Diese Hormone

Wenn Hormone auf Hormone treffen

Manchmal habe ich das Gefühl, meine Tochter und ich sind uns so ähnlich.

Wir lachen über die gleichen Dinge.
Haben denselben Humor.
Verstehen uns oft sogar ohne viele Worte.

Wir sind wie eine gemeinsame Basis.

Wie zwei Seiten eines Ganzen.

Und doch gibt es Momente, in denen wir plötzlich in schwarz und weiß aufgeteilt sind.

Als würden wir uns gegenüberstehen,
obwohl wir eigentlich zusammengehören.

Manchmal reicht dafür schon ein kleiner Moment.

Ein falscher Ton.
Ein Gedanke, der quer sitzt.

Und ich merke, wie ich aus dem Nichts heraus genervt bin.

Ohne wirklichen Grund.
Einfach da.


Es gibt Tage, da weiß ich schon auf dem Heimweg:

Heute möchte ich einfach nur nach Hause.
Die Tür hinter mir schließen.
Ruhe.

Keine Gespräche.
Keine Geräusche.
Am besten ist alles leise.

Denn plötzlich ist Lautstärke nicht mehr nur Lautstärke.

Sie ist anstrengend.
Sie ist zu viel.
Sie ist wie ein kleines Echo im Kopf, das sich nicht mehr so leicht abschalten lässt.

Mein kleines Hochspannungswerk hat dann schon genug gearbeitet für diesen Tag.

Und genau in diesen Momenten wartet zu Hause mein pubertierender Gegenpart.

Mit einer ganz eigenen Energie.

YouTube Shorts laufen in Dauerschleife.
Ein Video nach dem anderen.
Geräusche, Musik, Stimmen, alles gleichzeitig.

Und während ich innerlich denke:
„Bitte einfach nur leise…“

beginnt dort gerade erst der Tag.

Denn in ihrem Kopf drehen sich die Windkrafträder auf Hochtouren.

Mit voller Energie.

Und mit einer ganz eigenen Dynamik.

Kleinigkeiten werden plötzlich groß.
Ein falsches Wort und schon kippt die Stimmung.

Und irgendwo zwischen „Ich will meine Ruhe“ und „Ich hab jetzt aber keine Lust“ treffen sie aufeinander:

Hormone.

Gegen Hormone.

Es ist ein bisschen wie bei Bibi und Tina.

Mädchen gegen Jungs.

Nur dass es diesmal nicht um ein Wettrennen geht,
sondern um Stimmung.

Oder vielleicht eher wie beim Badminton.

Die Laune wird hin und her gespielt.

Ein Satz fliegt rüber.
Der nächste kommt zurück.
Und manchmal geht das so lange, bis einer einfach aufgibt.

Nicht, weil er gewonnen hat.

Sondern weil es sonst in einem endlosen Streit landen würde.

Und irgendwo mittendrin stehe ich.

Zwischen dem Wunsch nach Ruhe
und dem ganz normalen Teenagerchaos.

Und ja… manchmal muss man beim Lernen auch ein bisschen kreativ werden.

Sagen wir es mal so:

Liebevolle „Erpressung“ gehört hin und wieder einfach dazu.

Ein kleiner Deal.
Ein kleiner Anreiz.

Und plötzlich geht es dann doch.

Zumindest ein bisschen.

Wenn ich darüber nachdenke, ist es eigentlich faszinierend.

Zwei Lebensphasen.

Zwei völlig unterschiedliche innere Welten.

Und beide gleichzeitig im selben Haus.

Die eine möchte leiser werden.

Die andere wird gerade erst laut.

Die eine sucht Ruhe.

Die andere probiert sich aus.

Und vielleicht ist genau das das Besondere an dieser Zeit.

Dass sie nicht immer harmonisch ist.

Aber dafür echt.

Und lebendig.

Und manchmal, wenn man es mit ein bisschen Abstand betrachtet, sogar ein kleines bisschen lustig.

Und vielleicht sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel auf dem Sofa, beobachtet dieses Hin und Her und denkt sich schmunzelnd:

„Wenn Hormone auf Hormone treffen, wird es nie langweilig.“

Schön das du hier bist🩶

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