Wichtelmama und das kleine Durcheinander auf dem Markt
Manchmal schreibt das Leben die schönsten Geschichten selbst.
Nicht geplant, nicht vorbereitet, einfach so, mitten im Alltag.
Vielleicht kennt ihr das auch: Man ist mit den Gedanken überall gleichzeitig. Beim nächsten Termin, bei den Kindern, bei all den kleinen Dingen, die der Tag noch bereithält.
Und genau in solchen Momenten passieren die lustigsten Missverständnisse.
So wie an diesem Tag auf dem Wichtelmarkt…
Heute erzähle ich euch eine kleine Wichtelgeschichte aus dem wahren Leben.
🌸
Es war einer dieser Tage, an denen auf dem großen Wichtelmarkt besonders viel los war.
Überall hingen kleine Lichterketten zwischen den Marktständen, die Luft duftete nach frisch gebackenem Gebäck und süßem Brot, und zwischen den vielen bunten Ständen liefen Wichtelkinder lachend hin und her.
Wichtelmama liebte solche Tage.
Sie war zusammen mit ihrer 12 Jährigen Tochter und ihrer guten Freundin Wichtel Len unterwegs, die ebenfalls ihre Tochter dabei hatte. Gemeinsam schlenderten sie über den Markt, schauten sich die vielen Stände an und ließen sich von den köstlichen Düften verführen.
„Ich glaube, ich brauche unbedingt ein Stück von diesem Mutzengebäck“, sagte Wichtelmama und blieb vor dem Bäckerstand stehen.
Der kleine Bäckerwichtel hinter dem Tresen lächelte freundlich und legte gerade frische Gebäckstücke auf ein Holzbrett.
„Das ist heute besonders gut gelungen“, sagte er stolz.
Während Wichtelmama und ihre Freundin sich die verschiedenen Leckereien anschauten, nippten die beiden Wichtelkinder noch an ihren Getränkeflaschen.
„Wir bringen schnell die leeren Flaschen weg“, sagte die Tochter von Wichtelmama.
„Genau, wir sind gleich wieder da“, fügte die Tochter von Wichtel Len hinzu.
Die beiden verschwanden Richtung Rückgabestand für die leeren Flaschen, der am anderen Ende des Marktes stand.
Wichtelmama nickte nur kurz.
„Ja, ja, macht das.“
Dann war sie wieder vollkommen mit dem Bäckerstand beschäftigt.
Mutzen.
Quarkbällchen.
Hörnchen.
Es gab einfach zu viele gute Dinge.
Während sie noch überlegte, was sie alles mitnehmen wollte, bemerkte sie zwei Wichtelmädchen neben sich am Stand. Sie standen dicht beieinander und schauten ebenfalls neugierig auf die Gebäckauslage.
Wichtelmama dachte sich nichts dabei.
Sie nahm an, dass ihre Tochter und das andere Wichtelkind inzwischen zurückgekommen waren und einfach still neben ihr standen.
Nachdem sie endlich entschieden hatte, welche Leckereien sie mitnehmen wollte, drehte sie sich leicht zu den beiden Mädchen neben sich.
„So, kommt ihr zwei, wir gehen jetzt weiter“, sagte sie ganz selbstverständlich.
Keine Reaktion.
Die beiden Mädchen schauten weiterhin auf das Gebäck.
Wichtelmama wartete einen Moment.
Dann sagte sie noch einmal, diesmal ein wenig bestimmter:
„Also wirklich, kommt ihr jetzt bitte. Wir wollen los.“
In diesem Moment hörte sie hinter sich ein leises Kichern.
Es war ihre Freundin.
Ein ganz vorsichtiges Kichern, das immer größer wurde.
Wichtelmama drehte sich verwundert um.
Wichtel Len stand hinter ihr und versuchte offensichtlich, nicht laut loszulachen.
„Was ist denn so lustig?“ fragte Wichtelmama.
Ihre Freundin hob nur eine Augenbraue und deutete ganz leicht mit dem Kopf zu den beiden Mädchen neben ihr.
Langsam dämmerte es.
Ganz langsam.
Wichtelmama schaute wieder zu den beiden Mädchen.
Dann schaute sie wieder zu ihrer Freundin.
Und wieder zu den beiden Mädchen.
Und genau in diesem Moment bemerkte sie etwas Entscheidendes.
Diese beiden Mädchen… waren gar nicht ihre Tochter und ihre Freundin.
Sie waren zwei völlig fremde Wichtelkinder.
Wichtelmama spürte, wie ihr Gesicht plötzlich warm wurde.
Sehr warm.
Fast so warm wie ein frisch gebackener Mutzen.
„Oh…“, sagte sie.
Das war alles, was ihr einfiel.
Die beiden Mädchen schauten sie nun an und begannen ebenfalls zu grinsen.
Hinter ihnen hörte man plötzlich zwei bekannte Stimmen.
„Mama, wir sind wieder da!“
Die echte Tochter von Wichtelmama und die Tochter von Wichtel Len kamen fröhlich zurückgelaufen.
Und nun passierte etwas, das Wichtelmama nur zu gut kannte.
Ihr kleines inneres Hochspannungswerk, so nannte sie ihren Kopf manchmal, hatte offenbar kurzzeitig den Strom verloren.
Ein kompletter Ausfall.
Nichts ging mehr.
Gedankenchaos.
Wichtelmama begann zu lachen.
Erst vorsichtig.
Dann immer mehr.
Ihre Freundin lachte inzwischen so sehr, dass sie sich am Bäckerstand festhalten musste.
„Du hast gerade zwei fremde Kinder eingesammelt“, sagte sie zwischen zwei Lachanfällen.
„Ich dachte wirklich, das wären unsere!“, verteidigte sich Wichtelmama lachend.
Die beiden fremden Wichtelmädchen kicherten nun ebenfalls.
„Wir haben uns schon gewundert, warum wir plötzlich mit sollen“, sagte eines von ihnen.
„Aber es klang sehr überzeugend“, fügte das andere hinzu.
Das machte die Situation natürlich nicht besser.
Der kleine Bäckerwichtel hinter dem Stand grinste ebenfalls.
„Das passiert hier öfter“, sagte er beruhigend. „Besonders bei Wichtelmamas.“
Wichtelmama schüttelte lachend den Kopf.
„Ich glaube, mein Hochspannungswerk hatte gerade einen kleinen Stromausfall.“
„Wechseljahresenergie“, sagte ihre Freundin und zwinkerte.
Wichtelmama musste noch mehr lachen.
Manchmal war ihr Kopf einfach schneller als ihre Augen.
Oder vielleicht war es auch genau anders herum.
Aber eigentlich war es auch egal.
Denn zwischen all dem Lachen, der kleinen Verwirrung und dem Duft nach Mutzen entstand plötzlich ein ganz besonderer Moment.
Einer dieser Momente, die man später noch oft erzählt.
Die beiden Mädchen nahmen die Sache glücklicherweise mit viel Humor.
„Keine Sorge“, sagte eines von ihnen. „Wir wären auch kurz mitgekommen.“
„Aber nur bis zum nächsten Gebäckstand“, ergänzte das andere grinsend.
Wichtelmama bedankte sich noch einmal und sammelte nun, diesmal ganz sicher, ihre eigene Tochter ein.
Mit einer Tüte voller Mutzen ging die kleine Gruppe schließlich weiter über den Wichtelmarkt.
Wichtelmama dachte noch lange über diesen Moment nach.
Manchmal spielte der Kopf verrückt.
Manchmal waren Gedanken durcheinander.
Manchmal gab es kleine Stromausfälle im Hochspannungswerk.
Aber vielleicht gehörte genau das auch ein bisschen zum Leben dazu.
Denn wenn man am Ende gemeinsam darüber lachen konnte, dann war alles eigentlich gar nicht so schlimm.
Und wer weiß.
Vielleicht würden die beiden fremden Wichtelmädchen später einmal erzählen:
„Einmal wollte uns eine Wichtelmama einfach mitnehmen.“
Und irgendwo auf dem Wichtelmarkt würde Wichtelmama dann wieder stehen, mit einem Mutzen in der Hand und einem kleinen Lächeln im Gesicht.
Denn auch kleine Durcheinander können wunderschöne Geschichten werden.
🌸
Vielleicht sind genau das die Momente, die das Leben so besonders machen.
Die kleinen Durcheinander.
Die Augenblicke, in denen unser Kopf kurz eine Pause einlegt.
Und die Geschichten, über die wir später herzlich lachen können.
Denn manchmal zeigt uns das Leben mit einem Augenzwinkern,
dass wir nicht immer alles perfekt machen müssen.
Manchmal reicht es völlig, einfach darüber zu lachen.
Zwischen Wichteln, Wechseljahren und dem ganz normalen Familienleben entstehen manchmal die schönsten Geschichten.