
Es gibt viele technische Errungenschaften auf dieser Welt. Selbstfahrende Autos. Künstliche Intelligenz. Roboter, die Operationen durchführen. Raumfahrt. Alles beeindruckend.
Aber mal ehrlich: Wer braucht ein selbstfahrendes Auto? Ich nicht. Ich hätte viel lieber eine selbstputzende Wohnung. Eine Wohnung, die morgens aussieht wie nach einem Bombeneinschlag und abends geschniegelt und geschniegelt auf mich wartet. Die Betten sind gemacht. Der Staub ist verschwunden. Die Küche glänzt. Und im besten Fall steht das Essen schon auf dem Tisch.
Ja, man wird ja wohl noch träumen dürfen.
Stattdessen komme ich nach Hause und werde von der Realität begrüßt. Die Wäsche wartet. Die Küche wartet. Der Staubsauger wartet. Und irgendwo wartet garantiert noch eine Aufgabe, von der ich bis eben gar nichts wusste.
Ich bin fest davon überzeugt, dass Haushalt täglich mindestens anderthalb Stunden Lebenszeit verschlingt. Mindestens. Vielleicht gibt es dazu wissenschaftliche Studien. Falls nicht, sollte dringend jemand welche erstellen. Ich stelle mich freiwillig als Testperson zur Verfügung. Wobei ich wahrscheinlich während der Studie einschlafen würde. Nicht weil sie langweilig wäre. Sondern weil die Wechseljahre müde machen.
Irgendwann kam ich deshalb zu einer wichtigen Erkenntnis. Ich muss meine Lebensqualität zurückerobern. Man muss sich ja nicht jeden Kampf freiwillig aussuchen. Und wenn Hitzewallungen, Brainfog, Arbeit, Haushalt und Wäschebergen gemeinsam gegen mich antreten, dann darf ich mir auch Verstärkung holen.
Also fuhr ich zu Media Markt. Fest entschlossen, mein Leben zu verändern. Gut. Vielleicht nicht mein ganzes Leben. Aber zumindest den Teil mit dem Wäscheständer. Nach langer Recherche stand fest: Ein Waschtrockner musste her. Der Verkäufer war wirklich nett und beriet mich ausführlich. Irgendwann sagte er: „Ich kläre nur kurz etwas wegen der Lieferung.“ Und verschwand.
Und so saß ich da. Mitten in der Haushaltsgeräte-Abteilung. Die Klimaanlage lief. Zumindest behauptete sie das. Mein Gesicht hatte dazu eine andere Meinung. Während normale Menschen wahrscheinlich angenehm temperiert durch den Laden schlenderten, produzierte mein Körper bereits ausreichend Feuchtigkeit für ein kleines Biotop. Ich saß also da. Leicht glänzend. Wartend. Und offenbar strahlte ich dabei eine Autorität aus, die mir selbst bis heute unbekannt war.
Denn plötzlich kam eine Frau auf mich zu. Nennen wir sie Ingrid. Ich finde, sie sah aus wie eine Ingrid. Sie schaute mich an und sagte: „Entschuldigung, ich möchte eine Waschmaschine kaufen.“ Ich schaute sie an. Sie schaute mich an. Für einen kurzen Moment waren wir beide verwirrt. Am liebsten hätte ich gesagt: „Ja Ingrid. Ich auch. Und jetzt gehört der Verkäufer mir.“ Aber ich bin erwachsen. Meistens.
Also entschied ich mich für die höfliche Variante und erklärte ihr, dass ich leider keine Mitarbeiterin bin. Sie entschuldigte sich. Ich entschuldigte mich gefühlt ebenfalls. Und wir gingen beide wieder unserer Wege. Zwei Frauen. Ein Ziel. Eine Waschmaschine. Wahrscheinlich war sie genauso kurz davor, ihre Lebensqualität zurückzugewinnen wie ich.
Und dann war es endlich soweit. Mein Waschtrockner zog ein. Und ich sage es ganz ehrlich: Das war eine der besten Entscheidungen der letzten Jahre. Ja. Ich weiß. Andere Menschen kaufen sich Sportwagen. Ich freue mich über Haushaltsgeräte. Willkommen in meinem Alter.
Früher bedeutete Wäsche waschen: Waschmaschine an. Warten. Wäsche ausräumen. Wäsche aufhängen. Warten. Wäsche abhängen. Zusammenlegen. Wegbringen. Ein Projekt mit mehreren Etappen. Fast wie eine Expedition.
Heute? Ich werfe die Wäsche hinein. Drücke auf einen Knopf. Und irgendwann kommt sie trocken wieder heraus. Das ist Magie. Anders kann ich es nicht erklären. Natürlich muss ich sie noch zusammenlegen. Man kann schließlich nicht alles haben.
Aber allein die Tatsache, dass ich keinen Wäscheständer mehr durch die Wohnung schiebe wie einen schlecht gelaunten Einkaufswagen, macht mich glücklich. Und genau da musste ich über etwas nachdenken. Vielleicht geht es in den Wechseljahren gar nicht immer darum, stärker zu werden. Vielleicht geht es manchmal darum, es sich leichter zu machen. Nicht alles allein zu stemmen. Nicht ständig perfekt sein zu wollen. Nicht jeden Berg zu Fuß zu erklimmen, wenn daneben ein Aufzug steht.
Vielleicht dürfen wir Lösungen nutzen. Vielleicht dürfen wir Energie sparen. Für die Dinge, die wirklich wichtig sind. Für unsere Familien. Für unsere Freunde. Für uns selbst. Oder einfach für einen ruhigen Abend auf dem Sofa. Ohne schlechtes Gewissen. Denn diese anderthalb Stunden am Tag bekomme ich nicht zurück. Aber ich kann entscheiden, wie ich die Zeit nutze, die mir bleibt.
Und ganz ehrlich? Wenn ein Haushaltsgerät dafür sorgt, dass ich entspannter bin, dann ist das für mich keine Ausgabe. Dann ist das Selbstfürsorge.
Während du vielleicht gerade vor einem Wäscheberg stehst und überlegst, ob er sich von allein zusammenlegt, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel auf einem warmen Handtuch aus dem Waschtrockner, schaukelt mit den Beinen und flüstert:
„Manchmal sind es nicht die großen Veränderungen, die unser Leben leichter machen. Manchmal reicht es schon, wenn die Wäsche trocken aus der Maschine kommt und wir ein kleines Stück Zeit für uns zurückbekommen.“
Schön das du hier bist 🩶