unterwegs vielleicht etwas entdeckt, womit man gar nicht gerechnet hat.
Und dann kommt der große Tag.
Der Tag der Abreise.
Ich gehöre zu den Menschen, die lieber eine Stunde zu früh losfahren als fünf Minuten zu spät.
Nicht weil ich ungeduldig bin.
Sondern weil Deutschland seine ganz eigenen Gesetze hat.
Es gibt diese berühmten Knotenpunkte auf den Autobahnen. Wer sie früh genug hinter sich lässt, fährt meistens entspannt. Wer zu spät kommt, steht. Und steht. Und steht noch ein bisschen länger.
Also klingelt bei uns der Wecker ziemlich früh.
Während andere sich noch einmal im Bett umdrehen, sitze ich schon mit einem Kaffee im Auto.
Mein Exemplar sieht das morgens verständlicherweise etwas anders.
Sie ist der festen Überzeugung, dass Urlaub grundsätzlich erst gegen Mittag beginnen sollte.
Ich hingegen denke: Wenn wir jetzt losfahren, trinken wir unseren Kaffee später ganz entspannt irgendwo auf einer schönen Rast.
Überhaupt gehören Pausen für mich genauso zum Urlaub wie das Ziel.
Allerdings nicht unbedingt auf die Art, wie Raststätten sich das vorstellen.
Habt ihr euch die Preise dort eigentlich mal angesehen?
Manchmal habe ich das Gefühl, für ein belegtes Brötchen müsste ich vorher einen kleinen Kredit aufnehmen.
Deshalb packe ich lieber selbst.
Brötchen.
Obst.
Gemüse.
Etwas Süßes.
Kaffee.
Getränke.
Eigentlich könnte man meinen, ich würde eine kleine Expedition durch die Wildnis planen.
Dabei fahren wir nur über die Autobahn.
Aber ich finde es schön, irgendwo anzuhalten, die Autotüren zu öffnen, die frische Luft einzuatmen und gemeinsam zu frühstücken.
Das macht den Urlaub irgendwie gemütlicher.
Und wenn Kinder mitfahren, darf eines natürlich nicht fehlen:
Beschäftigung.
Heute ist mein Exemplar zwölf Jahre alt.
Da läuft vieles entspannter.
Aber ich erinnere mich noch gut daran, wie wichtig Spiele während der Autofahrt waren.
Ich glaube sogar, manche Spiele werden nie alt.
Ich sehe was, was du nicht siehst.
Kennzeichen raten.
Oder aus Kennzeichen lustige Sätze bilden.
Wie oft wir darüber gelacht haben.
Manchmal braucht es gar kein Tablet.
Nur ein bisschen Fantasie.
Und dann passieren unterwegs diese Momente, die man sich nicht ausdenken könnte.
Dieses Jahr hatten wir wieder so einen.
Kennt ihr diese kleinen blauen Schilder hinter den Leitplanken auf der Autobahn?
Die mit den Zahlen darauf?
Mein Exemplar zeigte darauf und fragte:
„Mama, was bedeutet das eigentlich?“
Ich schaute ganz selbstbewusst aus dem Fenster und antwortete:
„Das sind die Radiofrequenzen.“
Ich war wirklich überzeugt.
Manchmal hat man dieses gefährliche Halbwissen, das sich im eigenen Kopf plötzlich wie eine wissenschaftliche Tatsache anfühlt.
Mein Exemplar schaute mich an und sagte völlig ernst:
„Ich bin in Mathe nicht so gut.“
Ich war kurz irritiert.
„Was hat das denn mit Mathe zu tun?“
Sie antwortete:
„Na… wegen der Radiusberechnung.“
Ich…
…wusste nicht mehr weiter.
Ich schaute sie an.
Sie schaute mich an.
Und irgendwo in meinem Kopf saß meine Seele auf einem kleinen Klappstuhl, klatschte begeistert in die Hände und applaudierte.
Ich musste so lachen.
Nicht über sie.
Sondern über diese wunderbare Gedankenkette.
Radio.
Frequenzen.
Radius.
Mathe.
Irgendwie war das in ihrer Welt völlig logisch.
Zu Hause habe ich dann tatsächlich nachgeschaut.
Und stellte fest…
…dass ich selbst falsch lag.
Diese Schilder haben überhaupt nichts mit Radiofrequenzen zu tun.
Sie dienen der Kilometrierung und helfen beispielsweise Polizei, Feuerwehr oder Autobahnmeisterei dabei, einen Ort genau zu bestimmen.
Tja.
Da saßen wir nun.
Beide nicht ganz richtig.
Oder zumindest ich.
Aber wisst ihr was?
Genau deshalb liebe ich Autofahrten.
Nicht wegen der Autobahn.
Nicht wegen der Kilometer.
Sondern wegen dieser Gespräche.
Wegen dieser Momente, die niemand planen kann.
Urlaub besteht für mich nicht nur aus Bergen, Seen oder schönen Hotels.
Urlaub beginnt genau dort.
Zwischen Brotdosen.
Kaffeebechern.
Frühem Aufstehen.
Ein bisschen Stau.
Ganz viel Lachen.
Und einer Tochter, die aus einer Radiofrequenz plötzlich eine Radiusberechnung macht.
Wenn ich heute an unsere Reisen zurückdenke, erinnere ich mich oft gar nicht zuerst an den Urlaubsort.
Ich erinnere mich an die Fahrt.
An das gemeinsame Frühstück auf einem Rastplatz.
An Spiele im Auto.
An Musik, die wir viel zu laut mitgesungen haben.
An völlig verrückte Gespräche.
Und an diese kleinen Geschichten, die später noch jahrelang erzählt werden.
Vielleicht ist genau das das Geheimnis.
Der Urlaub beginnt nicht erst, wenn wir angekommen sind.
Er beginnt in dem Moment, in dem wir gemeinsam losfahren.
Und wenn irgendwo ein kleiner Wichtel auf einer Leitplanke sitzt, den vorbeifahrenden Autos zuwinkt und schmunzelnd zuhört, wie eine Radiofrequenz plötzlich zur Radiusberechnung wird, dann weiß er:
Die schönsten Erinnerungen entstehen selten am Ziel. Sie entstehen auf dem Weg dorthin, zwischen einem belegten Brötchen, einer Thermoskanne Kaffee und den Menschen, die diese Reise zu etwas Besonderem machen.
Schön das du hier bist 🩶
Oh Gott ich bin froh nie lange im Auto gesessen zu haben als Kind.
Eine oder 2 Stunden waren die längsten Autofahrten als Kind in meinem Leben.
Ich hab eh immer nur rausgeschaut und meine Mutter fuhr immer Abends los an die Ostsee.
Meistens tatsächlich ohne Stau.
Meine Mutter wäre nie auf die Idee gekommen sich Deutschland mit dem Auto anzugucken.😉
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Wir sind der Ostsee entflohen in DIN den Schwarzwald gefahren. Mit kleinen Kindern hätte ich das nie gemacht. 😂
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Da meine Mutter die Berge eher meidet war es immer Heiligenhafen von 1981 bis für mich 2004.
In den 90ern hat sich Mama eine Ferienwohnung da gekauft und ich war regelmäßig zu allen Jahreszeiten da.
2022 haben Sie diese Wohnung verkauft.
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Ist bestimmt sehr schön dort. Ich liebe die Ostsee wirklich sehr, aber wenn du sie das ganze Jahr vor der Nase hast, freut man sich auf die Berge. Zumindest ist es bei mir so.
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Ich weiß nicht…ich war noch nie wirklich in den Bergen.
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Das ist gar nicht schlimm. Ich finde immer den Ort schön wo man sich wohl fühlt und bei jedem ist es anders
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