Freitagmorgen

Die Welt draußen tut so, als hätte sie alles im Griff, Menschen hetzen zur Bahn, Autos rauschen vorbei, irgendwo bellt ein Hund motiviert ins Nichts. Und ich? Ich sitze auf meiner Couch.

Mit meinem ersten Kaffee.

Und meinem zweiten.

Und meiner Couch.

Vor allem meiner Couch.

Wir haben inzwischen eine Beziehung aufgebaut, die man nicht einfach so ignoriert. Andere nennen es Möbelstück, ich nenne es Seelenverwandte. Sie kennt mich in allen Zuständen: verschlafen, zerzaust, leicht koffeiniert und jetzt gerade… schwer bewegungsunwillig.

„Du musst los“, sagt mein Verstand.

„Bleib einfach hier“, sagt die Couch. Und sie sagt es überzeugend. Sehr überzeugend.

Ich nehme noch einen Schluck Kaffee und überlege kurz, ob es gesellschaftlich akzeptabel wäre, einfach hier wohnen zu bleiben. Für immer. Mit gelegentlichen Lieferdiensten als soziales Highlight.

Aber nein. Es ist Freitag. FREITAG! Der Tag, an dem man sich denkt: „Nur noch heute, dann Wochenende!“

…wobei… Moment mal.

Ich muss ja arbeiten.

Und dann, als wäre das nicht schon genug Verrat am Lebenswillen, kommt diese Zeitumstellung um die Ecke. Irgendjemand hat beschlossen, dass es eine fantastische Idee ist, uns allen einfach eine Stunde zu klauen.

Eine. Ganze. Stunde.

Als ob ich die übrig hätte!

Die Couch versteht das übrigens auch nicht. Sie hat mich heute Morgen extra ein bisschen fester „festgehalten“. Aus Solidarität. Oder Besitzanspruch. Man weiß es nicht genau.

Ich stehe schließlich auf. Schweren Herzens. Die Couch lässt mich gehen, aber ich schwöre, sie wirkt enttäuscht.

„Heute Abend“, flüstere ich ihr zu.

Und sie weiß genau, dass ich es ernst meine.

Denn egal, wie sehr Freitag mich verarscht,
am Ende lande ich wieder genau da, wo ich hingehöre:

Auf meiner Couch.
Mit mindestens zwei Kaffee.
Und dem festen Vorsatz, mich nie wieder zu bewegen.

Hängt eure Couch auch so an euch?

Schön das du hier bist🩶

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