Wenn Tochter und Mutter gleichzeitig hormonell verrückt spielen

Pubertät trifft Wechseljahre oder: Zwei Großbaustellen unter einem Dach

Manchmal sitze ich zu Hause, beobachte mein Kind und denke mir ehrlich: „Eigentlich ist das biologisch gerade komplett verrückt.“ Denn während mein Exemplar mitten in der Pubertät steckt, kämpfe ich gleichzeitig mit den Wechseljahren. Sie bekommt Hormone. Und meine machen gefühlt gerade: „So Leute… wir gehen dann mal. Oder wir drehen vorher nochmal völlig frei.“ Und manchmal sitzen wir beide einfach nebeneinander auf dem Sofa und man merkt richtig: Hier laufen gerade zwei hormonelle Großbaustellen parallel. Die eine am Anfang. Die andere irgendwo zwischen: „Ich schwitze wegen nichts“ und „Warum bin ich eigentlich plötzlich emotional wegen einer Werbung mit Hunden?“

Mein Exemplar und die Pubertät

Pubertät ist wirklich eine wilde Zeit. Mein Exemplar kämpft gerade mit all den typischen Dingen eines Mädchens: Pickel, fettige Haare, Stimmungsschwankungen, unregelmäßige Periode, plötzlich riesiger Hunger, dann wieder gar kein Hunger, Unlust auf Bewegung, genervtes Stöhnen, Augenrollen auf olympischem Niveau Und natürlich diese Jugendsprache, bei der ich manchmal denke: „Ich brauche einen Übersetzer.“ Dann kommt ein: „Cringe.“ Oder: „Brooo.“ Oder dieses leicht dramatische: „Mamaaaaa.“ Mit anschließendem Augenrollen.

Und ich sitze da und versuche wirklich entspannt zu bleiben. Ich meckere tatsächlich wenig. Nicht weil ich immer entspannt bin. Sondern weil ich glaube, dass Pubertät für Kinder selbst schon anstrengend genug ist. Denn wenn wir ehrlich sind: Die fühlen sich manchmal wahrscheinlich selbst wie ein kaputtes WLAN-Signal. Heute himmelhoch jauchzend. Morgen Weltuntergang wegen eines Pickels. Und irgendwo dazwischen: TikTok. Snacks. Kopfhörer. Und plötzlich schlechte Laune, obwohl vor fünf Minuten noch alles okay war.

Die Großbaustelle im Kopf

Was mich daran wirklich fasziniert: Da oben im Gehirn passiert tatsächlich gerade Baustelle. Und ich meine das wortwörtlich. In der Pubertät wird das Gehirn komplett umgebaut. Das emotionale Zentrum läuft teilweise schon auf Hochtouren, während der Bereich für Kontrolle und vernünftiges Denken noch mitten im Umbau steckt.

Eigentlich ist das wie eine Großbaustelle mit schlechter Kommunikation. Das erklärt übrigens vieles. Warum Jugendliche manchmal: impulsiv reagieren, empfindlich sind, plötzlich ausrasten, fünf Minuten später wieder lachen und zwischendurch tun, als wäre man die peinlichste Mutter Europas.

Nicht weil sie schwierig sein wollen. Sondern weil dort oben tatsächlich gerade alles neu verkabelt wird. Und ehrlich? Manchmal glaube ich, mein Gehirn wird gleichzeitig ebenfalls umgebaut. Nur eben durch die Wechseljahre.

Wechseljahre sind eigentlich auch Pubertät

Je mehr ich darüber nachdenke, desto ähnlicher erscheinen mir Pubertät und Wechseljahre. Nur an unterschiedlichen Enden des Lebens. Die Tochter bekommt plötzlich Hormone. Und bei der Mutter fangen sie an, verrückt zu spielen oder langsam zu verschwinden. Und das Ergebnis? Zwei Frauen. Zwei hormonelle Baustellen. Ein Zuhause.

Manchmal denke ich wirklich: Das Universum hat Humor. Denn während mein Kind plötzlich: traurig, genervt, emotional, empfindlich oder komplett drüber ist …sitze ich daneben und denke: „Interessant. Genau so fühle ich mich gerade eigentlich auch.“

Wenn beide gleichzeitig genervt sind

Es gibt Tage, da läuft das ungefähr so: Ich frage freundlich: „Kannst du bitte deine Sachen wegräumen?“ Es folgt: ein Augenrollen. Ein genervtes Stöhnen. Ein: „Jaaaahaaa.“ Und in meinem Kopf läuft parallel: „Bleib ruhig. Bleib ruhig. Du bist die Erwachsene.“ Während gleichzeitig meine eigenen Hormone innerlich schreien: „WER HAT HIER SCHLECHTE LAUNE? ICH ODER SIE?“

Und manchmal muss ich dann selbst lachen. Weil diese Situationen eigentlich komplett absurd sind. Da sitzen zwei Menschen mit hormonellem Ausnahmezustand unter einem Dach und versuchen beide irgendwie normal zu funktionieren.

Der weibliche Körper ist wirklich faszinierend

Was ich durch all das immer mehr verstehe: Der weibliche Körper verändert sich eigentlich ständig. Als Mädchen beginnt irgendwann die Pubertät: die erste Periode, Brustwachstum, Hautveränderungen, Unsicherheiten, Hormonschwankungen. Und Jahre später passiert wieder etwas Neues: Die Wechseljahre. Und plötzlich: Schlafprobleme, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Erschöpfung, Brainfog, plötzliches Schwitzen aus der Hölle.

Eigentlich erleben Frauen mehrmals im Leben hormonelles Chaos. Und trotzdem wird oft erwartet, dass wir dabei möglichst entspannt, organisiert und emotional stabil bleiben.

Zwischen Liebe und Wahnsinn

Und trotzdem steckt darin unglaublich viel Liebe. Auch wenn man sich manchmal gegenseitig nervt. Denn irgendwo zwischen: Augenrollen, genervtem Stöhnen, Snacks, Diskussionen, Kopfhörern und hormonellem Chaos …passieren auch diese kleinen Momente.

Wenn sie plötzlich wieder kuschelig ist. Wenn wir gemeinsam lachen. Wenn wir zusammen auf dem Sofa sitzen. Wenn sie doch noch erzählt, was sie beschäftigt. Und dann merkt man: Sie wächst gerade wirklich. Und gleichzeitig verändert man sich selbst ebenfalls.

Vielleicht kämpfen wir eigentlich beide

Ich glaube manchmal vergessen Erwachsene, wie anstrengend Pubertät wirklich ist. Denn Kinder verlieren dort plötzlich ihre bisherige Sicherheit. Der Körper verändert sich. Die Gefühle verändern sich. Das Gehirn verändert sich. Und gleichzeitig versucht man herauszufinden: Wer bin ich eigentlich? Aber vielleicht vergessen Kinder manchmal auch: Dass Erwachsene sich ebenfalls verändern. Dass Wechseljahre nicht einfach nur „ein bisschen schwitzen“ sind.

Sondern ebenfalls: hormonelles Chaos, emotionale Veränderungen, körperliche Umstellungen, Müdigkeit, Reizüberflutung. Vielleicht kämpfen also eigentlich beide Seiten. Nur unterschiedlich.

Nicht Mutter gegen Tochter

Und vielleicht ist genau das das Wichtigste. Nicht gegeneinander zu kämpfen. Nicht: „Die Jugend von heute.“ Oder: „Meine Mutter nervt.“ Sondern zu verstehen: Wir sind beide gerade in Veränderung.

Die eine wächst ins Leben hinein. Die andere verändert sich mitten darin nochmal neu. Und ehrlich? Vielleicht brauchen beide manchmal einfach: Verständnis, Ruhe, Snacks, Kaffee, Schokolade und jemanden, der nicht sofort genervt reagiert

Hormone sind wirklich kleine Chaoten

Das Verrückte ist ja: Hormone interessieren sich überhaupt nicht dafür, ob gerade Alltag ist. Die machen einfach ihr Ding. Pubertät: „Heute heulen wir wegen eines Pickels.“ Wechseljahre: „Heute schwitzen wir beim Wäscheaufhängen.“ Pubertät: „Alle sind gegen mich.“ Wechseljahre: „Warum macht mich plötzlich jedes Geräusch aggressiv?“ Und irgendwo dazwischen versucht man gemeinsam Abendbrot zu machen.

Mein persönlicher Gedanke dazu

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich: Pubertät und Wechseljahre sind sich viel ähnlicher, als viele denken. Beides sind Übergänge. Beides bedeutet: Veränderung. Unsicherheit. Emotionen. Chaos. Und manchmal das Gefühl, sich selbst nicht richtig zu verstehen.

Und vielleicht sollten wir deshalb alle ein bisschen liebevoller miteinander umgehen. Mit unseren Kindern. Mit unseren Müttern. Und vielleicht auch mit uns selbst. Denn weder pubertierende Mädchen noch Frauen in den Wechseljahren sind „schwierig“. Ihre Körper leisten gerade einfach biologischen Hochleistungssport.

Und während du vielleicht gerade selbst an dein pubertierendes Kind denkst, an deine Mutter oder an deinen eigenen hormonellen Ausnahmezustand, sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel ganz leise am Rand deiner Gedanken, schaut euch beide liebevoll an und flüstert:

„Vielleicht bedeutet Familie manchmal einfach, gemeinsam durch kleine innere Stürme zu gehen, auch wenn dabei gelegentlich Türen knallen, Augen rollen und beide heimlich Schokolade brauchen.“

Schön das du hier bist 🩶

Hinterlasse einen Kommentar