Wer bin ich eigentlich

Wer bin ich eigentlich?

Vielleicht ist diese Frage gar nicht nur meine.

Vielleicht ist sie unsere.

Meine und die meiner Tochter.

Denn wenn ich im Moment auf unser Leben schaue, dann sehe ich zwei Menschen, die sich gleichzeitig verändern.
Die ähnliche Gefühle durchleben und doch könnten diese unterschiedlicher kaum sein.

Bei mir ist es ein leiser, manchmal chaotischer Umbau.
Ein inneres Hochspannungswerk, das nicht immer so funktioniert wie früher.

Bei ihr ist es ein Aufbruch.
Ein Sturm aus Gefühlen, Gedanken und neuen Wegen.

Und irgendwo zwischen uns beiden passiert gerade ganz viel.

Manchmal gleichzeitig.
Manchmal gegensätzlich.

Aber immer… spürbar.


Ich habe viele Jahre damit verbracht, darüber nachzudenken, wer ich eigentlich bin.

Was mich ausmacht.
Und vielleicht noch viel mehr:

Wer ich für andere sein sollte.

Ich habe versucht, es allen recht zu machen.

Zuzuhören.
Dazusein.
Mich anzupassen.

Nicht aufzufallen.
Nicht anzuecken.
Einfach „richtig“ zu sein.

So, wie man es gelernt hat.

Denn so sind wir aufgewachsen.

Man hat gegrüßt.
Man hat sich benommen.
Man war respektvoll.

Und vor allem:

Man hat darauf geachtet, was andere denken.

Die Meinung der anderen hatte Gewicht.

Sie war wichtig.
Fast wichtiger als die eigene.

Und ohne es bewusst zu merken, hat man sein Leben danach ausgerichtet.


Was aber nie wirklich Raum hatte, waren die leisen Dinge.

Die persönlichen.

Die körperlichen.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass meine Mutter jemals gesagt hat:

„Ich bin in den Wechseljahren.“

Es wurde nicht benannt.

Nicht erklärt.

Nicht geteilt.

Sie war vielleicht genervt.
Oder müde.
Oder sie hat geschwitzt.

Aber es war einfach… da.

Ohne Worte.

Und so habe ich als Kind etwas gelernt, ohne dass es jemand ausgesprochen hat:

Darüber spricht man nicht.

Das ist etwas, das man mit sich selbst ausmacht.

Still.
Leise.
Für sich.


Und vielleicht hat mich genau das lange begleitet.

Dieses Gefühl, Dinge aushalten zu müssen, ohne sie wirklich zu verstehen.

Ohne sie zu teilen.

Bis ich irgendwann gemerkt habe:

So möchte ich das nicht weitergeben.


Als ich älter wurde und vielleicht auch ein bisschen reifer habe ich angefangen, Dinge zu verändern.

Ganz leise.

Ich habe begonnen, Menschen aus meinem Leben auszusortieren.

Ohne großes Drama.
Ohne schlechtes Gewissen.

Einfach, weil es sich nicht mehr richtig angefühlt hat.

Und ja…

Es sind nicht mehr viele übrig geblieben.

Aber die, die geblieben sind, fühlen sich echt an.

Ehrlich.
Ruhig.
Vertraut.


Heute ist mir nicht mehr wichtig, was andere über mich denken.

Nicht in dem Maß, wie es früher war.

Denn ich habe verstanden:

Es ist mein Leben.

Und ich muss mich darin wohlfühlen.

Nicht die anderen.

Das bedeutet nicht, dass mir alles egal ist.

Respekt ist mir wichtig.
Werte auch.

Aber ich habe aufgehört, mich zu verbiegen.

Nicht mehr kleiner machen.
Nicht mehr anpassen, nur um irgendwo dazuzugehören.

Denn am Ende bin ich diejenige, die dieses Leben lebt.

Mit allem, was dazugehört.


Und genau das versuche ich meiner Tochter mitzugeben.

Dass sie sprechen darf.

Über alles.

Über ihren Körper.
Über ihre Gefühle.
Über das, was sich verändert.

Dass sie nicht still schweigen muss.

Nicht aushalten muss, ohne zu verstehen.

Ich möchte, dass sie ihren Körper kennenlernt.

Dass sie lernt, auf sich zu hören.

Auf ihr Bauchgefühl.

Denn ich glaube, das ist eines der wichtigsten Dinge im Leben:

Sich selbst zu vertrauen.


Natürlich knallt es bei uns auch.

Unsere Hormone spielen oft Pingpong.

Mal fliegt der Ball von mir zu ihr.
Mal von ihr zurück zu mir.

Und manchmal landen wir beide gleichzeitig im Aus.

Ein falscher Satz.
Ein falscher Moment.

Und plötzlich stehen wir uns gegenüber, obwohl wir eigentlich auf derselben Seite stehen.

Aber auch das gehört dazu.

Denn während sie lernt, ihren eigenen Weg zu gehen, lerne ich, meinen neu zu definieren.


Vor knapp einem Jahr habe ich angefangen zu schreiben.

Geschichten.

Und ich habe begonnen, Fotos mit meinen kleinen Mäusen zu machen.

Lulu, Tilda und Bruno.

Und ich hätte nie gedacht, wie viel das in mir verändern würde.

Denn diese kleinen Figuren sind mehr als nur Figuren.

In ihnen steckt ein Teil von mir.

Lulu ist die Mutige.
Die, die keine Angst hat und alles wissen will.

Tilda ist die Nachdenkliche.
Die, die hinterfragt und trotzdem weitergeht.

Und Bruno…

Bruno ist der Weise.

Er sieht die Dinge mit Ruhe.
Mit Klarheit.
Und hat immer einen Gedanken, der alles ein bisschen leichter macht.


In meinen Geschichten finde ich mich wieder.

Zwischen Fantasie und Alltag.

Zwischen Chaos und Ruhe.

Zwischen all den Veränderungen, die mich gerade durchrütteln.

Das Schreiben ist für mich mehr geworden als nur ein Hobby.

Es ist ein Weg.

Ein Weg, Dinge zu verarbeiten.
Ein Weg, mich selbst zu verstehen.

Und vielleicht auch ein Weg, dem Alltag etwas Leichtigkeit zu geben.


Denn die Welt da draußen ist oft schon laut genug.

Negativ genug.

Schnell genug.

Und ich habe für mich entschieden:

Ich möchte dem etwas entgegensetzen.

Mit meinen Geschichten.

Mit meinen Bildern.

Mit kleinen Momenten, die zeigen:

Es darf auch leicht sein.

Es darf auch ruhig sein.

Es darf auch schön sein.


Meine Geschichten sind nicht nur für mich.

Sie sind für jung und alt.

Für alle, die sich irgendwo wiederfinden.

Für alle, die manchmal einfach einen kleinen Moment brauchen, um durchzuatmen.


Und vielleicht ist genau das meine Antwort auf die Frage:

Wer bin ich eigentlich?

Ich bin jemand, der sich verändert.

Der gelernt hat, loszulassen.

Der gelernt hat, hinzuhören.

Und der immer noch dabei ist, sich selbst zu entdecken.

Ich bin nicht mehr die, die ich einmal war.

Aber ich bin auch nicht verloren.

Ich bin einfach…

unterwegs.


Vielleicht bin ich ein bisschen Lulu.

Ein bisschen Tilda.

Und ein bisschen Bruno.

Und vielleicht bin ich genau deshalb ich.

Nicht perfekt.
Nicht fertig.

Aber echt.

Und genau das…

reicht.

Schön das du hier bist🩶

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