Zwischen Nähe und Abstand- das Elternbett verrät mehr als wir denken

Ich praktiziere das Elternbett. Ich oute mich. Und ganz ehrlich? Ich bereue nicht einen einzigen Tag davon.
Wenn ich heute darüber nachdenke, ist es eigentlich viel mehr als nur ein Ort zum Schlafen. Es ist ein Raum. Ein Raum für Nähe. Für Sicherheit. Für Gespräche, die nachts leiser werden. Für Gedanken, die erst im Dunkeln ihren Platz finden. Und gleichzeitig ist es auch ein Ort, der zeigt, wie sehr sich alles verändert. Ganz leise.
Bevor ich dir erzähle, wie das Elternbett bei uns aussieht, möchte ich dir sagen, warum ich mich überhaupt dafür entschieden habe. Denn geplant war das alles nicht. Ganz im Gegenteil.
Meine Tochter war ein absolutes Wunschkind. Ich hatte eine schöne Schwangerschaft. Ich habe sie genossen. Ich habe mich gefreut. Auf dieses kleine Wesen. Auf dieses neue Leben. Auf alles, was da kommen würde.
Was ich nicht wusste: Dass es Schreibabys gibt. Und noch viel weniger wusste ich, dass ich eines bekommen würde.
Mein Baby war da. Und sie war… besonders. Ein Stillkind. Ausschließlich. Die Flasche?
Keine Chance. Der Schnuller? Abgelehnt. Und ich? Ich stand da und dachte: „Okay… das ist also jetzt unser Weg.“
Sie lag neben meinem Bett in einer Wiege. So, wie man es eben macht. So, wie man es überall liest. So, wie es einem gesagt wird. Und irgendwann kommt dieser Punkt.
„Jetzt muss das Kind ins eigene Bett.“ So steht es geschrieben. So machen es alle. So soll es sein. Also habe ich es versucht. Und ich bin gescheitert. Ich bekam ein Buch geschenkt von einer Mutter, das mit helfen sollte. Ich las es und klappte es direkt wieder zu. Die Methode sein Baby schreien zu lassen bis es einschläft hat mich zutiefst schockiert. Das war nicht mein Weg. Unabhängig davon hat sich mein Baby blau geschrien.
Meine Tochter wollte jede Stunde an die Brust. Jede. Einzelne. Stunde.
Ich saß im Stillsessel. Bin dort eingeschlafen. Mit meinem Baby im Arm. Zwei Jahre lang.
Diese Nächte… waren lang. Still und gleichzeitig laut. Ruhig und gleichzeitig anstrengend.
Sie schlief nicht. Sie schrie. Sie weinte. Ich weinte.
Und manchmal sitzt man da, mitten in der Nacht, mit einem kleinen Menschen im Arm und denkt: „Was mache ich falsch?“
Ein perfekter Kreislauf. Einer, der sich immer wieder drehte. Und irgendwann kommt dieser Moment, an dem man denkt: „Das kann doch nicht normal sein.“
Also sind wir zum Kinderarzt. Weil alle gesagt haben, das sei nicht normal. Und das verunsichert eine Mutter.
Schlaflabor. Untersuchungen. Fragen. Und am Ende? Mit meinem Baby war alles in Ordnung.

Und irgendwie war das gleichzeitig beruhigend… und auch nicht.
Denn wenn alles „normal“ ist, warum fühlt es sich dann so schwer an?
Ich habe abgestillt. Ihr die Nähe anders gegeben. Sie in ihr Bett gelegt. Aber es wurde nicht besser.
Und dann kam dieser Moment, der alles verändert hat. Ich habe sie zu mir ins Bett geholt.
Einfach so. Ohne Plan. Ohne Konzept. Nur aus einem Gefühl heraus.
Und plötzlich… wurde es ruhiger. Ihr Atem wurde gleichmäßiger. Ihr Körper entspannte sich.
Und ich? Auch. Mein Schlaf wurde ruhiger. Nicht perfekt. Aber ruhiger.
Die Nächte wurden weicher. Und aus „nur mal ausprobieren“ wurde: unser Weg.
Natürlich war es nicht immer nur harmonisch. Es gab Nächte, in denen ich kaum Platz hatte. Ein kleiner Fuß im Gesicht. Ein Ellbogen im Rücken. Die Decke irgendwo, nur nicht bei mir.
Und trotzdem… war da immer dieses Gefühl: Das ist richtig so.
Denn Nähe hat manchmal genau diese Form. Nicht perfekt. Nicht bequem. Aber echt.
Als sie zur Schule kam, sagte mir eine Lehrerin: „Ihre Tochter ist hochsensibel.“ Ein Wort.
Das plötzlich so vieles erklärt hat. Die Reize. Die Unruhe. Die vielen Eindrücke.
Und die Abende. Denn genau da… braucht sie mich. Um alles zu sortieren. Um runterzukommen.
Um sich sicher zu fühlen. Und genau das passiert im Elternbett. Dort wird nicht nur geschlafen.
Dort wird erzählt. Gefühlt. Gedacht. Verarbeitet.
Manchmal wird noch gelacht..Manchmal geweint. Manchmal einfach nur still nebeneinander gelegen.
Mein Kind hatte von Geburt an Bauchschmerzen. Immer um den Bauchnabel herum. Bis heute. Mitten in der Pubertät. Und auch wenn sich vieles verändert hat: Dieses Bedürfnis nach Nähe ist geblieben. Vielleicht anders. Vielleicht leiser. Aber es ist da.
Sie schläft immer noch bei mir. Und weißt du was? Das ist in Ordnung.
Denn sie entscheidet, wann sie bereit ist.
Nicht die Gesellschaft.. Nicht irgendwelche Meinungen.
Nicht das, was „man so macht“. Sondern sie. Und vielleicht auch ein kleines Stück ich.
Denn wenn ich ehrlich bin: Auch ich halte manchmal noch fest. Nicht aus Angst.
Sondern aus Liebe. Das Elternbett hat uns etwas gegeben, das man nicht messen kann.
Bindung. Nähe. Sicherheit. Für sie. Und auch für mich.
Und ja… ich habe viele Kommentare bekommen.
„Das kannst du doch nicht machen.“
„Die wird nie alleine schlafen.“
„Du gewöhnst ihr das falsch an.“
Und irgendwann habe ich aufgehört, zuzuhören.
Weil ich verstanden habe: Es ist unser Leben. Wir müssen damit klarkommen. Nicht die anderen.
Und ich würde es wieder genauso machen. Ich würde wieder so lange stillen. Ich würde mich wieder für das Elternbett entscheiden. Nicht, weil es immer einfach war. Sondern weil es sich richtig angefühlt hat. Und vielleicht ist genau das der wichtigste Punkt. Dass man nicht immer alles nach Plan macht. Nicht nach Regeln. Nicht nach Erwartungen. Sondern nach Gefühl.
Denn zwischen Nähe und Abstand gibt es keinen festen Zeitpunkt. Keine klare Linie.
Es ist ein Prozess. Ein leises Loslassen. Ein langsames Wachsen.
Heute ist sie kein kleines Baby mehr. Heute ist sie ein Teenager. Mit eigener Meinung.
Mit eigener Welt. Mit eigenen Türen, die sich manchmal schließen.
Und trotzdem… gibt es diesen einen Ort, an dem sie noch ganz sie selbst sein darf.
Ohne Maske. Ohne Stärke. Ohne „Ich muss jetzt erwachsen sein“.
Und das ist für mich das Elternbett. Ein Ort, der mitgewachsen ist. Von schlaflosen Nächten
zu stillen Gesprächen. Von Tränen zu Vertrauen. Und irgendwann wird der Moment kommen, an dem dieser Platz leer bleibt.
Ganz leise. Ohne Ankündigung.
Und vielleicht werde ich dann dort liegen und mir denken: „Wann ist das eigentlich passiert?“
Und vielleicht werde ich mich an all die Nächte erinnern. An all die kleinen Füße. An all die unruhigen Momente. An all die Nähe. Und vielleicht werde ich dann merken: Dass es nie nur ums Schlafen ging. Sondern ums Dasein.
Und wenn du das hier gerade liest und dich vielleicht fragst, ob dein Weg der richtige ist, dann möchte ich dir sagen:
Du bist nicht allein.
Es gibt so viele von uns, die nachts wach liegen, die zweifeln, die hinterfragen und trotzdem jeden Tag ihr Bestes geben. Es gibt kein „richtig“ und kein „falsch“, wenn es um Nähe, um Bindung und um das eigene Kind geht. Es gibt nur dein Gefühl.
Und wenn sich etwas für dich und dein Kind richtig anfühlt, dann darf es genau so sein. Du darfst deinen eigenen Weg gehen. Ohne dich erklären zu müssen. Ohne dich rechtfertigen zu müssen. Denn am Ende zählt nicht, was andere sagen. Sondern das, was zwischen euch entsteht.
Und vielleicht sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel am Fußende des Bettes, schaut auf die leere Seite, lächelt leise und flüstert:
„Manche Nähe bleibt… auch wenn der Platz daneben irgendwann frei wird.“

Schön das du hier bist🩶

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