
Liebes Christkind, lieber Weihnachtsmann,
ich weiß ja nicht, wer von euch beiden dieses Jahr für mich zuständig ist. Aber bevor es am Ende wieder heißt, ich würde mich nur melden, wenn ich etwas haben möchte, wollte ich erst einmal fragen, wie es euch eigentlich geht.
Alles gut am Nordpol? Rentiere gesund? Wichtel noch motiviert? Oder haben die inzwischen auch eine Vier-Tage-Woche beantragt?
Ich frage nur, weil ich als Pflegefachkraft weiß, wie sich Personalmangel anfühlt. Und wenn am Heiligabend plötzlich drei Wichtel krank sind, möchte ich nicht wissen, wer die Geschenke einpacken muss.
Aber kommen wir zu meinem eigentlichen Anliegen.
Ich bin inzwischen 42 Jahre alt. Und wenn ich heute an meine Weihnachtswünsche denke, muss ich manchmal selbst lachen.
Früher wollte ich schöne Kleidung, Schmuck, Parfüm und irgendwelche Dinge, die ich unbedingt besitzen musste.
Heute?
Heute möchte ich einfach nur durchschlafen.
Einmal abends ins Bett gehen, die Augen schließen und morgens wieder aufwachen.
Ohne um ein Uhr auf die Toilette zu müssen.
Ohne um drei Uhr plötzlich hellwach zu sein.
Und ohne um vier Uhr darüber nachzudenken, ob es sich überhaupt noch lohnt, wieder einzuschlafen.
Und wenn wir schon dabei sind, hätte ich gerne einen Körper, der morgens aufsteht wie ein junges Reh.
Nicht wie ein alter Klappstuhl, den man seit 1998 nicht mehr aufgeklappt hat.
Denn inzwischen knackt es bei mir gelegentlich so laut, dass ich mich frage, ob jemand heimlich eine Tüte Chips geöffnet hat.
Dabei bewege ich mich doch!
Ich stehe auf. Ich gehe arbeiten. Ich laufe Treppen. Ich trage Einkäufe.
Warum zählt das eigentlich nicht als Fitnessprogramm?
Womit wir auch schon beim nächsten Wunsch wären.
Ich hätte gerne einen knackigen Hintern.
Ohne Sport.
Ja, lieber Weihnachtsmann, ich weiß, das klingt anspruchsvoll.
Aber du schaffst es schließlich auch, in einer Nacht um die Welt zu reisen. Da wirst du doch wohl ein bisschen Schwerkraft austricksen können.
Und falls das funktioniert, hätte ich gerne gleich noch einen Stoffwechsel wie mit 20.
Damals konnte ich nachts um zwei eine Pizza essen und am nächsten Morgen ganz normal meine Hose schließen.
Heute brauche ich nur an einer Bäckerei vorbeizugehen, und meine Jeans bekommt leichte Atemnot.
Ich möchte essen können, worauf ich Lust habe, ohne dass mein Körper jede Kalorie persönlich begrüßt und dauerhaft bei sich einziehen lässt.
Und wo wir gerade bei Dingen sind, die sich ungefragt einnisten:
Meine Hormone.
Lieber Weihnachtsmann, könntest du mir dafür vielleicht eine Fernbedienung bringen?
Mit den Tasten „Gute Laune“, „Durchschlafen“, „Keine Hitzewallungen“ und „Heute bitte einfach normal“.
Besonders die letzte Taste wäre mir wichtig.
Ich möchte nicht morgens frieren, mittags schwitzen und abends darüber nachdenken, warum mich plötzlich das Geräusch eines kauenden Menschen aggressiv macht.
Und falls die Fernbedienung auch eine Stummschalttaste für nervige Geräusche hätte, wäre das natürlich ein zusätzlicher Weihnachtsbonus.
Außerdem hätte ich gerne mein Gedächtnis zurück.
Ich weiß nicht, wo es geblieben ist.
Vielleicht liegt es neben meinen Schlüsseln, die ich gestern gesucht habe, obwohl ich sie bereits in der Hand hielt.
Ich möchte wieder einen Raum betreten und wissen, warum ich dort bin.
Nicht erst dreimal zurücklaufen müssen, um mich zu erinnern.
Das wäre wirklich schön.
Und jetzt kommen wir zu einem Wunsch, der vermutlich auf sämtlichen Wunschzetteln berufstätiger Mütter stehen könnte.
Eine selbstreinigende Wohnung.
Ich liebe mein Zuhause.
Aber ich möchte nach acht Stunden Arbeit nicht nach Hause kommen und feststellen, dass dort meine zweite Schicht beginnt.
Staubsaugen, Wäsche waschen, Küche aufräumen, Bad putzen.
Und kaum ist alles fertig, beginnt das Ganze wieder von vorne.
Wer hat dieses System eigentlich erfunden?
Ich hätte gerne einen Wäschekorb, der sich selbst leert.
Eine Waschmaschine, die die Wäsche anschließend zusammenlegt und in den Schrank räumt.
Und einen Kühlschrank, der nicht nur von alleine voll wird, sondern auch gleich überlegt, was es zum Abendessen gibt.
Denn diese tägliche Frage „Was essen wir heute?“ begleitet mich inzwischen länger als manche Freundschaft.
Und wenn du schon dabei bist, lieber Weihnachtsmann, hätte ich gerne ein Bankkonto, das sich selbst füllt.
Das mit dem selbstständigen Leeren funktioniert nämlich bereits hervorragend.
Vielleicht kannst du da einfach die Einstellungen vertauschen.
Ich bin schließlich bescheiden.
Aber weißt du, lieber Weihnachtsmann?
Während ich hier sitze und über all diese Wünsche nachdenke, merke ich, dass die wirklich wichtigen Dinge eigentlich ganz andere sind.
Denn wenn ich mir tatsächlich etwas wünschen dürfte, dann wäre es vor allem Gesundheit.
Für mich.
Für mein Exemplar.
Für meinen Partner.
Und für all die Menschen, die mir am Herzen liegen.
Ich wünsche mir glückliche Momente.
Nicht unbedingt die großen, außergewöhnlichen Erlebnisse.
Sondern die kleinen Augenblicke, die man manchmal erst später als besonders wertvoll erkennt.
Ein gemeinsames Frühstück.
Ein Spaziergang am Meer.
Ein Abend voller Lachen.
Ein Gespräch, das länger dauert als geplant.
Ich wünsche mir Zeit mit meiner Familie.
Zeit, die nicht zwischen Terminen, Arbeit und Verpflichtungen verloren geht.
Und ich wünsche mir eine glückliche Seele.
Eine Seele, die auch an schwierigen Tagen noch etwas Schönes entdecken kann.
Die nicht immer alles perfekt haben muss.
Die Frieden mit den Dingen schließen kann, die sich nicht ändern lassen.
Und die niemals vergisst, wie viel Glück manchmal in einem ganz gewöhnlichen Tag steckt.
Denn je älter ich werde, desto deutlicher merke ich, dass die schönsten Geschenke selten in Geschenkpapier eingewickelt sind.
Manchmal sitzen sie mit uns am Tisch.
Manchmal halten sie unsere Hand.
Manchmal warten sie abends auf uns, wenn wir nach Hause kommen.
Und manchmal sind sie einfach nur die Gewissheit, dass es Menschen gibt, bei denen wir sein dürfen, wie wir sind.
Dafür bin ich dankbar.
Sehr sogar.
Aber lieber Weihnachtsmann, falls du nach all diesen Herzenswünschen tatsächlich noch eine selbstreinigende Wohnung übrig hast …
Ich würde sie trotzdem nehmen.
Und den knackigen Hintern auch.
Man muss ja nicht gleich übertreiben mit der Bescheidenheit.
Und irgendwo sitzt ein kleiner Wichtel an einem alten Holztisch, vor sich einen winzigen Wunschzettel und eine dampfende Tasse Tee. Er überlegt lange, taucht seine Feder in die Tinte und schreibt schließlich nur einen einzigen Satz auf das Papier:
„Ich wünsche mir, dass die Menschen erkennen, wie viele ihrer schönsten Wünsche bereits jeden Tag neben ihnen sitzen, mit ihnen lachen und ihr Leben ein kleines bisschen heller machen.“ Dann lächelt er, faltet den Zettel zusammen und legt ihn unter den Weihnachtsbaum. Denn manchmal ist das größte Geschenk nicht das, was wir bekommen, sondern das, was wir bereits haben.
Schön das du hier bist 🩶