Die Wärme in der Nacht und das Monster am Zeh

Schlaf. Eigentlich etwas ganz Einfaches. Man legt sich hin. Schließt die Augen.
Und wacht am nächsten Morgen wieder auf. So sollte es zumindest sein.
Aber wenn man mal ehrlich ist, ist Schlaf viel mehr als das. Schlaf ist Pause.
Für den Kopf. Für den Körper. Für all das, was sich über den Tag angesammelt hat.
Es ist die Zeit, in der sich Gedanken sortieren. In der Gefühle leiser werden.
In der der Körper irgendwie alles wieder auf Anfang stellt. Und ich merke das immer dann ganz besonders, wenn er fehlt. Wenn die Nacht unruhig ist. Wenn man sich ständig hin und her dreht.
Wenn man morgens aufwacht und denkt: „Ich bin irgendwie gar nicht wirklich da.“
Dann ist der Tag anders. Schwerer. Reizbarer. Lauter. Und plötzlich merkt man:
Wie wichtig guter Schlaf eigentlich ist. Nicht nur, um ausgeruht zu sein. Sondern um sich selbst wieder ein Stück näher zu kommen.
Und genau da beginnt mein Problem. Denn Schlaf… ist nicht mehr das, was er einmal war.
Und vielleicht liegt es nicht nur an der Wärme. Nicht nur an dem Körper, der plötzlich eigene Wege geht.
Sondern auch an etwas, das schon viel länger da ist.
Das Monster.
Als Kind hatte ich ein Bett, das für mich etwas ganz Besonderes war. Es war rot.
Ein bisschen wie ein Prinzessinnenbett. Und unter mir war ganz viel Platz. Eigentlich perfekt.
Wäre da nicht ein kleines Problem gewesen. Oder besser gesagt: Ein ziemlich großes. Unter meinem Bett wohnte ein Monster. Kein niedliches.
Keins mit Lolli im Mund. Keins, das freundlich winkt und sagt: „Keine Angst.“ Nein.
Das war eines von der Sorte, die darauf wartet, dass man einen Fehler macht.
Zum Beispiel… einen Fuß auf den Boden setzt.
Denn in meiner Vorstellung war ganz klar: Sobald mein Fuß den Boden berührt, ist er weg.
Einfach so. Gefressen. Und das Verrückte daran? Das hat sich eingebrannt.
So richtig. Tief. Ich weiß bis heute nicht, woher dieses Monster kam.
Ob ich es mir selbst ausgedacht habe. Ob es irgendwo erzählt wurde. Oder ob es einfach eines dieser typischen Kinderdinge ist, die plötzlich da sind und bleiben.
Aber eines weiß ich: Es war real. Zumindest für mich. Ich habe abends im Bett gelegen,
die Decke fest um mich gezogen und genau darauf geachtet: Bloß kein Fuß raus.
Manchmal lag ich sogar ganz still. Nur um sicherzugehen, dass ich es nicht aus Versehen herausfordere.
Und wenn ich nachts auf Toilette musste? Dann wurde es spannend.
Ich habe meinen Fuß ganz vorsichtig aus dem Bett bewegt. Ganz langsam. Bereit, ihn im Notfall sofort wieder hochzuziehen.
Und dann… zack. Schnell aufstehen. Licht an. Rennen.
Denn man weiß ja nie. Und irgendwann wird man älter. Man wächst.
Man versteht mehr. Man weiß: Unter dem Bett ist nichts. Oder?
Heute bin ich erwachsen. Zumindest sagt man das so. Aber eines hat sich nicht geändert.
Das Monster. Es ist vielleicht nicht mehr ganz so laut. Nicht mehr ganz so präsent. Aber es ist da. Manchmal ganz leise. Manchmal nur ein Gedanke. Und besonders nachts… meldet es sich wieder.
Wenn ich im Bett liege. Alles ruhig ist. Und meine Füße langsam Richtung Bettkante wandern. Dann ist da dieser Moment. Dieses kleine Zögern.
Dieses Gefühl von: „Vielleicht… lieber nicht.“ Denn wer weiß schon,
ob es nicht doch noch da sitzt. Am Fußende. Geduldig. Wartend.
Und ich bin mir ziemlich sicher: Dieses Monster lässt sich auch nicht vom Geruch abschrecken. Leider. Früher war das alles kein Problem.
Ich war zugedeckt. Die Decke war meine Sicherheit. Mein Schutzschild. Meine Grenze zwischen „alles gut“ und „besser nicht“. Doch dann kam etwas Neues dazu. Die Wärme.
Oder besser gesagt: Die Hitze. Nachts. Ich liege im Bett.
Und plötzlich wird es warm. Nicht angenehm warm. Sondern dieses:
„Ich muss hier raus“-warm. Dieses Gefühl,
als würde die Decke plötzlich zu viel sein.
Zu schwer. Zu nah. Und dann beginnt der innere Konflikt. Bleibe ich unter der Decke und schwitze vor mich hin? Oder wage ich es… einen Fuß rauszustrecken?
Ein Risiko. Ein echtes. Denn mit jedem Zentimeter außerhalb der Decke
kommt dieses alte Gefühl zurück. Dieses kleine Ziehen im Kopf.
Dieses: „Bist du dir sicher?“ Und dann liege ich da. Halb zugedeckt.
Halb draußen. Ein Bein raus. Das andere noch sicher versteckt. Ein Kompromiss.
Ich taste mich langsam vor. So, als würde ich das Monster nicht wecken wollen.
Und dann passiert… nichts. Meine Füße sind noch da. Und trotzdem… bleibt dieses Gefühl.
Diese Mischung aus Kindheit und Gegenwart. Aus Wissen und Gefühl.
Denn rational weiß ich natürlich: Da ist nichts. Aber Gefühle… funktionieren nicht immer rational.
Und genau das ist es. Diese kleinen Dinge,
die aus der Kindheit bleiben. Die sich irgendwo festsetzen. Und die plötzlich wieder auftauchen.
In ganz anderen Momenten. Heute ist es nicht mehr nur das Monster. Heute ist es auch der Körper.
Die Wärme. Das Schwitzen. Diese Unruhe. Und plötzlich bekommt das Wort „Klimakterium“
eine ganz eigene Bedeutung. Klima. Temperatur. Veränderung.
Alles trifft zusammen. Und ich liege da… zwischen Decke und Freiheit. Zwischen Kindheit und Erwachsensein. Und denke mir: „Wie soll das im Sommer werden?“ Wenn es jetzt schon so ist.
Wenn ich jetzt schon halb aus dem Bett flüchte. Werde ich dann komplett ohne Decke schlafen?
Mit beiden Füßen draußen? Mutig. Oder einfach nur verzweifelt. Und vielleicht ist genau das das Spannende. Dass sich Dinge verändern. Der Körper. Das Gefühl. Der Schlaf.
Aber manche Dinge… bleiben. Diese kleinen Erinnerungen. Diese alten Gedanken.
Diese Monster, die irgendwo in uns wohnen. Und vielleicht sind sie gar nicht dafür da, uns Angst zu machen. Sondern uns daran zu erinnern, wer wir einmal waren. Dieses Kind. Das unter der Decke lag. Sich sicher gefühlt hat.
Und gleichzeitig die Welt noch voller Fantasie gesehen hat. Und vielleicht ist genau das etwas Schönes.
Dass ein Teil davon bleibt. Auch wenn wir heute wissen, dass da nichts ist.
Oder zumindest hoffen wir das. Und während ich nachts im Bett liege, ein Bein draußen, das andere noch unter der Decke, und versuche, die perfekte Temperatur zu finden… muss ich manchmal schmunzeln.
Über mich selbst. Über dieses kleine Monster. Über diese Mischung aus früher und heute.
Denn am Ende ist es genau das, was uns ausmacht.
Diese Erinnerungen. Diese kleinen Eigenheiten. Diese Gedanken, die man vielleicht nie ganz loswird.
Und vielleicht sitzt irgendwo am Fußende meines Bettes ein kleiner Wichtel, schaut auf meine vorsichtig ausgestreckten Füße, grinst leise und flüstert: „Manche Monster verschwinden nicht… sie werden nur ein bisschen leiser.“

Schön das du hier bist 🩶

Zwischen Nähe und Abstand- das Elternbett verrät mehr als wir denken

Ich praktiziere das Elternbett. Ich oute mich. Und ganz ehrlich? Ich bereue nicht einen einzigen Tag davon.
Wenn ich heute darüber nachdenke, ist es eigentlich viel mehr als nur ein Ort zum Schlafen. Es ist ein Raum. Ein Raum für Nähe. Für Sicherheit. Für Gespräche, die nachts leiser werden. Für Gedanken, die erst im Dunkeln ihren Platz finden. Und gleichzeitig ist es auch ein Ort, der zeigt, wie sehr sich alles verändert. Ganz leise.
Bevor ich dir erzähle, wie das Elternbett bei uns aussieht, möchte ich dir sagen, warum ich mich überhaupt dafür entschieden habe. Denn geplant war das alles nicht. Ganz im Gegenteil.
Meine Tochter war ein absolutes Wunschkind. Ich hatte eine schöne Schwangerschaft. Ich habe sie genossen. Ich habe mich gefreut. Auf dieses kleine Wesen. Auf dieses neue Leben. Auf alles, was da kommen würde.
Was ich nicht wusste: Dass es Schreibabys gibt. Und noch viel weniger wusste ich, dass ich eines bekommen würde.
Mein Baby war da. Und sie war… besonders. Ein Stillkind. Ausschließlich. Die Flasche?
Keine Chance. Der Schnuller? Abgelehnt. Und ich? Ich stand da und dachte: „Okay… das ist also jetzt unser Weg.“
Sie lag neben meinem Bett in einer Wiege. So, wie man es eben macht. So, wie man es überall liest. So, wie es einem gesagt wird. Und irgendwann kommt dieser Punkt.
„Jetzt muss das Kind ins eigene Bett.“ So steht es geschrieben. So machen es alle. So soll es sein. Also habe ich es versucht. Und ich bin gescheitert. Ich bekam ein Buch geschenkt von einer Mutter, das mit helfen sollte. Ich las es und klappte es direkt wieder zu. Die Methode sein Baby schreien zu lassen bis es einschläft hat mich zutiefst schockiert. Das war nicht mein Weg. Unabhängig davon hat sich mein Baby blau geschrien.
Meine Tochter wollte jede Stunde an die Brust. Jede. Einzelne. Stunde.
Ich saß im Stillsessel. Bin dort eingeschlafen. Mit meinem Baby im Arm. Zwei Jahre lang.
Diese Nächte… waren lang. Still und gleichzeitig laut. Ruhig und gleichzeitig anstrengend.
Sie schlief nicht. Sie schrie. Sie weinte. Ich weinte.
Und manchmal sitzt man da, mitten in der Nacht, mit einem kleinen Menschen im Arm und denkt: „Was mache ich falsch?“
Ein perfekter Kreislauf. Einer, der sich immer wieder drehte. Und irgendwann kommt dieser Moment, an dem man denkt: „Das kann doch nicht normal sein.“
Also sind wir zum Kinderarzt. Weil alle gesagt haben, das sei nicht normal. Und das verunsichert eine Mutter.
Schlaflabor. Untersuchungen. Fragen. Und am Ende? Mit meinem Baby war alles in Ordnung.

Und irgendwie war das gleichzeitig beruhigend… und auch nicht.
Denn wenn alles „normal“ ist, warum fühlt es sich dann so schwer an?
Ich habe abgestillt. Ihr die Nähe anders gegeben. Sie in ihr Bett gelegt. Aber es wurde nicht besser.
Und dann kam dieser Moment, der alles verändert hat. Ich habe sie zu mir ins Bett geholt.
Einfach so. Ohne Plan. Ohne Konzept. Nur aus einem Gefühl heraus.
Und plötzlich… wurde es ruhiger. Ihr Atem wurde gleichmäßiger. Ihr Körper entspannte sich.
Und ich? Auch. Mein Schlaf wurde ruhiger. Nicht perfekt. Aber ruhiger.
Die Nächte wurden weicher. Und aus „nur mal ausprobieren“ wurde: unser Weg.
Natürlich war es nicht immer nur harmonisch. Es gab Nächte, in denen ich kaum Platz hatte. Ein kleiner Fuß im Gesicht. Ein Ellbogen im Rücken. Die Decke irgendwo, nur nicht bei mir.
Und trotzdem… war da immer dieses Gefühl: Das ist richtig so.
Denn Nähe hat manchmal genau diese Form. Nicht perfekt. Nicht bequem. Aber echt.
Als sie zur Schule kam, sagte mir eine Lehrerin: „Ihre Tochter ist hochsensibel.“ Ein Wort.
Das plötzlich so vieles erklärt hat. Die Reize. Die Unruhe. Die vielen Eindrücke.
Und die Abende. Denn genau da… braucht sie mich. Um alles zu sortieren. Um runterzukommen.
Um sich sicher zu fühlen. Und genau das passiert im Elternbett. Dort wird nicht nur geschlafen.
Dort wird erzählt. Gefühlt. Gedacht. Verarbeitet.
Manchmal wird noch gelacht..Manchmal geweint. Manchmal einfach nur still nebeneinander gelegen.
Mein Kind hatte von Geburt an Bauchschmerzen. Immer um den Bauchnabel herum. Bis heute. Mitten in der Pubertät. Und auch wenn sich vieles verändert hat: Dieses Bedürfnis nach Nähe ist geblieben. Vielleicht anders. Vielleicht leiser. Aber es ist da.
Sie schläft immer noch bei mir. Und weißt du was? Das ist in Ordnung.
Denn sie entscheidet, wann sie bereit ist.
Nicht die Gesellschaft.. Nicht irgendwelche Meinungen.
Nicht das, was „man so macht“. Sondern sie. Und vielleicht auch ein kleines Stück ich.
Denn wenn ich ehrlich bin: Auch ich halte manchmal noch fest. Nicht aus Angst.
Sondern aus Liebe. Das Elternbett hat uns etwas gegeben, das man nicht messen kann.
Bindung. Nähe. Sicherheit. Für sie. Und auch für mich.
Und ja… ich habe viele Kommentare bekommen.
„Das kannst du doch nicht machen.“
„Die wird nie alleine schlafen.“
„Du gewöhnst ihr das falsch an.“
Und irgendwann habe ich aufgehört, zuzuhören.
Weil ich verstanden habe: Es ist unser Leben. Wir müssen damit klarkommen. Nicht die anderen.
Und ich würde es wieder genauso machen. Ich würde wieder so lange stillen. Ich würde mich wieder für das Elternbett entscheiden. Nicht, weil es immer einfach war. Sondern weil es sich richtig angefühlt hat. Und vielleicht ist genau das der wichtigste Punkt. Dass man nicht immer alles nach Plan macht. Nicht nach Regeln. Nicht nach Erwartungen. Sondern nach Gefühl.
Denn zwischen Nähe und Abstand gibt es keinen festen Zeitpunkt. Keine klare Linie.
Es ist ein Prozess. Ein leises Loslassen. Ein langsames Wachsen.
Heute ist sie kein kleines Baby mehr. Heute ist sie ein Teenager. Mit eigener Meinung.
Mit eigener Welt. Mit eigenen Türen, die sich manchmal schließen.
Und trotzdem… gibt es diesen einen Ort, an dem sie noch ganz sie selbst sein darf.
Ohne Maske. Ohne Stärke. Ohne „Ich muss jetzt erwachsen sein“.
Und das ist für mich das Elternbett. Ein Ort, der mitgewachsen ist. Von schlaflosen Nächten
zu stillen Gesprächen. Von Tränen zu Vertrauen. Und irgendwann wird der Moment kommen, an dem dieser Platz leer bleibt.
Ganz leise. Ohne Ankündigung.
Und vielleicht werde ich dann dort liegen und mir denken: „Wann ist das eigentlich passiert?“
Und vielleicht werde ich mich an all die Nächte erinnern. An all die kleinen Füße. An all die unruhigen Momente. An all die Nähe. Und vielleicht werde ich dann merken: Dass es nie nur ums Schlafen ging. Sondern ums Dasein.
Und wenn du das hier gerade liest und dich vielleicht fragst, ob dein Weg der richtige ist, dann möchte ich dir sagen:
Du bist nicht allein.
Es gibt so viele von uns, die nachts wach liegen, die zweifeln, die hinterfragen und trotzdem jeden Tag ihr Bestes geben. Es gibt kein „richtig“ und kein „falsch“, wenn es um Nähe, um Bindung und um das eigene Kind geht. Es gibt nur dein Gefühl.
Und wenn sich etwas für dich und dein Kind richtig anfühlt, dann darf es genau so sein. Du darfst deinen eigenen Weg gehen. Ohne dich erklären zu müssen. Ohne dich rechtfertigen zu müssen. Denn am Ende zählt nicht, was andere sagen. Sondern das, was zwischen euch entsteht.
Und vielleicht sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel am Fußende des Bettes, schaut auf die leere Seite, lächelt leise und flüstert:
„Manche Nähe bleibt… auch wenn der Platz daneben irgendwann frei wird.“

Schön das du hier bist🩶

Wie ich durch Corona zu mir selbst gefunden habe

Wie hast du dich an die Veränderungen angepasst, die die Covid-19-Pandemie mit sich gebracht hat?

Für mich kam COVID genauso überraschend wie für viele andere. Im ersten Moment dachte ich noch: „Was haben sie sich jetzt wieder ausgedacht?“, auch wenn ich zugeben muss, dass sich dieses Gefühl lange gehalten hat und auch heute noch hält. Doch leider gab es auch die Realität. Und die war nicht zu übersehen.
Ich arbeite im Gesundheitswesen. Die Coronatest die wir fast täglich machen mussten auf eine mir Menschenunwürdige Art und Weise, das ich es bis heute kaum in Worte fassen kann.

Plötzlich wurde unsere Einrichtung geschlossen, dicht. Die Menschen, die dort leben, sind alt. Und sie waren von einem Tag auf den anderen allein. Sie durften ihre eigenen Kinder nicht mehr sehen. Es war kaum auszuhalten, das mit anzusehen.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das erste Weihnachten. Angehörige standen draußen, Bewohner drinnen. Man durfte sich nur vom Balkon aus zuwinken. Kein Umarmen, kein Zusammensein. Nur Abstand. Nur Sehnsucht. Es war herzzerreißend.

Am Anfang habe ich innerlich rebelliert. Gegen die Situation, gegen die Maßnahmen, gegen dieses Gefühl der Ohnmacht. Doch mit der Zeit hat sich etwas verändert. Ich habe gelernt, mich zurückzuziehen.
Keine Nachrichten mehr. Kaum noch Fernsehen. Stattdessen Ruhe. Abstand. Zeit mit mir selbst. Und genau das hat etwas mit mir gemacht. Es hat mich ruhiger werden lassen. Klarer.
Die Zeit, die ich plötzlich alleine verbringen musste, habe ich irgendwann nicht mehr als Last gesehen, sondern als Geschenk. In dieser Zeit habe ich etwas ganz Besonderes für mich entdeckt: die Miniaturarbeit.

Alles begann damit, dass bei uns ein kleiner Wichtel eingezogen ist. Die Weihnachtsmärkte fielen aus, also haben wir uns die Magie einfach nach Hause geholt. Was als kleine Idee begann, wurde schnell zu etwas Größerem. Aus einem Wichtel wurde ein Hobby. Aus einem Hobby wurde Leidenschaft. Und aus dieser Leidenschaft entstand etwas, das mich verändert hat.
Die Arbeit im Kleinen, das Gestalten von Miniaturwelten, hat mir geholfen, mich selbst wieder zu spüren. Wenn ich Fotos mache, sehe ich in in dem kleinsten unserer Erde etwas magisches. Das ging mir fast verloren. Kreativität wurde mein Rückzugsort. Mein Ausgleich. Mein Weg zurück zu mir.

Heute bin ich dankbar für diese Erfahrung, so schwer sie auch war. Corona hat mir vieles genommen, aber auch etwas geschenkt:
Zeit. Ruhe. Und die Möglichkeit, mich selbst neu kennenzulernen.

Meine Morgenroutine – zwischen Stille, Kaffee und einem kleinen Stück Me-Time

Was sind deine Morgenrituale? Wie sieht die erste Stunde deines Tages aus?

Meine Tage beginnen früh, meistens früher, als es mir manchmal lieb ist. Doch weil mein Alltag von vielen Begegnungen und Gesprächen geprägt ist, habe ich mir eine Morgenroutine geschaffen, die genau das Gegenteil davon ist: ruhig, still und ganz für mich allein.

Ich bin kein Morgenmuffel. Im Gegenteil, ich starte bewusst in den Tag. Aber ich brauche diese erste Stunde, in der niemand etwas von mir will. Kein Gespräch, kein Lärm, keine Anforderungen. Nur ich, mein Kaffee und die Stille.

Der erste Kaffee ist dabei mehr als nur ein Getränk. Er ist mein Ankommen im Tag. Während ich langsam wach werde, scrolle ich durch Instagram, ein bisschen Inspiration, ein bisschen Ablenkung, ganz ohne Verpflichtung. Es ist meine kleine, persönliche Blase, bevor der Alltag beginnt.

Parallel dazu läuft meine Morgenroutine fast automatisch ab: Haare kämmen, Zähne putzen, duschen, anziehen. Alles hat seinen festen Platz, nichts muss groß überlegt werden. Und irgendwo dazwischen wartet schon der zweite Kaffee, mein eigentliches Startsignal. Spätestens dann fühle ich mich bereit für alles, was kommt.

Diese ruhigen Momente am Morgen sind für mich unglaublich wertvoll. Denn sobald der Tag richtig beginnt, bin ich von Menschen umgeben, im Austausch, im Gespräch. Umso wichtiger ist dieser stille Übergang, ein sanfter Start, bevor es lebendig wird.

An freien Tagen sieht das Ganze etwas anders aus. Dann darf alles langsamer sein. Ich nehme mir Zeit für ein ausgiebiges Frühstück, genieße jeden Bissen und lasse den Tag ganz bewusst beginnen. Ohne Eile, ohne Druck, einfach im eigenen Tempo.

Egal ob Arbeitstag oder freier Tag: Meine Morgenroutine ist mein Anker. Sie gibt mir Struktur, Ruhe und genau die Energie, die ich brauche, um gut durch den Tag zu kommen.

Zwischen „Digga“ und Augenrollen- willkommen in der Pubertät

„Ich rasier dich“

Es gibt Sätze, bei denen bleibt man kurz stehen.

Nicht, weil man sie nicht versteht.
Sondern weil man sie… zu gut versteht.

Oder zumindest denkt, man versteht sie.

Und dann merkt man:

Man versteht sie überhaupt nicht.

„Ich rasier dich.“

Als ich das gehört habe, war für mich klar:

Ähm… Moment mal.

In meiner Welt hat dieser Satz eine ganz andere Bedeutung.

Und ganz ehrlich?
Ich fühlte mich kurz, als wäre ich in einem Paralleluniversum gelandet.

So ein Moment, in dem man denkt:
„Hab ich was verpasst… oder reden wir einfach komplett unterschiedliche Sprachen?“

Aber fangen wir mal von vorne an.

Generationen.

Jeder hat sie erlebt.

Und jede Generation war anders.

Hat anders gesprochen.
Anders gedacht.
Anders gelebt.

Und doch hatten sie alle etwas gemeinsam:

Sie wollten sich selbst finden.

Sich entwickeln.
Sich abgrenzen.
Und manchmal auch ganz bewusst:

gegen ihre Eltern rebellieren.

Früher war das mit dem Rebellieren… sagen wir mal… etwas schwieriger.

Denn eine Backpfeife hat damals nicht lange auf sich warten lassen.

Da wurde nicht diskutiert.

Da wurde gemacht.

Oder eben nicht gemacht.

Und trotzdem:

Groß geworden sind sie alle.

Ich komme aus den 80er/90er Jahren.

Ich bin diese Generation dazwischen.

Die letzte ohne Handy.

Ohne Tablet. Ohne TikTok.

Wir hatten andere Themen.

Andere Grenzen. Andere Worte.

Das Wort „geil“ war schon fast strafbar.

Ich höre heute noch die Augen meiner Eltern rollen.

Und ja…

auch wir wollten uns verwirklichen.

Auch wir haben Grenzen getestet.

Auch wir waren manchmal anstrengend.

Aber das, was ich heute erlebe…

lässt mich manchmal wirklich kurz den Atem anhalten.

Denn ich habe so ein Exemplar zu Hause.

Ein Teenager.

Und man weiß nie so genau:

Wann der Zünder die Bombe erreicht.

Es reicht manchmal ein einziges Wort.

Ein falscher Ton.

Ein Blick.

Und plötzlich kippt die Stimmung.

Komplett.

Und dann ist es nicht einfach nur „sauer sein“.

Nein. Der Unterton… der sitzt.

Wie kleine Messerstiche. Direkt in den Rücken.

Und ab diesem Moment ist alles egal.

Was du sagst.
Wie du es sagst.
Was du versuchst.

Du hast verloren. Du hast verschissen.

Du hast es verkackt.

Und während ich da sitze und denke:

„Was ist hier eigentlich gerade passiert?“

…geht das Leben ganz normal weiter.

Zumindest für den Teenager.

Ich sitze ganz gerne mal auf dem Spielplatz.

Nicht, weil meine Tochter dort noch spielt.

Das tun sie ja in dem Alter nicht mehr wirklich.

Sie sitzen. Schauen TikTok. Lachen.

Oder eben auch nicht.

Und ich? Ich sitze da und tanke Sonne.

Einfach mal kurz. Ein bisschen Ruhe.

Ein bisschen Wärme. Ein bisschen durchatmen.

Und während ich da sitze, beobachte ich.

Diese kleinen Gruppen. Diese „Exemplare“.

Und ich höre zu. Und ganz ehrlich:

Ich verstehe oft… kein Wort.

„Digga.“

Ein Wort. Ein Satz. Ein Lebensgefühl.

„Ey Digga… Digga, wirklich Digga… Digga, ich sag dir…“

Ich frage mich manchmal:

Kennen die eigentlich ihre richtigen Namen?

Oder ist das einfach egal geworden?

Und egal, wie der Satz beginnt oder endet:

„Digga“ passt immer. Und das Schlimmste:

Du wirst als Erwachsener…

„weg-gediggert“.

Du stehst daneben. Und bist plötzlich… nicht mehr Teil der Sprache.

Ein weiteres Highlight:

„Checkst du?“

Dieses Wort hat bei uns inzwischen Hausverbot.

Offiziell. „Checkst du Mama?“

Und ich denke mir nur:

„Nein. Check ich nicht.
Ich bin wohl einfach nicht so schlau wie du“ und sage „Nein ich bin aus dem Paralleluniversum“.

Es ist dieser Unterton. Dieses Gefühl, dass man plötzlich… nicht mehr dazugehört.

Und dann gibt es noch dieses Wort:

„Rede.“

Ich weiß bis heute nicht, wer das erfunden hat.

Oder warum. Oder wofür.

Aber anscheinend ist es eine Form von Applaus.

Ein verbaler Schulterklopfer.

„Rede.“

Und ich sitze da und denke:

„Ja… aber… was soll ich jetzt damit anfangen?“

Kopfschütteln. Innerlich. Und manchmal auch äußerlich.

Und dann… kam dieser eine Moment.

Disney Song Quiz.

Ich wusste von Anfang an: Ich habe keine Chance.

Ich mag keine Filme, in denen gesungen wird.

Das ist einfach nicht meine Welt.

Aber ich habe mitgemacht.

Natürlich. Man ist ja Mutter. Und ich habe verloren.

Haushoch. Katastrophal.

Und dann schaut mich mein Teenager an und sagt:

„Ich rasier dich.“

Stille. In meinem Kopf: Kurz alles gleichzeitig.

Verwirrung.
Überraschung.
Und dieser Gedanke:

„Das meinst du jetzt hoffentlich anders, als es sich anhört…“

Also habe ich das gemacht,
was man heute in solchen Momenten macht:

Ich habe gegoogelt.

Und dann stand da:

👉 „Ich besiege dich“
👉 „Ich mach dich fertig“

Aha.

Also kein Angriff. Keine Drohung. Sondern…

ein Sieg.

Und ich saß da. Zwischen Erleichterung… und völliger Verwirrung.

Denn ganz ehrlich: Wer kommt auf sowas?

Und gleichzeitig musste ich lachen.

Weil es so absurd ist.

So anders. So weit weg von dem, womit ich groß geworden bin.

Und genau da wurde mir etwas klar.

Wir reden nicht nur unterschiedlich.

Wir leben auch unterschiedlich.

Was für mich komisch klingt… ist für sie normal.

Was für mich Grenzen überschreitet… ist für sie Alltag.

Und vielleicht ist das genau der Punkt.

Dass jede Generation ihre eigene Sprache hat.

Ihre eigenen Codes. Ihre eigene Art, sich auszudrücken.

Und wir als Eltern… stehen daneben.

Und versuchen, das irgendwie zu verstehen.

Mal besser. Mal schlechter.

Und ja… manchmal nervt es. Manchmal bringt es einen an die Grenze.

Aber manchmal… ist es auch einfach nur lustig.

Weil es zeigt, wie sehr sich alles verändert.

Wie schnell. Wie intensiv.

Und dann stelle ich mir manchmal vor… wie das später wird.

Vorstellungsgespräch.

Ein Teenager von heute.

Im Anzug. Oder vielleicht auch nicht.

Der Chef sitzt gegenüber. Stellt Fragen. Ernst.

Konzentriert.

Und dann kommt die Antwort:

„Ja Digga… also ich hab das schon gecheckt… Rede… ich rasier das.“

Ich muss lachen. Allein bei dem Gedanken.

Und gleichzeitig frage ich mich:

Wird sich das irgendwann wieder ändern?

Oder wird genau das… die neue Normalität?

Vielleicht ist es wie bei uns damals.

Vielleicht haben unsere Eltern genau das Gleiche gedacht.

Vielleicht saßen sie da und dachten: „Was reden die da eigentlich?“

Und heute sitzen wir da… und denken genau das Gleiche.

Und vielleicht ist genau das der Kreislauf.

Dass jede Generation ihre eigene Sprache erfindet.

Ihre eigene Welt baut. Ihre eigenen Regeln lebt.

Und wir?

Wir dürfen lernen, damit umzugehen.

Nicht alles zu verstehen. Aber vieles zu akzeptieren.

Und manchmal einfach… mitzulachen.

Auch wenn wir innerlich denken:

„Das hätte es bei uns früher nicht gegeben.“

Und vielleicht sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel auf einer Parkbank, hört diesen ganzen Gesprächen zu, schüttelt leicht den Kopf und sagt mit einem Grinsen:

„Die Wörter ändern sich… aber das Erwachsenwerden bleibt immer gleich.“

Ecken, Kanten und ein Lächeln – was Menschen wirklich einzigartig macht

Welche Aspekte machen deiner Meinung nach eine Person einzigartig?

Was macht einen Menschen eigentlich einzigartig? Ist es Perfektion, Anpassung oder das Streben danach, so zu sein wie alle anderen? Für mich ist die Antwort ganz klar: das Gegenteil davon.

Es sind die Ecken und Kanten, die einen Menschen besonders machen. Die kleinen Unvollkommenheiten, die Eigenheiten, die vielleicht nicht immer glatt oder bequem sind, genau sie geben einer Persönlichkeit Tiefe und Charakter. Absolute Perfektion wirkt oft austauschbar. Doch echte Menschen, mit all ihren Facetten, bleiben im Gedächtnis.

Ein weiterer Aspekt, der für mich Einzigartigkeit ausmacht, ist die Fähigkeit, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Über sich selbst lachen zu können, ist eine Stärke, die nicht jeder besitzt. Es zeigt Selbstbewusstsein und eine gewisse Leichtigkeit im Umgang mit dem Leben. Gerade in einer Welt, die oft von Druck und Erwartungen geprägt ist, wirkt diese Haltung wie ein befreiender Gegenpol.

Besonders wertvoll sind auch die Menschen, die es schaffen, anderen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Diejenigen, die in jeder Situation einen passenden Spruch parat haben und mit ihrer Art für gute Stimmung sorgen. Sie bringen Licht in den Alltag,oft ganz unbewusst und genau das macht sie so besonders.

Wir leben in einer Zeit, in der viele versuchen, einem bestimmten Bild zu entsprechen. Doch davon gibt es bereits mehr als genug. Was wir wirklich brauchen, sind Menschen, die zu sich selbst stehen. Menschen, die ihre Meinung vertreten, die authentisch sind und sich nicht verbiegen lassen.

Einzigartig ist also nicht der, der perfekt ist, sondern der, der echt ist. Der, der lacht, aneckt, inspiriert und anderen das Gefühl gibt, gesehen zu werden.

Und genau solche Menschen machen die Welt ein kleines Stück besser.

Der Duft von Erinnerungen

Kennst du dieses Gefühl, wenn du einen Raum betrittst und plötzlich ist da mehr als nur das Hier und Jetzt?

Ein Geruch.
Ein Licht.
Ein kleines Detail.

Und auf einmal bist du woanders.

Früher.
Tiefer.
Bei dir.

Heute hatte ich genau so einen Moment.

Ich hatte richtig Lust auf eine Trödelscheune.

Ich liebe es, über Flohmärkte zu streifen.
Mich treiben zu lassen zwischen Dingen, die längst jemandem gehört haben.

Dinge, die nicht perfekt sind.
Dinge mit kleinen Macken.
Dinge, die etwas erlebt haben.

Für meine Fotos und meine Geschichten finde ich dort die schönsten Requisiten.

Nicht neu.
Nicht geschniegelt.

Sondern echt.

Eigentlich war ich auf der Suche nach einer Kanne.

So eine besondere.

Keine, die in jedem Küchenschrank steht.

Sondern eine, die eine Geschichte trägt.
Eine, bei der man sich automatisch fragt:

Wer hat daraus getrunken?
Welche Gespräche wurden dabei geführt?
Welche Hände haben sie gehalten?

Doch gefunden habe ich etwas ganz anderes.

Es war kein Gegenstand.

Es war der Duft.

Dieser unverwechselbare Geruch von altem Holz.

Ein bisschen feucht.
Ein bisschen schwer.
Und doch irgendwie warm.

Er lag in der Luft, als hätte er sich über die Jahre dort festgesetzt.

Und mit einem Mal war ich nicht mehr in dieser Scheune.

Ich war wieder ein Kind.

Ich war auf dem Dachboden meiner Oma.

Oder zumindest dort, wo ich eigentlich schlafen sollte.

Die Fenster waren aus altem Holz.
Die Farbe abgeplatzt, als hätte die Zeit selbst daran genagt.

Alles wirkte ein bisschen schief.
Ein bisschen still.

Und gleichzeitig voller Geschichten.

Wenn alles ruhig wurde, konnte man die LKWs hören, die unten auf der Straße entlangfuhren.

Dieses entfernte Rauschen.

Es war kein lautes Geräusch.

Eher ein Begleiter der Nacht.

Und irgendwie machte es die Stille noch größer.

Allein die Treppe nach oben war schon ein kleines Abenteuer.

Oder vielleicht eher:

eine Mutprobe.

Jede Stufe knarrte.

Als würde sie erzählen wollen, wer sie schon alles betreten hat.

Und oben…

wartete dieser Dachboden.

Dieses Knarren.

Dieses Halbdunkel.

Und vor allem dieser Geruch.

Er hat mir damals den Rest gegeben.

Ich lag da.

Wach.

Lauschend.

Spürend.

Und plötzlich war alles ein bisschen zu viel.

Natürlich bin ich irgendwann wieder die Treppe runter.

Leise.

Schnell.

Fast ohne zu atmen.

Und direkt zu meiner Oma ins Bett gekrochen.

Dort, wo alles anders war.

Warm.
Ruhig.
Vertraut.

Und heute?

Heute stehe ich in dieser Trödelscheune.

Mitten zwischen alten Möbeln, Kisten und kleinen Fundstücken.

Und atme genau diesen Geruch ein.

Und mein Körper…

erinnert sich schneller als mein Kopf.

Da ist dieses leichte Schaudern.

Dieses alte Gefühl von Unsicherheit, das sich ganz kurz meldet.

Fast so, als würde mein inneres Kind sagen:

„Weißt du noch?“

Aber diesmal bleibt es nicht dabei.

Denn gleichzeitig ist da noch etwas anderes.

Eine Ruhe.

Eine Neugier.

Ein Gefühl von:

Ich möchte bleiben.

Ich gehe langsam durch die Scheune.

Lasse meinen Blick über die Dinge wandern.

Über alte Schränke.
Über kleine Kisten.
Über Geschirr, das schon viele Hände gesehen hat.

Und plötzlich sehe ich sie.

Die Kanne.

Nicht perfekt.

Nicht geschniegelt.

Ein bisschen abgenutzt.

Aber genau das macht sie besonders.

Ich nehme sie in die Hand.

Und frage mich:

Wer hat sie wohl einmal benutzt?

Stand sie auf einem Tisch, an dem gelacht wurde?
Oder an einem, an dem lange Gespräche geführt wurden?

War sie Teil eines Alltags?

Oder von besonderen Momenten?

Und genau das liebe ich.

Diese Gedanken.

Diese kleinen Geschichten, die entstehen, ohne dass man sie plant.

Denn für mich sind solche Orte mehr als nur Orte.

Sie sind voller Leben.

Auch wenn sie still wirken.

In jeder Kanne.

In jedem Möbelstück.

In jedem kleinen Fundstück…

steckt ein Stück Vergangenheit.

Ein Stück Erinnerung.

Ein Stück Gefühl.

Und vielleicht ist genau das der Moment, in dem meine Geschichten entstehen.

Nicht am Schreibtisch.

Nicht mit einem Plan.

Sondern genau hier.

Zwischen Staub, Holz und Erinnerungen.

Aus einem Geruch wird ein Gefühl.

Aus einem Gefühl ein Gedanke.

Und aus einem Gedanken…

eine Geschichte.

Ich nehme die Kanne mit.

Nicht nur als Requisite.

Sondern als Teil von etwas.

Als Anfang.

Und während ich die Scheune verlasse, habe ich das Gefühl:

Ich habe nicht nur etwas gefunden.

Ich habe etwas mitgenommen, das man nicht sehen kann.

Eine Erinnerung.

Eine Stimmung.

Eine Geschichte, die erst noch erzählt werden will.

Und vielleicht ist genau das das Schönste daran.

Dass wir manchmal nur einen Moment brauchen…

um wieder bei uns selbst anzukommen.

Und vielleicht sitzt irgendwo zwischen alten Kisten und vergessenen Dingen ein kleiner Wichtel, streicht mit seinen Fingern über das Holz, atmet diesen Duft ein und flüstert leise:

„Manche Erinnerungen gehen nie verloren… sie warten nur darauf, wiedergefunden zu werden.“

Vom Kindertraum zur Berufung- mein Weg in die Pflege

Was wolltest im Alter von fünf Jahren einmal werden?

Eine dieser Fragen, die einfach klingen, aber oft mehr über uns erzählen, als wir zunächst denken. Ehrlich gesagt kann ich mich gar nicht mehr ganz genau daran erinnern, was mein ganz konkreter Traumberuf mit fünf Jahren war. Aber wenn ich in meine Erinnerungen hineinhöre, sehe ich mich ziemlich deutlich: allein in meinem Zimmer, eine Haarbürste als Mikrofon in der Hand, laut singend und überzeugt davon, dass ich eines Tages auf einer großen Bühne stehen würde. Sängerin also, das war wohl mein erster großer Traum.
Heute muss ich darüber ein wenig schmunzeln. Nicht, weil Träume lächerlich wären, ganz im Gegenteil. Sondern weil das Leben manchmal andere Wege für uns bereithält, als wir sie uns als Kinder ausmalen. Und weil ich inzwischen weiß, dass nicht jeder, der gern singt, automatisch ein Singvogel ist. Manche von uns sind vielleicht eher… sagen wir: charaktervolle Krähen.
Aus diesem Traum ist also nichts geworden. Kein Applaus, keine Bühne, kein Rampenlicht. Stattdessen kam das Leben, ganz leise, ganz unspektakulär dazwischen.
Nach der Schule stand ich wie viele andere junge Menschen vor der großen Frage: „Und jetzt?“ Ich hatte keine klare Vision, keinen Plan, keine innere Stimme, die mir sagte: Das ist dein Weg. Also tat ich das, was viele tun: Ich entschied mich für eine Ausbildung, nicht unbedingt aus Leidenschaft, sondern eher, um überhaupt etwas zu machen. Um nicht stehen zu bleiben. Um weiterzugehen, auch wenn ich nicht genau wusste, wohin.
Es war kein schlechter Weg, aber auch keiner, der mich wirklich erfüllt hat. Ich funktionierte, ich machte meine Aufgaben, ich ging meinen Alltag, doch irgendwo tief in mir war da dieses Gefühl, dass da noch mehr sein müsste. Etwas, das mich berührt. Etwas, das Sinn ergibt.
Und dann kam der zweite Anlauf.
Ich entschied mich, in die Pflege zu gehen. Altenpflege, um genau zu sein. Eine Entscheidung, die damals vielleicht nicht wie ein großer Traum wirkte, sondern eher wie ein neuer Versuch. Ein neuer Weg. Vielleicht sogar ein bisschen wie ein „Mal sehen, was passiert“.
Wenn ich heute darauf zurückblicke, kann ich sagen: Es war eine der wichtigsten Entscheidungen meines Lebens.
Ob die Pflege jemals mein klassischer „Traumberuf“ war? Wahrscheinlich nicht. Ich bin nicht mit dem Gedanken aufgewachsen: Ich will unbedingt Altenpflegerin werden. Es war kein Kindheitstraum wie die Bühne oder das Singen. Und doch ist es etwas geworden, das viel tiefer geht als ein Traum.
Denn Träume sind oft schön, aber sie sind nicht immer real. Die Pflege hingegen ist real. Direkt. Ungefiltert. Man kann sich nicht verstecken. Man wird gebraucht. Und genau das verändert einen.
Die Arbeit mit alten und kranken Menschen hat mich auf eine Weise geprägt, wie ich es mir früher niemals hätte vorstellen können. Sie hat mir Dinge gezeigt, die man nicht in Büchern lernt. Dinge, die man nicht googeln kann. Dinge, die man nur versteht, wenn man sie erlebt.
Vor allem hat sie mir eines sehr deutlich gemacht: Unsere Zeit ist nicht unendlich.
Das klingt vielleicht banal, fast wie ein Spruch, den man schon tausendmal gehört hat. Aber in der Pflege bekommt dieser Satz ein Gesicht. Jeden Tag. In jeder Begegnung. In jedem Abschied.
Ich habe Menschen kennengelernt, die ein ganzes Leben hinter sich haben. Menschen mit Geschichten, mit Erinnerungen, mit Erfahrungen, die tiefer gehen als alles, was ich bis dahin kannte. Und ich habe gesehen, wie dieses Leben langsam zu Ende geht. Nicht plötzlich, nicht dramatisch, sondern oft ganz leise.
Das verändert den Blick auf das eigene Leben.
Plötzlich werden Dinge, die einem früher unglaublich wichtig erschienen, kleiner. Ärger, Stress, Alltagsprobleme, sie verlieren an Gewicht. Nicht, weil sie unwichtig sind, sondern weil man versteht, dass es am Ende auf etwas anderes ankommt.
Auf Zeit. Auf Nähe. Auf Menschlichkeit.
Die Pflege hat mir gezeigt, wie wertvoll ein einfaches Gespräch sein kann. Wie wichtig ein Lächeln ist. Wie viel ein Mensch braucht, um sich gesehen und verstanden zu fühlen und wie wenig es manchmal dafür braucht.
Ich habe gelernt, zuzuhören. Wirklich zuzuhören. Nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem Herzen.
Ich habe gelernt, geduldig zu sein. Auch dann, wenn es schwerfällt. Auch dann, wenn man müde ist. Auch dann, wenn der Alltag einen überrollt.
Ich habe gelernt, Verantwortung zu tragen,  nicht nur für Aufgaben, sondern für Menschen.
Und ich habe gelernt, mit Leid umzugehen.
Das ist wahrscheinlich einer der schwierigsten Aspekte dieses Berufs. Das Leid der Menschen zu sehen, mitzuerleben, manchmal auch mitzutragen. Es gibt Tage, die sind schwer. Tage, an denen man nach Hause geht und das Gefühl hat, dass das Herz ein bisschen schwerer ist als am Morgen.
Aber genau dieses Leid hat mir auch etwas gegeben, das ich vorher nicht hatte: Erkenntnis.
Ich habe durch das Leid anderer Menschen viel über mich selbst gelernt.
Ich habe gelernt, was wirklich zählt. Ich habe gelernt, wo meine Grenzen sind und dass es okay ist, diese zu haben. Ich habe gelernt, dass Stärke nicht bedeutet, immer stark zu sein, sondern auch, sich berühren zu lassen.
Und ich habe gelernt, dass es eine besondere Form von Schönheit gibt, eine, die nichts mit Perfektion zu tun hat.
Es ist die Schönheit in kleinen Momenten:
Wenn jemand deine Hand drückt.
Wenn ein Mensch dich anschaut und dankbar ist.
Wenn du merkst, dass du gerade einen Unterschied machst, auch wenn er noch so klein ist.
Die Pflege ist kein leichter Beruf. Sie ist anstrengend, körperlich wie emotional. Sie fordert viel, oft mehr, als man erwartet. Und sie wird nicht immer so wertgeschätzt, wie sie es verdient hätte.
Aber sie gibt auch unglaublich viel zurück.
Nicht in Form von Applaus oder Anerkennung im klassischen Sinne. Sondern in Form von Begegnungen. Erfahrungen. Wachstum.
Wenn ich heute gefragt werde, ob ich meinen Weg bereue, kann ich mit voller Überzeugung sagen: Nein.
Auch wenn es nicht der Traum aus meiner Kindheit war. Auch wenn ich keine Sängerin geworden bin und keine Bühne erobert habe.
Ich habe etwas anderes gefunden.
Etwas Echtes.
Etwas, das mich verändert hat.
Etwas, das mich wachsen lässt, jeden Tag ein Stück mehr.
Vielleicht ist das am Ende viel wertvoller als jeder Kindheitstraum.
Denn Träume sind oft das, was wir uns vorstellen. Aber das Leben zeigt uns manchmal, was wirklich zu uns passt.
Und manchmal finden wir unseren Platz nicht dort, wo wir ihn gesucht haben, sondern dort, wo wir gebraucht werden.
Ich bin Altenpflegerin geworden. Nicht, weil es mein großer Traum war. Sondern weil ich den Mut hatte, einen zweiten Weg zu gehen.
Und heute kann ich sagen: Es war genau der richtige.

Vom Traumhaus und einem Schneckenhaus

Manchmal beginnt etwas ganz Großes mit etwas ganz Kleinem.

Mit einer Idee.
Mit einem Gefühl.
Oder mit einem Fund, der eigentlich unscheinbar wirkt und doch so viel in Bewegung bringt.

Gestern war so ein Moment.

Ich habe ein Schneckenhaus gefunden.

Ein ganz kleines.
Leer.
Verlassen.

Und natürlich war mir eines sofort wichtig:

Ich vertreibe keine Schnecke aus ihrem Zuhause.

Schon gar nicht in Zeiten wie diesen.

Die Immobiliensuche ist schließlich nicht nur für uns Menschen schwierig geworden.

Also lag es da.

Still.
Leicht.
Und irgendwie perfekt.

Ich habe es in die Hand genommen und sofort gemerkt:

Das ist nicht einfach nur ein Schneckenhaus.

Das ist ein kleines Zuhause.

Und plötzlich war da dieser Gedanke.

Ganz leise.
Und gleichzeitig ganz klar:

„Hier könnte jemand wohnen.“

Vielleicht muss man dafür ein bisschen verrückt sein.

Oder fantasievoll.

Oder einfach jemand, der noch an kleine Geschichten glaubt.

Denn wenn ich ehrlich bin, hatte ich diesen Traum schon immer.

Ein eigenes Haus.

Am liebsten irgendwo im Wald.

Mit einem Garten.

Ein Ort, an dem man sich selbst versorgen kann.
An dem alles ein bisschen ruhiger ist.
Ein bisschen echter.

Ein Ort, an dem man ankommt.

Schon als Kind hatte ich dieses Bild im Kopf.

Ein kleines Haus.
Natur.
Freiheit.

Und dann wird man erwachsen.

Und merkt:

So einfach ist das alles nicht.

Die Realität sieht anders aus.

Häuser sind teuer.
Grundstücke selten.
Und das Leben… läuft einfach weiter.

Mit Verpflichtungen.
Mit Alltag.
Mit all den Dingen, die dazugehören.

Aber vielleicht verschwinden Träume nicht.

Vielleicht verändern sie sich nur.

Vielleicht werden sie kleiner.

Oder kreativer.

Und genau so wurde aus meinem Traumhaus…

ein Schneckenhaus.

Ich habe mich hingesetzt.

In meiner Küche.

An meinem einzigen freien Tag der Woche.

Zwischen Haushalt.
Zwischen „Ich müsste eigentlich noch…“
Und dem Versuch, einfach mal kurz durchzuatmen.

Denn ehrlich gesagt:

Ich hatte das Bedürfnis, mich ein bisschen zurückzuziehen.

Von Menschen.

Von Geräuschen.

Von allem, was gerade ein bisschen zu viel ist.

Und dann lag es da.

Dieses kleine Schneckenhaus.

Und plötzlich wurde alles leiser.

Ich begann zu basteln.

Ganz ohne Plan.

Einfach aus dem Gefühl heraus.

Mit kleinen Materialien.
Mit Ideen, die einfach entstanden sind.

Und während meine Hände beschäftigt waren, wurde auch mein Kopf ruhiger.

Ich habe Wege gebaut.

Einen kleinen Eingang gestaltet.

Ein kleines Zuhause entstehen lassen.

Für jemanden, den es vielleicht noch gar nicht gibt.

Oder vielleicht doch.

Herr Schneck.

So habe ich ihn genannt.

Und natürlich bleibt er nicht allein.

Er hat eine Familie.

Ein Leben.

Ein Zuhause.

Und dieses Zuhause ist jetzt… mein kleines Schneckenhaus.

Natürlich wird es vermietet.

Aber keine Sorge:

Kostenlos.

Ich bin ja kein Unmensch.

Und während ich da saß und gebastelt habe, ist mir etwas aufgefallen.

Wie viel in meinem Kopf passiert.

Wie viele Gedanken kommen und gehen.

Wie schnell sich aus einem kleinen Gegenstand eine ganze Welt entwickeln kann.

Denn für mich ist das mehr als Basteln.

Es ist ein Ausgleich.

Ein Rückzugsort.

Ein kleiner Moment, in dem ich einfach nur bin.

Gerade in einer Zeit, in der so viel gleichzeitig passiert.

Im Kopf.
Im Körper.
Im Alltag.

Das Schneckenhaus wurde zu einem Symbol.

Für meinen eigenen Wunsch nach Ruhe.

Nach einem Ort, an dem ich einfach sein kann.

Und vielleicht ist das genau das, was wir alle manchmal brauchen.

Kein großes Haus im Wald.

Kein perfektes Leben.

Sondern kleine Momente.

Kleine Räume.

Kleine Geschichten.

Aus diesem Schneckenhaus wird eine Geschichte entstehen.

Das weiß ich jetzt schon.

Eine von denen, die leicht sind.

Die ein bisschen Magie in sich tragen.

Die den Alltag für einen Moment vergessen lassen.

Und genau das ist mir wichtig.

Denn die Welt da draußen ist oft laut genug.

Schnell genug.

Und manchmal auch schwer genug.

Ich möchte etwas anderes schaffen.

Mit meinen Geschichten.

Mit meinen Bildern.

Mit Lulu, Tilda und Bruno.

Mit all den kleinen Figuren, die in meiner Welt leben.

Geschichten, die verbinden.

Die ein kleines Lächeln bringen.

Die zeigen, dass es auch anders geht.

Für Kinder.

Und für Erwachsene.

Für alle, die sich ein Stück Fantasie bewahren möchten.

Und vielleicht ist genau das mein Weg.

Mit all dem umzugehen, was gerade ist.

Nicht alles zu schwer zu nehmen.

Sondern es umzuwandeln.

In etwas Schönes.

In etwas Leichtes.

Während ich also in meiner Küche saß, zwischen Wäsche, Gedanken und diesem kleinen Schneckenhaus, habe ich gemerkt:

Manchmal braucht es gar nicht viel.

Kein großes Projekt.

Kein perfektes Ergebnis.

Manchmal reicht ein kleines Schneckenhaus.

Und die Idee, daraus ein Zuhause zu machen.

Und vielleicht sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel, beobachtet mich dabei, wie ich Herrn Schneck einziehe, und denkt sich schmunzelnd:

„Manche bauen Häuser… und manche bauen kleine Welten.“

Und vielleicht ist genau das… genug.

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Freitagmorgen

Die Welt draußen tut so, als hätte sie alles im Griff, Menschen hetzen zur Bahn, Autos rauschen vorbei, irgendwo bellt ein Hund motiviert ins Nichts. Und ich? Ich sitze auf meiner Couch.

Mit meinem ersten Kaffee.

Und meinem zweiten.

Und meiner Couch.

Vor allem meiner Couch.

Wir haben inzwischen eine Beziehung aufgebaut, die man nicht einfach so ignoriert. Andere nennen es Möbelstück, ich nenne es Seelenverwandte. Sie kennt mich in allen Zuständen: verschlafen, zerzaust, leicht koffeiniert und jetzt gerade… schwer bewegungsunwillig.

„Du musst los“, sagt mein Verstand.

„Bleib einfach hier“, sagt die Couch. Und sie sagt es überzeugend. Sehr überzeugend.

Ich nehme noch einen Schluck Kaffee und überlege kurz, ob es gesellschaftlich akzeptabel wäre, einfach hier wohnen zu bleiben. Für immer. Mit gelegentlichen Lieferdiensten als soziales Highlight.

Aber nein. Es ist Freitag. FREITAG! Der Tag, an dem man sich denkt: „Nur noch heute, dann Wochenende!“

…wobei… Moment mal.

Ich muss ja arbeiten.

Und dann, als wäre das nicht schon genug Verrat am Lebenswillen, kommt diese Zeitumstellung um die Ecke. Irgendjemand hat beschlossen, dass es eine fantastische Idee ist, uns allen einfach eine Stunde zu klauen.

Eine. Ganze. Stunde.

Als ob ich die übrig hätte!

Die Couch versteht das übrigens auch nicht. Sie hat mich heute Morgen extra ein bisschen fester „festgehalten“. Aus Solidarität. Oder Besitzanspruch. Man weiß es nicht genau.

Ich stehe schließlich auf. Schweren Herzens. Die Couch lässt mich gehen, aber ich schwöre, sie wirkt enttäuscht.

„Heute Abend“, flüstere ich ihr zu.

Und sie weiß genau, dass ich es ernst meine.

Denn egal, wie sehr Freitag mich verarscht,
am Ende lande ich wieder genau da, wo ich hingehöre:

Auf meiner Couch.
Mit mindestens zwei Kaffee.
Und dem festen Vorsatz, mich nie wieder zu bewegen.

Hängt eure Couch auch so an euch?

Schön das du hier bist🩶