Lernst du dein Leben lang weiter?

Heute Morgen stolperte ich über die Frage des Daily Prompts:
„Lernst du dein Leben lang weiter?“
Meine erste Antwort war ziemlich eindeutig.
Na hoffentlich!
Denn stell dir mal vor, wir würden irgendwann aufhören zu lernen. Wie langweilig wäre das denn bitte?
Gut… manche Tage würde ich gerne auf bestimmte Lektionen verzichten. Zum Beispiel darauf, dass der Türrahmen härter ist als mein kleiner Zeh. Diese Erfahrung mache ich gefühlt alle drei Wochen aufs Neue. Offenbar denke ich jedes Mal: „Vielleicht ist der Türrahmen heute ja ein bisschen weicher.“
Ist er nicht.
Aber selbst daraus lernt man irgendwann… zumindest theoretisch.
Ich glaube tatsächlich, dass wir bis zu unserem letzten Tag lernen.
Nicht nur Matheformeln oder englische Vokabeln. Ehrlich gesagt habe ich von beidem nicht mehr allzu viel übrig.
Nein.
Ich meine das Leben.
Wie gehe ich mit Menschen um?
Wie gehe ich mit mir selbst um?
Wann lohnt es sich, zu kämpfen und wann ist Loslassen die bessere Entscheidung?
Warum macht mich etwas traurig?
Warum macht mich etwas glücklich?
Das sind doch eigentlich die spannendsten Fragen überhaupt.
Ich merke das besonders an mir selbst.
Manchmal denke ich: „Jetzt kennst du dich.“
Und dann kommt das Leben um die Ecke und sagt:
„Ach wirklich? Dann warte mal ab.“
Zack.
Neue Situation.
Neue Erfahrung.
Neue Erkenntnis.
Ich glaube, genau deshalb überrascht mich das Leben immer wieder.
Es hört einfach nie auf.
Früher dachte ich, Erwachsene hätten alles verstanden.
Heute bin ich selbst erwachsen.
Und weißt du was?
Wir improvisieren erstaunlich viel.
Manche tun nur sehr überzeugend so, als hätten sie einen Plan.
Dabei lernen wir alle täglich dazu.
Es gibt einen Spruch, den ältere Menschen früher oft gesagt haben:
„Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu.“
Als Kind fand ich den irgendwie merkwürdig.
Heute nicke ich zustimmend.
Ja.
Genau so ist es.
Vor kurzem hörte ich einen Satz, der mich sofort zum Nachdenken brachte:
„Nur eine Null hat keine Ecken und Kanten.“
Was für ein wunderbares Bild.
Denn eine Null ist ein perfekter Kreis.
Keine Kanten.
Keine Richtungswechsel.
Keine Überraschungen.
Sie bleibt einfach, wie sie ist.
Vielleicht steht sie genau deshalb für Stillstand.
Denn wer glaubt, bereits alles zu wissen, hört irgendwann auf zu wachsen.
Ecken und Kanten dagegen erzählen Geschichten.
Jede Kante ist eine Erfahrung.
Jede Ecke ein Fehler, aus dem wir etwas mitgenommen haben.
Manchmal entstehen diese Kanten durch Schmerz.
Manchmal durch Liebe.
Manchmal durch Menschen, die unser Leben verändern.
Und manchmal auch durch Dinge, die völlig schiefgehen.
So wie mein erster Versuch, einen IKEA-Schrank ohne Anleitung aufzubauen.
Sagen wir es mal so:
Am Ende hatte ich sehr viele Ecken.
Der Schrank allerdings weniger.
Aber genau das macht uns doch aus.
Wir sind nicht perfekt.
Wir dürfen Fehler machen.
Wir dürfen unsere Meinung ändern.
Wir dürfen erkennen, dass wir gestern noch etwas geglaubt haben, was heute gar nicht mehr zu uns passt.
Das bedeutet nicht, dass wir schwach sind.
Es bedeutet, dass wir wachsen.
Ich glaube sogar, dass das Leben genau dafür gedacht ist.
Nicht dafür, irgendwann perfekt zu sein.
Sondern dafür, jeden Tag ein kleines bisschen mehr zu verstehen.
Über andere.
Über die Welt.
Und vor allem über uns selbst.
Vielleicht ist genau das das schönste Geschenk des Lebens.
Dass wir niemals fertig sind.
Dass wir immer noch staunen dürfen.
Immer noch Fragen stellen.
Immer noch Neues entdecken.
Denn solange wir Ecken und Kanten haben, entwickeln wir uns weiter.
Und ganz ehrlich?
Ich möchte niemals eine perfekte Null sein.
Ich bleibe lieber ein Mensch mit kleinen Macken, vielen Fragen, einer Portion Humor und der Bereitschaft, morgen wieder etwas Neues zu lernen.
Denn genau das macht das Leben doch spannend.
Und vielleicht sitzt gerade irgendwo ein kleiner Wichtel auf einer Bücherkante, streicht mit seinem winzigen Finger über all unsere Ecken und Kanten und flüstert lächelnd:
„Hab keine Angst vor ihnen. Genau dort wächst deine Geschichte.“
Schön das du hier bist 🩶
Genau so ist es. Und immer noch gilt: Scheitern ist keine Schande, es nicht probiert zu haben schon.
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Das stimmt, vielen Dank für das Kommentar
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Man lernt im Laufe des Lebens auch ziemlich viel Unsinn. Schon aus dem Grund wäre es nicht schlau, damit aufzuhören. Denn wer sagt einem, dass die letzte Sache, die man gelernt hat, nicht ebenfalls großer Unsinn war?
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Da hast du Recht. Und das zurückblicken auf den Unsinn oder das gelernte macht am Ende viel Spass. Die Erfahrung die sich daraus entwickelt.
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