Wie ich durch Corona zu mir selbst gefunden habe

Wie hast du dich an die Veränderungen angepasst, die die Covid-19-Pandemie mit sich gebracht hat?

Für mich kam COVID genauso überraschend wie für viele andere. Im ersten Moment dachte ich noch: „Was haben sie sich jetzt wieder ausgedacht?“, auch wenn ich zugeben muss, dass sich dieses Gefühl lange gehalten hat und auch heute noch hält. Doch leider gab es auch die Realität. Und die war nicht zu übersehen.
Ich arbeite im Gesundheitswesen. Die Coronatest die wir fast täglich machen mussten auf eine mir Menschenunwürdige Art und Weise, das ich es bis heute kaum in Worte fassen kann.

Plötzlich wurde unsere Einrichtung geschlossen, dicht. Die Menschen, die dort leben, sind alt. Und sie waren von einem Tag auf den anderen allein. Sie durften ihre eigenen Kinder nicht mehr sehen. Es war kaum auszuhalten, das mit anzusehen.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das erste Weihnachten. Angehörige standen draußen, Bewohner drinnen. Man durfte sich nur vom Balkon aus zuwinken. Kein Umarmen, kein Zusammensein. Nur Abstand. Nur Sehnsucht. Es war herzzerreißend.

Am Anfang habe ich innerlich rebelliert. Gegen die Situation, gegen die Maßnahmen, gegen dieses Gefühl der Ohnmacht. Doch mit der Zeit hat sich etwas verändert. Ich habe gelernt, mich zurückzuziehen.
Keine Nachrichten mehr. Kaum noch Fernsehen. Stattdessen Ruhe. Abstand. Zeit mit mir selbst. Und genau das hat etwas mit mir gemacht. Es hat mich ruhiger werden lassen. Klarer.
Die Zeit, die ich plötzlich alleine verbringen musste, habe ich irgendwann nicht mehr als Last gesehen, sondern als Geschenk. In dieser Zeit habe ich etwas ganz Besonderes für mich entdeckt: die Miniaturarbeit.

Alles begann damit, dass bei uns ein kleiner Wichtel eingezogen ist. Die Weihnachtsmärkte fielen aus, also haben wir uns die Magie einfach nach Hause geholt. Was als kleine Idee begann, wurde schnell zu etwas Größerem. Aus einem Wichtel wurde ein Hobby. Aus einem Hobby wurde Leidenschaft. Und aus dieser Leidenschaft entstand etwas, das mich verändert hat.
Die Arbeit im Kleinen, das Gestalten von Miniaturwelten, hat mir geholfen, mich selbst wieder zu spüren. Wenn ich Fotos mache, sehe ich in in dem kleinsten unserer Erde etwas magisches. Das ging mir fast verloren. Kreativität wurde mein Rückzugsort. Mein Ausgleich. Mein Weg zurück zu mir.

Heute bin ich dankbar für diese Erfahrung, so schwer sie auch war. Corona hat mir vieles genommen, aber auch etwas geschenkt:
Zeit. Ruhe. Und die Möglichkeit, mich selbst neu kennenzulernen.

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